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Filme und Serien - Smalltalk

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Sashael:
Ich halte Mel Gibson für absolut unfähig, Inhalte zu produzieren. Er ist auch nicht fähig, Emotionen mit etwas anderem als einem Vorschlaghammer zu wecken.

In meinen Augen hätte er Schauspieler von reinen Actionfilmen und der einen oder anderen Komödie bleiben sollen.

Was die Diskussionen zu Passion Christi und Apocalypto angeht: Provozieren ist die einfachste Art, eine Diskussion anzufachen. Gibson bleibt alles andere ausser der reinen Provokation durch brutale Antagonisten schuldig und macht dann auch noch fachliche Fehler, was die Geschichten angeht.

Ludovico:
Ich hab keinen blassen Schimmer, was an Apocalyptico provokant war. Da war nicht mehr Blut und Gewalt als in vielen anderen Streifen (in etwa wie Herr der Ringe und weniger als Ironclad).

Nun ja, so können die Ansichten auseinandergehen. Ich will immerhin unterhalten und gerne auch überrascht werden. Wenn ich etwas lernen will, schaue ich eine Doku. Deshalb konnte ich sogar Fury - Herz aus Stahl gut finden.

Persönlich halte ich Gibson für einen hervorragenden Schauspieler und als Filmemacher scheint er lt. Kritik von Hacksaw Ridge auch nicht verkehrt sein.

Arlecchino:
Ich bin da auch eher bei Ludovico. Klar, shock value ist sicher auch Teil des Produktionsdesigns von Filmen wie Passion oder Apocalypto gewesen, aber ich hatte trotzdem bei Beiden nicht das Gefühl, dass der Sensationalismus Hauptthema ist. Dafür schien es zumindest bei Apocalypto zu bemüht zu sein, ein fühlbares Abbild von Kultur zu vermitteln. Klar, das Abbild ist sicher amerikanisch (und womöglich auch christlich) gefärbt, aber nicht so ignorant, wie es vielleicht auf den ersten Blick aussieht. Man kann eben Apocalypto als "guck mal, die Wilden mit ihren Menschenopfern! Voll krass!" sehen, oder als "Gesellschaft am Rand des eigenen Zusammenbruchs -> menschliche Universalien der Ausbeutung und Grausamkeit durch die Linse der Fremdartigkeit und Exotik". Für Beides gibt es vermutlich genügend Anhaltspunkte, ist also rein subjektiv wie man das aufnimmt. Unter letzterem Gesichtspunkt kann man dann noch Gibsons tolle production values und seinen visuellen Stil bewundern, ohne die ganze Zeit mit Würgereflexen kämpfen zu müssen.

KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
Uaah,ich muss es nochmal betonen:

Was ihr in Apocalypto zu sehen bekommt, widerspricht insgesamt dem, was über die Mayakultur zu der Zeit bekannt ist.

Es ist ein Zerrbild mit jeder Menge aztekischer Einsprengsel, und massenhaft freitobender Drehbuchfantasie. Und es IST ignorant. Jeder Mesoamerikahistoriker hat sich die Haare gerauft, als er den Film sah. Den Maya wird da eine Maske übergerstülpt, die nichts mit ihnen zu tun hat.
Sowas wäre noch halbwegs tolerierbar, wenn es ein Indioregisseur gemacht hätte, aber wenn das Europ#er (im weitesten Sinne) machen, ist das schon arg dreist.

Man kann den Film natürlich als Parabel auf universelle Ungerechtigkeiten sehen (die aber so extrem wie im Film so gut wie nie historisch auftreten), aber wozu wird das dann in Pseudo-Maya-Kostüm vorgeführt? Das hätte man auch im Dreißigjährigen Krieg vorführen können, und sich da einfach mal an die Gegebenheiten halten können.

Als reiner Action-Fantasy-Reißer funkltioniert der Film einwandfrei, und entwickelt ein atemberaubendes Tempo. Aber die entwürdigende Karikatur der Mayakultur finde ich extrem gefährlich, weil eben viele Leute dann glauben, so wären die tatsächlich gewesen.
Wie gesagt, nicht mal ansatzweise. Teile der Tracht und der Ausrüstung waren korrekt, und die Sprache. Das wars. Gesellschaftssystem, Infrastruktur, Ausbeutung, Sklaverei - all das war völliger Blödsinn.

Ich selber hab ihn deswegen auf der Ebene "historische Darstellung" völlig abgehakt, und seh ihn lediglich als Thriller. Ich kann nur jedem empfehlen, es auch so zu machen, und bitte nicht im Geringsten als irgendwie korrekt, was die Darstellung mesoamerikanischer Kulturen angeht, zu betrachten.

Arlecchino:
Ich hätte darin ehrlich gesagt nie etwas anderes gesehen, als Karl May. Und in dieser Hinsicht funktioniert der Film wahrscheinlich ungefähr genauso.

Dass sich Menschen, die sich eingehend mit der Thematik beschäftigt haben, die Haare raufen ist ja da auch eigentlich schon immer Programm. Wenn man sich davon eine treue Darstellung erhofft hat dürfte man natürlich mehr als enttäuscht sein.


--- Zitat von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am  7.08.2017 | 21:39 ---aber wozu wird das dann in Pseudo-Maya-Kostüm vorgeführt? Das hätte man auch im Dreißigjährigen Krieg vorführen können, und sich da einfach mal an die Gegebenheiten halten können.

--- Ende Zitat ---

Der Exotik-Faktor dürfte ausschlaggebend gewesen sein. Und beim Dreißigjährigen Krieg hätten sich sicher auch genug Historiker zum Haare raufen gefunden. Vermutlich sogar noch mehr ;)


--- Zitat ---Aber die entwürdigende Karikatur der Mayakultur finde ich extrem gefährlich, weil eben viele Leute dann glauben, so wären die tatsächlich gewesen.

--- Ende Zitat ---

Weiß ich nicht. Die Leute glauben alles mögliche. Es gibt zum Beispiel dutzende Filme und andere Medien zu Julius Caesar. Darunter auch entlarvende Versuche ihn als den demagogischen Despoten und Völkermörder darzustellen der er war und trotzdem glauben die Leute noch immer an den aufopfernden Volkshelden, zu dem er sich selbst in Mein Kampf De bello Gallico stilisiert hat (erstaunlicherweise auch viele selbst ernannte Historiker). Das ignorante Weltbild im Bezug auf indigene Kulturen wird sich durch Hollywood-Filme wohl kaum verändern, selbst wenn sie sich mehr Mühe geben. Ohne Aufklärung und Bildung geht da gar nichts.
Und ich bin ein Fan davon, einen Film danach zu bewerten was er sein will - und tatsächlich auch sein kann. Ich verstehe allerdings alle deine Bedenken und Kritikpunkte und halte sie auch für plausibel.

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