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Kriminalplots mit Fate
Praion:
Grüße,
mit den Dresden Files haben wir ja "nun" für FATE sogar ein Noir-Detectiv Setting, das das lösen von mysteriösen Fällen mit in den Mittelpunkt stellt. Dem entgegen steht die Fähigkeit von Spielern sonst was für Fakten zu erschaffen - wie geht das mit dem Krimi und der (schwierigen) Spurensuche zusammen.
Hier meine Gedanken dazu:
1. Spurensuchen ist an sich nicht schwer in Fate und sollte es auch nicht sein. Mit Investigation und 1 oder 2 Stunts dazu wird man IMMER die passenden Spuren finden, der objektlesende Cop aus dem ersten Con Szenario kann 1-2 Minuten über einen Tatort laufen und dir dann genau sagen was dort abgegangen ist.
Gleichzeitig ermöglich einem Contacts ein sehr einfaches finden von Informanten und Zeugen.
Beides sind Fähigkeiten die ein Detektiv sicher nehmen wird. Die direkte Spurensuche ist also nicht schwierig. Gleichzeitig kann man es den Spielern ja eh nicht zu schwierig machen die Spuren zu finden, da sich sonst das Abenteuer nicht lösen lässt.
Das war die reine "Fakten finden" Seite.
2. Ich kann Spuren erschaffen. Ich kann Zeugen erschaffen. Ich kann "zufällig" die Mordwaffe finden - und das ist okay.
Genau wie in Kämpfen kann ich nicht sagen "und er fällt tod um" - das wäre ja langweilig.
Ich kann aber Fakten finden, die mich ziemlich genau in eine Richtung lenken. Mit einem Fatepunkt und 2 guten Würfen kann ich sagen
"Er wurde von einer klauenartigen Waffe angegriffen (Fatepunkt) hier liegen extrem viele Haare (Investigation Declarations) und gestern war Vollmond (Scholarship?)" damit weiß man als Gruppe "oh es war wohl ein Werwolf oder sowas". Wer der Werwolf ist, ist aber nicht klar.
Dies kann natürlich voll gegen das gehen, was der SL geplannt hat (Es war der Butler). Die Spieler sagen damit aber, "hey, wir haben Bock auf Werwölfe, gib uns Werwölfe" und warum nicht? Sie müssen immer noch herausfinden wer der Werwolf ist und warum. Gleichzeitig ist so ein Werwolf auch viel viel gefährlicher als der Butler.
3. Der Hauptpunkt für mich. Reizen und Aspekte.
Fate dreht sich in erster Linie immer darum, wer die Charaktere sind. Viele Plotstwists sollten (meiner Meinung nach) aus Reizen und dem Fallout davon entstehen. Ein Fate Tatort ist also einer, in dem es wesentlich mehr um den Kommisar als um den Fall geht. Jeder Fall wird irgendwie eine persöhnliche Schiene für mindestens einen der Charaktere haben (seinen Aspekt reizen).
Die Frage ist also, was passiert mit unserem Charakter, wie reagiert er darauf, wie geht er damit um und nicht "wer war es". Das "wer war es" ist Nebensächlich, außer es berührt den Ermittler direkt ("Es ist DEINE SCHWESTER !!! BAMBAMBAMMMMM")
Daher ist es auch nicht schlimm den Spielern große teile der Ermittlung und der Spuren in die Hand zu geben, da Story sowieso genug durch reize entstehen.
Auch in den Dresden Files geht es nicht primär um die Ermittlung oft, sie sind eher der MacGuffin. Wichtig ist was mit Harry in dem Fall passiert (und wie Jim ihn leiden lässt).
Was denkt ihr über Krimi/Mystery in Fate?
Praion
(wie immer gilt, jede Aussage basiert nur auf dem was ich meine glaube zu wissen)
Auribiel:
--- Zitat von: Praion am 19.08.2012 | 11:26 ---2. Ich kann Spuren erschaffen. Ich kann Zeugen erschaffen. Ich kann "zufällig" die Mordwaffe finden - und das ist okay.
Genau wie in Kämpfen kann ich nicht sagen "und er fällt tod um" - das wäre ja langweilig.
Ich kann aber Fakten finden, die mich ziemlich genau in eine Richtung lenken. Mit einem Fatepunkt und 2 guten Würfen kann ich sagen
"Er wurde von einer klauenartigen Waffe angegriffen (Fatepunkt) hier liegen extrem viele Haare (Investigation Declarations) und gestern war Vollmond (Scholarship?)" damit weiß man als Gruppe "oh es war wohl ein Werwolf oder sowas". Wer der Werwolf ist, ist aber nicht klar.
Dies kann natürlich voll gegen das gehen, was der SL geplannt hat (Es war der Butler). Die Spieler sagen damit aber, "hey, wir haben Bock auf Werwölfe, gib uns Werwölfe" und warum nicht? Sie müssen immer noch herausfinden wer der Werwolf ist und warum. Gleichzeitig ist so ein Werwolf auch viel viel gefährlicher als der Butler.
--- Ende Zitat ---
Gehen wir mal davon aus, dass die Runde überhaupt dazu bereit ist, einen Kriminalplot zu spielen. Dann beißt es sich mMn nach damit, dass man sagt "aber ich will alles selbst bestimmen und festlegen können" - dann würde ich als SL für die Spieler KEINEN Kriminalplot vorbereiten, sondern einen anderen Plot.
Denn - um mal dein Beispiel mit dem Werwolf aufzugreifen: Bei einem Kriminalplot reicht es erfahrungsgemäß nicht aus, sich eine Leiche und einen Tatort aus den Fingern zu saugen und den Rest dann "einfach laufen zu lassen". Die Gefahr, dass ich große Logiklücken auftun ist bei einem Kriminalplot noch weit größer, als bei anderen Abenteuern. Ein Kriminalplot lebt von Tatverdachten und Indizien. Deklariert man sich also einfach neue herbei, so ist die Gefahr extrem groß, dass das ganze drum herum zusammenbricht.
Einen (ernsthaft gemeinten) Kriminalplot schüttelt man sich nicht einfach aus dem Ärmel, das braucht Vorbereitung. Wenn man natürlich mehr Bock auf "Eine Leiche zum Dessert" hat und kein Problem damit, wenn dann Tatverdächtige und Indizien keinen Sinn ergeben, kann man das auch mal so herfabulieren.
Entschuldige, wenn ich das so hart formuliere, aber ich habe schon in mehreren Kriminalplots geleitet und gespielt und gesehen wie es gut läuft und wie es müllig läuft. Und wenn ich (was in deinem Beispielfall notwendig wäre) NUR die Leiche vorgebe und den Rest sich dann entwickeln lasse, wird das in den allermeisten Fällen nicht funktionieren und die Spieler gefrustet am Tisch sitzen und (ggf. mal wieder) drüber jammern, wie sch*** doch solche Aufklärungsarbeitabenteuer sind.
Und wenn die Spieler Bock auf Werwölfe haben, dann können sie das vor dem Spiel sagen, dann bekommen sie GENAU das was sie wollen auch vorbereitet. PE hin oder her, auch der SL ist nicht der Hampelmann der Spieler. Wenn ich frage: "Kriminalplot okay?" und es kommt eine Zusage von meinen Spielern, ich bereite dann dazu was vor (was mich Zeit und Arbeit kostet) und hör dann am Spielabend "jetzt wollen wir aber lieber was mit Werwölfen, los, mach mal", dann mach ich mir doch keine Arbeit mehr!
--- Zitat ---Was denkt ihr über Krimi/Mystery in Fate?
--- Ende Zitat ---
Funktioniert mMn super, wenn die Gruppe sich vorher darauf geeinigt hat, dass sie das will. Das VETOrecht des SL wiederum kann im Notfall greifen und verhindern, dass die SL die Abkürzung nehmen wollen ("ich erschaffe jetzt den Fakt, dass der Endgegner tot umfällt, weil er einen Herzinfarkt erleidet" <= würd auch kein SL zulassen, vermute ich mal).
Skele-Surtur:
--- Zitat ---
Gehen wir mal davon aus, dass die Runde überhaupt dazu bereit ist, einen Kriminalplot zu spielen. Dann beißt es sich mMn nach damit, dass man sagt "aber ich will alles selbst bestimmen und festlegen können" - dann würde ich als SL für die Spieler KEINEN Kriminalplot vorbereiten, sondern einen anderen Plot.
Denn - um mal dein Beispiel mit dem Werwolf aufzugreifen: Bei einem Kriminalplot reicht es erfahrungsgemäß nicht aus, sich eine Leiche und einen Tatort aus den Fingern zu saugen und den Rest dann "einfach laufen zu lassen". Die Gefahr, dass ich große Logiklücken auftun ist bei einem Kriminalplot noch weit größer, als bei anderen Abenteuern. Ein Kriminalplot lebt von Tatverdachten und Indizien. Deklariert man sich also einfach neue herbei, so ist die Gefahr extrem groß, dass das ganze drum herum zusammenbricht.
Einen (ernsthaft gemeinten) Kriminalplot schüttelt man sich nicht einfach aus dem Ärmel, das braucht Vorbereitung. Wenn man natürlich mehr Bock auf "Eine Leiche zum Dessert" hat und kein Problem damit, wenn dann Tatverdächtige und Indizien keinen Sinn ergeben, kann man das auch mal so herfabulieren.
Entschuldige, wenn ich das so hart formuliere, aber ich habe schon in mehreren Kriminalplots geleitet und gespielt und gesehen wie es gut läuft und wie es müllig läuft. Und wenn ich (was in deinem Beispielfall notwendig wäre) NUR die Leiche vorgebe und den Rest sich dann entwickeln lasse, wird das in den allermeisten Fällen nicht funktionieren und die Spieler gefrustet am Tisch sitzen und (ggf. mal wieder) drüber jammern, wie sch*** doch solche Aufklärungsarbeitabenteuer sind.
Und wenn die Spieler Bock auf Werwölfe haben, dann können sie das vor dem Spiel sagen, dann bekommen sie GENAU das was sie wollen auch vorbereitet. PE hin oder her, auch der SL ist nicht der Hampelmann der Spieler. Wenn ich frage: "Kriminalplot okay?" und es kommt eine Zusage von meinen Spielern, ich bereite dann dazu was vor (was mich Zeit und Arbeit kostet) und hör dann am Spielabend "jetzt wollen wir aber lieber was mit Werwölfen, los, mach mal", dann mach ich mir doch keine Arbeit mehr!
--- Ende Zitat ---
Stimme ich nur bedingt zu. Natürlich muss für einen Kriminalplott eine etwas komplexere Sachlage vorbereitet werden. Aber meiner Erfahrung nach sollten diese "Plots" nicht zu komplex sein. Wenn ein Plot so komplex ist, dass ich nicht den ein oder anderen Spielerinput einflechten kann, dann ist er mit großer Wahrscheinlichkeit sowieso zu komplex.
Ein paar vitale Punkte kann ich ja vor Spielerinput schützen, der Logiklöcher in den Plot schießen würde. Aber es gibt meiner Ansicht nach genug Raum, um Declarations und Faktenschaffen konstruktiv einzusetzen.
Auribiel:
--- Zitat von: Surtur am 19.08.2012 | 15:28 ---Stimme ich nur bedingt zu. Natürlich muss für einen Kriminalplott eine etwas komplexere Sachlage vorbereitet werden. Aber meiner Erfahrung nach sollten diese "Plots" nicht zu komplex sein. Wenn ein Plot so komplex ist, dass ich nicht den ein oder anderen Spielerinput einflechten kann, dann ist er mit großer Wahrscheinlichkeit sowieso zu komplex.
--- Ende Zitat ---
Ich schließe Declarations und Faktenschaffen nicht aus. Ich sage nur, sie müssen sinnvoll eingebracht werden (das wäre etwas, dass ich bei den meisten anderen Plots mit FATE auch erwarten würde: Wenn ich mich mit den Spielern auf ein Werwolfsetting geeinigt habe, fände ich es auch etwas witzlos, wenn sie sich dann Alienentführungen und Weltraumschlachten herbeideklarieren - wenn man hingegen ein völlig freies Setting mit "allem ist möglich" vereinbart hat, dann dürfen sie deklarieren, was die Fantasie hergibt und ich bau gerne alles ein.). Messlatte für mich ist das, was man mit den Spielern vereinbart hat - und an das ich mich beim plotten dann auch entlanghangle. Und da erwarte ich dann auch eine gewisse "settingtreue" von meinen Mitspielern (Kriminalplot) - sonst hät ich als SL ja auch schon aus den vollen schöpfen können (Teenager from outer Space).
Taschenschieber:
Das gesuchte Wort ist wohl "Plotimmunität".
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