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[Film] The Hobbit

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Achamanian:

--- Zitat von: Kwuteg Grauwolf am 16.01.2015 | 09:23 ---Jackson hat Tolkien nun mal sehr holzschnittartig in Szene gesetzt, obwohl er durchaus auch Zwischentöne beherrscht, siehe Gollum.
Witzigerweise hat diese Schwarz-Weiß-Reduzierung dazu geführt, daß in Diskussionen immer wieder Tolkien als jemand charakterisiert wird, der eine ganz grobe Gut-Böse-Welt erschaffen hätte, dabei war das Jackson.

--- Ende Zitat ---

Wobei ich die Behauptung auch schon vor den Filmen oft gehört habe ... und es ist ja auch einiges dran, insofern Tolkien im Hobbit und Herr der Ringe schon sehr klar darstellt, welche Eigenschaften/Verhaltensweisen "gut" sind (Bescheidenheit, Naturliebe, Verantwortungsbewusstsein) und welche "böse" (Machtstreben, Unterwerfung der Lebenskräfte unter die eigenen Zwecke wie z.B. durch Züchtung von Orks, Besitzstreben). Nur sind diese Eigenschaften halt gar nicht immer so klar und einfach auf die guten/bösen Protagonisten verteilt, wie man das denkt, bzw. gibt es auf Seiten der "Guten" praktisch alle diese Eigenschaften, oft in einer Person vereint (siehe Denethor oder Boromir), während die "Bösen" tatsächlich eher das bereits gebrochene, zerstörte und zerstörerische Leben repräsentieren und als solche wirklich nicht mehr für besondere Vielschichtigkeit taugen (mit Ausnahme von Gollum).
Ich finde es übrigens absolut legitim und z.T. sogar anregend und interessant, wenn in der Fantasy solche Begrifflichkeiten von Gut und Böse entwickelt und verdinglicht werden; Tolkien macht das m.E. sehr gut. Man darf halt bloß nicht denken, dass man es mit einer metaphorischen Abbildung der wirklichen Welt zu tun hat (Dunedain=Herrenmenschen, Orks=Mongolen). HdR ergibt viel mehr Sinn, wenn man metaphorische Aspekte auf ethisch-moralische Konzepte unserer Welt bezieht, als wenn man Gruppen innerhalb des Romans auf Gruppen in unserer Wirklichkeit bezieht.

Turgon:

--- Zitat von: Kwuteg Grauwolf am 16.01.2015 | 09:23 ---Die Verfilmungen sind nun einmal im Vergleich zu den Büchern insgesamt holzhammerig. Denethor fand ich da in der Umsetzung viel schlimmer als Grima - den konnte man im Buch nämlich durchaus mögen und verstehen, seine Darstellung im Kino hat dazu geführt, daß bei seinem Ich-springe-brennend-von-der-Zitadelle-runter-Abgang das Publikum im Kino lauthals gejohlt und applaudiert hat, und das fand ich nur ätzend.
--- Ende Zitat ---
Oh, ja. Die Umsetzung Denethors war richtig, richtig schlimm. Bei der Fressszene, die mit dem sinnlosen Angriff Faramirs auf Osgiliath gegengeschnitten war, hab' ich mich am meisten geärgert. So dermaßen platt pathetisch und holzhammer-symbolisch ...
Dabei ergibt die Handlungsweise Denethors auch in der Filmlogik nicht mal viel Sinn.


--- Zitat ---Witzigerweise hat diese Schwarz-Weiß-Reduzierung dazu geführt, daß in Diskussionen immer wieder Tolkien als jemand charakterisiert wird, der eine ganz grobe Gut-Böse-Welt erschaffen hätte, dabei war das Jackson.
--- Ende Zitat ---
Es sind halt reine Popcorn-Filme.

KWÜTEG GRÄÜWÖLF:

--- Zitat von: Turgon am 16.01.2015 | 10:09 ---Oh, ja. Die Umsetzung Denethors war richtig, richtig schlimm. Bei der Fressszene, die mit dem sinnlosen Angriff Faramirs auf Osgiliath gegengeschnitten war, hab' ich mich am meisten geärgert. So dermaßen platt pathetisch und holzhammer-symbolisch ...

--- Ende Zitat ---

Und was mich dann im Nachhinein nochmal geärgert hat - sein Auftritt in der Special Edition von "Die zwei Türme" war da noch nuancierter. Da hatte ich noch gedacht "Oh, wenn der im dritten Teil so rüberkommt, ist er zwar etwas düsterer als im Buch, aber ganz okay." Jackson hätte es also durchaus besser gekonnt.

Naja, ich will jetzt nicht nur meckern. Insgesamt haben mir die Filme gut gefallen, das hier sind nur die nervigen Einsprengsel, die mich irritieren. Figuren wie Gollum, Baumbart, Balin, Thranduil, Gandalf, Bilbo und Saruman sind klasse umgesetzt worden, da bin und bleibe ich Jackson nach wie vor dankbar.  :)

EDIT:
Rumspielstilzielprilkiel...: Sehr schön ausgedrückt, und gut analysiert. Nach etwas Nachdenken kann ich dir da nur recht geben.

Turgon:

--- Zitat von: Rumspielstilziel am 16.01.2015 | 10:06 ---Nur sind diese Eigenschaften halt gar nicht immer so klar und einfach auf die guten/bösen Protagonisten verteilt, wie man das denkt, bzw. gibt es auf Seiten der "Guten" praktisch alle diese Eigenschaften, oft in einer Person vereint (siehe Denethor oder Boromir), während die "Bösen" tatsächlich eher das bereits gebrochene, zerstörte und zerstörerische Leben repräsentieren und als solche wirklich nicht mehr für besondere Vielschichtigkeit taugen (mit Ausnahme von Gollum).
--- Ende Zitat ---
So viele "böse" Charaktere, die wirklich als Charaktere auftreten, gibt es im HdR gar nicht. Saruman, Grima, vielleicht noch Saurons Mund und ein paar Orks.
Und ich denke auch, dass er bei Grima durchaus ein differenziertes Bild gezeichnet hat, und auch bei Saruman zumindest andeutet, dass er nicht immer nur böse war. Selbst bei den Orks schimmert ab und an etwas nicht gänzlich negatives durch, wenn zB im Gespräch zwischen Schagrat und Gorbag beide Verachtung für den "alten Elbentrick" äußern, einen nutzlos gewordenen Kampfgefährten einfach zurückzulassen.


--- Zitat ---Ich finde es übrigens absolut legitim und z.T. sogar anregend und interessant, wenn in der Fantasy solche Begrifflichkeiten von Gut und Böse entwickelt und verdinglicht werden; Tolkien macht das m.E. sehr gut. Man darf halt bloß nicht denken, dass man es mit einer metaphorischen Abbildung der wirklichen Welt zu tun hat (Dunedain=Herrenmenschen, Orks=Mongolen). HdR ergibt viel mehr Sinn, wenn man metaphorische Aspekte auf ethisch-moralische Konzepte unserer Welt bezieht, als wenn man Gruppen innerhalb des Romans auf Gruppen in unserer Wirklichkeit bezieht.
--- Ende Zitat ---
... was Tolkien ja auch unmissverständlich in seinem Vorwort so sagt.

Lichtschwerttänzer:

--- Zitat von: Turgon am 16.01.2015 | 10:09 ---Oh, ja. Die Umsetzung Denethors war richtig, richtig schlimm. Bei der Fressszene, die mit dem sinnlosen Angriff Faramirs auf Osgiliath gegengeschnitten war, hab' ich mich am meisten geärgert.
--- Ende Zitat ---
Ich bin mir da ziemlich unsicher, ähnliches dachte ich erst auch in Bezug auf Faramirs Aktion als ihm klar wird was Frodo dabei hat und er mit seinem Schwert den Ring hervorholt.

Sehr untypisch für Faramir, unpassend oder ein äusseres Zeichen wie erschüttert/aufgewühlt oder die Erkenntnis der Bedeutung ihm kommt, so das er bewusst nicht normal agiert.

Denethor war in der Sünde der Verzweiflung gefangen, er hatte keine Hoffnung mehr... Faramirs Totenmahl, Denethors Absicht die Partie Boul noch zuende zu spielen oder eine Anspielung auf

http://en.wikisource.org/wiki/Lays_of_Ancient_Rome/Horatius
For Romans in Rome's quarrel
           Spared neither land nor gold,
      Nor son nor wife, nor limb nor life,
           In the brave days of old.

Then none was for a party;
           Then all were for the state;
      Then the great man helped the poor,
           And the poor man loved the great:

denn gegessen hat Denethor oft während Gondors Krieger kämpfen mussten.

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