Medien & Phantastik > Hören
Was hört Ihr gerade so?
Chiarina:
Interessante Version! Es gibt ja so ein kleines Problem, wenn Leute, die eigentlich für Melodien zuständig sind (Sänger, Bläser, etc.) plötzlich einen Rap-Song covern wollen. Das merkt man auch bei Everlast, denke ich, ansonsten finde ich die Version aber durchaus groovy (...und nicht umbedingt geeignet zum herumspringen, aber diesbezüglich darf ein Cover natürlich auch abweichende Intentionen haben. Langsam und schleppend "jump around" zu nölen hat jedenfalls auch seinen Charm).
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Ich bin bei Boris inzwischen wieder auf dem neuesten Stand. Das aktuelle Album ist nur bei Bandcamp - also quasi im Eigenverlag - erschienen. Ich nehme ganz stark an, dass das nicht Zeichen eines Anerkennungsproblems ist, sondern eine bewusste Entscheidung.
Wieder gibt´s die üblichen Spielchen mit den Namen: Das Album heißt NO und der letzte Track heißt "Interlude".
Die Musik? Lässt mich etwas ernüchtert zurück, muss ich sagen. Das ist Crust Core oder Thrash Metal, oder? Bei den Metal Genres bin ich unsicher. Das Album enthält jedenfalls heftige, schnelle Hardcore Brecher mit kurzen Momenten, in denen ein paar schneidende Metalriffs durch die Luft fetzen, hin und wieder ist auch mal Gelegenheit für ein kurzes Weltuntergangs-Gitarrensolo. Es gibt die üblichen Tempowechsel, die Vocals sind gebrüllt, die Songs bestehen aus einigen prägnanten Ideen, die sich abrupt abwechseln. Insgesamt nichts Aufregendes, eher öde. Eigentlich bin ich enttäuscht.
Dann aber wähle ich einen Song aus, den ich hier verlinken will und meine Wahl fällt auf Loveless. Ich höre nochmal genauer hin und stelle plötzlich fest, dass diese letzten 2 1/2 Minuten (ab 3´35´´ etwa) ganz schön seltsam sind. Plötzlich wird aus dem Song das Tempo herausgenommen, es erklingt so eine Art langsam, schleppender Death Metal Walzer, dazu verschiedene Schichten mit Gesang, hohen Gitarrenschlieren und Sprechstimmen. Die Agonie nach dem Ausbruch, könnte man vielleicht sagen.
Das wird sicherlich nicht mein Lieblingsalbum von Boris. Vielleicht lassen sich aber doch ein paar Entdeckungen dieser Art machen. Mal sehen.
...und dann bleibt eben abzuwarten, was ihnen beim nächsten Mal einfällt. Es ist ja nicht so, dass die drei auf ein Genre festgelegt wären.
Boris: Loveless
rillenmanni:
Ich habe mal wieder meine Haken-Tage. Und ich alter Haken-Fanboy liebe es natürlich. (Ich verlinke jetzt nicht auf Youtube, weil ich eigtl gerade beschäftigt bin und genau weiß, dass ich dann doch wieder nur in der Tube versumpfen würde.)
Dass ich mein Lieblingsalbum, Aquarius, endlich wieder hören musste, wurde mir kürzlich an meinem Staind-Tag klar (Break the Cycle - ich kenne seit 2001 nur dieses Album), die ich wegen dem Sänger so mag, weil der so herrlich melancholisch singen kann. Und auf welchem Album ist der Gesang ebenfalls so herrlich melancholisch: Ja, auf Aquarius. Hui, das war schön gestern und heute! Wie schon 1001 Mal geschrieben: Dies ist nach wie vor mein Lieblingsalbum von Haken, und doch würde ich mir wünschen, sie würden es heute, zehn Jahre später, noch einmal neu aufnehmen. Ich wäre einfach gespannt.
Momentan höre ich das Affinity-Album von 2016. Das 80er-Jahre-Postmodern-Album, das ich ja längst so lieb gewonnen habe. Ich bin mittlerweile in der Instrumentalversion des Albums angelangt, und es ist so echt noch einmal besser. (Ganz im Gegensatz zu der Instrumentalversion von Aquarius, weil das Album mE so sehr vom Gesang lebt.)
Chiarina:
Ich habe nachgehört, was Penelope Houston eigentlich so macht.
Die Frau war um 1990 herum Sängerin bei der Punkband "The Avengers" und hat dann eine erstaunliche Wende in die Singer/Songwriter Ecke hinter sich gebracht. Das Album "The whole world" von 1993 habe ich oft gehört, dann habe ich sie aus den Augen verloren. Scheinbar hat sie noch eine Weile länger Folkmusik gemacht. Das letzte Album, von dem ich lesen konnte, ist von 2012. 2003 ist eine Best-of-CD erschienen, die einen kleinen Überblick gibt. Hier ein netter Song, der mir Spaß gemacht hat:
Penelope Houston: Hole
rillenmanni:
Haken - Affinity (Album, 2016)
Dieses tolle Album ist so unglaublich 80er und eben doch nicht!
Chiarina:
2014 hat der Schlagzeuger Dylan Howe das Album “Subterranean - New Designs on Bowie´s Berlin” aufgenommen. Er covert hier einige David Bowie Instrumentaltracks aus den Alben “Low” und “Heores”, die ursprünglich zu Bowies Zeit in Berlin entstanden.
Zu hören ist im Wesentlichen ein modernes, akustisches Jazzquintett (Rhythmusgruppe und zwei Tenorsaxophonisten). Manchmal kommen ein paar Klänge aus dem Synthesizer, manchmal taucht mal ein Gastmusiker auf. Übernommen werden ein paar Melodien, rhythmische Ideen, manchmal auch ein paar Akkordfolgen aus den Stücken Bowies. Das klangliche Umfeld ist eher modal, Bowies Harmonien wirken, wenn sie denn auftauchen, eher als Erinnerung an eine vergangene Zeit. Immer werden die Stücke relativ stark verändert, durch Zwischenspiele und Solopartien angereichert und klanglich stark modifiziert. Es bleibt ein abwechslungsreiches, eher introvertiertes Jazzalbum, das trotz abwechslungsreicher Tracks den Eindruck von Geschlossenheit macht.
Herausragend finde ich das relativ aktionsreiche “Warszawa”, das mit einer fremdartigen Gitarre beginnt, Bowies Space Opera Linien aufgreift, entsprechende Synthesizer Sounds daneben stellt, das Ganze in Schwung versetzt und in eine Coltrane / Pharoah Sanders Nummer verwandelt (das sind ja auch zwei große Außerirdische des Jazz). Zwischendurch ist auch noch ein beeindruckendes Klaviersolo zu hören, überraschende Tonartenwechsel erklingen, eigentlich passiert ständig etwas Neues. Am Schluss ist zu hören, dass Howe auch ein toller Drummer ist.
Dylan Howe: Warszawa
Toll ist auch “Moss Garden”, eine Trionummer für Schlagzeug, Klavier und japanische Koto, die meditative Ruhe und eine elegisch-mystische Atmosphäre verbreitet. Ein paar Windgeräusche und Synthesizerklimperklänge haben auch ihren Platz. Ich liebe Howes metrisch freies Spiel mit diesen vielen Beckenklängen.
Dylan Howe: Moss Garden
Bowie soll sich nach Erscheinen des Albums bei Dylan Howe gemeldet und ihm seine Glückwünsche übermittelt haben. Hat ihm wohl gefallen. Mir auch.
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