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Spieldesign (Weibliche Charaktere, Umgang mit Minderheiten / Rassismus)
Yerho:
Dem habe ich nichts hinzuzufügen.
Oder anders gesagt: Soweit einverstanden, und ich behalte die Entwicklung im Auge.
Nocturama:
@Bluerps: Ich würde aber die Experimentierfreude der Publisher auch nicht überschätzen. So richtig große Veränderungen sehe ich bei den AAA-Titeln nicht - immerhin, bald kommt ein reiner Ellie-DLC für Last of Us und Naughty Dog hat meiner Meinung nach auch ein Händchen dafür, interessante weibliche Charaktere zu schreiben (mir haben auch die meisten Frauen in Uncharted ganz gut gefallen, sind aber eben nur Nebencharaktere) - auch wenn man am Ende doch größtenteils der Manly Man sein darf.
Blöderweise gibt es für jeden Protest bei Dingen wie dem Hitman-Trailer (@Fantomas: Der stellt tatsächlich ein Level im Spiel dar) auch einen Shitstorm in die andere Richtung, nämlich wenn zum Beispiel eine Transgender-Reviewerin GTA 5s misogyne Frauendarstellungen kritisiert. Und das, obwohl die Reviewerin das Spiel lobt und ihm 9/10 Punkten gegeben hat.
An dem Hitman-Trailer ist auch interessant, dass der Produzent völlig überrascht war, dass man Fetischnonnen-Meucheln irgendwie sexistisch finden könnte.
@Fantomas: Missionarischen Eifer sehe ich ehrlich gesagt bei kaum einer Gruppe, die Sexismus/Rassismus/Homophobie in Videospielen kritisiert. Selbst bei Anita nicht, die ja primär eine Bestandsaufnahme macht. Die geifernde Überemanze halte ich für einen Strohmann, der gar nicht existiert. Im Gegenteil, die meisten "Kritiker" wie Anita sind selbst Gamer.
Und ich glaube, Bluerps hatte das Gefühl, dass du hier aus Spaß an der Freude den Advocatus Diaboli spielst, ein Eindruck, der mir auch gekommen Ich gehe mal davon aus, dass das von dir unbeabsichtigt war, aber das erklärt vielleicht die leichte Gereiztheit.
Deswegen verstört mich sowas wie die gezielte und ziemlich krasse Verfolgung von Leuten wie Anita auch so. Was für eine unverhältnismäßige Überreaktion! Da redet jemand über etwas, was ihm eigentlich viel Freude macht, hebt Punkte hervor, die ihm nicht gefallen und bekommt dafür Vergewaltigungsdrohungen und ein Spiel, in dem man verprügelt wird. Was ist den der Eifer, der vermieden werden muss? Das ich als Frau lieber gar nichts mehr zu Videospielen sage? Oder lieber keine mehr entwerfe*? Ja, das hat geklappt. Hier in einem halbwegs zivilisierten Forum kann ich mich dazu äußern, aber wie gesagt, ich würde mich nicht trauen, bei Youtube oder auf einer Spieleplattform Reviews zu schreiben.
Natürlich gibt es momentan für die Spieleproduzenten keinen wirklichen Anreiz, etwas an ihrer Formel zu ändern. Realistisch gesehen vermute ich, dass erst ein neues Segment erschlossen wird, wenn das derzeitige komplett ausgereizt ist. Und natürlich ergibt das erstmal marktwirtschaftlich einen Sinn - andererseits aber ist ein nicht zu unterschätzender Teil der Spieler (auch bei Action-Titeln) inzwischen weiblich und ich finde es genauso blödsinnig, diesen Teil aktiv zu vertreiben. Ich hätte vielleicht GTA gekauft, wenn es nicht so krass Misogyn wäre. Ich hätte auch weitere God of War-Titel gespielt, trotz muskelbepacktem Helden und Women in Refrigerators, aber das Sex-Minispiel hat's mir echt vergällt. Bekomme ich mehr Käufer, weil ich in einem Spiel zu Strippern gehen kann? Oder eben in einem Qicktime-Event zwei Weiber durchnudele? Ich bezweifle es ehrlich.
Jenseits davon sehe ich auch bei Produzenten eine moralische Verantwortung und die kann man nicht auf die Käufer schieben. Sonst könnte ich ja so ziemlich alles verkaufen, mit der Begründung, dass das in meiner Gruppe eben okay ist.
Gerade wenn ich sehe, dass in der Realität ein Teil meiner Kunden völlig unangemessen auf Kritik reagiert, sollte ich mir überlegen, ob ich so ein Verhalten bestärke oder lieber eindämmen will.
*Man muss natürlich sehen, dass Teile der Videospielecommunity ein Riesenproblem mit Entitlement haben. Ganz ehrlich, man darf sich ja beschweren, wenn einem was gefällt - aber Todesdrohungen, weil eine Waffe in einem Egoshooter leicht geändert wurde? Ehrlich?
Callisto n/a:
Ich kann dir sagen was ich will. Ich will das weibliche und männliche Spieler gleich bedient werden. Das in männliche und weibliche Charakter gleich viel Aufwand und Sorgfalt in die Entwicklung der Persönlichkeit gelegt wird. Das beide Geschlechter eben als Menschen gesehen werden und nicht als "Protagonist"(männlich) und "Eyecatcher"(weiblich).
Soll ich Last of Us auseinander nehmen? Wers noch durchspielen möchte und keine Spoiler mag, sollte aber aufhören zu lesen.
Als ich das erste und auch das zweite Mal Last of Us durchgespielt habe, habe ich es gefeiert. Es gibt ne männliche homosexuelle Nebenfigur ohne dass diese weibisch ist = Bill, von dem sie ein Auto holen. Ellie wehrt sich, man macht sich eigentlich keine Sorgen um sie, da sie nicht selbst die Deckung brechen kann und sie sich auch selbst wehrt. Dann im Winter, steuert man erst mal sie und später, wenn man versucht sie zu retten, kommt man zu spät und sie hat sich schon selbst gewehrt, wobei man glücklicherweise die beiden abwechselnd spielt, also auch als Ellie ausbricht. Last of Us ist da fast schon eine feministische Coming-of-Age-Story, wenn man jetzt Ellie bedenkt. Nach dem Prolog, also wenn wir 20 Jahre nach dem Ausbruch mit Joel anfangen, ist Joel nicht der Entscheider sondern Tess. Und Ellie hat Charakter, einen eigenen Willen.
Aber immer muss es ein Aber geben. Das erste ist: Es gibt eine Szene wo die beiden überfallen werden, das Auto zu Schrott fahren und vor allem auch sie dann aus dem Auto gezogen wird. Sie wehrt sich, im Spiel kommt das gut. Aber das war nicht die Idee der Entwickler oder der Storyschreiber. Das war Ashley Johnson, die Schauspielerin die das Motion Capturing für Ellie gemacht hat. Laut Drehbuch wäre sie einfach nur ohne Gegenwehr rausgezogen worden. Traurig dass da keiner von selbst auf die Idee kam, dass man sich wehrt, wenn man von Schurken angepackt wird.
Ausserdem aber: Wo ich mich im Winter noch gefreut hatte, dass die Damsel sich selbst aus Distress gerettet hatte, haben wir dann den Frühling und Joels Rettungsaktion. Ich finde das schwierig zu bewerten, also das Finale. Eigentlich fand ich es großartig. Schwierig aber deswegen großartig.
Noch was zu Last of Us. Die "gute" Frau von Joels Bruder, die Anführerin der Gruppe ist blond und hellhäutig. Marlene, die "böse" Frau und Anführerin der Fireflys mit der Einstellung, die Zweck heiligt die Mittel, auch wenn gute Menschen dafür leiden/sterben müssen, ist eine schwarze Frau. Das kann man schon fast als Rassismus ansehen. Ich meine Henry und sein Bruder waren jetzt auch nicht die hellsten in der Schublade.
Ich finde es so ziemlich eines der besten Spiele der letzten Zeit und definitiv besser als GTAwürg, aber wenn man es auseinandernehmen will, findet man immer noch Sachen zum kritisieren.
Fun Fact zu Naughty Dog: Bei Uncharted brauch man sich nicht zu wundern über gute weibliche Charas, die Story wurde von einer Frau geschrieben.
Irgendwer rief nach einem Beispiel für einen männlichen Heilchar. Tales of Xilia. Man kann sich am Anfang entscheiden es entweder mit Milla oder Jyde zu spielen. Mila, in einem weiblichen Körper, ist der Herr der Geister, Jyde ist Medizinstudent mit Helfersyndrom. Aber er ist auch der Faustkämpfer der Gruppe.
Ansonsten volle Zustimmung zur Nocturama.
Noch was zum Aktuellen Tomb Raider: Am Ende war die Beinahevergewaltigung kaum mehr als ich glaube eine eklige (beinahe?) Berührung mit ekligem Blick des Mannes. An TR kritisiere ich viel mehr, die völlige Rätselarmut, aus feministischer Sicht wars ok. Meine pers. Meinung.
Bluerps:
--- Zitat von: Nocturama am 14.12.2013 | 18:04 ---@Bluerps: Ich würde aber die Experimentierfreude der Publisher auch nicht überschätzen. So richtig große Veränderungen sehe ich bei den AAA-Titeln nicht [...]
--- Ende Zitat ---
Ja, das meinte ich auch nicht. Ich wollte nur sagen das es nicht der Fall ist, das es gar keine Experimentierfreude gibt, nur besonders viel ist es deswegen natürlich trotzdem nicht.
Bluerps
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