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50 Shades of Grey

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Oberkampf:
Ich muss zugeben, dass ich auch beide Romanreihen bzw. Verfilmungen, Twillight und 50 Shades, nicht kenne und mir deshalb kein Urteil erlauben sollte, außer vielleicht dem, dass ich nach allem, was ich darüber gehört habe, kein Interesse habe, mir das zum reinen perversen Vergnügen anzutun (so masochistisch wie der im Postillon beschriebene Mann bin ich wohl nicht, und ich habe auch Pretty Woman und Titanic nicht gesehen  ;) ), aber bekanntermaßen hindert ja Unkenntnis nicht vor Verabscheuung Urteilsbildung. 

Mir scheint es so zu sein, als sei 50 Shades eine Märchenvariante: Nettes, gutes Mädchen bezähmt durch ihre Hingebung das Biest, dass sich als gut aussehender und vermögender Traumtyp entpuppt. Um die Geschichte etwas moderner zu machen, werden die schlechten Eigenschaften des Biests statt mit Magie mit seiner schlimmen Kindheit erklärt und in eine BDSM-Ausprägung gehüllt, die verbergen soll, dass eigentlich häusliche Gewalt und Stalkerverhalten beschrieben wird.

Interessanterweise stieß das Buch ja trotzdem auf ein riesiges Publikum, obwohl sich Literaturexperten einige sind, dass es sprachlich nicht in die Oberliga gehört und praktizierende BDSM-Experten mit den Augen rollen. Das finde ich aber nicht verwunderlich, denn diese beiden Gruppen sind offensichtlich nicht das Zielpublikum von Buch und Film, sowenig professionelle Kriminalisten und/oder Literaten das Zielpublikum von Edgar-Wallace-Krimis sind.

Holothuroid:

--- Zitat ---Das finde ich aber nicht verwunderlich, denn diese beiden Gruppen sind offensichtlich nicht das Zielpublikum von Buch und Film, sowenig professionelle Kriminalisten und/oder Literaten das Zielpublikum von Edgar-Wallace-Krimis sind.
--- Ende Zitat ---

Den Vergleich finde ich schwierig. Denn anders als tatsächliches Sexualverhalten ist Polzeiarbeit in der Gesellschaft nicht tabuisiert. Falschdarstellungen sind also bei Krimis vergleichsweise weniger gefährlich, zumal niemand auf die Idee kommen könnte, das zu Hause nachzumachen.

Oberkampf:

--- Zitat von: 1of3 am  7.03.2015 | 14:18 ---Den Vergleich finde ich schwierig. Denn anders als tatsächliches Sexualverhalten ist Polzeiarbeit in der Gesellschaft nicht tabuisiert. Falschdarstellungen sind also bei Krimis vergleichsweise weniger gefährlich, zumal niemand auf die Idee kommen könnte, das zu Hause nachzumachen.

--- Ende Zitat ---

Den Einwand kann ich teilweise akzeptieren, speziell da ich ja selbst den Edgar-Wallace-Vergleich gebracht habe, wo die Rollenverteilung zwischen guter Polizei und bösen Verbrechern noch eindeutig klar getrennt und schwarz-weiß gefärbt ist.

Aber wie sieht es mit den Krimis aus, in denen die Verbrecher zu Helden werden - manchmal nur in einzelnen Kapiteln, hin und wieder aber durch das ganze Buch (Patricia Highsmithes Tom Ripley z.B., oder Hannibal Lecter)? In dem Fall nehme ich auch nicht an, dass dahinter eine Billigung, geschweige denn Aufforderung zu entsprechendem Handeln steckt, sondern eben eine Phantasiegeschichte.

Oder: Es gibt jede Menge Romantisierungen des "bösen Buben" - warum ist E. L. James' Stalker abstoßender als andere?

ManuFS:
Weil Vergewaltiger keine Helden sind. Punkt.

Nocturama:

--- Zitat von: Huntress am  7.03.2015 | 14:49 ---Oder: Es gibt jede Menge Romantisierungen des "bösen Buben" - warum ist E. L. James' Stalker abstoßender als andere?

--- Ende Zitat ---

Abgesehen davon, dass ein "böser Bube" in der Hand einer so schlechten Autorin wirklich monströs wird, sehe ich das Hauptproblem in der Präsentation und zitiere mich mal selbst:

--- Zitat ---The problem with 50 Shades is how it was (and is) framed in advertisement and media coverage. If it were presented as somebody's transgressive porn fantasy, I wouldn't mind it as much. Hey, everybody has weird fantasies, and as long as they stay fantasies, everything is fine.

But 50 Shades, with the sex toys line, and the constant barrage of magazines with the newest tips on how to put more 50 Shades in your sex life, and the articles on how to find your own Christian Grey... well, it intentionally blurs the line between fact and fantasy. It pretends that the relationship presented in the book is desirable in real life.
A lot of people point at this book and say: "See? That's what women want! That is your role model!" It's really sad, but not totally surprising somebody took them seriously.
--- Ende Zitat ---

Wie gesagt, ich lese/spiele auch Romanzen, die nichts mit echten Beziehungen zu tun haben und ich gehe davon aus, dass die meisten Leser den Unterschied kennen. Aber bei 50 Shades ist die Quote der Leser, die "ihren eigenen Christian Grey suchen" erschreckend hoch. Dazu passt dieser Artikel aus der Mary Sue: I dated Christian Grey.

Jenny Trouts (die selber Romance Fiction schreibt!) Lesung des Romans hatte ich schon mal verlinkt. Wer sich informieren will, ohne gleich das ganze Buch zu lesen, dem sei das empfohlen. Alternativ auch bei der Pervocracy, wenn man die Perspektive eines BDSM-Fans möchte.
Sehr schön, wie Jenny Trout mit "haha, das schlechte Englisch" anfängt und immer deprimierter wird, je länger sie liest. Hier macht sie eine schöne Zusammenfassung ihrer Argumente gegen das Buch. Die meisten davon finde ich sehr nachvollziehbar.

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