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Was hört Ihr gerade so?

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Sidekick-Kai:
Verhängnis: Irrlicht

Es ist immer wieder erstaunlich, was für räudige und kaputte Mucke die Friedhofs-Taskforce des kleinen Bersenbrückers Do-It-Yourself-Labels Kellerassel Records  auf ihren nächtlichen Streifzügen auf norddeutschen Totenackern so ausbuddelt... Gut, das 2018 ins Unleben gerufene Ein-Mann-Projekt Verhängnis stammt aus Nordrhein-Westphalen, aber wenn man wie ich so lange quasi an der Schweizer Grenze lebt, verschiebt sich die Sichtweise irgendwann zwangsläufig und ALLES NÖRDLICH VON FRANKFURT gilt dann als norddeutsche Provinz, basta! ;).

Der Titeltrack beginnt bereits äußerst unheilschwanger mit einem derart bedrohlichen Intro, nur um in den eigentlichen Song einzusteigen, der besagte Bedrohlichkeit mühelos transportiert, und in ein fettes Midtempo-Death-Metal-Brett überzugehen. Auch die restlichen sechs Stücke der knapp 36-minütigen-Kassette - voller düsterer Melodien und eine gewisse dichte, stets Unheil verströmende Atmosphäre versprühend - verharren meistens im Midtempo, auch wenn Alleinunterhalter Elend immer wieder feist in Doomgefilden wildert, was eine gewisse Abwechslung bedeutet. Einziges Manko: Alles ist viel zu schnell durchgehört.

Auf Bandcamp kann man sowohl in die aktuelle Scheibe als auch in die Demos MMXX sowie Verhängnis (beide 2020) für umme reinhören. Bei Gefallen aber bitte ein paar Euronen da lassen, klar?!?

Chiarina:
Peggy Lee. Sie war von den 40ern bis Anfang der 70er Sängerin irgendwo zwischen Jazz und American Songbook. Es gibt einige hübsche Songs von ihr, darunter eine Coverversion von "Fever", die ich schätze... auch ein oder zwei alberne Songs, die ziemlich schräg sind - allerdings auch einige Standardware.

Ihr größtes Ding ist aber in meinen Augen zweifellos "Is that all there is?". Hier wird anhand einiger Stationen dargestellt, wie die Sängerin in außergewöhnliche Situationen gerät, sich aber jedesmal fragt: "Ist das alles? Dann sollten wir trinken und tanzen, denn sonst bleibt uns nichts mehr zu tun." Es geht los mit einem kleinen Mädchen, dessen Haus Feuer fängt. Der Vater rennt mit ihm auf dem Arm ins Freie, das Mädchen fragt sich: "Ist das schon alles?" Dann eine Szene im Zirkus, dann die große Liebe, die aber doch irgendwann zerbricht. Stets lautet der Kommentar: "Ist das alles?" Dann eine kurze Reflektion: Vielleicht meint ihr, dann könne ich mir gleich die Kugel geben? Aber nein, heißt es. "I´m not ready for this final disappointment" Denn, verrät uns die Sängerin, sie weiß genau, dass sie sich im Jenseits umsehen und dann sagen wird: Ist das alles? Dann sollten wir trinken und tanzen.

Trinken und Tanzen... das steht ja hier in gewisser Weise für die Flucht. Die Sängerin trinkt und tanzt ja nicht, weil das so schön ist. Wenn sie das täte, könnte sie gleich wieder sagen: "Ist das alles?" Sie trinkt und tanzt vielmehr, weil sie die ganze Misere für einen Moment vergessen will. Und deshalb ist das für mich einer der deprimierendsten Songs, die es gibt. Jegliche Freude wird negiert. Es gibt keinen Ausweg - nur eine kleine Flucht für einen kurzen Moment. Das ist aber auch kein Song über das Leiden, es geht um den maximalen Überdruss, die maximale Langeweile.

Was geschieht musikalisch? Zunächst ist auffällig, dass nur der Refrain gesungen wird. Einen Großteil des Textes spricht Peggy Lee... ein wenig Mitteilungsbedürfnis ist ihrer Stimme zu entnehmen, es steckt aber auch eine große Müdigkeit darin. Die Begleitung der Strophen ist dem jeweiligen Inhalt angepasst: für das kleine Mädchen erklingt eine süßliche Musical-Atmosphäre, im Zirkus eine Zirkuskapelle, zur Lovestory ein paar Streicher. Nichts davon ist authentisch, alles klingt irgendwie falsch und gewollt. Im Refrain setzt ein Backbeat mit Banjo ein, der nach Kabarett klingt. Peggy Lee singt jetzt zwar, aber es klingt widerwillig, fast so, als sei es die Mühe nicht wert. Die Melodie des Refrains geht ziellos auf und ab. Spannung wird keine aufgebaut. Es klingt wie eine lustlose, etwas mechanische Gesangsübung. "Ist das schon alles?", das sollen auch wir zur Musik sagen... und zumindest bei mir funktioniert es.

Der Song entlockt mir noch nicht einmal ein wehmütiges Lächeln. Er ist wie der Blick in den Abgrund: Mich schaudert... und dann danke ich dafür, dass ich so etwas nicht selbst fühlen muss und höre schnell etwas anderes.

Peggy Lee: Is That All There Is?

Crimson King:
Nach dem ganzen tendenziell intellektuellen Kram der letzten Monate hatte ich spontan Bock auf was Rustikales und haue mir das Debutalbum von Metal Church um die Ohren. Die Band, das Album und das verlinkte Stück sind essenziell für die Entwicklung des US Power Metal.

Chiarina:
Ich höre „Courthouse Scandal“, eine nette Calypsonummer von Maureen DuValiera (aka “Calypso Mama”). Besungen wird eine Frau, die von ihrem Geliebten geschlagen wurde und ihn vor Gericht bringt. Dort nutzt sie dann die Gelegenheit um sich zu rächen und zurückzuschlagen. Dem Gericht erzählt sie, dass der Anblick des Mannes ihren Zorn so entfacht hat, dass sie sich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Dem Gericht bleibt am Ende nichts anderes übrig, als beide Streithähne zu verurteilen.

Karnevalsmusik, in der die Probleme des Alltags thematisiert werden… das gefällt mir ganz gut. Ich mag außerdem die Stimme und das Kreol der guten Frau.

Calypso Mama: Courthouse Scandal

Sidekick-Kai:
Nightmare Endless - Nox Somnium

Und schon wieder ein Album, auf das man auf Bandcamp (https://nightmareendless.bandcamp.com/album/concretum-infernum) erst einmal reinhören kann...  :headbang:

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