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Sashael:
--- Zitat von: Falke359 am 12.01.2012 | 15:40 ---Die Community einzubinden kann sehr schief gehen, denn die Erfahrung zeigt, dass eine Gruppe aus Vielen bei der Entscheidungsfindung meist dümmer und ineffizienter ist als eine Gruppe aus Wenigen. Wohlgemerkt, dies betrifft Prozesse der Entscheidungsfindung, wo es z.B. um Fragen des Designs, des Geschmacks oder um der Frage geht, was und wohin man will. Anstatt dass alle zufrieden sind, kann´s daher leicht passieren, dass am Ende niemand wirklich zufrieden ist.
Viele Köche usw.
Erzeugen denn Zuschauervotings gesangliche Superstars? Im Gegenteil, was bleibt, ist meist ein Einheitsbrei auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Deswegen ziehe ich den vielbeschworenen Anspruch
"Wir hören auf die Wünsche der Spieler" in seiner Zweckmäßígkeit in Zweifel. Nicht nur, weil das schiefgehen könnte, sondern weil es strukturell vielleicht darauf angelegt ist, schiefgehen zu müssen.
--- Ende Zitat ---
Erinnert mich an den letztjährigen Versuch einer Radioshow hier in Berlin mit recht hohem künstlerischen Anspruch, die Platte des Jahres zu wählen. (Zu) viele Musikredakteure (habs vergessen, irgendwas zwischen 12 und 36) haben gehört und diskutiert und wieder gehört und diskutiert und zum Schluss waren die "Top 3" drei so langweilige Platten, dass ich mit offenem Mund vor dem Radio gesessen habe. Sie haben nicht die besten Platten gefunden, sondern die, an denen sich die wenigsten wirklich gestört hatten. Everybodys #3. Fahrstuhlmusik. Auf hohem Niveau, aber trotzdem Fahrstuhlmusik.
Ob man mit so einem Verfahren die Quintessenz von D&D findet, bleibt daher fraglich.
Asdrubael:
Was wäre die Alternative? Nicht zu fragen? Bei einem der am weitest verbreiteten Systeme? Dieser Sturm der Entrüstung der da losbrechen würde, wäre auch nicht besser. Dann lieber fragen und die Antworten in der Hoffnung filtern, dass auch geile Ideen dabei sind.
Falke359:
--- Zitat von: Sashael am 12.01.2012 | 22:46 ---Erinnert mich an den letztjährigen Versuch einer Radioshow hier in Berlin mit recht hohem künstlerischen Anspruch, die Platte des Jahres zu wählen. (Zu) viele Musikredakteure (habs vergessen, irgendwas zwischen 12 und 36) haben gehört und diskutiert und wieder gehört und diskutiert und zum Schluss waren die "Top 3" drei so langweilige Platten, dass ich mit offenem Mund vor dem Radio gesessen habe. Sie haben nicht die besten Platten gefunden, sondern die, an denen sich die wenigsten wirklich gestört hatten. Everybodys #3. Fahrstuhlmusik. Auf hohem Niveau, aber trotzdem Fahrstuhlmusik.
--- Ende Zitat ---
gutes Beispiel, ja. Genau das ist mein Punkt.
--- Zitat von: Asdrubael am 12.01.2012 | 22:50 ---Was wäre die Alternative? Nicht zu fragen? Bei einem der am weitest verbreiteten Systeme? Dieser Sturm der Entrüstung der da losbrechen würde, wäre auch nicht besser. Dann lieber fragen und die Antworten in der Hoffnung filtern, dass auch geile Ideen dabei sind.
--- Ende Zitat ---
Ich habe geschrieben, dass man meiner Ansicht nach ein Feedback braucht, sicher. Aber nicht, dass man den Entwicklungsprozess digital-basisdemokratisch gestaltet. Die Alternative wäre, sich ein möglichst genaues Bild darüber zu machen, wohin die hauptsächlichen Strömungen gehen. Wieso hat die 4E nicht gegriffen? Was möchten Spieler, die an 3.5 oder Pathfinder kleben? Was vermissen die alten Hasen? Da reicht es dann nicht einfach, wenn jemand z.B. sagt, er wolle wieder Zauber memorieren, sondern dann muss ich weiterforschen, wieso jemand diesen Mechanismus vermisst. Welches grundlegendere Bedürfnis wurde damit bedient? Und wie kann ich das in einer neuen Edition implementieren.
Ich hoffe, man geht diesen Weg. Denn wenn ich mir alleine die Wunschliste hier im Forum anschaue, was Leute von einer neuen Edition erwarten, sehe ich noch nicht, wie das ansatzweise zusammenzubringen wäre, wenn man nur in einzelnen Komponenten denkt.
Um Wissen anzuhäufen, ist die Schwarmintelligenz erstaunlich gut. Aber um dieses Wissen sinnvoll zu filtern, wie Asdrubael schreibt, und Entscheidungsprozesse darauf zu gründen, ganz und gar nicht. Eher besteht die Gefahr, in einer Meinungsflut unterzugehen.
Jed Clayton:
Was ich aus der entsprechenden Presseerklärung von WotC herausgelesen zu haben glaube - und auch ein paar langjährige rollenspielende Freunde von mir sehen das so - ist primär die Idee, das Grundregelwerk von D&D5 gewissermaßen MODULAR zu machen: Es gibt darin Bausteine und Drehschalter (dials?) zum Einstellen bestimmter Dinge im Regelsystem, die man verwenden oder auch weglassen kann. Detailliertere Kampfregeln - ja, aber optional in dem Sinne, dass sie eben nur ein Spielleiter einsetzen wird, der unbedingt eine "combat-heavy" Kampagne haben möchte. Regeln für Strategie und Massenkampf mit Armeen auf dem Schlachtfeld - falls der Spielleiter das haben möchte. Regeln zum Herstellen von alchemischen Substanzen - falls der Spielleiter das haben möchte. Regeln für Beschwörungen von Dämonen - falls Dämonenbeschwörung in der Kampagne eine wichtige Rolle spielt und der SL das so haben will.
Ich würde mir dann auch denken, dass die strategischen und präzisen Miniaturenkampfregeln und Bodenpläne dazu vollkommen optionale Bausteine werden. Ebenso bestimmte Regeln für Trefferpunkte, Verletzungen (vielleicht 'mal Trefferzonen?), Gifte, Krankheiten, Hilfsmittel sowie auch Talente und viel magisches Zeug. Psychologische und soziale Komponenten hätte ich fast vergessen - Regelmechaniken dafür könnte man ja nach dem Beispiel von Blue Rose und anderen erstellen.
Im Grunde ist das doch das gleiche Konzept, das Fuzion vor über 15 Jahren ausprobiert hat: Switches und Dials.
Ein Bekannter von mir hat auch sofort aus der Presseerklärung geschlossen, dass sich das neue D&D in Richtung GURPS oder Hero System entwickeln würde. Jeder Spieler kann sich dann seinen Charakter von Beginn an mit den Stärken, Feats und Fertigkeiten zusammenstellen, die er am liebsten haben möchte - mit Punktekaufsystem, nehme ich an.
Das Ganze wird trotzdem ein Grundsystem haben, eine Würfelmechanik W20+Bonus vs. SG oder Ähnliches, bestimmte Zahlen und Attribute, die in allen Variationen des Systems gleich bleiben und seinen Wiedererkennungswert bilden.
Falke359:
so habe ich den Ansatz auch verstanden, es stellt sich dabei dann nur die Frage, ob und wie verhindert werden soll, dass die community noch weiter zersplittert zwischen den unzähligen Möglichkeiten.
Was mich dabei ehrlich gesagt etwas stört, ist der Ansatz, den Ball so weit wie möglich den Spielern zurückzuspielen, wobei ich die Gründe dafür nachvollziehen kann. Aber wenn eh jeder so machen soll wie er will, fehlen unter Umständen die Anregungen und imputs, nach dem Motto: Wir schlagen nur die Eckpfosten ein, den Rest macht ihr mal.
Wenn sie das gut hinbekommen, könnte die nächste Edition wirklich was reißen, wenn nicht, wär´s das wohl erst einmal mit D&D. Ich drück die Daumen, dass es klappt.
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