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Was hört Ihr gerade so?

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Chiarina:
Konshens macht Dancehall-Reggae... und meistens finde ich seinen Output nicht allzu bemerkenswert... und die wackelnden Hintern der Frauen sind in seinen Videos oft besonders widerwärtig.

"Do Sum´n" ist in jeder Hinsicht der Track, der mehr will. Es geht mit Streichersounds los, und auch wenn es nur zwei Akkorde sind, es gibt immerhin ein wenig Harmony-Gesang, die Rhythmuspatterns bieten keine ausgelutschte 3+3+2-Ödnis, sondern umfassen zwei Takte und sind im Zusammenspiel mit den anderen Sounds manchmal geradezu tricky. Der Akkordwechsel ist primitiv, aber wann hat man so etwas überhaupt schonmal in einem Dancehalltrack gehört? Die Filtereffekte, durch die die Stimme gedreht wird, klingen gar nicht so öde wie sonst, und passen ganz gut zu diesen billigen, aber irgendwie geilen Plastiksounds.

Und das Video? Vor allem wird getanzt... und erfreulicherweise sind´s nicht nur billig ausstaffierte Mädels, die so aussehen, als hätte sie der Produzent gerade aus einem Rotlichtviertel geholt. Es gibt auch selbstbewusste ältere Damen und ganz smarte Jünglinge.

Und die lyrics? Naja, natürlich sind sie die Größten, und wer sie dumm anmacht, bekommt eins aufs Maul. Immerhin heißt es aber "we" und nicht "me"... und dann bekommt der werte Hörer auch noch eine Alternative aufgezeigt: Do sum´n!

Mag ich.

Konshens: Do Sum´n

Crimson King:
Jamiroquai - Emergency On Planet Earth

Mir ist persönlich nicht so klar, wieso Acid Jazz als Acid Jazz bezeichnet wird und nicht als Acid Funk. Musikalisch ist das Funk mit leichten Jazz-Elementen, wobei der Jazz-Anteil bei Jamiroquai spätestens ab Synkronized absolut vernachlässigbar ist. Das verlinkte Stück Blow Your Mind ist da eher auf der anderen Seite des Spektrums zu verorten und lässt sich durchaus als Jazzfunk charakterisieren.

Toll isses trotzdem, vor allem an einem Samstagmorgen, an dem man um halb sechs von Sohnemann geweckt wurde.

Chiarina:
Kotai + Mo. Das war Minimal Electro kurz vor der Jahrtausendwende.

Der Track "Vox Gum" beginnt mit dumpfem "Four on the Floor" und einem grummeligem, hektischen Basslauf. Zwei etwas höher liegende Töne stechen heraus und bleiben im Ohr hängen.
Eine gute Minute lang ist nichts anderes zu hören.
Dann kommt ein synthetischer Snare-Sound auf 1und dazu, der im Folgenden klanglich etwas modifiziert wird. Er wird mit zusätzlichen Geräuschen angereichert, bekommt mehr Hall, bleibt aber immer auf der 1und. Nach drei Minuten verschwindet er wieder und der Track kehrt zur Ausgangssituation zurück.
Dann erklingt eine Stimme. Was sie sagt, kann ich nicht verstehen. Jemand röchelt oder flüstert eine Weile mit Unterbrechungen zur Musik. Die beiden höheren Töne werden durch einen dritten erweitert. Nach etwas mehr als 4 1/2 Minuten pausiert das Kontinuum für einen Moment, wie es im Techno ja oft geschieht. Hier ist es aber nicht die Folge eines Höhepunktes, sondern geradezu beiläufig, an irgendeinem beliebigen Punkt im Track. Danach kehrt der Track erneut zum  Ausgangspunkt zurück.
Eine einzige Taktverschiebung - vielleicht auch nur ein schludrig gearbeiteter Anschluss - führt zur Rückkehr des Snaresounds. Ohne besondere Pointe endet der Track abrupt.

Ich kann der Musik etwas abgewinnen. Ich höre eine Art von Entdramatisierung, eine Reaktion auf die massenhysterische Tanzextase von Technoveranstaltungen. Techno ist ja ein beständiges Spiel mit den einfachsten Hörer- und Tänzererwartungen: Steigerung, Neuaufbau, noch ´ne Steigerung, Höhepunkt, Musik aus und die Leute tanzen trotzdem weiter, Neuaufbau...

Kotai + Mo haben sich von diesen Automatismen verabschiedet. Die Musik funktioniert nicht mehr wie Techno. Allerdings ist sie auch so reduziert, dass ich sie nur als Reaktion goutieren kann. Ich finde weder irgendwelche musikalischen Elemente, die mich zum Zuhören animieren, noch stellt sich irgendeine Art von Trance ein. Allenfalls lässt sich dazu elektronisches Shoegazing betreiben.

Na, warum nicht?

Kotai + Mo: Vox Gum

Ayou:
@Chiarina und Crimson King:
Ich lese eure Beiträge immer mit Begeisterung, auch wenn ich nur die Hälfte davon verstehe.
Dadurch habe ich schon einige tolle Schreibtracks für mich gefunden, die ihren Weg direkt in meine Playlist gefunden haben.
Eure Analysen sprechen, soweit ich das beurteilen kann, von einer anderen Art des Höhrens und des Auseinandersetzens mit der Musik. Durchaus inspirierend. Hat mich dazu gebracht bei der Musik mal genauer hinzuhören. Danke. :)

Heute ist es für mich:
Fall Out Boy - The Last Of The Real Ones

Chiarina:
Na, das liest sich gut! Vielen Dank.

Vorhin habe ich eine Aufnahme mit David Krakauer gehört. Das ist ein Klezmerklarinettist, der offensichtlich Freude an innovativen Experimenten hat. Wer also mal Klezmer-Musik mit modernem Fusion-Groove und kleineren (oder mittleren) Triller-Quietsch-Exzessen hören will, der klicke den Link. Das Ergebnis ist ungewöhnlich und hörenswert (und macht Spaß - mir zumindest):

Krakauer´s Ancestral Groove: Tribe Number Thirteen

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