Das Tanelorn spielt > Capital Files

Shadowrun: Capital Files "Volume/03 - White Russian Nights"

<< < (91/226) > >>

Enkidi Li Halan (N.A.):
Zago und Vadim - Unterwegs im Agnesviertel Köln

Zago war nicht sonderlich zufrieden mit ihrer Ausbeute, aber er hatte damit gerechnet, dass sich Weizmanns Spur in dem bunten Straßengewirr verlieren würde. Es war nur die Frage, ob Weizmann sie selbst verwischt hatte, oder jemand anderes. Norms verschwanden nicht so einfach, weil sie eines morgens aufwachten und nach einer Schüssel BioaktivTM-Müsli feststellten, dass ihr Job, ihre Krankenversicherung und ihre Altersvorsorge scheisse waren und sie lieber ein wild-romantisches Leben auf der Straße leben würden.
Bullshit.
Leute wie Weizmann verschwanden weil sie a) etwas wussten, dass für die Konkurrenz von Interesse war oder b) jemandem – vorzugsweise konzernintern – mächtig auf den Schlips getreten waren.
Aber nie aus Eigeninitiative.   

"Mehr werden wir hier nicht rauskriegen, Vadim", brummte er. "Lass uns zurück fahren. Ich verspreche mir mehr von meinem Frühstück, morgen."

Sie trabten zurück zum Auto und machten sich auf den Rückweg. Erst als sie eine Weile unterwegs waren, nahm Zago Vadims Gedanken von vorhin auf.
"Extraktion klingt für mich wahrscheinlicher. Konzerner... desertieren nicht so einfach, Junge."
Zago grinste über Vadims Wortwahl. Er hatte immer noch diesen Armee-Wortschatz drauf, den er ihm mal dringend abgewöhnen musste. Auf der Straße war es ganz gut, wenn nicht jeder gleich wusste, wo man in die Lehre gegangen war.

Schließlich erreichten sie wieder das Loft und Zago parkte den Wagen. Als sie durch die Tiefgarage nach oben gingen, fragte er beiläufig: "Wie sieht's aus, haste mittlerweile ne eigene Bude?"

The_Kossack:
Zago und Vadim, unterwegs in Köln

Vadim entspannte sich etwas in dem Wagen. Schwer, was anderes zu tun. Die Drinks, der Kaffee, die Lauferei - er war hellwach, angenehm wach, ohne nervös oder angespannt zu sein. Er fühlte sich pudelwohl. Die Art Job war einfach klasse. Schon möglich, daß er morgen wieder durch Blut und Eingeweide stapfen mußte, aber bisher war das allles klasse. Er liebte den Job, er liebte es, was Sinnvolles zu tun, gut behandelt zu werden, genug Zeit zu haben, seinen "seltsamen" Gedanken nachzuhängen, und daß ihm jemand zuhörte.

"Ja, sie brauchen nen verdammt guten Grund dafür", murmelte Vadim, mehr, um Einverständnis auszurdrücken, als einen neuen Gedanken einzubringen. Stipendium und so. Weizmann war ein cleverer Kopf, konnte sich gut verkaufen. Vermutlich hatte er sein ganzes Leben an irgendwelchen Fäden gezappelt und jetzt hatte die einer durchgeschnitten. Kein Wunder, daß manche Leute stinkig waren. Desertion traf es wohl ganz gut.

"Öhm. Ich ... teile mir die Miete mit Iwan." Nicht hunderprozentig wahr - Iwan zahlte die Miete und Vadim zahlte immer mal wieder die Lebensmittel. Ein Troll und ein Ork konnten zusammen ganz gut was wegfuttern. Aber immer noch ein besserr Deal, als er bei den meisten anderen bekam. Er mochte es nicht, allein zu wohnen. er hatte versucht, ein Zimmer in so einen billigen Drecksloch zu bewohnen, aber die Abwesenheit von anderen Leuten - jedenfdalls Leuten, die nicht völlig zugefixt auf dem Flur lagen - hatte ihn ganz kribbelig gemacht. Vielleicht war was dran an der Geschichte, daß Orks allein nicht klarkamen, immer Gruppen bildeten, wie Tiere, die allein neurotisch wurden. Absolut möglich. Vadim war nie richtig allein gewesen, und er mochte das Gefühl auch nicht und vermied es deshalb. Vielleicht wußte Zago nicht, wer Iwan war, fiel ihm ein. Iwan mochte die Vory nicht so sehr, arbeite halt als "Shadowrunner", Unabhängigkeit und so. "Iwan, nennt sich "Rammbock" - aber sie nennen ihn "Rambo"." Er grinste. "So schrecklich viel Zeug habe ich ja nicht, da reicht ne Couch und ne Dusche und keine Kakerlaken im Essen. Außerdem hat er ne Sauna einbauen lassen, so ne Wärmekabine, funktioniert mit Infrarotstrahlung. Großartig, wenn man sich was angerissen hat." Oder man sich im Dojo hat die Fresse polieren lassen. Gehörte dazu. Muay Thai  war halt nicht Aikido.

Doc Letterwood:
Als Vadim und Zago plaudernd die Treppe nach oben erreichten - der Aufzug war schon seit Jahren defekt - und sich anschickten, die knirschenden Stahlstufen hinaufzusteigen, hörten sie von oben Stimmen. Die dumpfe Stimme von Attila, dem Boss der Razors.

"Hör mal zu, Junge. Guck mich an, wenn ich mit dir rede! So. Nochmal: Was willste hier?"
"Hey...", krächzte es, so als ob man einem Norm die Luft abschnürte, "ichhhh....wollte....ein...Paket....liefern....."
"Von wem an wen?"
"Berufsgeheimaaaaaah!"

Als sie oben angelangt waren, erblickten sie fünf Razors, die um ihren Boss herumstanden. Ihr Straßenleder war über und über mit Rasierklingen in Fetzen geschnitten. Attila, dessen breites Kreuz den "Boten" verdeckte, drehte sich um. Seine mächtigen Hauer wurden zur Seite geschoben, als er sich anschickte zu grinsen. Die Irokesensichel war diesmal rot gefärbt. Je nach Stimmung des "Hunnen", und gerade war er stinksauer.

"Ah.", grinste er. "Zago-Freund und sein Steppentiger." Er zerrte einen verstörten Lemon hinter sich hervor. Der Subway-Jockey war kalkweiß. Seine Augen traten aus den Höhlen, weil die Pranke von Attila seine Kehle umschlossen hatte wie eine Halsmanschette.
Der mit Graffiti besprühte, enganliegende Polysthan-Anzug, den Lemon trug, war vorne zerrissen. Nein, zerschnitten, wenn man genau hinsah.

Enkidi Li Halan (N.A.):
"N'Abend Jungs, feiert ihr ne Flurparty?" Zago gab Vadim ein Zeichen, die Waffe stecken zu lassen.
Er nickte Attila zu.

"Kannst ihn loslassen, Attila. Ich kenn den Burschen." Er wandte sich zu Lemon und wartete, bis dieser wieder ordentlich Luft bekam.
"Was gibt's, hmm?"

The_Kossack:
Steppentiger? Vadim spürte, wie die angenehm gemütliche Stimmung sich merklich abkühlte. Sein Körper fuhr hoch, er konnte spüren, wie die Drähnte mit dem Rest seines Körpers redeten, und es waren Jobgespräche.

Die Sporen fuhren aus den Öffnungen an seinem Handrücken - das Gefühl, wie der Automatismus sich in seinem Körper abspielte, war immer wieder ... fast unheimlich. Da bewegte sich was quasi ohne sein Zutun, Servos und Kabel und Drähnte. Und drei überaus ekelhafte Spornen. Er hielt den Arm noch gesenkt, aber er verlagerte das Gewicht. Fünf Ganger, plus Boß. Machbar. Nicht ohne Verletzungen, aber machbar.

Zagos Geste ließ ihn die Spornen wieder einziehen. Er wollte nicht töten. Erstens brachte das immer wieder Schwierigkeiten, zweitens tötete er nur, wenn er wirklich mußte oder wenn man ihn bezahlte. Direkt vor Zagos Haustür ein Massaker anzurichten, brauchten sie beide nicht. Er betrachtete kurz den Anzug mit den Schnitten. So genau wollte ich mir die Brustwarzen des Gangers gar nicht ansehen, dachte er, fast vergnügt. Wieder einer seiner seltsamen Gedakengänge. Und der Polysten-Anzug offenbarte auch den Rettungsring um die Hüften. Man konnte nur saudumm aussehen in dem Zeug.

Er ging sicher, daß er eine Wand im Rücken hatte, und behielt die Ganger zumindest in den Augenwinkeln.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln