Medien & Phantastik > Lesen

A Song of Ice and Fire 5: A Dance with Dragons

<< < (34/55) > >>

Lord Verminaard:
Ich stimme Grimnir zu! Bis auf:

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Tyrion auf dem eisernen Trohn? Wohl eher nicht.

Humpty Dumpty:

--- Zitat von: Lord Verminaard am  4.10.2011 | 09:45 ---Ich stimme Grimnir zu!
--- Ende Zitat ---
Ich auch. Das meinte ich oben unter anderem mit der Glaubwürdigkeit der Figuren, die durch sowas verloren zu gehen droht.

Grimnir:
@Lord Verminaard
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Ja, stimmt bei Tyrion glaube ich das auch eher weniger, außer die etwas weit hergeholte Theorie seiner Targaryen-Abstammung stimmt. Aber ich glaube wirklich, dass er ein sicherer Charakter ist, der überleben wird. Was wird er? Hand of the King? Grand Maester? Für einen kurzen Moment im Buch habe ich gehofft, dass er sich mit der Steinkrankheit infiziert hat und dann, als Targaryen, der "Stone Dragon" aus der Prophezeiung wird. Aber das hat sich ja erledigt.

Ich habe mal einige Gedanken zum Buch zusammengeschrieben, etwas lang und ungeordnet. Bei vielen Punkten stimme ich mit meinen Vorrednern überein. Ich fand das Buch trotz einiger Schwächen sehr gut und war nicht enttäuscht.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)- Bran: Zwar zu wenige Kapitel, aber einfach cool. Bloodraven als dreiäugige Krähe, durch die Weirwoods sprechen, die Interaktion mit dem Theon-Plot gegen Ende, der Wert von Körperlichkeit, ethische Aspekte der seelischen Beherrschung ("No one must ever know") - das waren Ideen und Themen, die mir gut gefallen haben. Hier zeigt sich wieder die Besonderheit von GRRMs Zugang zum Übernatürlichen: Magie hat ihren Preis, und sie entspricht animistisch-schamanistischen Vorstellungen. Ich fand diese Kapitel auch atmosphärisch dicht und schaurig.

- Tyrion: Ich mag seinen Essos-Roadtrip, sehe hier aber einiges an verschenktem Potential. Ihm fehlt ein Buddy für schnittige Wortwechsel wie damals Bron. Das hätte Jorah Mormont sein können, den ich ausgesprochen farblos fand. Klar, er hadert mit seinem Schicksal. Klar, ich hatte eine überhöhte Erwartung an ihn, weil Iain Glen ihm in der TV-Serie ein interessanteres Profil gegeben hat als er es jemals in der Buchreihe hatte. Trotzdem haben mir hier mehr Gespräche mit Tyrion gefehlt, in denen er seine Verbitterung durch einen harten Zynismus ausdrücken kann. Außerdem waren sie doch in Volantis. Wäre das nicht cool gewesen, wenn er dort auf seine Ex-Frau Lynesse Hightower getroffen wäre? Die größte Schwäche dieser Kapitel: Tyrion gelingt es nur ganz am Rande, proaktiv zu werden. Er ist niemals wirklich Herr der Lage. Die Initiative (teilweise) wiederzugewinnen gelingt ihm zwar am Ende bei den Second Sons, aber wie andere schon gesagt haben: Dass er Dany (noch) nicht trifft oder (noch) nicht aktiv an der Schlacht von Meereen teilnimmt, lässt mich schon grummeln.

- Connington und Young Griff: Ich liebe GRRM, weil er ist immer wieder schafft, bekannte Erzählschemata zu durchbrechen. Ob er das nun auch im großen Maßstab macht, bleibt zu hoffen und abzuwarten. Danys Plot ist in vielen Bereichen die typische Campbellsche Heldenreise: Kleines Mädchen mit großer Bestimmung erobert ihr Königreich zurück - mit Drachen. Pöh, langweilig. Ich warte die ganze Zeit darauf, dass GRRM hier einen deutlichen Bruch einbaut. Und Young Griff hat das Potential dazu: Er kann Dany die Schau stehlen, er ist nutzt Danys Zögerlichkeit aus, um das zu vollbringen, was Dany nicht vermag: Er landet als Targaryen-Spross in Westeros. Und er hat einen besseren Anspruch als Dany. Ich befürchte allerdings, dass er als "Mummer's Dragon" nur ein typisches Vierter-Akt-retardierendes-Element darstellt, dessen Scheitern letztendlich Dany dazu treibt, nach Westeros zu gehen. Wenn das seine einzige narrative Funktion wäre, fände ich es ausgesprochen schade. Außerdem ist Connington ein überaus interessanter Charakter: Der Umgang mit seiner Infektion, seine latente Homosexualität, seine Prägung durch die Niederlage bei der "Battle of the Bells" in Roberts Rebellion. Sehr spannend.

- Dany: Die Handlung in Meereen ist eigentlich klasse. Die Nachwirkungen einer Revolution, die die Machtverhältnisse der Stadt auf den Kopf gestellt hat, eine äußere Bedrohung durch die Armeen von Yunkai, Söldnertruppen, die wiederholt die Seiten wechseln, eine innere Bedrohung durch die Drachen, die sich wie Kernwaffen oder Tolkiens Ring als zweischneidiges und gefährliches Werkzeug entpuppen. Verrat, Mord, wem kann man vertrauen? Alles perfekte Zutaten. Eigentlich. Aber: Es fehlt der emotionale Zugang, weil Meereen zunächst nur als Station von Danys Reise eingeführt wird, als Nebenhandlung, als reines Vehikel zur Charakterentwicklung Danys. Der Meereen-Plot wird in meinen Augen aber deutlich besser, wenn man ihn als eigene Geschichte wahrnimmt, als eigenen Mini-Roman. Das hätte GRRM natürlich noch besser unterstützen können, wenn er uns einen PoV-Charakter aus Meereen selbst gegeben hätte. Niemanden aus Danys Gefolge, keinen fremden Prinzen, sondern einen Einwohner der Stadt. Das hätte dem Teil der Geschichte vielleicht mehr Relevanz gegeben. Ermüdend finde ich das Kleines-Mädchen-sucht-starken-Mann-Thema in den Dany-Kapiteln. Was bin ich froh, dass Daario Nahaeris am Ende (vermutlich) als Katapultgeschoss gegen die Mauern von Meereen klatscht. Dass Dany gegen Ende wieder in der Steppe und ihrer Herrschaft enthoben ist, ist wenigstens eine interessante Wendung, aber leider auch nur ein reaktiver, kein proaktiver Abschluss ihres Themas.

- Barristan Selmy: Einfach klasse, der Mann. Hat Durchblick und gibt viele historische Infos preis, z.B. über Ashara Dayne und die Starks. Er hatte aber zuwenig Kapitel. Einige Dany-Kapitel hätten auf ihn umgeschrieben werden können, das hätte dem Buch vielleicht gut getan.

- Quentin Martell: Ein klasse Charakter. Jemand, der sich seiner Schwächen bewusst ist, aber trotzdem tut, was seiner Meinung nach getan werden muss. Ein tragischer Held, von dem Barristan wohl zurecht sagt, dass, hätte er nur besser ausgesehen, die Geschichte wohl anders verlaufen wäre. Schade, dass er tot ist, aber immerhin hat er am Ende die "Atombomben" gezündet.

- Theon: Sein Erlösungs-Plot ist in meinen Augen der beste Handlungsbogen im Buch. Das Thema Identität und Selbstfindung, schön durch die wechselnden Kapitelnamen begleitet und in sich abgeschlossen. Dazu ein wunderbares Vehikel, um die Situation im Norden zu beschreiben. Endlich mal eine optimistische Grundhaltung: Ein zerstörter Charakter findet sich selbst wieder.

- Jon: Dazu habe ich schon geschrieben: Ich fand sein letztes Kapitel unheimlich unbefriedigend und unplausibel. Wegen eines Briefes den Eid zu verletzen, den er davor gegen alle Widrigkeiten gehalten hat? Entweder hat GRRM das Kapitel wirklich nicht gewusst, wie er den Handlungsbogen beenden soll, oder es steckt mehr dahinter, als wir erahnen. Vielleicht ein abgekartetes Spiel zwischen Melisandre und ihm? Dahingegen fand ich den Grundkonflikt seiner Herrschaft interessant, und seine Unfähigkeit, seine Untergebenen zu überzeugen und einzubinden, hat schon erahnen lassen, dass er irgendwann den Cäsar machen wird.

Zusammengefasst meine größten Kritikpunkte:
- Die mangelnde Auflösung der Handlungsbögen (Schlacht um Winterfell, Davos & Rickon, Tyrion erreicht Dany, Cerseis Gottesurteil). Das finde ich selbst für ein Buch innerhalb einer Serie ziemlich enttäuschend. Hier habe ich gehört, dass das (zumindest teilweise) sogar auf Initiative seiner Herausgeberin Anne Groell geschehen ist und die Kapitel durchaus existieren, das Buch aber zu umfangreich geworden wäre. Naja, ist vielleicht besser, als gutes Material rauszukürzen.
- Die Unplausiblität der Handlung Jons gegen Ende.
- die Art und Weise der Einführung Aegons, die mich befürchten lässt, dass er nur eine kleine Rolle, ein Episödchen in der Gesamtgeschichte ist. Zu wenig vorbereitet, zu unspannend aufgelöst.

Was mir gut gefallen hat:
- Das Auftauchen von Charakteren, die in diesem Band eigentlich nicht vorgesehen waren, wie Jaime, Cersei, Arya, Victarion.
- Drachen sind keine Schmusetierchen, sondern kaum zu beherrschende Massenvernichtungswaffen. Damit gewinnt die Politik der Citadel, die Drachen aurotten zu wollen, eine Rechtfertigung. Dadurch hebt sich der Plot dann doch deutlich ab von allen anderen Drachenreiter-Plots wie Drachenlanze, Eragon etc.
- Die ganze Entwicklung im Norden und die Charaktere. Die Manderlys sind meine neuen Helden: Die toten Freys im Hochzeitskuchen zu verbacken und den Boltons vorzusetzen... "The North remembers!" Das junge Karstark-Mädchen, das zu Jon flieht. Lyanna Mormont, die junge Bärin. Lady Dustin.  Aber auch Roose Bolton mit der schrecklichen Gelassenheit, mit der er akzeptiert, dass sein Bastard seine künftigen Söhne töten wird. Mein Gott, ist der Mann kalt!
- Jon Connington und Aegon rocken, trotz meiner Kritik an der Art und Weise ihrer Einführung. Hölle, ist das eine geile Entwicklung!
- Der Optimismus des Buches. Ja, hört sich etwas gewagt an, aber nach dem Nihilismus der ersten Bücher, der die Moralität der Starks an der kalten Grausamkeit der Lannisters scheitern lässt, findet sich hier ein cooler Gegenentwurf: Der Charakter Neds und Robbs und der Starks insgesamt findet in der Loyalität der Nordler eine nachträgliche Wertschätzung: "We’ll take it for the Ned and for his daughter. Aye, and for the Young Wolf too, him who was so cruelly slaughtered." (allein die Wendung "the Ned" ist schon cool). Oder "This march was madness. More dying every day, and for what? Some girl?” - “Ned’s girl". Oder die Rede der kleinen Wylla Manderly im dritten Davos-Kapitel. Würden sich die Bannermen der Lannisters so verhalten? Wohl kaum. Ehre und Anstand der Starks zahlen sich letztendlich doch aus.
- Die Auseinandersetzung mit dem Thema Herrschaft, parallel erzählt in den Handlungssträngen von Cersei (in AFfC), Dany, Jon und im Epilog auch für Kevyn Lannister. Ich fand die Aussage von Clydas in einem Jon-Kapitel bezeichnend: "Many good men have been bad kings, Maester Aemon used to say, and some bad men have been good kings."

Alles in allem habe ich das Gefühl, dass man den letzten beiden Büchern den ursprünglich geplanten Fünf-Jahres-Sprung anmerkt, insbesondere bei den Charakteren Sansa, Dany, Bran, Arya. Vieles hätte man gut in Rückschau erzählen bzw. erst nach fünf Jahren geschehen lassen können. Beide Bücher waren vielleicht keine Höhepunkte der Serie (das war bei mir "A Storm of Swords"), aber durchaus ein gutes und interessantes Zwischenspiel.

Lord Verminaard:
Ha, Blow by Blow, das mach ich auch! Warum? Weil ich es kann! ;D

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)- Bran: Atmosphärisch gelungen, aber für meinen Geschmack zu langatmig. Hier wie überall sonst kommt die Handlung über das Set-Up nicht hinaus. Was also bewirkt er denn nun? Wem offenbart er sich? Darauf habe ich gewartet, das blieb aus.

- Tyrion: Stimme dir zu, Grimnir, ein guter Dialogpartner hätte geholfen, aber dennoch, der Essos-Roadtrip war unfassbar langatmig. Ja, ein paar ganz coole Motive, aber viel zu viele Kapitel, ohne dass irgendwas passiert, das irgendwie die große Handlung voran bringt. Plus zu reaktiv, wie du richtig schreibst.

- Connington und Young Griff: Interessante Charaktere, auch wenn es mir langsam auf den Sack geht, dass ständig irgendwelche Totgeglaubten sich als quicklebendig entpuppen. Am Interessantesten finde ich, welches Licht diese Geschichte auf Varys wirft. Aber: Mit diesem Handlungsstrang wird das ohnehin schon überfrachtete Handlungsgeflecht noch unauflösbarer, als es ohnehin schon ist. Ich habe leider das Zutrauen in GRRM verloren, dass er das befriedigend auflösen kann.

- Dany: Ein Zaudern, Hadern, Flennen, es war ja nicht zum Aushalten. Die Hochzeit, was zum Geier, der gordische Knoten wird immer dicker und wo führt das alles hin? Nirgendwo! Dass sie Darioo in ihr Bett lässt, fand ich da noch erfrischend, das verlieh dem Charakter noch mal deutlich Tiefgang. Das Ende mit den Dothraki ist ja an sich cool, hat Potential, hätte eben zur Mitte des Buches passieren müssen und dann wäre es richtig losgegangen.

- Barristan Selmy: Hm, ja, als Charakter okay, wenn er nur tatsächlich so etwas wie eine Handlung zu erzählen hätte.

- Quentin Martell: So überflüssig wie ein Kropf. Echt jetzt mal. So ein Aufwand, nur um die verdammten Drachen zu befreien? Die Kapitel um ihn fand ich komplett langweilig und belanglos, die ausschweifende Schilderung der Söldnertruppen und -generäle? Ersatzlos streichen. Die Drachen können auch irgendwie anders rauskommen. Z.B. durch:

- Victarion: Unfassbar. Drei Kapitel und er kommt nicht an. Es passiert nichts. Überhaupt nichts, was irgendwie von Bedeutung oder auch nur Interesse wäre. Ja toll, er hat den blöden Priester aus dem Wasser gefischt. Das ist mit gutem Willen drei Seiten wert. Maximal ein Kapitel, um ihn nach Mereen zu bringen, und dann die anderen beiden für die Seeschlacht, Herrgott. Also wirklich. Und was war jetzt mit dem Drachenhorn?

- Theon: Das einzige Highlight. Zu Beginn für meinen Geschmack etwas zu arg brutal, später wirklich gut und auch spannend. Aber YMMV.

- Stannis via Asha: Unfassbar. Kapitellang bleibt die Armee im Schnee stecken. Und nichts passiert. Keine Auflösung, kein Höhepunkt, nichts. Einziges Highlight auch hier die Sexszene am Anfang, damit wäre dann wohl auch endgültig geklärt, aus welcher Ecke GRRM diesbezüglich kommt. :D

- Davos und die Manderlys: Ja, noch ein totgeglaubter, der gar nicht tot ist, es wird wirklich alt. Die Sisters und White Harbour sind jetzt minutiös beschrieben, das war ja auch ganz nett, aber ein Roman ist doch kein Setting-Quellenband. Dass Manderly offenbar die Freys an die Boltons verfüttert, ist mir aus lauter Frust über die fehlende Handlung total entgangen. Ich hab mich die ganze Zeit gefragt, wann er denn endlich was unternimmt. Aber auch hier Fehlanzeige.

- Jon: Ja, dazu ist wohl schon alles gesagt. Unlogisch, unglaubwürdig, viel zu ausschweifend. In jedem Kapitel derselbe Konflikt, mit kaum veränderten Vorzeichen und nur anderen Namen. Viel zu viele viel zu schlechte Entscheidungen, die er trifft. Enttäuschend.

- Melisandre: Das Kapitel war cool, aber auch hier nur ein nicht eingelöstes Versprechen. Was also passiert, was unternimmt sie, wie geht es weiter? Plus, oho, Mance Raider ist auch nicht tot. Vom reitenden Berg scheinen zumindest Teile ja auch noch zu existieren. Brienne, naja gut, war ja mit Ansage. Wer steht als nächstes wieder auf? Der Bluthund? Tywin Lannister? Lisa Arryn? Harumpf.

Samael:
Grimnir,

es fällt auf, dass du die drei wesentlichen Erzählstränge eher negativ bewertest. Da wird dann auch klar, warum der Großteil der Leser, mit weniger Freude an den "kleinen Details" als du, den Band  :q finden.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln