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Warum hören so viele Rollenspieler Metal?
Ein:
--- Zitat ---Auf der Anderen seite ist allgemein bekannt das Rollenspieler offener für neue Erfahrungen sind.
--- Ende Zitat ---
Dem widerspricht doch eigentlich schon, dass viele Rollenspieler in ihrer 80er-Jahre-Metal-Mucke stecken geblieben sind und diese auch noch als Krone der Schöpfung stilisieren. ;)
Und überhaupt, was ist schon Alternative? Wenn ich mir die Popularität ansehe, ist es eigentlich nur die andere Seite des Mainstreams. In diesem Sinne bleibt nur das Abschotten, dass aber weder von Güte, IQ noch Toleranz zeugt.
Echte Musikliebhaber hören alles, was ihnen unter die Finger kommt. Der Rest stilisiert sich nur. ;)
Minne:
@ Hendrik
--- Zitat ---Oder Steven Wilson, Robert Fripp, Miakel Åkerfeldt, Chuck Schuldiner, Steve Hackett, Neal Peart, Maynard Keenan, Devon Graves, Dan Rock/ Brian McAlpine...
--- Ende Zitat ---
Ein Freund von mir, dem ich aufgrund seiner Ausbildung (Akademie für Tonkunst in Darmstadt, Professioneller Musiker und Nachwuchskomponist) schon einiges an Kompetenz zuspreche hat nachdem ich ihm eine menge Progressiven Metal vorgespielt habe gemeint, dass vieles durchaus sehr Spannend sei, aber in der Regel auf dem Niveau von Graffiti bliebe (eben sehr gutem und coolem graffiti) im Vergleich zu klassischen (und neuklassischen) Werken. Dazu kritisierte er, dass viele Sachen zwar hohe Anforderungen an Spieltechnik stellten, eben kompliziert seien, ohne dass diese Kompliziertheit zu einer wirklichen Komplexität würde, zu Etwas wirklich anspruchsvollen. Ich denke, da ist etwas dran, und mal ganz ehrlich, so sehr ich etwa die Sachen von Opeth, Death oder Deadsoul Tribe (die anderen Namen kann ich gerade nicht mit Bands verbinden aber ich habe auch kein gutes Namensgedächtnis) schätze - ich bin nicht der Ansicht dass man ihren eine vergleichbare Komplexität wie den klassischen Komponisten die ich aufgezählt habe (wobei, sie ja nicht alle im strengen Sinn Klassisch sind) zurechnen kann.
Findet man komplexe Mehrstimmigkeit? Selten. Stattdessen hat man häufige wiederholung von Riffs, (wobei Riffs ja an sich Widerholung implizieren) sich abwechselnde und wiederkehrende Patterns die häufig wenig Bezug zueinander haben und sich nicht oder zumindest kaum entwickeln. So revolutionär und neu sind die Songstrukturen der meisten progressiven Geschichten auch nicht. (Meistends sind sie ja im Gegenteil ziemlich klassisch, nur dass in der Bridge viel rumgefrickelt und das Solo ausgedehnt wird) Dazu gibts in der Regel keine Agogik, wenig Dynamik... Häufig heißt es dann "guck mal da ist Orchester dabei, das sind klassische Einflüsse..." aber auch ein Orchester kann man einfache oder sogar banale Sachen spielen lassen.
Es ist eben doch Etwas Anderes. Ich will damit garnicht behaupten, dass deshalb "Klassik" (ich setz das mal in Anführungszeichen, weil ich eigentlich garnicht nur die Musik des 18. und 19. Jarhunderts meine) bessere Musik sei, denn gut oder schlecht ist ja immer eine Frage des Kriteriums welches man an die Musik anlegt. Was ich aber als Falsch ansehe ist Metal in einem Besonderen Maße mit dem Kriterium Anspruch zu verknüpfen, nicht nur weil ich es, wie erläutert, sachlich für falsch halte, sondern weil meiner Meinung nach Metal eben eigene Qualitäten hat (welche vielleicht manchmal auch tatsächlich in der Einfachkeit liegen - gib mir drei Powerchords! Yeah!) und es garnicht nötig hat sich an einen (bildungsbürgerlich geprägten) Anspruchsbegriff anzubiedern, weil man sich sonst nicht ausreichend gewürdigt fühlt.
Preacher:
Naja, wenn dein Kumpel da Ahnung hat mag ich als Laie nicht widersprechen. Nur ein paar Punkte möchte ich aufgreifen und korrigieren, weil Du da offensichtlich ein paar falsche Annahmen getroffen hast:
1.) Technischer Anspruch bedeutet nicht komplexe Komposition, da hast Du ganz recht. Und das hab ich auch nie gesagt. Dudeln und frickeln können viele.
2.) Es gibt auch im Rock Kompositionen, die über pures Geriffe hinausgehen. Steven Wilson (Porcupine Tree) zum Beispiel ist da ein Beispiel. Bedient sich genug an hergebrachten Strukturen (Riffs, Strophe-Refrain) bricht die Strukturen aber weit genug, damit er interessant und unvorhersehbar bleibt. Und wenn in "Arriving Somewhere but not here" das Grundthema fallengelassen, und in variierter Form wieder aufgegriffen wird, um dem Stück eine ganz neue Wendung zu geben, dann ist das schon komplex und anpruchsvoll. Und wenn ich beim unter dem Kopfhörer auch nach hundertfachem hören noch neue Details und Soundspielereien entdecke, die mir vorher noch nicht aufgefallen sind, kann's so simpel nicht sein.
Gilt in noch viel höherem Maße für King Crimson (zu denen gehört Robert Fripp). Hör die "The Power To Believe" einfach mal an.
Klar ist das die Ausnahme, nicht die Regel. Aber es gibt Leute in diesem Bereich, die komponieren können. Ich weiß ja nicht, was Du dem vorgespielt hast. Ich finde zum Beispiel vieles, was den Stempel "Prog" trägt nicht wirklich progressiv. Und einiges ist ganz schön schrottig.
3.) Klar findet man "komplexe Mehrstimmigkeit" selten. Wirklich anspruchsvolle Musik ist selten im Bereich der U-Musik, deswegen ist sie ja auch U-Musik. Wobei man erstmal klären müsste, was "anspruchsvoll" ist. Ich hab ja auch nie behauptet daß alles aus dem Bereich per se komplex, anspruchsvoll oder revolutionär ist. ;)
Im Gegenteil - da gibt's ne Riesenmenge Schrott :)
--- Zitat von: Utopist am 25.01.2008 | 17:57 ---Was ich aber als Falsch ansehe ist Metal in einem Besonderen Maße mit dem Kriterium Anspruch zu verknüpfen, nicht nur weil ich es, wie erläutert, sachlich für falsch halte
--- Ende Zitat ---
Du, das hab ich auch nicht gemacht. Metal ist nicht per se Anspruch. Im Gegenteil. Ich sage nur, daß es sehr anspruchsvolle und ambitionierte Kompinisten gibt. Die von mir genannten Namen können diesbezüglich zumindest mal was. Wobei die auch mit Metal nur noch wenig zu tun haben, als Metal betrachte ich von denen eigentlich nur Rock/McAlpine (Psychotic Waltz) und die Jungs on Dream Theater...
Adanos:
Hm, also Rollenspieler hören Metal, weil Metal = Manowar, Blind Guardian Klischee_Fantasykram mit bunten Covern?
Ehrlich gesagt, ich habe solche Rollenspieler nur auf einem Con gesehen (und ich gehe selten auf Cons) und da entsprachen sie genau dem Klischeebild eines Rollenspielers. Meist noch Teenie, fett, hässlich, Brille, fettige lange haare, laut und dümmlich und mit einem T-Shirt (das übrigens dreckig war!) mit einem dümmlichen Spruch (Elfen haben dumme Ohren) oder eben Blind Guardian oder Manowar.
Aus meinen eigenen Gruppen, war ich immer der einzige Metaller. Der Rest hörte vielleicht maximal Metallica, aber auch erst ab S&M oder so. Sonst war von R&B, Pop, "ichwillnichtdrübernachdenkennurkonsumieren", Herbert Grönemeyer irgendwie alles dabei.
Mittlerweile arbeite ich in einem Jugendhaus, wo wir Metal-Konzerte organisieren, da hält es sich etwa die Waage zwischen Rollenspielern und Nicht-Rollenspielern.
Da sind die Manowar-Fantasy-Pulp Fans aber eher selten. Die meisten hören eine Mischung aus Black, Death, Prog, Doom Metal.
Man hört vielleicht Maiden oder Guardian aus Kult-gründen, aber nicht weil die so geile Fantasy Lyrics haben.
Ich glaube wirklich für lyrics interessieren sich die wenigsten Metal-Fans. Möglicherweise die Blackies, aber nur unter dem Aspekt, obs auch schön misantropisch und satanisch ist.
Oder die Cannibal Corpse Hörer, obs auch schön blutrünstig ist. In meinem Freundeskreis wird Cannibal Corpse aber eher gehört, weil die wirklich so abgefahrenes Zeug spielen, das kaum einer nachmachen kann. Von den Lyrics her wirken die eher abstoßend.
Besagte In Flames, musikalisch sehr gut, haben sogar eher dümmliche Lyrics, die wirken wie wahllos aus einem Wörterbuch zusammengeklaubt (zB der Klassiker Pinball Map).
Oder die bekannten Children of Bodom, deren lyrics nur aus Geprolle im Stile von "In your face motherfucker" bestehen.
Ähnlich wie zB Manowar, Guardian, Maiden Fantasy Kitsch eher abstoßend wirkt.
Wenn ich das mit unseren Konzerten vergleiche, war das Publikum, das auf sowas steht hauptsächlich nicht der Intelligencja, sondern eher dem ländlichen-bäuerlichen Bereich zuzuordnen (wobei sich da interessanterweise auch viele Emos tummeln!).
Ich habe ehrliche Zweifel, dass die sich mit solch anspruchsvollen Hobbys wie Rollenspiel beschäftigen (ein Hobby, das von Gymnasiasten und Studenten dominiert wird).
Wie sieht es bei mir aus? Ich würde da keinen Zusammenhang sehen, warum ich Metal höre und Rollenspiel betreibe. Das Rollenspiel war eine beschäftigung mit meinen Freunden, Metal habe ich für mich gehört, denn wie gesagt, war ich bei uns damals der einzige Metaller.
Ich bezweifle allerdings, dass da nähere Zusammenhänge bestehen, denn sonst müsste das Manowar Rollenspiel ja der hammer Renner sein. :D Zumindest überwiegen in meinen Augen die Manowar-Nicht-Rollenspieler noch.
Crimson King:
Ich denke schon, dass man im Bereich der Populärmusik - und zu der zählt Metal letzten Endes - eben auch in Richtung Zugänglichkeit Kompromisse macht. Damit bleibt man eigentlich zwangsläufig hinter der Komplexität von entsprechend ausgerichteter Klassik oder Jazz zurück. Es gibt allerdings Musiker aus dem Rockbereich, die das skrupelloser sind. Im Metal fallen mir da zuvorderst Watchtower, Sieges Even und VoiVod ein. Spiral Architect und Pain of Salvation könnten in die Ecke gehen, die kenne ich nur dem Namen nach. Im Art Rock gibt es eine ganze Menge solcher Bands, die schon genannten Henry Cow und Univers Zero, aber auch King Crimson, Can, Faust, Neu!, Area, Picchio dal Pozzo, Present, Shubb Niggurath, Magma, Guapo, Sleepytime Gorilla Museum, Akinetón Rétard, Godspeed You Black Emperor, Sigur Ros, Änglagard, Isildurs Bane, After Crying, oder Nebelnest.
Schränkt man sich auf Populärmusik ein, so dürfte Metal schon ein Bereich sein, in dem man sich große Mühe gibt, einen gewissen Anspruch in die Musik rein zu bekommen.
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