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[Burning Wheel] Spielt das irgendjemand? Berichtet mir von eurer Runde...

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oliof:
Danke für die ausführliche Antwort!

Fëanor:
Sehr cool, Wray, vielen Dank, dass du in diesem Thread doch noch gepostet hast (aka ich nehm dir den Thread-Necro meines Threads GAR nicht übel ;) ).

Nach dem Lesen deiner Kommentare bin ich mir allerdings nicht mehr so richtig sicher, ob BW wirklich ein Spiel für mich ist. Ich mochte zwar einige der Einzelteile ganz gerne, wenn ich sie aber so von dir in den Gesamtkontext gestellt sehe, bin ich eher skeptisch ob das meinem Geschmack entspricht.

Der Wray:
Gerne doch, BW hat viel zu wenig Liebe hierzulande ;)

Dass das Spiel Dir nicht liegt kann natürlich echt sein. Meine Erfahrung mit meinen eigenen Spielern zeigt aber, dass probieren über studieren geht. Ich hab so Kandidaten, die gleich überall die Schwächen erkennen können oder schon vom Lesen wissen, dass ihnen etwas nicht liegt.

Ich hab einen, der Crunch total hasst, und auch echt Probleme hat mit den ganzen fisseligen Einzelteilen. Ich hab den Optimierer, der schon wusste, dass er mit dem System nicht das spielen konnte, was er wollte, der immer den "Spezialfall" Charakter mitbringt, der 10 Seiten Background hat, der der "dark & brooding anti-hero" ist und will, dass alle anderen um ihn herumwuseln und begeistert das große Mysterium, dass er verkörpert, aufdecken. Was natürlich nie passiert ist, aber man kann ja träumen.

Aber hier ist, was passiert ist: Da kein anderer leiten wollte, hab ich sie überzeugt, es zu probieren. Wir haben unsere erste BW session mit von mir vorgenerierten Charakteren gespielt (die sie allerdings schon als NPCs von früher kannten), ich hab deren BITs aufeinander abgestimmt und die 1-2 Stunden waren einfach genial. Es war eine Prequel Szene zu unserer eigentlichen Kampagne und es hätte vollkommen in die Hose gehen können, aber jetzt ist es einer unserer besten Rollenspiel-Momente.

Ich wollte niemandem sein D&D oder Savage Worlds wegnehmen, sondern mein BW dazustellen. Langsam aber sicher hat BW aber ihre/unsere Gedanken "vergiftet" und eine Rückkehr zu den klassischen Spielen ist nicht mehr so verlockend. Gegen das stark durch die Charaktere getriebene Spiel, die sich auf so vielen Ebenen weiterentwickeln, wirken die meisten anderen Designs geradezu plump.

Eher hab ich sie angefixt, sich mal andere alternative Spiele anzuschauen, etwa wie FATE, Shab-Al-Hiri Roach oder Fiasco. Riddle of Steel haben wir auch mal angespielt, und obwohl mir das sehr gut gefällt, hat da mein Crunch/Combat-hassender Spieler kapituliert.

Aber ich denke, ich hab es geschafft, dass BW nun unser Goto Fantasy RPG ist und das trotz enormen, anfänglichen Wiederstandes und doch sehr unterschiedlicher Spielertypen. Es kann natürlich auch sein, dass einfach keiner leiten will und man dann in den sauren Apfel beißt und BW spielt ... ;)

Aber BW war für mich die erste Runde, wo JEDER seinen eigenen (kompletten) Satz Regelbücher hatte und auch gelesen hatte. Das hat mich begeistert. Oh, und das ist auch notwendig - BW ist nicht geeignet, um es jemand anderem nebenher zu erklären. Systembeherrschung ist wichtig, weswegen meiner Meinung nach jeder seine eigenen Bücher braucht. Jetzt kann man wieder argumentieren "Dann isses nix für mich..." aber - warum nicht? Vielleicht glaub ich, ich mag keinen Sport, ich geh höchstens einmal in der Woche joggen. Und dann entdecke ich Kendo für mich, kauf mir für 1000€ die Ausrüstung und trainiere mehrmals die Woche. Manchmal muss man eine Leidenschaft erst entdecken, bevor man merkt, was man alles an Zeit, Geld & Energie reinstecken würde.

Soo.. gute Nacht & Cheers, ich schwafel schon wieder!
Wray

P.S.: Ich mache (leider?) kein Kendo und hasse Joggen. Dafür mache ich leidenschaftlich gerne Ving Tsun Kung Fu und seltsames Kraftraining mit schweren Metallkeulen und Kugeln. Als Kind mochte ich gar keinen Sport. Öfter mal was neues probieren :)

P.P.S.: Sorry wegen der vielen Anglizismen. Ich poste schon echt selten auf deutschen boards deswegen. Oder vielleicht benutzte ich deswegen überhaupt soviele Anglizismen...

Fëanor:
Nice, epic post  ;D

1) Das mit den Anglizismen kenne ich ^^ Das macht mir auch gar nix aus, im Gegenteil, für mich fliessen deine Texte hervorragend  :d
2) Du predigst zum Chor  ;D Ich bin ein grosser Fan von "lass uns Spiel X ausprobieren" ... ich habe BW auch schon gespielt. Nur noch nicht genug lange und intensiv. Das es meinen Geschmack nicht trifft in der Gesamtheit, hat vor allem mit zwei Aussagen von dir zu tun, nämlich a) der starke Metagaming Aspekt und b) das es deiner Meinung nach kein starkes Setting verträgt. Zu b) muss ich sagen, dass ich eben vor allem von Settings lebe...ich liebe Welten als Background-color.
3) Ich bin Sportfanatiker  ~;D
4) FATE finde ich ein sehr geniales Regelwerk. Es ist sicherlich auch nicht für alles geeignet (jedenfalls mMn) aber die Runden die ich bisher damit gespielt habe (von Sci Fi über Pulp bis mythologische Fantasy), haben alle sehr viel Spass gemacht.
5) Von mir aus könnte man mir gerne DnD und SW wegnehmen, da ging mir nichts verloren ;)

Zu guter letzt: Wenn du meinen OP anguckst, dann siehst du noch einen weiteren Grund, warum ich denke, dass BW in der Gruppe bei der ich es mal einführen wollte nicht funktionieren wird. Weil nämlich das hier

--- Zitat ---Oh, und das ist auch notwendig - BW ist nicht geeignet, um es jemand anderem nebenher zu erklären. Systembeherrschung ist wichtig, weswegen meiner Meinung nach jeder seine eigenen Bücher braucht.
--- Ende Zitat ---
so überhaupt gar nicht passieren würde in der Gruppe. Die sind einfach zu faul und zt auch nicht wirklich des Englischen in genügender Weise mächtig  :-\

Jo, gute Nacht und schwafel ruhig weiter über BW, ich lese es mit Aufmerksamkeit!

Der Wray:
Guten Morgen,

Ich kommentier mal:

2)a) Ja, Metagaming ist definitiv vorhanden. Die Frage ist aber, was bedeutet Metagaming für Dich bzw. wo fängt es an, Dein Rollenspiel zu stören? Ich persönlich habe auch zu DnD Zeiten immer viel über Charaktere und Motivation gesprochen. Bei BW kommt halt die strikte Trennung zwischen Task und Intent, wo man öfters drüber redet, und generell die abstakteren Mechaniken wie Circles, wo man dann schonmal rauskommt und das System "gamet".

b) Also, wenn ich ehrlich bin kannst Du schon ein Setting hernehmen. Du musst halt offen sein für Neues. BW funktioniert nicht gut, wenn jede Straße, jede Taverne, jeder NPC festgelegt ist. Wenn Du bereit bist, Dein Setting "aufzuweichen", dann geht das schon. Die Spieler haben die Möglichkeit, mit Circles NPCs aus dem Nichts zu erschaffen, die auch theoretische wichtige Positionen besetzen oder einfach eventuell eine etablierte Sturktur stören könnten, und mit den sogenannten Wises (die von vielen als einfache Knowledge Skills abgetan werden) haben sie die Möglichkeit, komplett neue Fakten über das Setting zu etablieren. Je fester der GM das Setting nun vorgeplant hat, desto mehr wird das dann kollidieren. BW funktioniert dann immernoch, aber man nimmt sich (und den Spielern) die Freude am Erschaffen der Welt. Da Du aber ja sagst, dass Du FATE magst, müsstest Du ja offen sein für Spieler, die Details am Setting mitbestimmen (indem sie FATE Punkte ausgeben).

Mein Geständnis: Unsere erste BW Kampagne war von DnD rüberkonvertiert und lief in den Forgotten Realms. Und jetzt spielen wir Dark Sun. Go figure.. ;)

Das Problem mit Settings ist auch, dass man geneigt ist, an den Regeln und Lifepaths rumzuschrauben. Das verträgt BW nicht so gut, es sei denn man weiß, was man tut. Im Monster Burner steht drin, wie man neue Traits, Stocks und Lifepaths generiert, aber das ist viel Arbeit und gelingt auch nur, wenn man die Designprinzipien verinnerlicht hat. Um die quirkigen Charaktere mit den vielen Ecken und Kanten zu gewährleisten, muss man ein richtig gutes Gefühl für die bestehenden Lifepaths und Stocks haben. Deswegen sollte man wenn möglich zunächst BW nehmen, wie es ist, und eventuell das Setting anpassen und nicht umgekehrt. Z.B. Haben sich unsere Forgotten Realms Elfen sehr verändert dadurch, dass wie die BW Elfen gelassen haben wie sie sind. Mittlerweile würde ich mir zutrauen, an den Rassen rumzudrehen. Für Dark Sun haben wir auch ne klasse Conversion mit neuen Stocks und Lifepaths, die auf der eines anderen basiert. Da habe ich nur minimale Änderungen vorgenommen, weil der andere Herr sehr offensichtlich wusste, was er tat.

3) Na sehr gut! Einer mehr :)

4) FATE gefällt mir auch sehr gut. Besonders Dresden Files und Diaspora.

5) Ich kann auch ohne die beiden..


Und der Punkt mit der Regelfaulheit - das ist das, worauf ich hinaus wollte mit meiner Sport Analogie. Vielleicht ist BW (oder ein anderes, "schwereres" Regelsystem) ja der Augenöffner, der eine Leidenschaft für Regeln entfacht. Oft sind es ja die Art der Regeln, die einem am Arsch vorbeigehen. Z.B. Schaden durch Fallen, oder wieviel Gewicht kann ich mit Stärke 25 tragen usw. BW hat halt viele Regeln, die ... einfach in sich interessant sind, weil sie Story erschaffen und Charaktere entwickeln. Aber vielleicht ist das auch alles nur eine Utopie und für die meisten Leute ist Crunch = Crunch. Ich kann nur empfehlen, ein Demoszenario mit ihnen zu spielen, und Stück für Stück die Teilsysteme zu erklären. Wenn das Interesse erzeugt, super! Wenn es langweilig ist oder sie sich über die Regeln aufregen, dann wars halt ein Schuss in den Ofen.

Ich persönlich mag "The Gift" am liebsten, aber das läuft am besten mit 8 (!!) Spielern. Ansonsten ist "The Sword" das klassischste BW Demoszenario (dazu findest Du auch Videos bei youtube, wo Luke Crane das auf ner Con leitet). im Adventure Burner wurde das nochmal überarbeitet. Und es gibt noch ein neues Demoszenario das auch interessant ist, "Trouble in (over? weiß grad nicht) Hochen".

So, jetzt muss ich aber los! Ich stehe aber auch weiterhin für Fragen zur Verfügung.

Cheers,
Wray

EDIT: Interessanter BW Thread, aus dem meiner Meinung nach viel info über das Spiel gezogen werden kann. Die BW regulars und designer sprechen über ihre meistbegangenen Fehler beim BW Spielen.

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