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Glaube verpflichtet...?

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Feuersänger:
Den Inq wie in PF beschrieben halte ich in einem konsequent geführten High Fantasy Setting für unspielbar. Wie gesagt ist die Aufgabe einer Inquisition klassischerweise, Probleme innerhalb der eigenen Kirche auszumerzen. Würde sich ein Inquisitor sich in einem polytheistischen Setting derart aufführen wie die Axt im Walde, bekäme der sehr bald von allen Seiten richtig Stress.

Exkurs:
ich hab ja auch ein Setting für 3.5 gebastelt, bei dem generell vorgesehen ist, dass die SCs in Diensten einer Art Guten Theokratie stehen (es handelt sich um ein Großreich etwa der Ausdehnung des Römischen Reichs auf seinem Höhepunkt). Da ist die Kosmologie polytheistisch und polysynkretisch, mit vier "Herrschenden Gottheiten" sowie einer nicht näher definierten Anzahl niederer Götter. Die Chefgötter verteilen sich auf die Gesinnungen LG, NG, CG und LN, wobei unter diesen der LG-Gott wiederum der oberste ist.
Ich erwähne das, weil ich mir da auch Gedanken darüber mache, welche Aufgaben dort eine Inquisition wahrnimmt und ob jede Kirche ihre eigene hat. Ich hab mir z.B. gedacht, da dort geistliche und weltliche Strukturen stark miteinander verknüpft sind, dass die Inq auch gleichzeitig sowas wie die Steuerbehörde darstellen könnte, die die Abgaben festlegt, eintreibt und weiterleitet.
Natürlich darf man sich einen Inquisitor solch eines chronisch Guten Staates nicht mit Henkershaube und Kneifzangen am Gürtel vorstellen--
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)-- sondern eher als generell wohlwollende Zeitgenossen, aber mit hoher Menschenkenntnis.

Lichtschwerttänzer:

--- Zitat von: Feuersänger am 16.05.2013 | 18:13 ---Die tiefer liegende Frage nach der "Konformität" innerhalb einer jeweiligen Kirche find ich dabei durchaus

--- Ende Zitat ---
kann durchaus um Auslegungen handeln von Göttlichen Geboten , die beide nicht falsch sind ode5 stimmen , bzw zoff um kirchenrecht.

Feuersänger:

--- Zitat von: Schwerttänzer am 17.05.2013 | 02:48 ---kann durchaus um Auslegungen handeln von Göttlichen Geboten , die beide nicht falsch sind ode5 stimmen , bzw zoff um kirchenrecht.
--- Ende Zitat ---

Wie gesagt, wenn sich ein real existierender, weltimmanenter Gott schon die Mühe macht, Gebote aufzustellen, deren Einhaltung ihm am Herzen liegt, würde ich erwarten dass er dann auch klarstellt, wie genau er das gemeint hat. Oder ansonsten sagt "ist mir so oder so recht, macht wie ihr meint" -- aber dann dürfte er es auch nicht gutheißen, wenn die eine Gruppe die andere irgendwelchen inquisitorischen Repressalien aussetzt.
Der ganze Streit um des Kaisers Bart, den wir z.B. von der christlichen Theologie her mehr oder weniger kennen, entsteht ja nur dadurch, dass es da verschiedene _Menschen_ sind, die ihre Agenda vorantreiben wollen; der Herrgott sagt da gar nichts dazu. Ob das nun so ist, weil es ihn nicht gibt, oder es ihm scheissegal ist was wir machen, oder es ihn amüsiert zuzusehen wie wir uns streiten, wäre wiederum mehr ein Thema für die Speakers Corner.  :P

Galatea:

--- Zitat von: Feuersänger am 17.05.2013 | 01:43 ---Ich erwähne das, weil ich mir da auch Gedanken darüber mache, welche Aufgaben dort eine Inquisition wahrnimmt und ob jede Kirche ihre eigene hat. Ich hab mir z.B. gedacht, da dort geistliche und weltliche Strukturen stark miteinander verknüpft sind, dass die Inq auch gleichzeitig sowas wie die Steuerbehörde darstellen könnte, die die Abgaben festlegt, eintreibt und weiterleitet.
Natürlich darf man sich einen Inquisitor solch eines chronisch Guten Staates nicht mit Henkershaube und Kneifzangen am Gürtel vorstellen--
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)-- sondern eher als generell wohlwollende Zeitgenossen, aber mit hoher Menschenkenntnis.
--- Ende Zitat ---
Die ursprüngliche Aufgabe der katholischen Inquisition bestand darin, das Kirchenrecht durchzusetzen bzw. ihm zur Geltung zu verhelfen (also auch Recht zu sprechen). Die wandten sich auch historisch nicht selten gegen Herrscherwillkür kleiner Möchtegerndespoten oder lösten Nachbasrchaftszwiste (Grundstückstreitkeiten, Viehdiestahlbeschuldigung u.ä.), viele Menschen sahen in ihr damals eine neutrale unbestechliche Gerichtbarkeit (tatsächlich war die =I= im MA die einzige unabhängige Gerichtsbarkeit).
Gewisse... Ausuferungen kamen erst später.

Falke359:

--- Zitat von: Galatea am 17.05.2013 | 04:57 ---Die ursprüngliche Aufgabe der katholischen Inquisition bestand darin, das Kirchenrecht durchzusetzen bzw. ihm zur Geltung zu verhelfen (also auch Recht zu sprechen). Die wandten sich auch historisch nicht selten gegen Herrscherwillkür kleiner Möchtegerndespoten oder lösten Nachbasrchaftszwiste (Grundstückstreitkeiten, Viehdiestahlbeschuldigung u.ä.), viele Menschen sahen in ihr damals eine neutrale unbestechliche Gerichtbarkeit (tatsächlich war die =I= im MA die einzige unabhängige Gerichtsbarkeit).
Gewisse... Ausuferungen kamen erst später.

--- Ende Zitat ---

Danke für die Klarstellung, die finde ich auch erwähnenswert.

Trotzdem schließe ich mich Feuersänger an, dass es nicht sehr hilfreich, Religionen in der realen Welt zu sehr mit Glaubenssystemen in High-Fantasy-Settings zu vergleichen.

Nichtsdetotrotz gibt es unzählige Beispiele aus Literatur, Film und Rollenspielsettings, dass es auch in Fantasywelten mit greifbaren Göttern Unterschiede zwischen dem Willen einer Gottheit und dessen Auslegung durch eine kirchliche Organisation gibt.
So sind Botschaften, die man z.B. durch Divination, Prophezeiungen o.ä. bekommt, ja für gewöhnlich keine klaren Handlungsanweisungen, sondern kryptisch verrätselte, mehrdeutige und zu interpretierende Äußerungen.

Das Mysteriöse des Göttlichen würde ich auch und gerade in einem Fantasy-Setting bewahren wollen, in dem Charaktere Göttern und ihren Avataren persönlich begegnen können. (Dass das andere vielleicht anders ausspielen würden: geschenkt.)

In jedem Fall würde ich Platz für Ausnahmen oder Spielräume lassen, wie sich ein Anhänger einer Gottheit zu verhalten habe.
Nochmals: Ob etwas dem Willen meiner Gottheit entspricht oder widerspricht, entscheidet gerade in einer Welt, in der sich Götter aktiv äußern, im Zweifelsfall nicht eine kirchliche Organisation, sondern die Gottheit selbst. Gerade dann kann der Pala-Gott seiner Kirche klar machen: "Lasst den mal machen, das ist schon in Ordnung, gehört alles zum göttlichen Plan, braucht ihr nicht zu verstehen."

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