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Was hört Ihr gerade so?
Sidekick-Kai:
Sadoghoul: Demo
https://thetruesadoghoul.bandcamp.com/album/demo
Uuuuuuuh! Eine E-Gitarre, ein Drumkit und krankhaftes Geschrei - mehr benötigt das Duo Sadoghoul aus den Folterdungeons des kleinen Städtchens Bersenbrück nicht, um vier Stücke wirklich vollends kaputter Musik zusammenzuschustern und auf die Menschheit loszulassen. Zum Teil klingt das tatsächlich frappierend nach meinen ersten musikalischen Gehversuchen mit ein paar verwegenen ... nennen wir sie mal sehr vorsichtig Musiker ... , als wir als Quartett versucht haben, halbwegs anständigen Grindcore zu machen (und natürlich grandios scheiterten). Das klingt nun erst einmal sehr überheblich und diffamierend, doch ich schreibe das tatsächlich mit einer positiven Intention: wer nur zu zweit in der Lage ist, einen derartig kranken Sound zu kreieren, hat einen Pokal verdient. Sadoghoul gelingt dieses Kunsstück; von daher ist das hier alles andere als Müll und verdient somit ein gewisses Lob. Auch nach dem drölfzigsten Anhören zaubern die vier ... ähm ... Lieder ein - wenn auch etwas obskures - Lächeln in mein Gesicht.
Chiarina:
Es gibt ja diese Nummern, die hört man und denkt: "O.K., das war´s, damit ist das Thema gestorben. Da kann niemand mehr einen drauf setzen." Vielleicht erkennt man später, dass es nicht immer nur um mehr, sondern vielleicht auch um anders geht. Natürlich ist ein Thema nie gestorben!
Trotzdem gibt´s Songs, die Maßstäbe setzen. "By the time I get to Phoenix" ist so einer. Er gehört in die Kategorie: Lovesong eines Betrogenen, der nur schwer loslassen kann. Und in dieser Kategorie gehört er zum Intensivsten, was vorstellbar ist. Ursprünglich ist es ein Song von Jimmy Webb, der davon berichtet, wie er seine Freundin verlässt und sich auf seiner Fahrt von einer Stadt zur nächsten voller Liebe und Sehnsucht vorstellt, was sie jetzt wohl gerade macht. Jedesmal schwingt die Überlegung mit, ob er nicht wider besseres Wissen umkehren und zu ihr zurückkehren soll. Am Ende heißt es einigermaßen lapidar, die Frau hätte nicht gedacht, dass er sie verließe, aber er habe es getan. Schon diese Gedanken anzuhören ist eine schmerzliche Sache.
Der Song ist etliche Male gecovert worden. Die bemerkenswerteste Version stammt wohl von Isaac Hayes. Sie ist fast 19 Minuten lang. Während der ersten 8 1/2 Minuten erklingt nicht viel mehr als ein einziger Liegeakkord einer wabernden Orgel. Zu diesem Akkord spricht Hayes, nur ganz selten verfällt er für einen kurzen Vers in einen souligen Singsang. Was da erzählt wird, ist ohne Übertreibung die ganz große Kiste: Wir bekommen erzählt, was Liebe alles vermag. Dann werden wir aufgefordert, uns auf die folgende Schilderung einzulassen. Und dann wird die Vorgeschichte des unglücklichen Mannes erzählt, der siebenmal seine betrügerische Frau verlassen hat, aber immer wieder zu ihr zurückgekehrt ist. Dabei ist er immer unglücklicher geworden und hat in den Augen seiner Frau alle Würde verloren.
Dann erfolgt auf dem noch immer gehaltenen Akkord der erste Vers des Liedes. Nach neun Minuten wirkt der erste Akkordwechsel fast wie ein Schock und jetzt folgt das eigentliche Lied, in dem dem Unglücklichen seine Flucht dann doch noch gelingt. Der Song dauert auch jetzt noch beachtliche 10 Minuten, was an dem recht getragenen Tempo liegt. Jede Station auf seiner Reise in die Fremde wird dramatisch in aller Ausführlichkeit vor uns ausgebreitet. Der Gestus wird auch immer emphatischer und endet schließlich in einem Orgelsolo.
"I really, really, really hate to go, oh yeah
But this heart of mine just can't take no more",
so lauten die letzten Verse, die den Song abschließen, und ich höre das an und bin irgendwie ergriffen, aber auch ein bisschen entgeistert angesichts der Überdosis an Seelenqual, die Hayes uns hier um die Ohren haut. Ich denke in meiner Befangenheit Dinge wie: "Es sind schon Leute für weniger ins Wasser gegangen" und weiß gar nicht, ob ich das wirklich hören will, so eine maximale Selbstentäußerung.
Letztlich muss ich aber anerkennen, dass sich da jemand doch sehr überzeugend einen Song zueigen gemacht hat. Und dann ist das, was es hier zu hören gibt, irgendwie auch der Gegenentwurf zu geschäftstüchtigem Kalkül, zu allzuschlauer Ironie und zu mainstreamhafter Musikware von der Stange und ich bin doch ein bisschen froh, dass sich noch solche Entdeckungen machen lassen.
Isaac Hayes: By The Time I Get To Phoenix
Mister Kitten:
Cascadian Black Metal von Awenden. Machen jetzt gar nicht so viel anders als zig andere, gefallen mir aber ziemlich gut: https://www.youtube.com/watch?v=XqIqw9RxjFI
Chiarina:
2000 hat Chick Corea zwei Live-Alben veröffentlicht. Das erste enthält Originalkompositionen ("Originals"), das zweite Cover ("Standards").
Auf dem Album mit den Originalkompositionen sind 3 seiner Children Songs drauf und zumindest die letzte dieser Nummern ist eine Erwähnung wert, wie ich finde.
Chick Corea präpariert hier das Klavier mit Gummipropfen, wischt auf den Saiten hin und her, erzeugt auf dem Klavierkorpus perkussive Sounds, zupft die Saiten mit seinen Fingernägeln, kurz: macht all die Dinge, die Avantgardekomponisten in ihre Partituren für Klavier auch hineinschreiben.
Interessant ist die Aufnahme, weil es sich ja um Improvisation handelt. Was da klingt, folgt einer spontanen Eingebung. Hört es sich anders an, als die Stücke, aus denen Chick Corea die Techniken abgeschaut hat? Ja, muss ich sagen... vielleicht ein wenig langweiliger, aber auch etwas hörerfreundlicher und immer mal wieder mit kleinen Momenten durchsetzt, wie sie einem Keith Jarrett auch hätten einfallen können.
Nach etwas mehr als 6 Minuten verschwinden die Avantgardesounds. Der Übergang ist fließend, was ich bewundernswert finde. Ich mag auch, wenn Chick Corea sich rhythmisch immer wieder wiederholende Figuren im Bass spielt und mit der rechten Hand darüber wirklich sehr davon befreit andere Geschwindigkeiten darüberlegt.
Am Ende tauchen ein paar einfache Melodiefragmente auf... möglicherweise das Kinderlied, ich kenne das Original nicht. Für die letzten 20 Sekunden erklingt dann noch einmal das Avantgarderauschen.
Bei aller Anerkennung für die pianistischen Fähigkeiten. "Plopp"- und "Wusch"-Sounds lassen sich auch als musikalisches Element verwenden, nicht nur als bunte Klangtapete ohne weitere Bedeutung! - Insgesamt nicht ganz mein Fall.
Chick Corea: Children Song #12
6:
Lief gerade im Radio :D
Justin Hawkins - This Town Ain't Big Enough for Both of Us
Ja ja. Original von den Sparks... sind ja eh auch dabei.
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