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Musik: Warum soll man sich anhören, was man nicht mag?
Alice Crocodile Coltrane:
Verstehe.
Ja, ich kenne den Missionarsstil.
Lustigerweise wurde ich früher mal in die Position gedrängt, als Jazzhörerin zu intolerant für Pop zu sein.
Dabei bin ich eine Rosinenpickerin (fast) aller Stilrichtungen, nur finde ich in manchen leider weniger.
Schade find ich übrigens, wenn jemand von vornherein eine ganze Gattung verteufelt.
Ich denke, das ist dann sehr oft stärker in sozialen Grundeinstellungen als im eigentlichen Geschmack verwurzelt.
Das Thema hast du ja früher schonmal sehr schön angeschnitten, allerdings auf Gruppen bezogen.
--- Zitat von: Hawk Inc. am 22.10.2008 | 15:54 ---Und damit kommen wir vielleicht an den Kern: Wer verpasst den einer Band ihr Label? Meistens die geneigte Hörerschaft oder die Musikkritiker. Und wenn etwas Erfolg hat (oder gefällt), dann sucht man weitere Bands, die sich unter das Label packen lassen, begründet einer neue "Welle" und damit eine "Szene".
Und Szenen beginnen dann sich abzugrenzen, als soziale Grupe zu funktionieren und ihre Besonderheiten zu entwickeln bzw. zu postulieren. Und eine gerne gewählte Möglichkeit ist die Abgrenzung. Und weil man als Szene ja nicht sozial masochistisch eine andere Szene für cooler, interlektueller, spannender oder was auch immer erklären will, fängt man an, das szenebildende Element, die Musikrichtung über alles andere in Qualität, Aussage, Emotionalität oder Relevanz zu stellen. Dazu entwickelt man weitere Codes wie Kleidung, Ernährung oder besondere Rituale.
Jeder der jetzt diese Musik nicht mag, wird emotional unbewusst als Gegner der eigenen Szene und damit der eigenen Sichtweise empfunden. Und da reagiert man wiederum unbewusst aggressiv. Und da fällt es dann leicht im vorzuwerfen er hätte sich nicht weit genug damit beschäftigt. Dann fordert man eine intensivere Auseinandersetzung, mit dem Bewusstsein, wenn jemand sich nur genügend mit eben diesem Stil auseinandersetzt, wird er die Qualität erkennen müssen.
--- Ende Zitat ---
6:
--- Zitat von: Alice Crocodile Coltrane am 1.11.2008 | 00:52 ---Der Unterschied, den ich ausmache, liegt in der Motivation des "mit".
Ist es die Musik, die einen dazu "verführt", oder ist es das Diktat?
Wenn ein Musiker seinem Publikum vormachen muss, wie es mitklatschen oder was auch immer soll, sehe ich darin ein Armutszeugnis.
--- Ende Zitat ---
Beim Jump-Style wurde der Tanzstil unabhängig von den DJs entwickelt. Dass im Scooter-Video der Tanz gezeigt wird, hat eher umgekehrte Gründe. Die Gruppe will sich an einen Trend anhängen.
Die Leute werden also nicht zum Springen animiert, sondern springen selbstständig zur Musik (vergleichbar mit dem Headbangen).
--- Zitat von: Great Dahlia am 1.11.2008 | 16:16 ---Scooter? Nur, weil die jetzt Jump-Elemente in ihren Kirmes-Techno mitaufnehmen, heißt das noch lange nicht, dass ...
--- Ende Zitat ---
Oki. Ich hatte Scooter genommen, weil dessen Video am bekanntesten ist.
--- Zitat ---Hmmm ... ich seh schon, ich hätte Zornhau'sche Majuskel verwenden sollen. Gleich mal ändern:
--- Ende Zitat ---
Das ändert nichts an meiner Anwort: Nimm statt Doommetal Black Metal und dann passt es bei mir. :)
Heretic:
--- Zitat von: Neith am 21.10.2008 | 13:45 ---Das ist schon klar ;)
Ich hatte es nur so formuliert, weil ich an dieser Fragestellung wohl echt zu knabbern gehabt hätte.
Aber in wiefern eine *fundierte* Position nötig ist, um ein Musikgenre ablehnen zu können, steht sowieso auf einem anderen Stern.
Beim Metal z.B. würde ich klein anfangen: Wenn jemand keinen Wert auf Gitarren und schnelle Musik legt, dann brauche ich ihn garnicht mit den meisten Unterkategorien des Metal konfrontieren.
Mir geht es eben so mit Hiphop (keine Ahnung, ob es da Subgenres gibt o.o): ich habe bis zum heutigen Tage nichts davon gefunden, was mir auch nur im Ansatz gefällt bzw. mich nicht total abschreckt - und das, obwohl ich dem jahrelang gezwungenermaßen ausgsetzt war. Also befasse ich mich auch nicht tiefer mit der Materie.
Ich habe nicht vor, mich durch unzählige Alben durchzuhören, - das würden meine Nerven sicher nicht ertragen - würde es allerdings auch nicht wagen, zu behaupten, ich hätte mich ewig damit beschäftigt. Es wird sowieso immer jemanden geben, der nicht verstehen kann, wieso man irgendeinen Musikstil einem anderen vorzieht oder auch nicht, und darum behaupten wird, man hätte sich nicht mit der Materie auseinandergesetzt. Dann kann man sich auch gerne durch 100 Alben durchgehört haben, wenn jemandem meine Meinung nicht passt, besteht doch immer die Möglichkeit, dass er meine Kompetenz angreift.
Darum glaube ich, dass man sich keine *fundierte* Meinung bilden muss.
Respekt vor jedem, der sich das antut! Mir allerdings wäre das in 90% der Fälle einfach zu blöd ;)
--- Ende Zitat ---
Ok, guter Post, ABER:
Beispiel:
Rap (Hip Hop bezeichnet nicht das Genre, sondern die 4(5, wenn man Beatboxen mitzählt) Elemente) den ihr kennt, unterscheidet sich grundlegend vom Rap den ich kenne.
Ihr kennt wahrscheinlich Fanta4, Bushido, Massiv, Fler und Sido und Konsorten, vielleicht noch Kollegah, Favorite und Casper, wenns hochkommt. Egal, darum solls nicht gehn.
Ich hab mich nach Jahren extremer und übler "True Metal"-Phase mit Rap deswegen auseinandergesetzt, weils mich interessiert hatte, ob ich Rap ansich wie den von Tupac nicht mag, oder vielleicht doch. Ich kam mal nachts von einer Party nach Hause, und es lief von der Rapkombo R.A.G. das Lied "KopfSteinPflaster" und war irgendwie begeistert, auch wenns retrospektiv gesehen "nur" ein Representer-Song war, in dem Aphroe, Pahel und Galla halt zeigen, was gute "Technik" im Rap ausmachen kann.
An Genres, die man heutzutage so abgrenzen kann, und die mir so bekannt sind, fallen mir z.B. folgende ein, samt ein paar exemplarischen Rappern/Crews:
- "Deutschrap"(Advanced Chemistry, Torch, Toni L., Fettes Brot, Beginner, Dynamite Deluxe, Cora E., Stieber Twins, Massive Töne)
- "Backpacker-Rap"/"Studentenrap" (meist abwertend gebraucht, um Rap mit sozialkritischem/intellektuell ansprechenderem inhalt zu bezeichnen: Curse, Freundeskreis, Blumentopf)
- Comedy-Rap (Die Orsons, Alligatoah)
- Gangster Rap (Ice-T, 2Pac, Ice Cube, Dr. Dre)
- "Conscious Street Rap" (Gang Starr, Guru, KRS-ONE)
- Battlerap (Rapper und Crews, die gern und teils sehr gut gebattled haben: Wu-Tang Clan, The Notorious B.I.G., 2Pac, Rakim, Big L, Big Daddy Kane, Eminem, Nas, Jay-Z,
in Deutschland z.B.:
Samy Deluxe, Kool Savas & taktlo$$ zusammen als "Westberlin Maskulin", M.O.R. (Justus, Fumanschu, Kool Savas), Kollegah, Favorite
- "Pornorap" (Frauenarzt, Lady Bitch Ray, King Orgasmus One und so weiter. Meist technisch extrem schlechter und anspruchsloser Rap, mit pornographischen Inhalten, "Partymusik" mit Mitgröhlfaktor. In vieler Untergrundler Augen noch unterhalb des deutschen Mainstream-Pseudo-Gangsterrap anzusiedeln. Ich kenn einige MCs, die diese Gattung nicht einmal als Rap betrachten.)
-Grime, roher, aggressiver, bis düsterer Sound und allerlei Einflüsse aus Drum ’n’ Bass, Dancehall und amerikanischem Hip-Hop (Lady Sovereign, Dizzee Rascal, in Deutschland z.B. "die ID")
Und dann gibts noch die Legionen an deutschen Unterground MCs und Crews...
Ich kenn Leute, die haben über herzzerreissende Herzschmerzgeschichten Songs gemacht, etc. pp.
Es gibt alles im Rap.
Falls gewünscht kann ich euch auch Links anschleppen von Musikstücken die frei und kostenlos zum Download erhältlich sind.
MFG
p.s.: Das ist KEIN Post um zu missionieren, aber um etwas Licht ins Dunkel zu bringen.
Funktionalist:
@Heretic
Danke für den Post!
was meinst Du mit "Hiphop, die 4/5 Elemente des Rap"?
und an Links wäre ich mal interessiert (vllt. sogar mit ner kleinen Hilfestellung, was an dem einzelnen Track jetzt so toll ist ;D. Ich pers. habe nämlich für Hiphop nur die Gütekriterien, die mir mein Deutschunterricht in die Hand gegeben hat.)
Heretic:
Hip Hop ist die Kultur, die sich durch Rap, DJing, Graffiti, Breakdance und Beatboxen auszeichnet.
http://de.wikipedia.org/wiki/Hip-Hop_(Subkultur)
http://www.rappers.in/track-106514.html (Mik-Star - Business, kritischer Blick auf Rap&Hip Hop als rein kommerzielles Geschäft; http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendid=49811334 )
http://www.rappers.in/track-13088.html (Alligatoah - Musik und so, Der Ur-Konflikt "Hip Hopper vs. Metaller" mal extrem absurd auf die Spitze getrieben http://www.myspace.com/alligatoah )
http://www.rappers.in/track-8006.html (Alligatoah - Der Zensor ptII, einfach reinhören, erschliesst sich von selbst, denk ich.)
http://www.rappers.in/track-95562.html (Sime - Simon sagt, recht straighter und mMn guter Battlerap)
http://www.rappers.in/track-66318.html (JAW - Fastnachtszeit, Disstrack gegen Fasnet, http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=76448237 )
http://www.rappers.in/track-57489.html (St. Diego - Elfenlied, mMn hübscher Song, http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=104403155 )
Falls die rappers.in links wegen Serverüberlastung nicht gehn, dürften die Songs wohl auf den entsprechenden Myspaceseiten der Künstler zu finden sein.
MFG
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