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First Orko:
Vor kurzem beendet:
Die Seiten der Welt - Kai Meyer
Klassische "Mädchen entdeck übernatürliche Kräft und rettet die Welt"-Geschichte, allerdings wunderschön verpackt in eine Welt voller "Bibliomantik", wo auserwählte Menschen mit der magischen Kraft aus ihrem "Seelenbuch" zaubern und Buchstaben als "Ypsolonzetts" ein Eigenleben entwicken.
Kai Meyer schafft hier eine ähnlich phantasievolle, wenn auch duetlich düstere Welt wie Walter Moers. Die Geschichte geht harmlos, fast kitschig los, aber einige Protagonisten ereilen schon recht harte Schicksale. Das Ganze mündet in einem gleichermaßen drastischen, wie auch rührenden Finale.
Solide Fantasykost aus Deutschland mit in einer durchaus interessanten und fantasievoll beschriebenn Parallelwelt. Es lohnt sich, über die ersten paar Kapitel hinaus zu lesen, besonders Liebhaber des gedruckten Buches könten hieran ihre Freude haben.
Ein Doppelleben im Kosmos - Robert A. Heinlein
Mein erster Heinlin, und gar kein schlechter, wie ich finde. Der Plot ist ein typisches Doppelgänger-Szenario: Schauspieler wird von Raumfahrern gekidnappt und soll einen großen Staatsmann mimen bei der Eingliederung in die Mars-Sippe.
Genial finde die Wandlung des Hauptprotagonisten vom arroganten Schauspieler zu einem Menschen, der mehr und mehr die Notlage seinen Vorbilds erkennt und einblicke in die komplexe, galaktische Politik erhält.
Heinlein würzt das Ganze mit Einblicken in die Probleme einer planetenübergreifenden konstitutionellen Monarchie ohne dabei in langwierige Erklärungen abzugleiten, genau wie bei den kurzen Anmerkungen zur Raumfahrt oder zu den Marsianern. Insgesamt hat man den Eindruck, den Schilderungen eines Mannes zu folgen, der in einer durchaus glaubhaften Zukunft unserer Welt lebt.
Das Buch hat ja schon Jahrzehnte auf dem Buckel und einige Übersetzungen haben einen leicht anachronistischen Charme ("Heiße Düsen" als Raumfahrer-Trinkspruch) aber es liest sich leicht und schnell runter.
Uneingeschränkt empfehlenswert!
Danach geht es gleich weiter mit Hard-Scifi und einem Spontankauf:
Der Marsianer - Andy Weir
Beim Außeneinsatz auf dem Mars wird einer der Raumfahrer vermeintlich im Sturm getötet und auf dem Mars zurückgelassen - er überlebt jedoch und schafft es zurück zum Habitat, wo er nun vor dem Problem steht, die nächsten vier Jahre bis zur Ankunft seiner Kollegen mit der nächsten Mission zu überleben. Zum Glück ist er ein fähiger Biologe und Mechaniker und McGyuvert sich so durch die verschiedenen Problemstellungen (Unterkunft, Luft, Wasser, Essen, Kommunikation zur Erde,...) - nicht ohne einige ebenso spannende wie gefährliche Rückschläge.
Die Geschichte wird als Logbuch des Überlebenden erzählt (nach SOL-Tagen auf dem Mars), dazwischen kommen später Kapitel über das, was parallel auf der Erde passiert. Weir schafft es die Spannung vom Beginn des Buches konstant zu halten - ich habe am Wochenende locker mal die ersten 120 Seiten fast am Stück runtergelesen und mag es beinahe nicht mehr aus der Hand legen!
Man muss aber Spass finden an vielen detailierten Beschreibungen der technischen Improvisationen (wie er zum Beispiel Wasser aus der Reaktion von Stickstoff und Sauerstoffe gewinnt - und: Ja, das wird genauso scheißgefährlich, wie es klingt!), die meinen begrenzten, physikalischen und botanischen Kenntnissen nach aber allesamt wohl gut rechechiert wurden. Ein paar Geräte gibt es glaube ich in der Form noch nicht (zBsp. der Sauerstoffextraktor für die Marsatmosphäre) aber so richtiges "Plotonium" habe ich noch nicht entdeckt. Der Schreibstil schwächelt bei den Dialogen auf der Erde, das tut der Sache aber kein Abbruch, der der spannende Teil eh auf dem Mars stattfindet.
Bisher absolut lesenswert! Vor allem die Meinung einiger unserer Hard-SciFi-Vertreter hier würde mich mal interessieren....
P.S: Das Buch wird gerade von Ridley Scott mit Matt Damon verfilmt, was ich jetzt schon für einen Doppelfehler halte...aber gut, wird man sehen.
Bad Horse:
"London Falling" (danke für die Empfehlung, Zarkov!) und die Fortsetzung "The Severed Streets" von Paul Cornell.
Urban Fantasy mit einer britischen Cop-Truppe in London; eher New Weird als Procedural oder Dresden-Files-Klon. Die vier Cops erlangen im ersten Band zufällig (?) die Fähigkeit der "Sight", die sie befähigt, herauszufinden, wer oder was hinter einer Mordserie tatsächlich steckt.
Der ganze übernatürliche Kram ist in der Serie mysteriös, surreal, bedrohlich und einfach nur seltsam. Kann ich uneingeschränkt für Fans von Urban Fantasy, Neil Gaiman (der taucht in Band 2 auf) und China Mieville empfehlen.
D. M_Athair:
Wladimir Solowjew - Kurze Erzählung vom Antichrist
... krasses Teil, das 1900 (im Todesjahr des Autoren) veröffentlicht wurde. Könnte man durchaus als Klassiker der dystopischen Literatur bezeichnen.
Besonders erstaunlich: Wie vieles seiner "Settingsetzungen" (also außerhalb der bloßen Handlung) in ähnlicher Form im 20. und 21. Jahrhundert Wirklichkeit geworden sind. (Es war z.B. nicht der Panmongolismus, der bis Mitte des 20.Jh wütete, sondern der Pangermanismus in Gestalt der NSDAP.)
Ludovico:
Die Monster, die ich rief
Leider hab ich mich vom Klappentext täuschen lassen. Als Protagonisten erwartete ich einen Buchhaltertyp, aber dann war es doch der knarrenverliebte, kampferprobte und knallharte Texaner mit Abneigung gegen Behörden und mystischen Träumen.
Der Autor ist ebenso verliebt in Waffen.
Ansonsten ist der Schreibstil gut und das Buch kurzweilig. Falls es einen zweiten Band gibt, hole ich ihn mir aber nicht.
Timo:
The Silence
Nettes Weltuntergangsszenario, gibt ein gutes Setting für Horror/Survival ab.
Bei einer Höhlenentdeckung werden urzeitliche Flugviecher freigesetzt, die sich vermehren wie katholische Karnickel, reine Fleischfresser sind und ausschliesslich durch Geräusche jagen/finden, selbst aber ziemlich lautlos sind. Geschichte konzentriert sich auf eine Familie (Eltern, Sohn, Tochter), Perspektive sind der Vater und die gehörlose 15 jährige Tochter.
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