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Währungen in SF-Settings

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Antariuk:
Ich finds immer schick wenn so Alltagsbegriffe sich ethymologisch auch irgendwie aus dem Setting herleiten und nicht nur dem groben Genre nach gewählt werden. Ein Beispiel:

Roc oder Rocu, von "Rackham Orbital Currency", einer ehemaligen kleinen Privatbank im Orbit von Mars (aus geopolitischen Gründen) die mittlerweile der Big Player im Finanzgeschäft ist. In der Arbeiterklasse auch Rags (von Rackham) oder Cur genannt (von "Currency"), weil die für Rackham nicht viel übrig haben. Rocu basiert auf einem proportionalem Platinumstandard der mittlerweile aber nur mehr theoretischer Natur ist weil im inneren Sonnensystem kaum jemand mehr in gemünztem Platin bezahlt (und weil Rackham 85% der Platinminen auf dem Mars kontrolliert). Bei auf Rocu basierenden Finanztransaktionen jeglicher Art spricht man von einem Pact - eigentlich PCT für Platinum-based Currency Transaction, im Laufe der Zeit wurde daraus dann der augenzwinkernde Hinweis auf das Große Böse aka Rackham. Auch wenn Rocu die quasi-Standardwährung darstellt, ist sie nicht die einzige Orc (Orbital Currency).

Sowas in der Art halt. Feuersänger, gib uns mehr Fluff zu Redshift, dann knobeln wir sowas aus >;D

Feuersänger:
Klangvolle Akronyme sind natürlich eine Möglichkeit. Allerdings sollten sich dann Akronym und Bedeutung in einer Sprache bewegen, also nicht wie das oben vorgeschlagene "NUKE" mit englischer Aussprache und deutscher Bedeutung.


--- Zitat ---Sowas in der Art halt. Feuersänger, gib uns mehr Fluff zu Redshift, dann knobeln wir sowas aus >;D
--- Ende Zitat ---

Habe kürzlich angefangen, mal alles zusammenzuschreiben, was ich schon habe. Hoffentlich bleib ich nicht wieder irgendwo hängen. ^^

Chaos:
[quote author=Feuersänger link=topic=96094.msg134320049#msg134320049 date=1447434746
Die Idee mit dem "Labor Credit" / SVE finde ich zwar ganz interessant, aber was bringt es mir auf der imperialen Kolonie New Jerusalem, wenn ich einen Gutschein über 100 Arbeitsstunden auf der Erde habe? Oder umgekehrt.

Man betrachte das vor allem aus der Perspektive eines Handelsschiffs, das zwischen der Erde und den Kolonien Fracht bewegt. Wenn du deine Erd-Fracht für 1 Million Colonials verkaufst, aber dort nur lokal erzeugte Fracht für sagen wir 800.000 Colonials laden kannst, was machst du dann mit den restlichen 200K, wenn diese Colonials auf der Erde nicht als Währung akzeptiert werden(bzw nicht zu einem akzeptablen Kurs)? Und du kein Interesse daran hast, dich später auf dieser Kolonie zur Ruhe zu setzen?
[/quote]

Für solche Dinge gibt es Geldwechsler. Die sind - gegen eine bescheidene Gebühr - liebend gerne bereit, deine Colonials, mit denen du nichts anfangen kannst, gegen eine für dich nützliche Währung einzutauschen. Schließlich kommt früher oder später ein Händler vorbei, der mehr Ware erwerben möchte, als er Colonials vorrätig hat, und der entsprechend bereit ist, zusätzliche Colonials zu erwerben.
 Natürlich muss man ein Doktor in Mathematik haben, um die obskuren Formeln zu verstehen, mit denen diese Leute ihre angemessenen Wechselkurse austüfteln - oder einfach nur genug Menschenkenntnis besitzen, um zu verstehen, dass sie ihre Kunden nach Strich und Faden verarschen.

Alternativ: Das von dir beschriebene Problem hat nicht nur ein Händler, das haben alle. Was läge also näher, als sich zusammenzuschließen und eine Art "Geldwechsel-Verein auf Gegenseitigkeit" zu gründen? Jedes teilnehmende Handelshaus zahlt in den Grundstock des Vereins ein, und erhält so das Recht, in Büros des Vereins (zu finden in jedem Raumhafen) Währungen umzutauschen - sei es gegen Bares, soweit verfügbar, sei es gegen ein Wechsel, einzulösen in jedem anderen Büro des Vereins. Und weil der Verein finanziell solide und relativ ehrlich ist, werden diese Wechsel auch an ziemlich vielen Orten als Zahlungsmittel akzeptiert, so dass sie sich irgendwann als eine Art universelle Parallel-Währung etablieren.

Ich würde mich im Übrigen nicht wundern, wenn es das mit diesem Verein Vergleichbares im späten Mittelalter oder in der frühen Neuzeit schon einmal gegeben hat...

Feuersänger:
Noch als Nebenzweig zum Thema "Colonials":

Mir schwebt da vor, dass zumindest die eine oder andere Kolonialmacht den ganzen Gig darauf ausgerichtet haben, ihre Kolonien nach Strich und Faden auszubeuten. Das British Empire ist da sicherlich ein historisch prädestinierter Kandidat. So nach dem damaligen Indien-Schema: Kolonie muss Rohstoffe [wie Baumwolle] ans Mutterland liefern und verarbeitete Güter von diesem einkaufen. Die Kolonie darf ihre Rohstoffe nicht selbst verarbeiten, geschweige denn selbst verarbeitete Güter exportieren.

Nun lässt sich dieses Szenario nicht 1:1 in die SF übertragen.
Zum einen: Indien ist längst zu groß und mächtig, um sich abermals dem BE einverleiben zu lassen. Dennoch könnte das BE hier haufenweise Arbeitskräfte / Kolonisten aus den ärmeren Bevölkerungsschichten rekrutieren. Aber der große Bottleneck sind Transportkapazitäten: da das Setting nicht _so_ wahnsinnig weit in der Zukunft spielen soll (maximal ca 250 Jahre), und extrasolare Kolonien erst maximal 100 Jahre lang bestehen, werden die Kolonien viel kleinere Bevölkerungszahlen haben als die Mutterländer. Fragt sich also, welche Dividende aus deren Ausbeutung überhaupt zu erwarten ist. Zumal sich auch die Verschiffung von komplett unverarbeiteten Rohstoffen aufgrund der Frachtkosten nicht lohnt. Also z.B. keine Metallerze, sondern höchstens raffinierte Metalle (99%), die auf der Erde so teuer sind, dass sich Frachtkosten von ~10-30cr/kg nicht als Dealbreaker auswirken.

So ein Exploit-Scheme sähe also dann so aus, dass auf den Kolonien nur mit Colonial Credits gehandelt werden darf. Wieviel Colonials eine Tonne Yttrium wert ist, und wieviele Colonials im Gegenzug ein Traktor kostet, wird von einer staatlich sanktionierten Handelsorganisation festgelegt (ähnlich der East India Company vielleicht).
Damit nun freie Weltraumunternehmer mit ihren Frachtraumern da mitmachen, dürfen sie nicht von der Colonial-Währung eingeschränkt werden. Lösung: sie selber handeln gar nicht mit diesen Kolonien, sondern fungieren nur als Spediteure. Sie schippern Fracht von der Erde und zurück und kassieren dafür Frachtraten in harten Devisen. Die Abrechnung zwischen Mutterland und Kolonie braucht sie gar nicht zu interessieren.
(Das wiederum wird auch schon in der Literatur exerziert, z.B. in Harrisons "Homeworld"-Trilogie.)

Antariuk:
Das klingt auf den ersten blick auch nicht übel... kann man ein paar Abenteuer draus stricken. Jetzt muss ich mir diese Homeworld Trilogie mal ansehen... ;)

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