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D&D Next

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Wormys_Queue:

--- Zitat von: Murder-of-Crows am 20.05.2014 | 21:34 ---D.h. aus Marketingsicht hat die OGL am Ende die Fanbase von D&D quasi dreigeteilt: die 3rd Edition Jünger sind zu Pathfinder gegangen, wer älteres wollte schloss sich der DIY OSR-Szene an, und der Rest blieb bei WotC.
--- Ende Zitat ---

Was die Fanbase geteilt hat, war nicht die OGL, sondern die Entscheidung, diese nicht weiter verwenden zu wollen. Selbst das hätte wahrscheinlich nicht ausgereicht, wenn sie nicht mit der neuen Lizenz (der GSL) erstens viel zu lange gewartet und zweitens diese so gestaltet hätten, dass auch Leute mit klarem Verstand sie freiwillig hätten unterschreiben können.

Paizo hat seinerzeits erst mal die Entscheidung getroffen, nicht bei der 4E mitzumachen, weil es immer näher auf die Gencon zuging und man immer noch keinen Einblick in das System hatte, für das man in zukunft hätte designen wollen. Die Entscheidung, mit Pathfinder eine eigene 3.5-Variante zu veröffentlichen, kam später und hatte vor allem den Grund, das man ansonsten für ein System designed hätte, für dass keine Regelwerke mehr am Markt gewesen währe. Was doof ist, wenn man Neukunden an sich binden möchte.


die OGL hatte die Grundidee, vielen Kleinanbietern etwas vom Kuchen zu überlassen, und damit den eigenen Kundenstamm zu vergößern, da so auch Spieler, die sich für die hauseigenen Kampagnenwelten, Abenteuer und Regeloptionen weniger interessierten (aber vielleicht Green Ronin's Freeport Klasse fanden), mit demselben Regelsystem hantierten (und entsprechend die Grundregelwerke benötigten). Hat auch wunderbar funktioniert, wenn man den Zustand von D&D am Ende der zweiten Edition bedenkt. Und zumindest der Anfangserfolg von D&D 3 wäre ohne die OGL in dem Ausmaß gar nicht denkbar gewesen.

Dann kam Hasbro, die alte Führungsriege wurde ersetzt und man hatte irgendwann die superschlaue Idee, dass man jetzt den Stecker wieder rausziehen könnte, da die Spieler bestimmt lieber auf die 3PP-Produkte als auf die Wizard-Produkte verzichten würde. Dabei hat man sowohl die Qualität bestimmter 3PP, aber vor allem auch die Loyalität der Spieler zu diesen 3PP unterschätzt. Ich kann mich an eine Umfrage bei Paizo erinnern, als die Leute gefragt wurden, ob Paizo weiter für 3.5 oder doch für die 4E publizieren solle (da war von PF als System noch keine Rede). Meiner Erinnerung nach waren ca 2/3 der Teilnehmer damals der Meinung, dass Paizo einfach das machen solle, was für sie das beste sei, man würde so oder so weiter Paizo-Produkte erstehen. Kann mir gut vorstellen, dass diese Antwort mit den Ausschlag dafür gab, es mit einem eigenen System zu versuchen.


Deswegen vermute ich auch stark, dass D&D Next an den aktuellen Verhältnissen nicht viel ändern wird. Da kann das System noch so gut konzipiert, ausbalanciert oder was weiss ich sein, für die meisten ist das gar nicht der entscheidende Faktor. Ich hab seit dreißig Jahren mit allen möglichen Systemen/Editionen Spass gehabt, deren Balancegrad nie irgendeine Rolle bei der Systemwahl gespielt hat. Meine Kinder und deren Freunde interessieren sich auch für ganz andere Spielelemente (kann sich später natürlich ändern, die sind ja noch jung) und freuen sich wie die Rohrspatzen, wenn sie an der Reihe sind, im Rampenlicht zu stehen. Da wird auch nicht genau mitgezählt, ob vielleicht jemand anders 5% mehr Spotlight hatte als man selbst, sondern einfach gemeinsam Spass gehabt, so wie es sein soll.

Ich drück der neuen Edition trotzdem die Daumen, werd auch ganz sicher meine Neugier nicht zähmen können und mir zumindest die Grundregeln zulegen. Aber um mich als Stammkunden zurückzugewinnen, müssten sie schon die OGL wiedereinführen oder alternativ in den AD&D2-Settings-Publikationsmodus zurückkehren. Aber da ist es wohl realistischer, dass ich mein Geld in Zukunft weiter Paizo+3PPs und Ulisses (DSA 5) in den Rachen werfe. Was schätzungsweise zumindest bedeutet, dass meine Kinder ihre Rollenspielsozialisation ganz ohne D&D erfahren werden. ;)

Was ich persönlich übrigens für den eigentlichen Fallout der Anti-OGL-Entscheidung halte. Der Verzicht hat WotC nämlich nicht nur die unangefochtene Marktführerschaft gekostet. Er hat vor allem dafür gesorgt, dass die Marke D&D Schaden genommen hat, indem sie ihren Vorreiterstatus verlor, den sie bis dato in vielen Köpfen hatte. Der Vielfalt im Rollenspielsegment mag das sogar genützt haben, dem Hobby insgesamt hat es wohl eher geschadet.

Wisdom-of-Wombats:

--- Zitat von: Wormys_Queue am 27.05.2014 | 23:31 ---Was die Fanbase geteilt hat, war nicht die OGL, sondern die Entscheidung, diese nicht weiter verwenden zu wollen.

--- Ende Zitat ---

Nicht von dem was Du schreibst, widerlegt meine These. Ohne OGL hätte die Entscheidung, sie nicht weiter zu verwenden, keine Änderung gebracht.
Die OGL war am Ende aus rein unternehmerischer Sicht eine Fehlentscheidung.

Keine OGL, keine 3PP Konkurrenz. Ohne OGL, keine OSR. Ohne OGL, kein Pathfinder.
Folglich: ohne OGL heute noch eine Fanbase.

Paizo ist nur so stark, weil der Verlag  sich mit Dungeon und Dragon (den Magazinen) erstens einen guten Ruf unter den Fans erarbeitet hat und zweitens viel Erfahrung mit den Regeln und solider Arbeit sammeln konnten. Dann nicht weiter zu machen, wäre eine unternehmerische Fehlentscheidung gewesen. Sie hatten die Fanbasis und haben sie genutzt und ausgebaut. Eins mit Stern für Paizo. Aber hätte Paizo nach Verlust der Lizenzen nicht auf den Open Game Content zu greifen können, sondern ein eigenes System entwickeln müssen, wäre das aller Wahrscheinlichkeit nach ein Rohrkrepierer gewesen (zum Beweis: es hat kein us-amerikanischer Verlag geschafft, dauerhaft eine erfolgreiche Alternative zu D&D zu plazieren, ohne auf den D20 OGC zurückzugreifen. KEINER. Weder Fasa mit Earthdawn, noch Paradigm mit Arcanis, noch Green Ronin mit Dragon Age. Einzige Ausnahme: Exalted, angetrieben von der WoD Fanbase - und bestätigt als Ausnahme die Regel).

Die OGL war insofern innovativ, als dass sie Nachahmer gefunden hat. Andere Spiele haben die OGL genutzt, um ihren eigenen Content zu öffnen. Daher: die OGL war gut, wichtig und richtig für das Hobby. Sie hat WotC am Ende aber mehr geschadet als genutzt.

Slayn:
@MoC:

Ob deine Ansicht so stimmt werden wir sehen wenn D&D 5E eine Weile am Markt ist und sich die endgültige Produktpolitik bei WotC ein bisschen besser einschätzen und analysieren lässt.
Rückblickend würde ich nämlich sagen das man durch die Produktpolitik die man auch schon in der 3E, modifiziert in der 3.5E und auch genau so in der 4E zu betrachten den Karren so ziemlich selbst an die Wand gefahren hat und irgendwelchen "Best Practices" gefolgt ist die dann doch nicht so viel mit dem Markt zu tun hatten wie man geglaubt hat.

D&D war schon immer sein eigenes Genre und genau darin liegt der Erfolg begründet, genau so wie Exalted oder auch DSA nicht nur ihre eigene Nische in einem Genre für sich erobert haben sondern selbst Genres für sich sind. Darin liegt der Erfolg begründet und nicht unbedingt in den eigentlichen Regeln.
Die OGL ist dabei auch nicht so die dringende Sache gewesen, sie hat einen bestimmten Prozess nur vereinfacht, der aber durch Veränderungen an der von den Fans erwarteten Handhabung dieses Genres zu tun hatte und die wurde halt immer schlechter seitens WotC. Pathfinder oder die OSR Sachen sind nicht deswegen erfolgreich geworden weil sie auf die Regeln aufsetzen konnten, die sind doch, gelinde gesagt Latte, sondern eher dadurch dass das offizielle D&D aufgehört hat das Genre D&D auch nur noch im Ansatz ausfüllen zu können.

Und das hat nun mal damit zu tun wie man die Marke und einzelnen Linien pflegt und welche Produkte so kommen werden, auch ob diese Produkte das eigene Genre, die Nische in der man König ist weiter verstärkt und unterstützt.

La Cipolla:
Ich bin mir ziemlich sicher, dass das neue D&D selbst ein noch so erfolgreiches Pathfinder ziemlich rasant hinter sich lassen wird. So als bloßes Bauchgefühl. D&D ist halt D&D, nicht Pathfinder. Aber wir werden sehen. Angst vor einem finanziellen Fehlgriff müssen sie mit Sicherheit nicht haben.


--- Zitat ---Green Ronin mit Dragon Age
--- Ende Zitat ---

Die waren wohl sehr nah dran, wenn man den Berichten glaubt. Problem (wie auch der Grund für den Erfolg) war eben die Lizenz, die dafür gesorgt hat, dass es nach Jahren immer noch nur vier Produkte oder so gibt, Mini-pdfs nicht gezählt. Wäre Bioware nicht so ein Saftladen, hätten die Pathfinder wohl spätestens nach der Wheaton-Coverage hinter sich gelassen. Aber so ... klar, wenn es nichts zu kaufen gibt (nicht mal die dritte Grundbox ist draußen!), ist das schlecht für ein Spiel.

Slayn:

--- Zitat von: La Cipolla am 28.05.2014 | 10:49 ---Ich bin mir ziemlich sicher, dass das neue D&D selbst ein noch so erfolgreiches Pathfinder ziemlich rasant hinter sich lassen wird. So als bloßes Bauchgefühl. D&D ist halt D&D, nicht Pathfinder. Aber wir werden sehen. Angst vor einem finanziellen Fehlgriff müssen sie mit Sicherheit nicht haben.
--- Ende Zitat ---

Hm ... Ob es ein finanzieller Fehlgriff wird oder nicht hängt an und für sich ja recht wenig vom eigentlichen Produkt, in dem Fall D&D5, sondern vom Overhead und den gesetzten Zielen der Investoren ab. Ich möchte gar nicht erst wissen welche Auflagen es da innerhalb von WotC für eine Produktlinie gibt und auf welcher Basis die Aktionäre von Hasbro da die Vorgaben machen. Was für den einen Verlag ein 100%iger Verkaufsschlager ist, kann unter diesen Umständen für einen anderen Verlag ein reiner Flopp werden und als Außenstehender wird man den Unterschied weder sehen noch verstehen können.

Lass es mich mal so formulieren, was etwas ausführlicher ausfällt, aber ich denke wir werden uns dann recht gut verstehen:
Sowohl D&D 3 als auch 4 waren, für ihre jeweilige Zeit, sehr gutes Regeldesign und exemplarisch dafür was man machen kann wenn man mit einem einheitlichen Konzept an die Sache herangeht. Daran gibt es nichts zu Meckern und ich denke, auch die 5E wird hier als exemplarisch herausstechen. Anhand der letzten 3 Produktlinien (3E, 3.5E und 4E) kann man aber leicht absehen welcher Schwerpunkt gesetzt wurde und anhand dessen kann man aber auch absehen warum diese Linien nach max. 5 Jahren eingegangen bzw. gescheitert sind. Auch kann man hier hervorragende Parallelen zu White Wolf und Paizo erkennen und ziehen.
Das vermeintliche "Problem" hier war und ist der Fokus auf vermeintliche Bestseller, also besonders auf Material für Spieler (Splat Books)  und gleichzeitig das fehlen jedweder Marken- und Linienpflege, da sich dies nicht kurzfristig rentiert, wobei, wie für eine AG üblich, das langfristige Investment ignoriert wurde.
Kurzer Exkurs an der Stelle zu den Forgotten Realms: Diese Produktlinie hat nach Silver Marches ein ziemliches Problem gehabt und wurde defakto eingestellt. In der 4E kamen nur noch 3 Realms-Spezifische Bücher heraus da sie nach dem vorliegenden Geschäftsmodell sonst nicht bringen würden. Hier besteht das vermeintliche Problem wieder im kurzfristigen Gewinn, also darin dass ein Realms Buch einen ähnlichen Umsatz haben muss wie ein übliches Splat Book um sich zu lohnen, ansonsten bekommt die Linie die Axt zu spüren. Dabei wurde vollkommen übersehen dass Linien wie die Realms eine "Enabler" Funktion haben und eher einen Kaufanreiz für die anderen Bücher darstellen als sich selbst tragen zu können.
Oder, um es mal so zu sagen, die meisten Leute schwärmen heute noch davon wie es war Abenteuer XY zu spielen, es interessiert aber kein Schwein wie es war mit Regeln aus Splat-Book YZ hantiert zu haben.

Um es an der Stelle mal ganz direkt zu sagen: Ich bewundere Paizo dafür auch mal vermeintliche Loss Seller hinnehmen zu können um die gesamte Linie/Marke weiter zu bringen und von daher einen sehr soliden Stand zu haben. Aktuell bin ich skeptisch ob man bei WotC genau das durchziehen kann (will und darf) um sich wieder die alleinige Vorherrschaft über den Markt zu sichern die es braucht damit sowohl Marke als auch Linie erfolgreich laufen können.

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