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[Recherche: Medizin] Was passiert, wenn das Großhirn verrückt spielt?

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Grey (away):
Zwingend überlebensnotwendig nicht; es laufen aber plötzlich jede Menge Synapsen "ins Leere".

Ungefähr so stelle ich mir den Effekt vor: Solange der Einzelne in das Kollektiv eingebettet ist, arbeitet ein Großteil seiner Hirnfunktionen daran, Informationen ins Netzwerk einzuspeisen bzw. daraus abzurufen. Bewußte Gedankengänge ohne Netzwerkanbindung sind dem Einzelnen nicht möglich. Wir haben es hier nicht nur mit Menschen zu tun, die "dauernd mit dem Kopf im Internet hängen", aber allein noch funktionsfähig wären; es geht eine Stufe darüber hinaus. Die Aufmerksamkeitsspanne des Einzelnen liegt unter einer Sekunde.

AcevanAcers Anregungen wie Sprachverlust und Orientierungsverlust gehen da durchaus schon in eine Richtung, die mir plausibel erscheint; im vorliegenden Fall nur temporär, so daß nach Wiedereinbindung ins Kollektiv alles wieder normal funktionieren würde.

Interessant finde ich nach wie vor die Frage, was das Großhirn genau anstellt, wenn ein Großteil seiner Synapsen "ins Leere feuert"; ungefähr so, als ob es Informationen ans Sprachzentrum weiterleitet, und da ist gar kein Sprachzentrum.

Dr.Boomslang:

--- Zitat von: G am  9.04.2014 | 23:23 ---Interessant finde ich nach wie vor die Frage, was das Großhirn genau anstellt, wenn ein Großteil seiner Synapsen "ins Leere feuert"; ungefähr so, als ob es Informationen ans Sprachzentrum weiterleitet, und da ist gar kein Sprachzentrum.

--- Ende Zitat ---
So funktioniert das Gehirn nicht. Es gibt z.B. bis heute kein eindeutig identifiziertes "Sprachzentrum". Spezialisierungen von Gehirnregionen ergeben sich durch ihre Lage und Verknüpfung, die muss aber nicht mit bestimmten Aufgaben korellieren.
Computer und Netzwerke sind eine ganz gute Analogie. Wenn du z.B. auf deinem Computer ein Video angucken willst, dann hängt die Performance und Qualität nicht nur von den Videoprozessen auf deinem Computer ab, sondern auch enorm davon wo es herkommt, ob z.B. von deiner Festplatte oder aus dem Internet.

Bei deinem Kollektiv müsstest du dir überlegen wozu die Verbindung wirklich verwendet wird. Es wäre z.B. in den meisten Fällen recht großer Unsinn Bewegungen des Körpers ins "Netzwerk" auszulagern, ungefähr so als ob du deine Eingaben am Computer erst zu einem Server schickst der dir dann eine Grafik anzeigt die sich nur auf deinem Monitor verändert.
Kommunikation und Wahrnehmung sind hingegen ganz gute Kandidaten.

Wenn die implantierten Leute in dem Kollektiv aufgewachsen sind wie Borg z.B. stelle ich mir eine Trennung extrem traumatisch vor, so etwa als würde man Leuten Körperteile amputieren. Andernfalls wäre es interessant zu überlegen welche Funktionen des Gehirns von dem Implantat quasi okkupiert werden, also z.B. sowas wie Sprache, Töne, Visuelles. Es kann z.B. eben gut sein dass es eine Art von Phantom-Wahrnehmung gibt, und natürlich kann sich Motivation und Charakter völlig verändern, je nachdem welche Funktionen das Kollektiv hatte.

Ich glaube das Ganze auf irgendwelche Hirnfunktionen zu reduzieren bringt wenig, weil wir einerseits zu wenig über die Realität (des Gehirns) als auch zu wenig über die Funktionsweise eines möglichen Kollektivs wissen.

Pyromancer:
In Vernor Vinges "A Fire upon the Deep" kommen an zentraler Stelle Aliens vor, die in gehirnvernetzten Kleinkollektiven von 6(?) Einzelkörpern operieren. Dort wird zwar IIRC nur der umgekehrte Fall beschrieben, das Kollektive "Teile" verlieren, als Inspirationsquelle taugt es aber sicher - und ist auch sonst ein schönes Buch.

Slayn:

--- Zitat von: G am  9.04.2014 | 19:30 ---Angenommen, wir haben eine Gesellschaft, in der die Menschen über Hirnimplantate permanent vernetzt sind. Sie bilden auf diese Weise ein geistiges Kollektiv. "Eigene" Gedanken gibt es nicht mehr, im Grunde entspringt jeder Gedankengang einer Vielzahl von Hirnen und wird von diesen verarbeitet.
--- Ende Zitat ---

Nur um da nochmals sicher zu gehen: Du meinst keinen selektiven Datenaustausch oder Pseudo-Telepathie sondern die Verschmelzung aller Menschen zu einem wirklich festen Kollektiv inkl. der Auflösung jedweder Persönlichkeit?

Dann wäre ein Mensch, der aus diesem Kollektiv fliegt nur noch ein Stück Fleisch mit einem Geist auf dem Niveau eines frisch geborenen Babies.

Galatea:

--- Zitat von: Dr.Boomslang am  9.04.2014 | 23:51 ---So funktioniert das Gehirn nicht. Es gibt z.B. bis heute kein eindeutig identifiziertes "Sprachzentrum". Spezialisierungen von Gehirnregionen ergeben sich durch ihre Lage und Verknüpfung, die muss aber nicht mit bestimmten Aufgaben korellieren.
--- Ende Zitat ---
Es sind durchaus Areale bekannt, die eine Menge mit Sprache zu tun haben. Menschen mit Läsionen im Broca-Areal haben ein sehr ernstes Problem mit der Produktion von grammatikalisch sinnvollen Sätzen. Das bedeutet nicht, dass sich die Sprachverarbeitung auf diese Areale beschränkt, dennoch bedeutet ein Ausfall dieser Areale im Normalfall den Verlust der Sprachfähigkeit.

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