Medien & Phantastik > Hören
Was hört Ihr gerade so?
Nebelwanderer:
Estampie- Chanterai por mon corage
Erinnert mich immer an Earthdawn
Chiarina:
Nochmal Brasilien: Acavernus & Yantra machen mehr oder minder minimalistische Musik, für die ich keinen Genrebegriff finde. Vieles basiert auf repetitiven Rhythmen, die aber sehr unterschiedlich erzeugt werden: Manchmal sind es mandolinenartige Klänge, manchmal Elektronik, manchmal Trommeln, die einem Track seine Basis geben. Oft werden kleine, improvisierte Samples dazu eingespielt. Manchmal war´s das dann auch schon. Dann aber gibt es auch Tracks mit Überraschungen. Zu denen gehört der folgende, in dem der 6/8-Beat zweier Trommeln nach 2 Minuten plötzlich abbricht und das zuvor als Beiwerk erscheinende Vogelgezitscher, Seufzen, Bambusflötengesäusel und Stapfen durch den Dschungel (?) plötzlich in den Vordergrund tritt und eine Eigendynamik entwickelt. Für meine Begriffe ein toller Track auf einer tollen Platte ("Gnose", Empfehlung!), der seinen Titel völlig zu Recht trägt.
Acavernus & Yantra: Enigma
Coltrane:
Gregory Isaacs - Night Nurse. Klassiker.
Und lobet den Algorithmus: Burning Spear mit Slavery Days direkt danach.
Chiarina:
Lee Konitz. Ein Saxophonist, der mit Cool Jazz angefangen hat, dann aber zusammen mit Leuten wie Lennie Tristano und Stan Kenton eigene Wege erforscht hat. Konitz war im Jazz jahrzehntelang mit dabei, in einigen Momenten sogar ganz vorn. Für den wirklich großen Durchbruch hat´s aber trotzdem nicht ganz gereicht. Von den Aufnahmen, die ich kenne, schätze ich das Album "Motion" von 1961 am meisten... und zwar, weil es zeigt, dass Konitz gar kein neues Genre braucht um frei zu sein. Auf dem Album spielt er wie üblich Altsaxophon und wird nur von Bass und Schlagzeug (Coltrane-Schlagzeuger Elvin Jones) begleitet. Die Stücke sind durch die Bank wohlbekannte Standards, aber die Harmonien werden aufgrund des fehlenden Akkordinstruments nur angedeutet, Konitz vermeidet klischeehafte Phrasen wo er nur kann und selbst die Melodien der Originale sind extrem zusammengestaucht und auf ein paar signifikante, zentrale Motive verdichtet.
Ich höre das am schönsten in der Nummer "All of me", deren Melodie sich jedem aufmerksamen Zuhörer nach einem Durchgang Billie Holiday wohl auf ewig im Gehirn festsetzt. Deshalb ist bei Konitz auch so gut zu hören, dass es noch ein paar ganz lose Berührungspunkte zu dem Song gibt, und ja, die Harmonien spielen durchaus noch eine Rolle, ansonsten besteht die Version aber aus freiem Improvisieren über eine Idee.
Niemand hat das je Free Jazz genannt. Das muss vielleicht auch gar nicht sein. Dennoch ist schwebt die Musik meterhoch frei über der Vorlage und ist dabei ganz und gar unverkrampft.
Billie Holiday: All of me
Lee Konitz: All of me
JS:
Och, das geht ja auch mal ganz gut: https://www.youtube.com/watch?v=nmBwcaN8hwg
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