Medien & Phantastik > Sehen
Sekundärliteratur zu Filmen - Unnötig oder Interessant?
Ein:
Sehe ich nicht so. Da man niemals, selbst mit noch so viel Wissen über den Künstler, nie dessen Weltvorstellung gänzlich rekonstruieren kann, ist man immer gezwungen, die Lücken zu interpretieren. (Interpretieren deutet das ja schon im Wortstamm an.) Daher wird man niemals "die Wahrheit" herausfinden, sondern immer nur ein Zerrbild aus dem konstruieren, was man sich selbst aus eigenen Erfahrungen und dem Wissen über das Werk so zusammenreimt.
Unter deinem Blickwinkel wären die Leni-Riefenstahl-Filme im Übrigen vollkommen irrelevant, da es ihr nach eigener Aussage nie um Propaganda, sondern immer nur um die Ästhetik ging. Hier wird also anscheinend eine Interpretation vom interlektuellen Mainstream aufgezwungen, die nicht mit der Intention des Künstlers übereinstimmt und in diesem Sinne "falsch" wäre.
(Wobei ich Begriffe wie "falsch" oder "richtig" im kulturwissenschaftlichen Kontext eh als sinnlos erachte.)
Woodman:
Sekundärliteratur kann einen auch auf Umstände aufmerksam machen, die einem entgehen, weil man aus einder anderen Zeit oder einem anderen Kulturkreis kommt aus die Urherber eines Werkes. Mal als Beispiel aus der Malerie, weil man es einfach verlinken kann
das Schwarze Quadrat von Malewitch, bei seiner Ausstellung 1915 war es jedem Betrachter sofort Klar was damit gemeint war, hier und heute würde es aber ebenfals in der oberen Ecke eines Raumes ausgestellt nur als dunkles Quadrat ohne weitere Aussage wahrgenommen.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Wenn man aber weiß, das diese Position in russischen Haushalten einer Ikonenmalerei vorbehalten ist, und dass es proportioniert ist wie eine Ikone gewinnt es eine Aussage
Urias:
--- Zitat von: Ein am 9.08.2010 | 19:01 ---Sehe ich nicht so. Da man niemals, selbst mit noch so viel Wissen über den Künstler, nie dessen Weltvorstellung gänzlich rekonstruieren kann, ist man immer gezwungen, die Lücken zu interpretieren. (Interpretieren deutet das ja schon im Wortstamm an.) Daher wird man niemals "die Wahrheit" herausfinden, sondern immer nur ein Zerrbild aus dem konstruieren, was man sich selbst aus eigenen Erfahrungen und dem Wissen über das Werk so zusammenreimt.
Unter deinem Blickwinkel wären die Leni-Riefenstahl-Filme im Übrigen vollkommen irrelevant, da es ihr nach eigener Aussage nie um Propaganda, sondern immer nur um die Ästhetik ging. Hier wird also anscheinend eine Interpretation vom interlektuellen Mainstream aufgezwungen, die nicht mit der Intention des Künstlers übereinstimmt und in diesem Sinne "falsch" wäre.
(Wobei ich Begriffe wie "falsch" oder "richtig" im kulturwissenschaftlichen Kontext eh als sinnlos erachte.)
--- Ende Zitat ---
Touché.
Ich gesteh ein, dass es sicherlich immer Lücken geben wird die man selbst füllen muss. Aber da kann man auf Biographien oder ähnliches zurükgreifen, die die Persönlichkeit und Wertvorstellungen des Künstlers näher beleuchten, was einen richtigeren (ich nehm das Wort jetzt mal mangels einer Alternative) Zugang dazu ermöglicht als wenn man sichs nur so einredet. So lassen sich beim alten BSG zB einige Paralellen zum Glauben der Mormonen feststellen. Klar kann man sagen das is nur zufällig, doch wirds dadurch untermauert, dass der Author selbst Mormone war. Jetzt nur als Beispiel.
Bluerps:
Wenn ich eine Serie oder einen Film richtig gut fand, und ich viel Zeit hab, dann beschäftige ich mich auch mal länger damit. Meisstens indem ich mir den Kommentar vom Regisseur oder Autor anhöre. Für eine komplette Serie hab ich das bisher allerdings nur bei Babylon 5 und Firefly gemacht. Ansonsten les ich auch mal ein wenig im Internet, aber mehr nicht, aus Zeitgründen.
Bluerps
Ein:
--- Zitat ---hier und heute würde es aber ebenfals in der oberen Ecke eines Raumes ausgestellt nur als dunkles Quadrat ohne weitere Aussage wahrgenommen.
--- Ende Zitat ---
Du verwechselst hier zwei Aussageebenen: Einmal die des Gemäldes selbst (Maximale Verdichtung der Farbmasse) und dann die des Gemälde im Kontext des Arrangement (an der Stelle einer Heiligenikone).
Letztere Aussage ist ja vor allem im Kontext der von Malewitsch geforderten Neuorientierung der russischen Kunst zu sehen.
Aber ganz unabhängig davon: Die Bedeutung entsteht erst dann, wenn ein Besucher im Museum steht und sich das Gemälde ansieht. Vielleicht versteht er das Gemälde anders als sein Nachbar oder der Maler, aber gerade darum geht es doch bei Kunst.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln