Medien & Phantastik > Hören
Was hört Ihr gerade so?
Sidekick-Kai:
Montagmorgen - man quält sich aus der Pofe...
Sinister - Awaiting The Absu
Chiarina:
Eastern Margins Redline Legends. Das ist ein Sampler mit irgendwelchen fernöstlichen Plastiktechno-Hyperbubble-Heliumvoices-Speedtracks, die überwiegend durch ihren Einsatz in irgendwelchen Stripshows o. ä. Bekanntheit erlangt haben... naja, das meiste erschließt sich mir nicht. Einige Tracks finde ich ausgesprochen grauenvoll. Ich weiß nicht so recht, wer sich das warum antut. Die verlinkte Nummer ist das Highlight der Sammlung - ich finde sie ganz gut, weil sie die Drum´n´Bass Idee aufgreift und mit einigem Erfolg in die Gegenwart transportiert.
JD X: Red Hot Fist
Jiba:
Shary Bobbins feat. The Simpsons – "Do a Half-Assed Job"
Sidekick-Kai:
Neil Young - Greatest Hits
Ich höre mich langsam rein. LushWoods hat mir die CD zukommen lassen. (Danke, Mann!)
Chiarina:
Ich höre John Lennons "Jealous Guy" und denke: Was für ein toller Song!
Der Song ist schon lange um mich herum. Ich hatte ihn als Jugendlicher auf einem Mix-Tape. Direkt davor befand sich Bowies "Moonage Daydream" und da hat mein Gehirn aus Lennons eifersüchtigem Kerl einfach "Jellysky" gemacht. Als ich den Irrtum bemerkt habe, war´s mir peinlich... und der Song war ein bisschen entmystifiziert. Es geht gar nicht um irgendwelche Weltraumodysseen? Tatsächlich denkt der Sänger an irgendein Beziehungsdrama in der Vergangenheit, bei dem er sich nicht korrekt verhalten hat und bittet dafür um Entschuldigung. Hilflos behauptet er, er sei eben leider nur ein eifersüchtiger Kerl. Eine reichlich alltägliche Angelegenheit.
Inzwischen schätze ich den Song sehr und mir fällt auf, wie schön hier mit Akkorden gearbeitet wird.
In den Strophen fallen die Trugschlüsse auf: Akkordfortschreitungen, bei denen nach einer spannungsreichen V. Stufe nicht die Schlusswendung zur I. Stufe, sondern stattdessen die VI. Stufe und die damit verbundene Verkehrung des Tongeschlechts (Dur statt Moll oder Moll statt Dur) eintritt. Im Intro ist die Fortschreitung bereits einmal zu hören, in den Strophen sogar zweimal. Diese Akkordverbindung taucht in der Musik öfter zu dramatischen Gelegenheiten auf... gern auch bei Beziehungsstress - und es ist sicher auch kein Zufall, dass ihr Name "Trugschluss" ist: "I was dreaming of the past and my heart was beating fast. I began to lose control."
Am Strophenende wird der letzte Vers wiederholt. Zu seiner letzten Silbe (conTROL) erklingt ein überraschender Akkord, der aus dem bisherigen Geschehen herausfällt. Ist das nicht ein großartiger Moment, der sich auch dramatisch optimal entfalten kann? Zweimal wird das Gleiche gesagt, aber gerade die Wiederholung verdeutlicht, wie extrem empfunden wurde - und die Musik bestätigt das auf ihre Weise. In der zweiten Strophe heißt es an dieser Stelle "I was shivering inside" und in der dritten Strophe "I was swallowing my pain". Es ist immer der innere Herzschmerz, dreimalige Verswiederholung und dreimalige musikalische Entwurzelung.
Aber auch das Klavier mit seinen aufwärtsgeführten Akkorden deutet hier an, dass etwas Neues bevorsteht. Es folgt der Refrain, der die Bitte des Sängers um Entschuldigung beinhaltet. Und auch hier sitzt alles perfekt: Der schlichte Rückblick ("I didn´t mean to hurt you") mit einem ziemlich normalen akkordischen Spannungsverlauf, die schmerzliche Erinnerung ("I´m sorry that I made you cry") mit zusätzlichem Überraschungsakkord auf "cry" und das extrem nüchterne Eingeständnis ("I´m just a jealous guy") mit Taktverkürzung und allerknappster, demutsvoller Schlusswendung.
Ein perfekter Song. Kunstvoll, aber nicht zu intellektuell. Wirkungsvoll, aber nicht zu platt. Groß, aber nicht auftrumpfend. Zu Recht ein Klassiker.
John Lennon: Jealous Guy
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