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[VtM] Euer Spielverständnis?

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Koenn:
Zu deinen Fragen:

1) Wie andere Leute Rollenspiel sehen liegt nie an einem selbst. Man kann sich wandeln, man kann andere auf ihr Verhalten ansprechen oder sich selbst ansprechen lassen.

2) Jein; es gibt sicherlich tausende Rollenspielgruppen, in die ich nicht reinpassen würde, weil mir die Spielweise der Gruppe nicht behagt, oder meine ab und an exotische Denkweise nicht zu anderen passt. Ist wie das finden von Freunden, es muss ein gemeinsames Interesse vorhanden sein, man muss einen ordentlichen Draht zueinander haben. Allerdings kann man sich die Gruppen ja gezielt aufbauen; das kann schnell gehen oder lange dauern, aber aus eigener Erfahrung: es lohnt sich immer.

3) Auch jein. Es ist halt nun einmal so, dass Vampire eher überdurchschnittlich viele komische Typen anzieht, das liegt am Flair des Spiels. Aber wenn man Gleichgesinnte trifft, die in Vampire ungefähr dasselbe sehen wie man das selbst tut, dann liegt das nicht am System. Ich selbst war kurz davor einen Haken an die komplette oWoD zu setzen, weil sich binnen kurzer Zeit bzw. nacheinander drei Runden aufgelöst haben, wegen komischen Leuten. Daraufhin habe ich den Versuch gestartet mir die Mitspieler auszusuchen, et voilà: die Runde läuft seit 1,5 Jahren und macht enorm Spaß.

4) Die qualitativen Unterschiede bei Vampire liegen an der Wurzel. Es gibt einfach unterschiedliche Autorenteams und Ideengeber (schaut einfach in die Bücher rein, wer sie verzapft hat). Der eine hatte gute Ideen, der andere nicht, der eine hat schlüssige Dinge verfasst, der andere nur Mist. Vieles liegt auch daran, dass Vampire bei der oWoD das Zugpferd war und deshalb mit Abstand die meisten Bücher hat. Demon the Fallen liefert kaum Qualitätsunterschiede, es gibt aber auch nur eine handvoll Bücher dazu, dazu hat es weniger verschiedene Köpfe gebraucht. Letztlich bleibt einem bei Vampire nichts anderes, als sich darauf zu einigen, was man alles verwenden wird, was man davon hausregelt (empfielt sich) und was man weglässt. Ich selbst habe für V:tM einige viele Dinge von V:tR übernommen, zum Beispiel die Regionalität. Für mich bringt das einen qualitativen Unterschied, die Spieler denken nicht mehr permanent an das große Ganze, sondern auch auf kleinster Ebene, die das Rollenspiel persönlicher macht.

Scimi:

--- Zitat von: TanjaT am  4.08.2011 | 19:46 ---Da ich ja die Ursprungsfrage gestellt habe aus - logischerweise - persönlichem Interesse, dazu mal meine Intention:
1) Liegt es an mir?
Wenn es an mir liegt: Ist es etwas, das ich a) ändern kann, b) ändern will?
2) Liegt es an der Gruppe/den Gruppen?
Falls ja: Kann/will ich darüber hinwegsehen oder sollte ich mich besser weiter auf die Suche begeben?
3) Liegt es am System (da Probleme so gehäuft auftauchen)?
Falls ja: Hat es Sinn, trotzdem daran kleben zu bleiben oder wäre es durchweg sinnvoll, einen Haken daran zu setzen?
4) Warum bestehen bei im Grunde gleicher Regelmechanik qualitative Unterschiede zwischen VtM und dem Rest der WoD?
Falls lösbar: Kann man VtM dann in Richtung der sonstigen WoD bewegen oder ist das ein System-im-System-doof-Problem?

--- Ende Zitat ---

Wenn man in einer Gruppe unzufrieden ist, dann kommen dafür meist viele Dinge in Frage. Und so einfach wie "Das System ist schuld, spielt was anderes und es wird klappen" oder "Die Gruppe ist Mist, such dir eine andere" ist eine Lösung selten.

Hast du denn mit deinen Mitspielern einmal darüber geredet? Wenn die etwas sagen wie "Gewalt ist voll geil und der einzige Grund, warum ich den Mist überhaupt spiele" oder "Vampire muss man so spielen, dass geht vom System und vom Hintergrund gar nicht anders", dann hast du deine Antwort genauer und schneller, als wenn wir hier herumraten.  :)

Teylen:
Für den Fall das die Fragen an andere gestellt waren.

1) Die Wahrnehmung respektive den Anspruch den man an ein System sowie die Mitspieler stellt liegen, meines Erachtens, durchaus an einem selbst.
a) Man kann, zumindest versuchen, die Betrachtungsweise zu verändern.
Wenn es einem lohnenswert erscheint, wenn man sich einen Erkenntnisgewinn davon verspricht, wenn man der alten Betrachtungsweise überdrüssig geworden ist, wenn man die eigene Betrachtungsweise hinterfragen möchte, wenn sich man ein pluralistisches Spektrum erarbeiten möchte. und bzw. oder was einen im weiteren noch für Anlässe einfällt.
b) In wie weit man den Antrieb dazu hat, die Motivation respektive ob man es will muss man selbst wissen.
Man kann sich Anregungen holen, aber es kann einem keiner sagen ob man will oder das man es zu wollen hat.

2) Das Spielgefühl wird, gerade bei V:tM, durch das Spielverständnis der Gruppe geprägt.
Wenn man merkt das ein Dissenz zwischen dem eigenen Spielverständnis sowie dem der Gruppe oder Mitspieler besteht hat man mehrere Optionen.
Man kann darüber hinwegsehen. Idealerweise in dem man die Wahrnehmung der Mitspieler nachvollzieht, sich zu eigen macht, sich die Motivation und den Spielspa0 vor Augen führt. Darauf basierend kann man zu der einem eigenen Haltung zurückkehren und ein friedlich miteinander spielen. Zumindest habe ich die Erfahrung gemacht das die Vorgehensweise, für mich, wenn sich die Problematik nicht sehr stark aus dem Stil des Storyteller ableitet, durchaus nicht schlecht funktioniert.
Man kann weiterhin nach Gruppen sowie Spielerkonstellationen suchen die einem eher Zusagen als jene innerhalb der man gerade agiert. Hat man sich ein pluralistisches Wahrnehmungsspektrum schaffen können kann man sogar jede einzelne Gruppe hinsichtlich des jeweiligen Spielverständnis auskosten. [Das heißt z.B. Action orientiert spielen, Dramen orientiert spielen, Geschichts orientiert spielen, eine Mischform praktizieren]

3) Die Problematik ergibt sich durchaus aus dem System.
Das letztlich keinen Spielstil verbietet oder ein Spielverständnis vorschreibt.
Wenn einem die vielfältige bzw. offene Herangehensweise nicht gefällt, man nicht mit der Existenz von dem eigenen Spielverständnis abweichenden Haltungen zurecht kommt, man es als Problem sieht das V:tM verschiedene Vorlieben anspricht und dabei gerade gemessen an modernen Regelnwerken nicht mehr hinsichtlich der Regelmechanik mithalten ist es sicherlich sinnhaft sich einem anderen System zuzuwenden.
Ich denke nicht das V:tM mit einem recht aggressiv postulierten Spielverständnis Spaß macht, da man damit leben muß das es Spieler gibt die es nicht teilen.

Man kann die Nachteile des Systems auch in die Waagschale gegenüber etwaiger Vorteile werfen.
Wenn man die Thematik mag, nachdem man einen Vampire als Spieler Charakter führt, wenn man die Beschreibung des Vampiremythos mag, die Strukturierung der Gesellschaft sowie Gesellschaften, die geschaffenen Hintergründe sowie die Implikationen einer sich bewegenden Hintergrundwelt, die globalen Zusammenhänge sowie Strukturen, die im Regelwerk vereinten unterschiedlichen Ansätze wie der viele Crunch, die storyorientierte Beschreibung der Menschlichkeit, das unter cinematischen Gesichtspunkten gestaltete Kampfsystem, die Erweiterungsregeln und was einem für wahr noch an Gründen einfällt V:tM als System, als Komplettpaket aus System & Setting, zu lieben überwiegt es vielleicht den Ansatz der Problematik hinsichtlich des Spielverständnis.

Wenn man eigentlich der Ansicht ist das V:tM nur Mainstream ist, der Platzhirsch welcher den qualitativ höherwertigen Systemen den Platz an der Sonne nimmt, das Spiel das absolut jeder spielen mag - auch solchen die man (direkt gesagt) für Deppen hält - frage ich mich schon wieso man damit anfängt und sich daran festhält.

4) Ich glaube nicht das ein qualitativer Unterschied zwischen V:tM und "dem Rest der WoD" besteht.
Es besteht sicherlich ein quantitativer Unterschied dahingehend das V:tM als komplettes Werk mehr Bände umfasst.
Aber ein qualitativer Unterschied? Nur weil man bei V:tM vermehrt Spieler findet die ein anderes Spielverständnis haben als man selbst?

Wenn in anderen Systemen ein stimmigeres Spielerfeld gewähnt wird, würde ich es mir eher dadurch erklären das die Spielerschaft hinsichtlich der anderen Systeme ein Bruchteil jener von V:tM ist. Was sich dahingehend äußert das auf der Grand Masquerade, nach dem ich heute einen Blick auf das Rundenangebot warf, gut die Hälfte aller angebotenen Runde Vampire Die Maskerade Runde sind. Das man dort keine offene Maskerade Runde - Sabbat sehr wohl - findet, aber relativ wenig ausgebuchte Runden aus anderen Systemen.

Insofern kann ich mir vorstellen das "die paar Mann" (farbig formuliert) die Changeling spielen, Werewolf, Mage oder gar noch Wraith, eher ein einheitliches Spielverständnis haben als die Massen von Vampire Fans.

Hinsichtlich der Qualität wäre ich zu der Aussage geneigt das es ein qualitativer Vorteil von V:tM ist viele Spielverständnisse problemlos zu bedienen.

Was die Lösungsfrage betrifft.
Theorethisch, als Überlegung, sollte es möglich sein eine Einengung des Spielverständnis bei V:tM zu erreichen in dem man auf die Vampire-Nischensysteme zurück greift. Namentlich: "Ebony Kingdoms" sowie "Kindred of the East".
Da beiden Systemen eine geringe Aufmerksamkeit wieder fuhr als Maskerade und selbst Dark Age sollten die Spieler homogener sein. Vielleicht hilft auch Dark Age, wobei das zu den beiden Settings doch schon populär ist.

Oberkampf:

--- Zitat von: TanjaT am  4.08.2011 | 19:46 ---1) Liegt es an mir?
Wenn es an mir liegt: Ist es etwas, das ich a) ändern kann, b) ändern will?

--- Ende Zitat ---

Nach dem, was du geschildert hast, würde ich konkret sagen: deine Spielvorlieben und die vieler anderer V:tM-Spieler stimmen nicht überein. Du hast wohl schon versucht, Kompromisse zu finden, aber das hat bislang keine Wirkung gezeigt. Rolenspiel ist ein Hobby, bei dem man sich entspannen und das Spiel genießen soll. Wenn V:tM dir bei deinen Spielvorlieben keinen Spaß macht, du an anderen Systemen aber Spaß hast, spiel die Systeme. Oder finde heraus, welche Spiele auf deine Spielvorlieben hin designt wurden und such' dir da entsprechende Gruppen, z.B. am Schwarzen Brett von Tanelorn. Seine eigenen Spielvorlieben verleugnen, um irgendein System mitzuspielen, führt meiner Meinung nach nur zu Frust. Ich kann es auf jeden Fall nicht auf längere Zeit hin (auch wenn ich für sehr unterschiedliche Spielweisen zu haben bin), und würde mich lieber neu orientieren, als mich zu einer Runde zu zwingen.


--- Zitat von: TanjaT am  4.08.2011 | 19:46 ---2) Liegt es an der Gruppe/den Gruppen?
Falls ja: Kann/will ich darüber hinwegsehen oder sollte ich mich besser weiter auf die Suche begeben?

--- Ende Zitat ---

Wie gesagt, es ist in meinen Augen einfach eine Inkompatibilität. Blindlings neue Gruppen nach Systemvorliebe zu suchen halte ich dabei nicht für eine gute Lösung, ich würde vorschlagen, eher gezielt nach Gruppen zu suchen, die in einem Spielstil spielen, der dir zusagt. Dabei würde ich auch immer von vorne herein deine Grenzen/Tabus was Gewaltdarstellung angeht bekanntgeben - egal bei welchem Rollenspiel, das halte ich für sehr wichtig. Wenn du allerdings vom Vampir-Fandom her auf V:tM gestoßen bist und speziell ein Vampirspiel suchst, wird es ein wenig schwieriger, Alternativen zu V:tM finden. Es gibt sie, aber sie sind in Deutschland nicht sonderlich populär.


--- Zitat von: TanjaT am  4.08.2011 | 19:46 ---3) Liegt es am System (da Probleme so gehäuft auftauchen)?
Falls ja: Hat es Sinn, trotzdem daran kleben zu bleiben oder wäre es durchweg sinnvoll, einen Haken daran zu setzen?

--- Ende Zitat ---

Bei V:tM können (müssen aber nicht!) zwei auf den ersten Blick verschiedene, abschreckende Spielweisen auftreten: die Erzählonkelei und das Blutbad. Das Blutbad entsteht, wenn man "Dark Superheroes with Fangs" spielt und dabei zu sehr evil sein will. Theoretisch kann dir das bei jedem System passieren, auch dass eine D&D Gruppe unbedingt "alignment evil" spielen will, aber bei einem Spiel, das von vorne herein darauf angelegt ist, das Monster zu spielen, wird wohl häufiger Blutbad gespielt.  


--- Zitat von: TanjaT am  4.08.2011 | 19:46 ---4) Warum bestehen bei im Grunde gleicher Regelmechanik qualitative Unterschiede zwischen VtM und dem Rest der WoD?
Falls lösbar: Kann man VtM dann in Richtung der sonstigen WoD bewegen oder ist das ein System-im-System-doof-Problem?

--- Ende Zitat ---

Nach meiner Einschätzung kommen die Unterschiede daher, dass man bei den anderen WoD-Spielen (außer vielleicht Demon, das kenne ich nicht) keine durchgängig bösen Kreaturen spielt. Ja, einige Werwölfe und Magierorden haben eine mehr als zweifelhafte Weltanschauung und einige dubiose Praktiken (und vor allem die Red Talons sind unmenschlich im wahrsten Sinne des Wortes), aber in keinem der Spiele spielt man einen von Natur aus menschenfressenden Serienmörder, dessen Gewissen und dessen Selbstbeherrschung langsam abstumpft. Aber dieses Problem liegt nicht in den Regeln, sondern im Hintergrund.

Nin:
Auch, wenn ich mich wiederhole:


--- Zitat von: TanjaT am  4.08.2011 | 19:46 ---1) Liegt es an mir?
Wenn es an mir liegt: Ist es etwas, das ich a) ändern kann, b) ändern will?
--- Ende Zitat ---
Wie die anderen schon schrieben. Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen an das Spiel, nicht alle sind zueinander kompatibel.
Ob du dich da an die spezielle Runde anpassen kannst und willst, dass kannst nur du beantworten.


--- Zitat von: TanjaT am  4.08.2011 | 19:46 ---2) Liegt es an der Gruppe/den Gruppen?
Falls ja: Kann/will ich darüber hinwegsehen oder sollte ich mich besser weiter auf die Suche begeben?
--- Ende Zitat ---
Ja, die Gruppe bestimmen den Spielstil. Eventuell wird der Stil auch durch sehr dominante Persönlichkeiten bestimmt, aber auch dann ist es letztlich die Gruppe, die das trägt


--- Zitat von: TanjaT am  4.08.2011 | 19:46 ---3) Liegt es am System (da Probleme so gehäuft auftauchen)?
Falls ja: Hat es Sinn, trotzdem daran kleben zu bleiben oder wäre es durchweg sinnvoll, einen Haken daran zu setzen?
--- Ende Zitat ---
Nein, es gibt nicht "das System". Mit Hausregeln und offiziellen Regeln (incl. nWoD Regeln für VtM) lassen sich extrem unterschiedliche Spielstile abbilden und fördern.


--- Zitat von: TanjaT am  4.08.2011 | 19:46 ---4) Warum bestehen bei im Grunde gleicher Regelmechanik qualitative Unterschiede zwischen VtM und dem Rest der WoD?
Falls lösbar: Kann man VtM dann in Richtung der sonstigen WoD bewegen oder ist das ein System-im-System-doof-Problem?
--- Ende Zitat ---
Die verschiedenen oWoD Spiele haben zwar eine ähnliche Regelmechanik (hier wurde auch schon gesagt, dass sie aufgrund des Entstehungszeitpunkts unterschiedlich sind), aber sehr verschiedene Settings. Einzelne (z.B. VtM) sprechen sehr viele unterschiedliche SpielerInnen an, andere interessieren nur sehr wenige (z.b. CtD, Mumien, Dämonen) bzw. werden zwar manchmal für interessant, aber letztlich für nicht dauerhaft spielbar (z.B. WtO) betrachtet.
Es ist "lösbar" indem du dir die Leute suchst, mit denen du einen "Gruppenvertrag" aushandeln kannst, der eure gemeinsamen Interessen abdeckt.

So schwer und simpel zugleich.

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