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Was macht ein Killerspiel zum Killerspiel?
YY:
--- Zitat von: Tjorne am 27.07.2011 | 19:28 ---Letzteres bedeutet vor allem, dass "normale" Leute zumindest einen Augenblick zögern, bevor sie auf einen Menschen schießen - Egoshootertraining kann dieses Zögern um (möglicherweise entscheidende) Sekundenbruchteile oder Sekunden verringern.
--- Ende Zitat ---
Diesbezügliche Untersuchungen sind aber mit Vorsicht zu genießen, weil sie auch nur Simulationen vergleichen (die i.d.R. auch wieder komplett am Rechner stattfinden). Auswirkungen auf den tatsächlichen Tatablauf in einer Realsituation kann man so nicht feststellen, zumal die Getesteten ohnehin nicht zur Tätergruppe gehören...
Gerade um die "normalen" Leute geht es dabei nämlich nicht.
Wann kommen denn "normale" Leute in die Verlegenheit, wahllos auf Leute zu schießen?
Gar nicht.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Höchstens müssen sie gezielt gegen einzelne Personen vorgehen, und dann spielt die konkrete Situation und vorhergegangenes richtiges Training die viel größere Rolle.
Jemand, bei dem das entsprechende Training nicht "anschlägt", dem werden auch Ego-Shooter nicht helfen und es wird auch i.d.R. niemand sein, der Shooter gezielt zum Training verwendet - und zumindest die Trainingsintention halte ich da für eine wichtige Komponente, weil man daran, ob jemand "nur spielt" (auch wenn er gut spielt) oder grundsätzliche Erkenntnisse mitnehmen will, meist sehr gut die später beobachtbaren Differenzen bei der Transferleistung festmachen kann.
Beim Amoktäter oder sonstigen active shooters ist so ein Trainingseffekt, sofern es ihn gibt, völlig vernachlässigbar - solche Täter handeln nach dem Tatentschluss ohnehin automatisch bzw. ohne großartige Reflektion, zumindest einige Zeit lang (u.A. das macht sie ja so gefährlich).
Z.B. bei Derrick Bird (2010) oder Thomas Hamilton (1996) gibt es AFAIK keine "Ego-Shooter-Komponente"; bei Charles Whitman (1966) oder Walter Seifert (1964) zwingend nicht.
Die Tatverläufe und Zeugenaussagen zum Täterverhalten waren jedoch (wie zu erwarten) sehr ähnlich wie bei Taten mit "shooter-geschulten" Tätern.
--- Zitat von: Plagiator am 28.07.2011 | 09:46 ---Auch wenn er das glaubt, behaupte ich mal ganz vermessen, dass das Üben mit realen Schusswaffen auf dem Schießstand effektiver als jeder Ego-Shooter war. Rückstoß, Magazin auswerfen, neues durchladen etc. und dann von der Waffe Gebrauch machen
--- Ende Zitat ---
Und selbst das ist bei Licht betrachtet ziemlich irrelevant.
Für so eine Tat muss man im Prinzip nur in der Lage sein, die Waffe unfallfrei zu bedienen und kleinere Störungen zu beseitigen.
Solange es keine koordinierte Gegenwehr gibt, braucht man weder ein sonderlich guter Schütze zu sein noch die Waffe außergewöhnlich schnell und sicher bedienen (also alles abseits des Schießens) zu können noch taktisch sauber zu agieren.
--- Zitat von: Teylen am 28.07.2011 | 09:55 ---Sondern breit ausgefuehrt wo ihm die Shooter geholfen haben. Also hauptsaechlich im taktischen Bereich und hinsichtlich des Reizschwellen abbauen.
--- Ende Zitat ---
Hast du da evtl. einen Link zum (deutschen oder englischen ;)) Wortlaut?
Oder steht das im Manifest?
--- Zitat von: Teylen am 28.07.2011 | 09:55 ---Naja und sein Headcount scheint die Effektivitaet gegenueber gewoehnlichen Amoklaeufern ja zu bestaetigen.
--- Ende Zitat ---
Das ist zum allergrößten Teil auf die verwendete Waffe und den sehr günstigen Tatort zurückzuführen sowie darauf, dass der Täter bei vielen Opfern sicher gegangen ist (und das aufgrund der Situation überhaupt tun konnte), dass sie tot sind.
Teylen:
--- Zitat von: YY am 28.07.2011 | 16:39 ---Hast du da evtl. einen Link zum (deutschen oder englischen ;)) Wortlaut?
Oder steht das im Manifest?
--- Ende Zitat ---
Steht wohl im Manifest,
http://www.sueddeutsche.de/digital/anschlaege-in-norwegen-wie-der-attentaeter-sich-mit-ego-shootern-vorbereitete-1.1125117-2
--- Zitat ---Breivik empfiehlt die moderne Kriegssimulation ausdrücklich als "Schießübung" für "urbane Europäer wie uns", die "Schwierigkeiten haben dürften", überall mit realen Waffen zu trainieren: "Call of Duty", so Breivik in seiner Anleitung, "ist da eine sehr gute Alternative".
Dennoch solltet ihr versuchen, auch mit automatischen Gewehren zu üben. Fahrt in Länder, in denen man ungestörter trainieren kann als hier." Dennoch würdigt er den Realismus der Spiele: "Der militärische Drill neuer Prägung", so schreibt er, verlagere "das Training weg von der physischen Übung hin zu Computersimulationen". Das ermögliche "längere Übungszeiten in realistischeren Situationen. Sie kosten weniger und sind mit weniger Risiko verbunden", schreibt er an anderer Stelle.
Er rät deshalb dazu, in "Internet-Cafés zu gehen, um online ,Modern Warfare' in der Multi-Player-Version zu spielen". Er selber habe das Spiel 2010 erworben: "Modern Warfare 2 ist vermutlich die beste Militär-Simulation, die es gibt. Und eins der heißesten Spiele überhaupt." "Ich", so Breivik dazu, "mag zwar eigentlich Rollenspiele lieber. Aber ich sehe MW2 als bedeutenden Teil meines Trainings. Mehr noch als alles andere. Ich lernte es lieben. Man kann damit mehr oder weniger alle Operationen simulieren."
Wirre Vermischung von realer und Spiele-Szenerie
Wenn ich dann loslege", so räsoniert er in der wirren Vermischung von realer und Spiele-Szenerie über den Ablauf seiner tatsächlichen Attentate, "dann werde ich wohl zu Gott beten, während ich durch die Straßen renne, im Visier der Gewehre, die auf mich zielen, verfolgt von bewaffneten System-Schützern, die versuchen werden, mich zu stoppen und/oder zu töten.
Ich habe eine 70-Prozent-Chance, mein erstes Ziel zu erreichen, eine 40-prozentige für das zweite, 20 Prozent für das dritte. Und weniger als fünf Prozent, um mein Bonus-Level zu erreichen. Ich vermag jetzt nicht zu sagen", so notiert er abschließend, "in welcher mentalen Verfassung ich während der Operation sein werde. Ich werde im Ephedrin-Rausch sein, der meine Aggressivität erhöht. Ich werde dabei meinen iPod auf volle Lautstärke stellen und vermutlich 'Lux Aeterna' von Clint Mansell in einer Endlosschleife hören."
--- Ende Zitat ---
YY:
Ok, danke.
Habs jetzt mal im Original nachgelesen und das Zitierte ist keine Zusammenfassung, sondern wirklich ziemlich alles, was dazu zu finden ist.
Wenn ich das und andere Stellen so lese (Allgemeinplätze und Tautologien neben totalem Unfug, groben Fehleinschätzungen und Gefasel), drängt sich mir immer mehr der Schluss auf, dass hier ein ganz schön blindes Huhn ein paar Körner gefunden hat - blöderweise muss man für so einen Anschlag nicht sonderlich viel können.
Edler Baldur:
Man sollte aber auch beachten, dass das Manifest eh aus vielen Quellen und Federn stammt.
Sashael:
--- Zitat von: Teylen am 28.07.2011 | 09:55 ---Naja und sein Headcount scheint die Effektivitaet gegenueber gewoehnlichen Amoklaeufern ja zu bestaetigen.
--- Ende Zitat ---
90 Minuten ohne jede Gegenwehr und keiner kommt vom Tatort weg weg. Da kannste der letzte Bleppo sein und trotzdem mehr Menschen umbringen als andere Massenmörder, wo schon nach 30 Minuten Einsatzkräfte vor Ort sind und die Opfer (wenigstens zum Teil) die Möglichkeit haben, endgültig wegzurennen.
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