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Was hört Ihr gerade so?
Chiarina:
Die großartigste Platte, die The Clash in meinen Augen gemacht haben, ist "Sandinista" (von 1980).
Es ist ein Dreifachalbum mit knapp 2 1/2 Stunden Spielzeit und einem unglaublichem Stilkonglomerat, auf dem fast alles ausprobiert wird, was die Band zwischen die Finger bekommt: Reggae, Dub, Rap, Pop, Rock, Jazz, Gospel, verschiedene Folkloreeinflüsse, Klangcollage, Wiegenlied, Selbstpersiflage... Alle Stile sind im Wesentlichen erfasst, aber ein wenig verschroben mit einer eigenen Handschrift versehen worden. Im Endeffekt rangiert vielleicht nicht jedes der 36 Stücke auf allerhöchstem Niveau, aber viele sind absolut gelungen und die kreative Leistung ist für mich auch heute noch sehr beeindruckend. Für mich ist die "Sandinista" das "weiße Album" von The Clash.
Ein zentraler Song, auf den auch der Albumtitel hinweist, ist "Washington Bullets". 1979 stürzen die linken Sandinisten in Nicaragua den Diktator Somoza und übernehmen die Regierung. Der Song kritisiert die imperialistische Politik der USA und weist neben der Lage in Nicaragua auch noch auf ähnliche revolutionäre Ereignisse in Kuba und Chile hin. Am Ende sind in dem Song Hurra-Rufe zu hören, die den Sieg der Sandinisten feiern...
...aber um es deutlich zu sagen: Trotz ihrer eindeutig sympathisierenden Gesinnung waren The Clash selbst im damaligen Siegesrausch zu schlau für einen dummen, eindimensionalen Agit-Prop-Song. So heißt es in den letzten Versen nach der Kritik an der imperialistischen USA:
"´n if you can find an afgan rebel that the moscow bullets missed
ask him what he thinks of voting communist...
...ask the Dalai Lama in the hills of Tibet,
how many monks did the chinese get."
Ich bin heute noch voller Begeisterung über eine Band, die zu solchen Texten in der Lage ist. "Washington Bullets" ist in meinen Augen einer der ganz großen politischen Songs überhaupt.
Derzeit sind immer wieder Nachrichten zu hören, dass Ortega, der Sieger von 1979, in Nicaragua Gesetze erlässt, mit denen er Oppositionelle und Konkurrenten - darunter auch einige ehemalige Weggefährten - in den Knast bringt, um seine Wiederwahl sicherzustellen. 2018 wurden gegnerische Demonstranten zusammengeschossen: 300 Tote. Idealisten sind zu Ideologen, Befreier sind zu Diktatoren geworden. Mir fällt bei diesen Meldungen immer wieder "Washington Bullets" ein und manchmal denke ich dabei: "Vielleicht hätte man mal besser zuhören sollen!"
The Clash: Washington Bullets
Lyonesse:
Erobique & Jacques Palminger – Wann Strahlst Du?
Bemerkenswert auch der Zusammenschnitt der ''St. Pauli Szenen'' aus dem Film Mondo Cane von 1962.
Crimson King:
Ich find's gut, dass meine Einschätzung zu The Clash von jemandem mit deutlich profunderem Fachwissen geteilt wird.
Ich höre gerade Blood, Sweat & Tears - Child is Father to the Man, die Erfindung des Brassrocks.
Mithras:
Ich höre mich seit letzter Woche durch jede Menge Spwllburn Episoden... sind ja nur 111 Stück. Oh mann.
Crimson King:
Frank Zappa - Weasels Ripped my Flesh
Das weitgehend instrumentale, insgesamt recht experimentelle Album bildet wohl den Abschluss der ersten Schaffensphase von Frank Zappa. Im Anschluss wurde die Bandbesetzung bis auf Ian Underwood ausgetauscht. Ich finde das Album sehr gelungen. Anscheinend mag ich Zappa vor allem dann nicht besonders, wenn er sich gängiger Rock-Konzepte bedient und dazu seine Verkackeierungs-Texte raus haut. Sobald es ernst wird, wird es geil.
Und Waka/Jawaka hinterher. Genauso großartig.
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