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[KotE] Inspiration für Charakter gesucht

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Quaint:
Da kann die Auslegung aber auch durchaus variieren. Sünde ist natürlich sehr salopp gesagt und die Details unterscheiden sich da teils sehr vom klassischen westlichen Bild, aber letztlich kommen doch schon karmische Prinzipien zur Anwendung und das Landen in Yomi ist quasi die Ultima Ratio - man hat es so dermaßen verkorkst, dass eine Wiedergeburt nichtmehr in Frage kommt. Wobei ja in der himmlischen Bürokratie auch einiges durcheinander ist und manchmal seltsame Dinge passieren.
Dennoch bin ich ein bissle ein Verfechter der World of Darkness als "grimdark" und würde nicht unbedingt einen Kuei-jin akzeptieren, der einfach bissle viel gearbeitet hat. Wenn er natürlich Familie hatte, die dadurch vernachlässigt wurde, mit entsprechenden Konsequenzen wie einer drogenabhängigen, sich prostituierenden Tochter und einer darüber schwer psychisch erkrankten Ehefrau oder so - da sind wir wieder bei 1a Yomi-Material.
Aber das ist natürlich auch Geschmackssache und davon abhängig, wie man gewisse Passagen versteht und auslegt.

Nocturama:
Als eine der Board-Sinologen kann ich gerne bei, nennen wir es mal "plausiblen", chinesischen Konzepten helfen. Allerdings ist KotE nach meiner Erinnerung ungefähr so asiatisch wie ein White Wolf-Buch in Sojasoße ("Da war doch sowas wie Wiedergeburt bei diesen Chinesojapanindern, oder?"). Ich habe das System noch irgendwo, glaube ich, und kann zu Hause mal reinschauen.

Bevor ich hier anfange, würde ich deshalb gerne wissen, ob ihr nur in einem (legitimen) Fantasiechina mit Pagoden, Rikschas und Kampfmönchen spielt oder ob's auch graue Hochhausreihen, lungenzersetzenden Smog und Wanderarbeiter gibt.

Außerdem interessant wäre, aus welche Zeit der Charakter stammen kann/soll.

Clawdeen:

--- Zitat von: Nocturama am 27.04.2012 | 09:56 ---Allerdings ist KotE nach meiner Erinnerung ungefähr so asiatisch wie ein White Wolf-Buch in Sojasoße ("Da war doch sowas wie Wiedergeburt bei diesen Chinesojapanindern, oder?").
--- Ende Zitat ---

Ja, dass da munter gemixt wird, ist mir sogar schon aufgefallen - mit Indien kenn ich mich nämlich immerhin ganz gut aus und da hab ich mich im Gespräch doch so über den einen oder anderen Begriff gewundert. Naja ...


--- Zitat von: Nocturama am 27.04.2012 | 09:56 ---Bevor ich hier anfange, würde ich deshalb gerne wissen, ob ihr nur in einem (legitimen) Fantasiechina mit Pagoden, Rikschas und Kampfmönchen spielt oder ob's auch graue Hochhausreihen, lungenzersetzenden Smog und Wanderarbeiter gibt.

Außerdem interessant wäre, aus welche Zeit der Charakter stammen kann/soll.

--- Ende Zitat ---

Wir spielen in der Moderne und gestorben wird 2007.

Was ich mir zwischenzeitlich übrigens so überlegt habe ist eine chinesische Ärztin, wobei ich nach meinen wenigen Recherchen rausgefunden zu haben glaube, dass die Anwendung von TCM entsprechend das übliche ist und das, was wir hier so als Schulmedizin bezeichnen, irgendwo an zweiter Stelle kommt (?).
In meiner Vorstellung hatte die eine eigene Praxis, hat aber ein sehr eigenes Bild davon, wie Leute zu sein und zu leben haben (noch nicht näher ausgearbeitet). Entsprach jemand diesem Bild nicht, hat sie die Therapien "angepasst", also nun nicht gerade Leute umgebracht, sondern beispielsweise durch Verwendung von Akupunktur irgendwelche neuralgischen Schmerzen zeitweise verschlimmert oder auch chronifiziert, oder beispielsweise bei Hauterkrankungen übliche Erstverschlimmerungen verstärkt und darüber dann länger anhaltende schmerzhafte Abzesse verursacht und solcherlei, den Leuten eben bei "feuchter Hitze" dann noch falsche Ernährungsratschläge gegeben etc. - ich hoff mal, das geht irgendwie als Sünde und mindestens ein bisschen sadistisch ist das wohl sowieso, gepaart mit einer abstrakten Form/Vorstellung von "Selbstjustiz" - wobei ich da noch nicht drauf gekommen bin, was da für sie wohl wichtige Punkte sein könnten, also inwiefern die Leute "falsch" sein könnten, die da zu ihr gekommen sind, weil mir da eben das Kulturverständnis bislang total abgeht.

Sterben ... das muss ich mir dringend noch ausdenken. Kann natürlich sein, dass sie irgendwann aufgeflogen ist und dann schließlich umgekehrt Opfer der Selbstjustiz anderer wurde, vielleicht hat sie auch durch das Auffliegen alles verloren und sich dadurch dann das Leben genommen ... vielleicht ist sie umgekehrt schwer erkrankt und an einen ähnlichen Arzt geraten, wie sie selbst es war oder so? Wie gesagt ... da hab ich noch keine weitere Idee zu.

Also wenn man daraus noch was gescheites Abgerundetes machen könnte und du helfen magst: Ich würd mich freuen!

Nocturama:
In China (zumindest in der VR, wie es in Taiwan oder HK ist, weiß ich nicht so genau) gibt es kaum Privatpraxen und fast ausschließlich Kliniken. Früher waren die natürlich alle staatlich, heute gibt es auch viele Privatkliniken.
Ein Arzt arbeitet also sehr selten alleine vor sich hin.
Staatliche Kliniken sind ziemlich günstig. Für eine Sprechstunde zahlt man unter zehn Euro (ich habe zwei gezahlt, wenn ich mich recht entsinne), Medikamente werden im Haus verkauft und machen einen Hauptteil des Krankenhauseinkommens aus.
TCM wird nach meiner Einschätzung nicht häufiger angewandt als Schulmedizin. Ein Arzt wird aber in der Regel nur auf eines spezialisiert sein, wie in Deutschland auch.

Da jetzt Ärzte nicht unbedingt wahnsinnig viel verdienen, gibt es da einiges an Korruption. Laut einer chinesischen Freundin muss man manchen Ärzten vor der OP ein bißchen was zustecken, damit sie nicht danebenschneiden. Ich weiß zwar nicht, ob das stimmt, taugt aber sicher als Charakteridee: Die Chirurgin im versifften Landkrankenhaus, die die Bauern nach Strich und Faden ausnimmt und wenn einer nicht zahlt... na, dann stirbt halt der kleine Guangming auf dem Operationstisch.
Und da kann ich mir durchaus vorstellen, dass die von einer wütenden Menge gelyncht wird.

In eine ähnliche Richtung ginge eine gierige Ärztin oder Pharmazeutin, die für teuer Geld gefälschte Medikamente unters Volk bringt. Dass die Medikamente nicht nur wirkungslos, sondern giftig sind, ist ihr egal. Sie könnte sogar exekutiert werden, wenn die Regierung mal wieder Härte demonstrieren will (das kann auch der korrupten Ärztin passieren).

Clawdeen:
Okay, der Schwank rüber zur Pharmazie wäre auch noch eine Möglichkeit ... wie "geheim" oder im Gegenteil verbreitet ist denn TCM so in China?

Wir spielen in Peking. Wikipedia zufolge hat diese Stadt so an die 17 Mio. EW und davon etwa 3 Mio. Gast- und Wanderarbeiter. Gibt es da sowas wie Stadtteile mit besonders hohem Anteil von Gastarbeitern, wie weit weg ist der ländliche Bereich von den Städtern?

Oder anders: Wie wahrscheinlich ist es, dass eine in Peking in der Klinik tätige Ärztin (auch) in Landkrankenhäusern aktiv ist (hier gibt's ja sowas als Vertretung, Nebentätigkeit etc.)? Oder wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Pharmazeutin sich fälschlich als Ärztin ausgibt und privat Leute behandelt, dann z.B. mit falschen/giftigen Substanzen? Also würden ärmere Leute in Peking selbst tendenziell auf sowas reinfallen, sowas glauben, kennen sich selbst wenig genug aus, dass man ihnen das glaubhaft versichern kann oder sie einfach nicht weiter fragen oder zweifeln, weil sie ohnehin keine oder wenige Optionen haben? Wenn ich das nun richtig kombiniere aus deinem letzten Beitrag und Wikipedia, dann beträfe das wohl nur sich illegal aufhaltende bzw. einfach (noch) nicht gemeldete Personen, oder?
Und billige Sprechstunden und Medikamente ist ja ein bisschen relativ ... ich hab keine Ahnung, was die Leute da so verdienen, also können 2-10€ umgerechnet ja unglaublich wenig oder unglaublich viel sein.

Und was das alleine vor sich hinarbeiten betrifft: Ich hab vor x Jahren mal eine Doku gesehen (Yin & Yang im Allgäu), in der es um den Austausch von zwei Ärzten ging. Eins der dargestellten Probleme im Allgäu war, dass die chin. Ärzte das Konzept der Dokumentation wohl nicht so wirklich verstanden haben und es etwas schwierig war, sie dazu anzuhalten, weil sie einfach keinen Sinn in dieser zeitraubenden Tätigkeit erkennen konnten. Das spricht ja dann schon eher dafür, dass dieselben Patienten auch stets von denselben Ärzten betreut werden, oder? Sonst würde ja ständig die verwendete Therapie umgestellt/gekippt?

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