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Filmklassiker und rassistische und sexistische Darstellungen

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Jiba:
Die Frage die sich aus der Diskussion oben ergibt, ist doch eine andere: Halten wir fest:

Ein Format1 ist dann als sexistisch oder rassistisch zu werten, wenn ein entsprechendes Bild in welcher Form auch immer2 in diesem Format dem Zuschauer vermittelt wird und dies ohne kritische Distanz geschieht.

Und bei dem unterstrichenen Punkt liegt der Hund begraben. Denn selbst wenn wir jetzt (im Gegensatz zu Sol Invictus) meinetwegen "Spartacus" oder (ich bleibe bei Beispielen, die ich kenne) "Game of Thrones" oder "Die Tudors" als sexistisch und "Vom Winde verweht" als rassistisch annehmen wollen, ist doch die eigentliche Frage, inwiefern eine solche Darstellung durch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema legitimiert wird. Und genau dieser Punkt, nämlich die kritische Distanz ist doch äußerst schwierig festzustellen. Reicht ein selbstironischer Spruch á la "Natürlich, der Nigger muss wieder ran!"3 eines farbigen Charakters schon aus, um die Tatsache, dass er in der Folge tatsächlich der Erste ist, der stirbt, zu legitimieren? Ist die Stellung der Frau, die in einem Samurai-Film von Akira Kurosawa keine Rolle spielt, aber der eindeutig ein (für die Epoche realisitisches) Frauenbild zukommt, gutzuheißen?

Ich glaube ja schon, dass Formate differenziert oder weniger differenziert mit ihren Stoffen umgehen können. Ich erkenne auch den Sex-sells-Faktor in bestimmten Serien (und im übrigen auch Filmen) durchaus an. Die Frage, wie sensibel man da ist, darf sich übrigens durchaus stellen lassen (habe gestern zwei Filme gesehen, nämlich "Happy New Year" und "Melancholia" und nach diesem komischen Bechdel-Test viel "Happy New Year" als Rom-Com natürlich durch, ohne dass sich mir da ein sehr stark sexistisches Bild erschlossen hätte, während "Melancholia" mit Bravour besteht, aber die Frauen doch eher konservativ (allein in der Umgebung, in der sie sind) in Szene gesetzt werden). Was ich schon anfangs meinte: Man kann überall Sexismus und Rassismus finden (wenn man so will ist Tyrion Lannister übrigens ein hervorragendes Beispiel für einen nicht-diskriminierenden Umgang mit anderen Gruppen von gerne an den Pranger gestellten Menschen – aber die Figur wird in der Serie ja diskriminiert...)

Die Frage, was man dem Zuschauer abverlangen kann, sollte man auch stellen... Sind wir in der Lage, gewisse Dinge nicht ohnehin als Überspitzung, Übertreibung oder Kommentar wahrzunehmen, ohne dass der Macher eines Formates klipp und klar sagt:"Das meine ich so..." Wenn ich mir einen Film wie "Iron Sky" oder "Inglorious Basterds" angucke, kann ich da nicht automatisch erwarten, dass die dort angeschnittenen Dinge nicht doch einen gewissermaßen ironischen Blick auf die Thematik, die sie behandeln, werfen? Ich muss sogar, denn sonst könnte ich mir einen Film wie "Der Untergang", der bemüht war, nur zu zeigen und nicht zu kommentieren, gar nicht erst anschauen, ohne den englischen Boulevardzeitungen mit ihren Schlagzeile wie "Vergibt Deutschland Hitler?" Recht geben zu wollen.

Also... muss eine kritische Distanz sichtbar sein? Oder besser gefragt: Was sind die Elemente in einem Format, die auf eine solche Distanz schließen lassen. Einfach nur zu sagen: Die Frauendarstellung in "Spartacus" ist sexistisch, weil sie nicht kritisch Distanz bezieht... das kann ich so nicht stehenlassen, weil ich erst einmal wissen müsste, woran kritische Distanz genau festzumachen ist. Und "Unterhaltung" mit "kritisch undistanziert" gleichzusetzen ist ja auch nicht pauschal richtig: Dieser oscarprämierte ausländische Film "Das Leben ist schön", quasi eine Komödie im KZ, ist unterhaltsam und kritisch distanziert. Und es sollten sich weitere Beispiele finden lassen.

Also: Erstmal müssen wir klären, wann etwas kritisch distanziert ist und wann nicht. Erst dann können wir den Vergleich zwischen "Spartacus" und "Ghandi" anstreben.

1 Das gilt für jedes filmische Format, egal ob mit serieller Struktur oder mit Einzelfilmstruktur. Ich sehe da dramaturgisch nicht die Unterschiede, außer, dass die Figurencharakterisierung aufgrund des Zeitfaktors bei Serien expliziter und kleinschrittiger ausfallen kann. Aber nicht muss, wie viele Krimiserien und Actionserien einerseits und Biopics andererseits klar beweisen. Außerdem gibt es immer noch den Zwischenfall der als Mehrteiler ausgelegten Filmserie.
2 Hier glaube ich eben, dass die Form, wie etwas genau dargestellt wird, eine Rolle für die Bewertung spielt: Als Umstand, der seiner Zeit zuzurechnen ist, oder als universelle Wahrheit.
3 An die Moderation: Dieser Kommentar spiegelt nicht meine persönliche Meinung wieder, ich habe nur zititiert.

carthoz:
Sehr guter Beitrag, Jiba!  :d

Hinzu kommt hinzu meiner Meinung nach noch, wie weitreichend man die Begriffe "rassistisch" und "sexistisch" fassen will. Da gibt es ja auch ganz schöne Spannweiten. Es gibt letztlich sogar Leute, die einer Serie wie "Friends" Rassismus vorwerfen, weil kein Schwarzer drin vorkommt. Und auch die Vorstellungen bezüglich Sexismus können ähnlich konträr sein.

6:

--- Zitat von: Madner Kami am  1.05.2012 | 05:20 ---Entweder beides ist sexistisch oder keins von beiden.

--- Ende Zitat ---
Deswegen: "Könnte man auch als sexistisch ansehen"
Vergl. mit "Sowas kann man mEn als sexistisch bezeichnen"

--- Zitat ---Deine Meinung über Rome teile ich übrigens genausowenig wie Sol Invictus es tut. Die Serie spielt im Kontext einer bestimmten Zeit und da waren die Sitten nunmal anders und nur weil auch Bananen drin vorkommen, gehts noch lange nicht einfach nur um Tutti Frutti.

--- Ende Zitat ---
Muss deswegen so viel Wert auf Vögelszenen und Vergewaltigungsszenen gelegt werden? Waren die Szenen alle nötig um ein gewisses Bild der Vergangenheit zu zeichnen?
Ich meine nein. Ich wette auch, dass die Produzenten den Grund "Sex sells" nicht dementieren würden. (Ich meine mich zu erinnern dass einer der Produzenten den Vorwurf "Sex sells" mit einem "Ja und?" gekontert hat.)

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