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Französische Rollenspielproduktion
Fëanor:
Und genau darum denke ich, dass Kickstarter/Patron-System das Richtige wäre. Da ist man dann nicht angewiesen auf jemanden, der das Risiko im Voraus auf sich nimmt. Man schaut, ob genug Geld in X Zeit zusammenkommt, um einen gewissen Printrun zu finanzieren, wenn ja, super, wenn nein, dann hat man nix verloren.
Je nach Spendenwilligkeit (bzw. Preorder-Verpflichtung) könnte das Eine oder Andere der hier präsentierten Spiele ja schon alleine mit den Taneloris finanziert werden...jedenfalls wenn man davon ausgeht das jede überschwänglichen Bekundung hier auch einen Back-er ergeben würde ;D
Dirk Remmecke:
--- Zitat von: Fëanor am 24.02.2011 | 23:24 ---Und ich glaube du hast auf den unwichtigen Teil meines Posts geantwortet ;)
--- Ende Zitat ---
Mir war wichtig, den Eindruck zu zerstreuen, dass es den Schreibern hier vordringlich um ein Hochjubeln der französischen Szene geht. Derart sind meine Beiträge schon vor 12 Jahren missverstanden worden (was ich aber auf meine Kappe nehmen muss, denn sie luden durchaus zu einer solchen Interpretation ein).
Mein Interesse hingegen war und ist das Erkunden einer anderen Rollenspielkultur, und ein Ergründen der Mechanismen, die diese Kultur geschaffen oder begünstigt haben; und in einem zweiten Gedankengang die Vorstellung, wie es bei uns eben anders aussehen könnte, wenn diese Mechanismen auch bei uns gegriffen hätten.
Nicht, weil diese anderen Mechanismen zu höherwertigeren oder anspruchsvolleren Ergebnissen führen, sondern weil sie zu anderen Ergebnissen führen.
"The road less traveled."
Es gibt viele französische Spiele, die mich bei aller bewunderten optischen Opulenz inhaltlich nicht die Bohne interessieren - über die ich aber trotzdem alles wissen will! Darum ist eine Präsentation/Gesamtübersicht wie die von COPS sehr lehrreich. Der Casus Belli brachte übrigens früher immer ein bis zwei Jahre, nachdem ein Rollenspiel neu erschienen war, eine ähnliche Sammelrezension ("Portrait de Famille" genannt) aller bis dahin erschienenen Produkte - doppelt interessant, wenn man sie im Vergleich mit der ersten, meist ebenfalls sehr ausführlichen Rezension des Regelwerkes las.
Bei manchen Systemen wundere ich mich ernsthaft, dass sie in Frankreich erfolgreich sind. Dem 2005 erschienenen Palimpseste zum Beispiel hätte ich keine großen Chancen ausgerechnet. 2008 erschien dann sogar eine überarbeitete zweite Auflage unter dem Titel Terres Suspedues, der sogar sechs farbige Sichtschirme für die Spieler beilagen.
Da sind sicherlich auch - wie in den USA und bei uns - Vanity-Projekte darunter, die lediglich wegen der größeren Verfügbarkeit von Zeichnern eher wie professionelle Produkte aussehen (Écryme). Manche Spiele haben ganz bescheiden als Hobbyprodukte angefangen, wurden stetig erweitert und wiederveröffentlicht, bis sie später von professionellen Verlagen aufgegriffen wurden. Die erste professionelle Fassung von SimulacreS war bereits die 5. Edition; Mega III hatte den Zahlenzusatz, weil es die 3. Edition war.
Ich könnte mir vorstellen, dass auch Rêve de Dragon und Hurlements in ihrer ersten Version Hobbyprodukte waren; RdD1 habe ich leider nie gesehen (Fotos in einem Katalog legen eine Fan-Veröffentlichung nahe), aber beide Spiele waren selbst in der Frühfassung in Läden zu finden (Hurlements habe ich 1992 in einem ausgesprochen touristenorientierten Holz-Geduldspiele- und Schach/Backgammon-Laden in Les Halles gefunden) und wurden eifrig mit Abenteuern und Supplements unterstützt.
Und dann darf man auch nicht unterschlagen, dass es viele professionelle Spiele kaum über das Regelbuch hinaus geschafft haben (Stella Inquisitorus, Scales, Shoan) oder von vornherein als Ein-Buch-Reihen ausgelegt waren (Mega III).
Dirk Remmecke:
--- Zitat von: Fëanor am 25.02.2011 | 11:54 ---Und genau darum denke ich, dass Kickstarter/Patron-System das Richtige wäre. Da ist man dann nicht angewiesen auf jemanden, der das Risiko im Voraus auf sich nimmt. Man schaut, ob genug Geld in X Zeit zusammenkommt, um einen gewissen Printrun zu finanzieren, wenn ja, super, wenn nein, dann hat man nix verloren.
--- Ende Zitat ---
Ein Kickstarter-System ist interessant, doch ich frage mich, wer da in Vorleistung gehen soll. Zuerst die Übersetzung anfertigen, damit man bei Erreichen der Zielsumme in die Vollen gehen kann? Vorher sicherlich Kontakt mit dem frz. Verlag aufnehmen, ob die Lizenz überhaupt verfügbar ist? (Aber welcher Verlag lässt sich auf ein Kickstarter-Projekt ein - "wir sind an eurer Lizenz interessiert, aber gleichzeitig wir trauen ihr nicht zu, erfolgreich zu sein...")
Andererseits - erst Kickstarter starten, die Summe wird erreicht, dann Übersetzung beginnen und ein Jahr später mal ein Produkt herausbringen? Welcher Kunde lässt sich darauf ein? Gerade bei semiprofessionellen Projekten ist ja schneller mal die Luft und Motivation raus - nicht alles läuft so rund wie Labyrinth Lord.
(Ein Projekt, das mir für Kickstarter geeignet scheint, ist Agone, weil da wohl schon eine Menge übersetzt vorliegt.)
Ich will stattdessen lieber ein anderes, nichtkommerzielles Modell zur Diskussion stellen:
Übersetzungswillige Personen suchen sich das System ihrer Wahl und übersetzen es. Gerne auch "quick and dirty", den meisten hier geht ja wohl nur um die Grundlagen, es spielfertig zu machen, und nicht um Prosa.
Diese Roh-Übersetzung wird jedem zugänglich gemacht, der nachweisen kann, dass er das französische Original-Buch käuflich erworben hat (z.B. Scan einer Amazon.fr- oder Ludikbazar-Rechnung, Foto des Buches, o.ä.).
Das ist urheberrechtlich immer noch dunkeldunkelgrau, aber wenn z.B. spielrelevante Tabellen nicht mitübersetzt werden, sondern nur ihre Tabellenüberschriften, ist auch sichergestellt, dass man die Übersetzung ohne das Original nicht nutzen kann.
Wenn diese Übersetzung fertig ist, und auf große Resonanz stoßen sollte, ist immer noch Zeit, den Verlag zu kontaktieren, eine Lizenz zu verhandeln und dann für den Druck Kickstarter zu bemühen.
Fëanor:
@ Dirk - Danke schonmal fürs erläutern und ausführen. Ich gebe zu, mein erster Post (bzw eben dessen Anfangssatz) war etwas provokant formuliert.
Ich habe bei den Finanzierungsmöglichkeiten einfach mal amerikanische Stellvertreter aufgenommen, nicht unbedingt in der Meinung, dass jede Form unbedingt auch so richtig geeignet ist. Wobei ich schon denke, dass es eben genau wichtig wäre, eine Form zu finden, die eben genau NICHT zu viel Vorleistung (wie zb schon eine ganze Übersetzung) notwendig machen, sondern eben eher die Leute ansprechen, die einfach aus Liebe/Enthusiasmus/Interesse schon mit ihrer Brieftasche voten und somit das Projekt "Kickstarten".
Ich hätte zb. dann auch gehofft (so ähnlich den japanischen Verlagen), dass die frz Verlage einer allfälligen Übersetzung freundlich gesonnen sind und dem wohlwollend zugewandt. Also nicht a la Lizenz-Verhandlung mit zb. Lucas Arts in gieriges Money-grabbing ausartet ;D Aber ich schätze, da hast du sowieso viel die bessere Ahnung. Vielleicht bin ich da zu idealistisch ::)
Nun, zumindest im engl. Bereich funzt der Kickstarter recht gut. Auch wenn zwischen pledging und Auslieferung Monate vergehen. Das ist den Kunden ja auch bei Einstieg in den Kickstarter bewusst bzw. das muss natürlich klargestellt werden. Sonst kanns Frust geben, ja.
Dein Vorschlag hat sicher auch seine Meriten, vor allem für die Oberhardcore-Fans. Mich persönlich würde soetwas gar nicht ansprechen. Da ich nicht wirklich Lust habe, mir für eine halb-Übersetzung ein teures Regelwerk in Französisch zu kaufen um dann später vielleicht noch eine professionelle dt. Version auch nochmal kaufen zu müssen. Ich würde bei diesem Vorgehen dann erst einsteigen, wenns um den Kauf des dt. Regelwerks geht.
Die Grundsatzfrage ist doch die - Sind all die grossen "Ich will auch haben"-Fans, die hier im Tanelorn ihre Stimme erheben auch gerade alle, die sowas interessiert? Falls ja, dann kann man es wohl nur so machen wie du vorschlägst. Sollte es aber so sein, dass dies eigentlich ein weitverbreiteter Gedanke ist, dann könnte auch so ein Finanzierungs-Projekt durchaus gute Chancen haben. Es käme auf den Versuch an!
Glgnfz:
--- Zitat von: Dirk Remmecke am 27.02.2011 | 15:56 ---Andererseits - erst Kickstarter starten, die Summe wird erreicht, dann Übersetzung beginnen und ein Jahr später mal ein Produkt herausbringen? Welcher Kunde lässt sich darauf ein? Gerade bei semiprofessionellen Projekten ist ja schneller mal die Luft und Motivation raus - nicht alles läuft so rund wie Labyrinth Lord.
--- Ende Zitat ---
;D
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