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Meine (passiven) Erfahrungen mit Paranoia

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Eulenspiegel:

--- Zitat von: Arkam am 19.05.2010 | 07:26 ---mir geht es darum wie ihr zur These steht das Paranoia eben nur so als lockeres Kloneverheizen gespielt werden kann.
Oder kann man Paranoia auch ernsthafter und gar langfristig spielen?
--- Ende Zitat ---
Zum einen denke ich, dass sich "langfristiges Spiel" und "lockeres Kloneverheizen" nicht ausschließt.

Ansonsten haben wir Paranoia auch schonmal ernster gespielt. Das hat durchaus auch seinen Reiz.

Drantos:
Wir haben Paranoia sowohl klamauklastig (oneshots) gespielt, als auch etwas "ernster" und auftragsorientierter. Im zweiten Fall hatten wir eine Truppe der Internen Sicherheit. Wir waren alle auf Stufe blau und haben uns um ernsthafte Bedrohungen des Alpha-Komplex gekümmert.

Mit beiden Varianten hatten wir großen Spaß. Wichtig war allerdings, dass wir uns vorher abgesprochen hatten, wie wir spielen wollten. So gab es dann auch keine Missverständnisse. Wir hatten bei Variante 2 auch alle unsere Geheimbünde und PSI-Fähigkeiten, aber es wurde nicht einfach planlos drauflosgemetzelt.

Bei uns kam dann so eine Mischung aus "Der große Diktator" und "Der Untertan" heraus. Insgesamt hat es über einige Monate ganz gut funktioniert und auch Spaß gemacht.

Fertigkeiten wie Stiefellecken fanden wir nicht besonders störend. Wir haben das bei der zweiten Variante nicht wörtlich genommen, sondern eher als allgemeine Schleimfertigkeit benutzt. Dafür haben wir nach unten auch kräftig getreten.

Am meisten Spaß haben die Briefings nach den Missionen gemacht. Da haben wir manchmal Blut und Wasser geschwitzt. Unser SL hatte eine ganz lustige Methode. Bis auf einen Spieler hat er alle rausgeschmissen und dann nacheinander befragt, wobei die schon gebrieften Spieler allerdings dann im Raum geblieben sind.

Die Reihenfolge der Befragungen haben wir durchgetauscht, so dass jeder mal in den Genuss kam als Erster/Letzter befragt zu werden. Hört sich vielleicht ein bisschen nervig an, hat uns aber damals großen Spaß gemacht. Die Spieler draußen waren ja nicht beschäftigungslos, sondern konnten sich in Bezug auf ihre Aussagen absprechen.

Die Absprachen wurden natürlich nicht immer eingehalten, was öfter zu schweren Panikattacken und vereinzelt auch zu einem Vakuumimplosionstest führte  ;D


cu Drantos

Arkam:
Hallo zusammen,

@Eulenspiegel
Im Prinzip hast du natürlich recht. Ist man aber dazu auch langfristig motiviert? Denn wenigstens bei den Leuten mit denen ich gespielt habe war es so das nach einer gewissen Zeit die allgemeine Lockerheit beim Umgang mit Klonen uninteressant wurde.
Wenn man nach über 20 Jahren noch überhaupt analysieren was passiert ist sähe meine Analyse folgendermaßen aus. Der Spielleiter braucht dann doch wieder Vorbereitungszeit und man spielt also nicht mehr eben Mal so eine Runde. Zudem ist es schwierig vom fröhlichen terminieren zum spielen mit dem Hintergrund zu wechseln. Also gilt Paranoia als ausgereizt und man spielt es eben nur noch selten.

Wenn man aber direkt versucht Paranoia als "normales" Rollenspiel ein zu führen stellt man fest das das das System zwar nicht zu den Schwergewichten gehört aber eben doch ein klassisches Regelwerk mit Attributen, Fertigkeiten und natürlich einem Fertigkeit- und Kampfsystem gehört.
Das Problem ist das beim klassischen Paranoia zu wenig Informationen über den Hintergrund erzählt wird so das das Charakter erschaffen unnötig in die Länge gezogen wird.
Meine Idee wäre es also das System noch mehr zu vereinfachen und mehr Informationen an die Spieler zu geben. Die Paranoia käme dann über die Aufträge und nicht über Unwissen über die grundsätzlichen Spiel Mechanismen ins Spiel.

Gruß Jochen

Eulenspiegel:

--- Zitat von: Arkam am 21.05.2010 | 09:14 ---Ist man aber dazu auch langfristig motiviert?
--- Ende Zitat ---
Kommt auf die Gruppe an:
Manche treffen sich regelmäßig zum Bier&Bretzel RPG. Dort ist die Stimmung an jedem Spielabend ausgelassen und es wird auch mal was getrunken.

Und es gibt andere Gruppen, da spielt man hauptsächlich ernst und nur ab und zu mal witzig.

Je nachdem, zu welcher Gruppe du gehörst, ist die Motivation für langfristigen Klamauk halt gegeben oder nicht gegeben.


--- Zitat ---Das Problem ist das beim klassischen Paranoia zu wenig Informationen über den Hintergrund erzählt wird so das das Charakter erschaffen unnötig in die Länge gezogen wird.
Meine Idee wäre es also das System noch mehr zu vereinfachen und mehr Informationen an die Spieler zu geben. Die Paranoia käme dann über die Aufträge und nicht über Unwissen über die grundsätzlichen Spiel Mechanismen ins Spiel.
--- Ende Zitat ---
Also soweit ich weiß, wird auch beim klassischen "Klamauk"-Paranoia den Spielern die grundlegenden Regeln und Settinginformationen bekannt gegeben. (Spezielle Regelteile sind zwar ultraviolett, aber das hat einen Troubleshooter ja noch nie davon abgehalten, sie trotzdem zu benutzen. - Man darf sich halt ingame nur nicht dabei erwischen lassen, dass man die Regelteile kennt.)

Und auch beim Klamauk Spiel kommt die Paranoia daher, dass der Computer und deine Team-Gefährten dich jederzeit eliminieren können.
Die Paranoia wächst daher, dass sich hinter jeder Tür eine Terminierungszelle befinden kann.

Arkam:
Hallo zusammen,


--- Zitat von: Eulenspiegel am 21.05.2010 | 10:38 ---Und auch beim Klamauk Spiel kommt die Paranoia daher, dass der Computer und deine Team-Gefährten dich jederzeit eliminieren können.
Die Paranoia wächst daher, dass sich hinter jeder Tür eine Terminierungszelle befinden kann.
--- Ende Zitat ---

da läuft für mich genau die wesentliche Grenze.
Wenn ich jederzeit terminiert werden kann habe ich ja kaum Einfluss aufs Spiel. Ok ich kann mit gleicher Münze zurück zahlen aber meine Chancen mit Witz und Phantasie weiter zu kommen sind gering.
Wenn es Rahmenbedingungen, etwa ich brauche Verdächtigungen und Beweise für 20 Verräterpunkte um eine Terminierungserlaubnis zu beantragen da sind sollte ich etwas Kreativität entwickeln.

Nichts gegen ein wildes Terminieren aber ich finde Paranoia auf die andere Art gibt ein ganz neues und sehr interessantes Spielgefühl und könnte für eine etwas weitere Verbreitung sorgen.

Gruß Jochen

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