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Fantasy-Setting nach Akkadischer Art
tartex:
Ich weiß, knapp daneben ist auch vorbei, aber trotzdem sollte man Testament nicht unerwähnt lassen. Setting fürs Alte Testament.
Seth:
--- Zitat von: Feuersänger am 6.10.2011 | 13:20 ---Verschiedene Aspekte, die mir zu den akkadischen Göttern einfallen:
- ja, jede Stadt hatte ihre persönliche Stadtgottheit. Die anderen Götter wurden auch überall anerkannt und soweit ich weiß auch in gewissem Maße verehrt (vielleicht gab es Schreine für sie, das weiss ich nicht), aber der Haupttempel, das Zikkurat, war dem Stadtgott vorbehalten. Und ein Gott konnte nur der Stadgott einer einzigen Stadt sein.
--- Ende Zitat ---
Das ist soweit richtig, obwohl es unterschiedliche Städte mit gleichen Stadtgöttern gab. In Lagash und Ur zum Beispiel Sin / Nanna um nur zwei zu nennen. Und ja, es gab Schreine für verschiedenste Götter in unterschiedlichsten Städten. Allein Babylon war aufgrund der unzähligen Schreine und ihrer Fackeln in der Stadt nachts so hell, dass angeblich keine Straße wirklich von Schatten erfüllt war. Zusätzlich gab es in vielen Städten mehrere Zikkurate - wobei das Höchste natürlich dem Stadtgott gewidmet war. Beispiel Ur mit dem Zikkurat des Nanna / Sin und dem für "vermutlich" Inanna / Ishtar. Oder Nippur mit den Zikkurati für Enlil und Ishtar.
Nanna / Sin wurde vor allem in sumerischer Zeit als Hauptgott verehrt und erst in akkadischer Zeit durch Enlil verdrängt, der widerum in Babylon vom sehr starken Marduk-Kult zu späterer Zeit verdrängt wurde. Allerdings hat sich seine "Macht" nicht nur auf den sumerischen Raum beschränkt. Auch in Nordmesopotamien (Ecke Ebla, Mari und auch in Ninive) fand seine Verehrung und Anerkennung statt, zumal letztere, assyrische Städte durchaus den Glauben an die "Lokalgötter" teilten. Shamash und Nergal sind nur zwei gute Beispiele dafür, da sie sowohl in assyrischer Tradition (die im Grunde hauptsächlich akkadisch geprägt blieb) und in Babylon bei Zeiten eine extreme Verehrung erfuhren. Gerade Nergal wird gerne als der "frühere Marduk" bezeichnet, da seine Priesterschaft immer allumfassender seinen Machtanspruch ausbreitete.
--- Zitat ---- die Menschen insgesamt galten als Knechte der Götter, und sahen sich vollkomen deren Launen ausgesetzt. Dies ist auf die Umweltbedingungen im Zweistromland zurückzuführen, die wesentlich unzuverlässiger waren als die in z.B. Ägypten. Mal traten die Flüsse über die Ufer, mal nicht, mal gab es schreckliche Stürme, mal nicht. Wenn schlechte Dinge passierten, dann meistens weil die Götter sauer waren. Wenn sie sauer waren, musste man sie durch Opfer und Rituale besänftigen. Dann erhörten einen die Götter oder eben nicht, und wenn "nicht", hat man halt Pech gehabt.
--- Ende Zitat ---
Das stimmt so nur bedingt. Es ist richtig, dass die sumerisch / akkadischen Götter (und damit auch das babylonische Pantheon) insgesamt grausamer und furchteinflößender waren, der Mensch hatte allerdings durchaus einen gewissen Vorteil: auch wenn er die Götter nicht verärgern sollte, hatte er die Möglichkeit, sie und ihre Gaben durch Opfer zu fordern. Es ist in einigen Keilschriften überliefert, dass Göttern regelrecht gedroht wurde, bei Nichterfüllung eines Wunsches einfach "den Gott zu wechseln", respektive einen Anderen um den gleichen Dienst zu bitten.
--- Zitat ---- die biblische Geschichte der Sintflut hatten die Hebräer übrigens auch nur von den Babyloniern abgepinnt. Im Original war es so, dass der Chefgott der Menschen überdrüssig war, weil sie zuviel Lärm und Getöse veranstalteten, also wollte er sie alle ersäufen. Ein anderer Gott (ursprünglich glaub ich Enlil, die Babylonier haben dann die Rolle auf ihren Stadtgott Marduk umgeschrieben) hatte Mitleid mit den Menschen und hat heimlich einen Mann, Ut-Napishtim, auserkoren sich zu retten, Arche bauen, yadda yadda yadda. Die Hebräer mussten dann die beiden Stunts auf ihren einen Gott vereinen, was mit dazu beiträgt, dass der abrahamitische Gott bisweilen ein wenig schizophren wirkt.
--- Ende Zitat ---
Das mit der "Kopie" der hebräischen Überlieferung stimmt vollkommen. Anu wäre in diesem Fall der Haupt- und Vatergott. Allerdings war es, wie ich glaube, nicht er sondern Tiamat, die die Sintflut über die Erde brachte, um das Erdengeschlecht zu bestrafen. Kann auch sein, dass ich mich täusche.
Generell würde ich sagen, dass folgende Elemente defintiv für ein Setting interessant wären:
- Magie als wissenschaftliches Konzept. In der Edduba / Edubba wurde alles gelehrt - und das wissenschaftlich. Auch die Magie, neben Astrologie und Kosmologie. Es macht nur Sinn, das in einem Fantasy-Setting aufzugreifen.
- Theokratische Machtkämpfe. Beste Beispiel: Enlil wird fast vollständig durch Marduk als Stadtgott und als Götterheros ersetzt. Der Enlilkult verschwindet, Marduk nimmt unzählige Götter in sich auf und seine Priesterschaft errichtet in Babylon (und im babylonischen Reich) beinahe eine Hegemonie.
- Stadtstaaten (vor allem in sumerisch / akkadischer Zeit) mit konkurrierenden Stadtgöttern und Familiendynastien. Vasallenkönigreiche für Politikgeplänkel.
Was "Monster" und Gegner angeht, bieten alle Mythologien des mesopotamischen Raumes im Grunde genug Anhaltspunkte von "Djinn", Dämonen und bösen Geistern. Uttuki (vampirähnliche Dämonen), Larish (Wechseldämonen zwischen Gut und Böse) etc. etc.
Edit
Nachtrag zur Präsenz der Götter und zum Orakelwesen:
In sumerischer und akkadischer Tradition wurden die Götter durchaus als fleischlich und transzendental begriffen, bzw. hat sich das nicht ausgeschlossen. In jedem Fall lebten sie (zum Teil) in ihren Abbildern und Statuen, weswegen denen überhaupt geopfert und sie zu Zeremonien herumkutschiert wurden. Einmischungen waren gängig und es wurden natürlich mit unterschiedlichen Festen um ihre Gunst gebuhlt oder metaphorisch Zyklen ihres Daseins abgebildet. Akitu zum Beispiel.
Zu den Orakeln: gerade in Babylon war das Orakelwesen, ganz anders als im hellenischen Raum, in erster Linie eine erlernbare Profession. Orakel gab es "wie Sand am Meer". Sie arbeiteten regulär in den Tempeln, nachdem sie in der Edubba dafür ausgebildet worden waren. Rar waren jene, die ein gewisses "Talent" für die Geschicke der Götter vorzuweisen hatten. Ein solches Orakelwesen ist sicher auch für das Rollenspiel von Belang und Interesse.
Feuersänger:
Ah, das ist ja alles sehr interessant, danke für die Infos. ^^
Was noch die Sintflut angeht, meine ich dass Tiamat da schon längst erschlagen war. Meine Gilgamesh-Ausgabe hat sich auch gerade irgendwo verkrümelt (schlimm ist das), aber laut Onlinequelle liest es sich da:
The hearts of the Great Gods moved them to inflict the Flood.
Their Father Anu uttered the oath (of secrecy),
Valiant Enlil was their Adviser,
Ninurta was their Chamberlain,
Ennugi was their Minister of Canals.
Ea, the Clever Prince(?), was under oath with them
so he repeated their talk to the reed house:
'Reed house, reed house! Wall, wall!
O man of Shuruppak, son of Ubartutu:
Tear down the house and build a boat!
Das ist jetzt freilich von der älteren Überlieferung, als Babylon noch als Schafsdorf bezeichnet wurde und bevor alle guten Rollen auf Marduk umgeschrieben wurden. ^^
Seth:
--- Zitat von: Feuersänger am 11.10.2011 | 00:21 ---Ah, das ist ja alles sehr interessant, danke für die Infos. ^^
Was noch die Sintflut angeht, meine ich dass Tiamat da schon längst erschlagen war. Meine Gilgamesh-Ausgabe hat sich auch gerade irgendwo verkrümelt (schlimm ist das), aber laut Onlinequelle liest es sich da:
The hearts of the Great Gods moved them to inflict the Flood.
Their Father Anu uttered the oath (of secrecy),
Valiant Enlil was their Adviser,
Ninurta was their Chamberlain,
Ennugi was their Minister of Canals.
Ea, the Clever Prince(?), was under oath with them
so he repeated their talk to the reed house:
'Reed house, reed house! Wall, wall!
O man of Shuruppak, son of Ubartutu:
Tear down the house and build a boat!
Das ist jetzt freilich von der älteren Überlieferung, als Babylon noch als Schafsdorf bezeichnet wurde und bevor alle guten Rollen auf Marduk umgeschrieben wurden. ^^
--- Ende Zitat ---
Bitte, bitte! Meine Freundin hat mich auf den ganzen Trichter gebracht, seitdem habe ich die Literatur verschlungen :D
Und das liest sich tatsächlich so. Hm, hab Tiamat da wohl irgendwo durcheinander gebracht. Aber da war doch was mit Apsu und ihr und den Menschen und der Flut! Ich weiß es allerdings auch nicht mehr. Obwohl das mit Anu alles Sinn macht.
Feuersänger:
Sehr löblich. ^^ Ist deine Freundin vom Fach?
Ich hab vor X Jahren mal Akkadisch gelernt, d.h. es wär nun zuviel behauptet zu sagen dass ich es "kann", aber ich hab's halt schonmal gesehen und mir nen groben Überblick drüber verschafft, wie die Sprache funktioniert und so weiter.
Tiamat ist ja so ähnlich wie Ymir, d.h. aus ihrem erschlagenen Leib werden Himmel und Erde geschaffen. Und aus dem Blut ihres Sohnes Kingu entsteht der Mensch. Insofern wärs unlogisch wenn sie irgendwas direkt mit den Menschen zu tun hätte.
Alleine die ganzen Namen sind so toll und klangvoll: Tiamat, Kingu, Enlil, und so weiter... hat mir immer schon gefallen.
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