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Filme und Serien - Smalltalk
KhornedBeef:
Ich bin froh dass ich diese Diskussion hier mit losgetreten habe. Jetzt muss ich ihn nochmal sehen, um ganz genau mitreden zu können ~;D
ghoul:
Napoleon
Kurz:
Wenn man seine Erwartungen weit herunterschraubt, bekommt man einen mittleren Unterhaltungsfilm serviert. Ein Meilenstein der Filmgeschichte ist dies jedoch nicht.
Lang:
Weder in Handlung, in Darstellung von Napoleons Persönlichkeit noch in der Darstellung der Schlachten überzeugt der Film. Das authentischste sind vermutlich die Briefe.
Handlung:
Eine Aneinanderreihung von Szenen, man erfährt nicht das Dazwischen. Der Weg an der Macht bleibt rätselhaft. Manche Namen von Nebenpersonen werden genannt (Talleyrand), manche kann man erraten (Alexandre Dumas sr.), manche bleiben anonym (Ney, Murat, ...). Auch die Kriege sind durch ihre verkürzte Darstellung nicht nachvollziehbar (Ägypten: im Film scheint Napoleon verfrüht abzureisen allein wegen Joséphine - tatsächlich hat er sich erst verdrückt, als ihm keine militärischen Optionen mehr blieben).
Persönlichkeit: Zu Beginn wirkt er nicht jung und ehrgeizig, sondern alt, müde, apathisch.
Es ist wenig Entwicklung sichtbar. Er stolpert irgendwie zur Macht. Als Herrscher scheint er nichts mit sich anfangen zu wissen (dabei hat er halb Europa reformiert und war ein geschickter Politiker). Joséphines Rolle dabei bleibt unklar und beschränkt sich auf die Behauptung "Ohne mich bist du nichts".
Schlachten: Ohne Hintergrundwissen versteht man nichts. Eine Schlacht steht hier immer für einen Krieg (was OK ist für die Zeitspanne, die hier in einem Film abgedeckt wird), aber eine Kampfhandlung steht auch oft für eine gewaltige, komplexe Schlacht: Toulon scheint nur der Sturm auf eine einzige Festung zu sein (die englischen Besatzer scheinen nicht mal zu wissen, dass Toulon belagert wird), die Kriegslist Napoleons in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz scheint darin zu bestehen, die Österreicher (diese kennen sich offenbar nicht im eigenen Territorium aus) aufs Eis zu locken (tatsächlich flohen nur wenige über einen vereisten See und wurden möglicherweise dabei von Kanonen beschossen, schlachtentscheidend waren aber die Abläufe davor!) und Waterloo (bitte nicht "Uoterluh", das Dorf liegt in Belgien, nicht in Südengland) mit einem säbelschwingenden Kaiser der Franzosen (wie bitte?) - da schaut man sich doch lieber den Monumentalfilm von 1970 an.
Einen Film über Captain Sidney Smith, "Napoleons schlimmsten Feind", müsste man mal drehen - Toulon, Gefangenschaft, Ägypten, Akkon!
Jiba:
--- Zitat von: ghoul am 12.12.2023 | 09:42 ---in Darstellung von Napoleons Persönlichkeit
--- Ende Zitat ---
Hier muss ich nachhaken: Wie viel weiß man eigentlich gesichert über die tatsächliche Persönlichkeit einer historischen Gestalt, die vor der Zeit der psychologischen Gutachten und Late Night Talkshows gelebt hat?
Den Rest deiner Darstellung will ich gar nicht hinterfragen, kann ich auch gar nicht beurteilen. Aber gerade bei Historienfilmen sind doch die historischen Persönlichkeiten allzu gerne vor allem Vehikel für das Thema und die zentralen Fragen der Handlung. Wie viel hat Gary Oldmans Winston Churchill mit dem echten Winston Churchill zu tun? Welche Elisabeth II. ist die "echteste": Die von Cate Blanchett, von Judy Dench, von Margot Robbie?
Menschliche Persönlichkeiten sind so komplex, ich kann nicht mal sicher sagen, was die volle Persönlichkeit meiner engsten Vertrauten sind. Bei historischen Persönlichkeiten vermag ich mir das erst recht nicht anzumaßen.
ghoul:
Nun, sie erscheint mir unglaubwürdig, unvollständig und uninteressant.
Wir wissen schließlich sehr gut, was Napoleon getan hat. Der Film unterschlägt viel davon und kann es nicht erklären.
Es wurde versäumt, eine passende Persönlichkeit und Entwicklung in den Film hineinzuschreiben.
Jiba:
Alles klar, das macht deutlicher, was du meinst, danke. :)
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