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HBO's Game of Thrones (Song of Ice and Fire von George R Martin)
Ranor:
--- Zitat von: Tümpelritter am 26.04.2011 | 15:50 ---Peinlich, naja, seitens des Autors. Für einen Großteil der (erwachsenen) Frauen/Protagonistinnen auf Westeros geht es fast nur um Sex, ihre Männer oder ihre Kinder. Im Vergleich zu den Männern finde ich sie ziemlich platt dargestellt, und bisher kommen sie mir (außer vielleicht der Drachenkönigin) alle völlig verantwortungslos vor. Die meisten der Männer haben entweder einen Ehrenkodex oder Verantwortungsbewusstsein, bei den Frauenfiguren vermisse ich das.
--- Ende Zitat ---
Das deckt sich mit dem üblichen Frauenbild in einem großen Teil der Fantasyliteratur. Ich verstehe vollkommen wenn einem das irgendwann auf die Nerven geht. Da ändert dann auch die Aussage "Aber im Mittelalter wars genauso!" wenig...
Oberkampf:
Wobei ich aber sagen muss, mit Daenerys ist G. R. R. Martin ein toller Charakter gelungen. So wie Cataelyn in meiner Achtung gesunken ist, ist Daenerys gestiegen.
Xemides:
Was ist denn mit Brienne von Tarth ?
korknadel:
--- Zitat von: Tümpelritter am 26.04.2011 | 15:50 ---Peinlich, naja, seitens des Autors. Für einen Großteil der (erwachsenen) Frauen/Protagonistinnen auf Westeros geht es fast nur um Sex, ihre Männer oder ihre Kinder. Im Vergleich zu den Männern finde ich sie ziemlich platt dargestellt, und bisher kommen sie mir (außer vielleicht der Drachenkönigin) alle völlig verantwortungslos vor. Die meisten der Männer haben entweder einen Ehrenkodex oder Verantwortungsbewusstsein, bei den Frauenfiguren vermisse ich das.
Sansa finde ich übrigens auch ok, nicht sympathisch, aber ok dargestellt, auch wenn mir ihre Opferrolle langsam auf den Keks geht.
--- Ende Zitat ---
Kann ich irgendwie nicht so sehen. Vor allem kann ich das mit dem Ehrenkodex etc. bei den Männern überhaupt nicht so sehen. Das sind doch größtenteils wortbrüchige, machtgeilige Arschlöcher, und die Frauen sind das aus ihrer gesellschaftlichen Position aus genauso. Catelyn intrigiert mit ihren Mitteln, um ihr Rudel zu retten, ihre Schwester verschanzt sich auf dem Horst (Eyrie oder wie das heißt), Cersei ist eine Lannister durch und durch und kein bisschen dümmer als ihr Bruderherz, die rote Priesterin hat die Baratheons in der Hand, Dany ist sowieso obenauf, die alte Dornenrose aus dem Süden hat sich auch irgendwie unangreifbar gemacht, selbst Sansa wird uns garantiert überraschen, denn - und das zeigt Martin finde ich sehr gut - die Frauen entwickeln ihre ganz eigenen Strategien, um im Spiel der Throne mitzuspielen. Und gehen genauso dabei drauf wie die Männer, wenn's dumm läuft.
Eine der wenigen Figuren mit Ehrenkodex und Verantwortungsbewusstsein ist mit Brienne nun ja auch eine Frau.
So hat sich das mir jedenfalls dargestellt.
Oberkampf:
Brienne ist ein schwieriger Fall. Ein paar Fechtkünste allein machen ja noch keinen starken Charakter aus. Bisher habe ich noch kein Kapitel aus Briennes Sicht gelesen, sondern nur Interpretationen ihres Verhaltens von Catelyn oder Jaime. Für Catelyn ist sie eine Art größere Sansa, naiv und verliebt in Renly. Jaime hält Brienne für eine Tagträumerin (eigentlich tut das Catelyn auch). Dadurch wird sie wieder auf "dummes Weibsbild mit Schmetterlingen im Bauch" reduziert. Trotzdem ist Brienne bislang eine angenehme Abwechslung zu den anderen Frauen.
Ehrenkodex:
Nach meiner Einschätzung haben viele (auf keinen Fall alle) der männlichen Protagonisten entweder einen abstrakten Ehrenkodex, oder sie sind im Rahmen des gegebenen verantwortungsbewusst. Quasi die Gegenüberstellung von Pflichtethik vs. Verantwortungsethik.
Ned Stark ist da natürlich das Musterbeispiel für den Ehrenkodex, er löst im Grunde die Katastrophe mit seinem Ehrgefühl aus. Bei König Stannis sehe ich das ähnlich, anstatt "Realpolitik" zu betreiben und den Schaden zu mindern, klammert er sich an seinen Thronanspruch. Davos ebenfalls. Robb Stark und Jon Snow gehen möglicherweise auch in die Richtung.
Dagegen halte ich Tywin und Tyrion Lannister ebenso wie Varys für äußerst verantwortungsbewusst. Natürlich wollen sie alle Macht - aber sie beachten auch die Folgen ihrer Politik für das Reich und sie sind sich bewusst, dass es außer ihnen noch andere Leute auf der Welt gibt.
Daneben gibt es natürlich völlig verantwortungslose männliche Charaktere ohne moralischen Kompass, wie z.B. den verstorbenen König Robert, König Joffrey oder Jaime Lannister. Aber es gibt eben mehrere männliche Figuren, die irgendetwas außer Sex und Nachkommenssicherung im Kopf haben. Einzig bei Dany sehe ich momentan soetwas wie ein Verantwortungsbewußtsein für ihre Gefolgsleute jenseits der Kernfamilie, und eben bei Brienne möglicherweise sowas wie einen abstrakten Ehrbegriff.
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