Pen & Paper - Spielsysteme > Pathfinder/3.x/D20
Reiche des Guten bzw Bösen
Feuersänger:
Dies ist eine indirekte Nachgeburt des (alten) Threads über "plausible High Magic Settings", mit besonderem Augenmerk auf das D&D-typische Gesinnungssystem und die tatsächliche Existenz diverser Götter, die sich mehr oder weniger direkt in die Belange der Sterblichen einmischen (bzw sich von ihrem Klerus vertreten lassen). Wir reden hier freilich von D&D-typischem Fäntelalter.
Wie äußert es sich, wenn ein Reich bzw Staat eine "Gesinnung" hat? Insbesondere, wenn die vorherrschenden Völker (z.B. Menschen) keine "automatische" oder "übliche" Gesinnung besitzen? Also zur Klarstellung: die Herrschenden Mächte folgen einer Gesinnungs-Ideologie, aber in der breiten Bevölkerung findet sich mehr oder weniger die übliche volkstypische Streuung.
Beispielsweise bei einem Reich des Guten:
- die Bevölkerung sollte möglichst wenigen Zwängen unterworfen sein. Also vor allem keine Sklaverei oder Leibeigenschaft, stattdessen Freizügigkeit, freie Berufswahl etc.
- gleichzeitig müsste ein Solidarsystem vorhanden sein. Es passt nicht zu "Gut", dass man die schwächeren einfach sich selbst überlässt. Armut und Not sollten ausgemerzt werden.
- was macht man mit Bösen Individuen? Wäre die Verhängung von Todesstrafen etc nicht ein Bruch des eigenen moralischen Anspruchs? Ist Verbannung eine Alternative? Dürfen Gesinnungsstrafen präventiv verhängt werden, oder muss man warten bis der Brandstifter den Dachboden angezündet hat?
- wie ist die Doktrin in klassischen Dilemmata à la "wenige opfern, um viele zu retten?"
--
Und wie schaut es im umgekehrten Fall aus, bei den Bösen?
Da habe ich wohlgemerkt _ganz_ massive Probleme, mir überhaupt eine plausible Motivation auszudenken. Meine eigene Denke ist dazu wohl zu "gut", und ich kann Streben nach gewaltigem Reichtum und Luxus nur ganz begrenzt nachvollziehen, und noch weniger das Streben nach Macht um der Macht Willen.
Aber gut, das ist die eine Sache. Die andere ist: in einem Reich des Bösen, was passiert da, wie leben die Menschen usw? Prinzipiell könnte ich mir da schon ein paar Alternativen vorstellen:
- Dog-eat-dog World. Es gilt das Recht des Stärkeren. Verbrechen und Gewalt sind an der Tagesordnung, jeder muss sich um seinen eigenen Schutz selber kümmern.
- oder ganz anders: es herrscht ein striktes Regime, das für Ruhe und Ordnung sorgt.
- natürlich assoziiert man mit "Böse" auch gern eine drückende Steuerlast -- ohne entsprechende Leistungen dafür zu erhalten; man finanziert lediglich den Luxus der Herrschenden und das Militär bzw den Apparat.
- "beliebt" sind natürlich auch entsprechende Gottheiten, die Menschenopfer fordern usw.
- ein denkbares Element wäre auch, dass die Bevölkerung zwar hart gepresst wird, aber dafür mit täglichen Alkoholrationen etc ruhiggestellt.
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Soweit jetzt nur mal erst zur Einstimmung. Was fällt euch zu diesem Themenbereich ein?
Slayn:
Hallo Feuersänger,
ich hatte vor kurzem eine erhellende Diskussion mit einem U.S.-Amerikanischen Juristen über Recht, Unrecht und Gesetze. In diesem Sinne war es enorm auffällig, wie sehr sich unser deutsches Recht von deren Recht unterschied und wir kamen in eine leicht hitzige Diskussion.
Das Fazit, das man für ein "reich des Bösen" übernehmen kann sieht wohl so aus:
- Persönliche Macht bietet Schutz
- Recht geht nach Reichtum
Und diese beiden Aussagen reichen eigentlich vollkommen aus, entweder ist Justizia blind, bewertet unterschiedlich oder käuflich (LE, NE, CE)
Talim:
Länder haben keine Gesinnung.
Wesen haben eine Gesinnung und die kann sehr vielfältig sein.
Ein guter König kann seine Wohltaten für das Volk z.B. nicht durchsetzen, da dem die Interessen der neutralen oder vieleicht sogar böse gesinnten Fürsten entgegen stehen.
Gegen sie vorgehen oder gar entmachten kann er nicht, da dies zu einem Bürgerkrieg führen könnte.
Feuersänger:
Da bist du zu sehr auf die irdische Realität fixiert. Da gibt es aber noch nichtmal Gesinnungen.
In einer Fantasywelt haben wir zunächst mal den Unterschied, dass es die Götter wirklich gibt und sie sich durchaus in die Belange der Sterblichen einmischen.
Denkbar sind also z.B. Theokratien, in denen die Politik sich nach der Doktrin einer oder mehrerer Gottheiten zu richten hat. Dank D&D-Gesinnungssystem folgt daraus, dass auch die sterblichen Entscheidungsträger ähnliche Gesinnungen haben wie die dominierenden Gottheiten.
Das funktioniert sowohl in die Guten wie die Bösen Richtungen.
Und selbst wenn wir von eher weltlichen Reichen ausgehen, müssen die Staaten noch lange nicht nach dem europäisch-mittelalterlichen Feudalsystem organisiert sein. Genausogut kann es sich um eine zentralistische Bürokratie handeln, vergleichbar mit z.B. mit Rom oder Byzanz oder China.
Talim:
Das macht die Sache doch nur interessanter.
In der Bürokratie von Shou Lung (Kara Tur) ist der LG Herrscher vielen Regeln unterworfen. Er kann nicht das machen was er will oder für richtig hält. Es gibt einen gigantischen Beamtenapparat der das tägliche Leben auf Spur hält aber auch riesige Beharrungskräfte gegenüber Veränderungen entwickelt.
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