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Währungen in SF-Settings
Galatea:
--- Zitat von: Ainor am 15.01.2026 | 11:20 ---Historisch war es meistens so dass in Abwesenheit einer allgemein akzeptierten Währung sich irgendein geeignetes Gut als Währung etabliert. Auf dem Schwarzmarkt der Nachkriegszeit waren es Zigaretten, in Japan im Mittelalter Reis. Im Weltraum wäre Energie/Treibstoff da sehr naheliegend.
--- Ende Zitat ---
Oder Briefmarken. In der Metro-Serie wird Standard-Gewehrmunition als Währung benutzt.
Würde mich nicht wundern, wenn es auf einer Weltraumstation Sicherungsglaskapseln wären.
Klein, verfügbar, wird praktisch immer gebraucht, für Alltagskäufe ausreichende Wertigkeit.
Edit Feuersänger: Bild verkleinert
unicum:
--- Zitat von: Chaos am 15.01.2026 | 14:17 ---Das Prinzip ließe sich aber, so wie du es beschreibst, relativ leicht aushebeln.
Stellen wir uns mal vor, du hast Geld, das bald seinen Wert verliert (nennen wir es Joghurt-Geld) und eine leere Keksdose, die du als Kunstwerk deklarierst. Stellen wir uns weiter vor, ich habe auch Joghurt-Geld, und eine eigene leere Keksdose, die ich ebenfalls als Kunstwerk deklariere.
Was läge da für uns beide näher, als dem jeweils anderen das Keksdosen-Kunstwerk abzukaufen, damit unser Joghurt-Geld wieder haltbar wird? Und dieses Spiel natürlich so lange zu wiederholen, wann immer das Verfallsdatum naht, bis wir einen besseren Verwendungszweck für unser Geld gefunden haben?
In der Praxis wären diese Geschäfte sicher etwas komplexer und weniger leicht als Schummelei zu durchschauen, aber dass es Betrügereien im extrem großen Stil gäbe, muss man leider voraussetzen.
--- Ende Zitat ---
Imho wird das geld zentral verwaltet und nur dienstleistungen sind fällig. Aber wie gesagt es ist schon lange her und finanzer bin ich wirklich nicht.
Grundsätzlich ist ja immer irgendwas. Aber das Konzept fand ich interessant genug. So und nun Feuersänger iss deinen Joghurt!
Feuersänger:
Noch zu "umlaufgesicherter Währung": das ausgegebene Geld - ob gedruckte Noten mit Verfallsdatum oder elektronisch nachgehalten - soll ja in möglichst kurzer Zeit einen Umlauf vollenden. Inzwischen habe ich auch nachgelesen, dass bei diesem Experiment von Wörgl lediglich 6000 Schilling gleichzeitig im Umlauf waren. Aber dieser Umlauf fand (mutmaßlich) innerhalb 14 Monaten über 400mal statt, es haben also also insgesamt 2,4 Millionen Schilling den Besitzer gwechselt. Soweit ich das verstehe, endet so ein Umlauf jeweils, wenn das Geld als Steuer an den Emittenten zurückfließt.
Letztlich zeigen ja die realen derartigen Experimente (Wikipedia listet noch mehr davon) in erster Linie eines: mehr Geld im Umlauf tut der Wirtschaft gut. Heutige Stimulus-Pakete machen ja auch nicht viel anderes. Und das zeigt halt, dass eben nicht jeder Pfennig durch irgendeine Reserve gedeckt sein muss, sondern dass die MMT Recht hat, die da (stark vergröbert!) besagt dass man eigentlich quasi ohne Nachteile at will nahezu beliebig viel Geld erschaffen kann, weil sich der daraus entstehende Geldumlauf selbst finanziert.
That said:
Ganz wichtig sind in Bezug auf Redshift noch zwei Annahmen, die ich hier für die Wirtschaft der Zukunft treffe -- ich glaube ich habe das schon in einem anderen Thread mal dargelegt, aber das habt ihr vielleicht nicht auswendig gelernt:
1. Die Produktivität steigt weiterhin linear wie schon seit Beginn der Industrialisierung,
2. Der Ertrag dieser Produktivitätszuwächse wird nicht (mehr) von einer Elite abgeschöpft, sondern in der ganzen Gesellschaft aufgeteilt.
Als Benchmark nehme ich hier etwa das Jahr 1975, da sich ungefähr hier die Producticity Pay Gap zu öffnen begann. Um das Jahr 2225 (also 250 Jahre später) ist die Produktivität demnach 3200% derer von 1975. Da liegt natürlich nahe, dass es noch nur für einen Bruchteil der Bevölkerung Arbeit _gibt_. Daraus folgt aber auch, dass wir schon mit relativ wenig produktiver Arbeit die gesamte Bevölkerung auf komfortablem Niveau versorgen _können_.
Ich habe das tatsächlich schon recht genau durchgerechnet, es ist mir aber gerade zu mühsam das hier in Tabellenform zu formatieren. :p
Grob:
- BGE: ermöglicht Lebensstandard auf oder über unserem heutigen Niveau mit Vollzeitjob
- klassisch wertschöpfende Tätigkeiten: werden für ca 24 Wochenstunden mit etwa dem 10fachen BGE vergütet (netto)
- gesellschaftlich produktive Tätigkeiten (zB Bildung, Pflege etc) mit dem 6fachen BGE
- und dann gibt es noch Extratöpfe für Honorierung von Ehrenamt, Kinder aufziehen etc
Mit der genannten Produktivität geht das problemlos auf. Aber wie gesagt: das gilt so "nur" auf dem Planeten Erde, und da vielleicht auch nicht in allen politischen Blöcken uneingeschränkt.
In Space-Siedlungen hingegen werden die Ressourcen dafür noch zu knapp sein, da wird es eher kein BGE geben (sondern eher bedarfsgesteuerte soziale Netze), und deutlich höhere Arbeitszeiten die Regel sein. Ins All gehen demnach vor allem Leute, die Bock haben ein paar Jahre so richtig ranzuklotzen, bei entsprechend höherer Vergütung natürlich, aber eben auch höherem Risiko.
Chaos:
--- Zitat von: Feuersänger am 15.01.2026 | 17:20 ---Wenn ich das richtig verstanden habe, wird bei dem Konzept halt der einzelne Geldschein immer weniger wert -- realisiert durch abzuschneidende Schnipsel oder aufzuklebende Marken oder was auch immer. Da verliert der Schein jeden Monat 1% des Ursprungswertes, d.h. nach einem Jahr sind aus 100 Mark dann 88 Mark geworden. (Und auf Bankguthaben bekommst du ebenfalls Negativzinsen.)
Es ist also nicht so, dass der auf 90 Mark abgewertete Schein durch Keksdosentransaktion wieder auf 100 Mark aufgwertet wird, oder der Verfallsprozess dann irgendwie von vorne begänne oder so. Er hat ein Anfangsdatum aufgedruckt und von dem aus wird runtergezählt.
So richtig verstehe ich da aber halt nicht, wie sich das letzten Endes _rational_ von Inflation unterscheiden soll. Außer halt dass die Inflationsrate hier vorgegeben ist und nicht erst im Nachhinein statistisch berechnet wird. Der psychologische Effekt mag allerdings durchaus einen Unterschied machen, wenn jeder sieht "Oi, morgen verliere ich wieder 1 Mark, lieber schnell noch einkaufen gehen, soll sich der Krämer damit rumschlagen, höhö". Und der Krämer denkt sich "Schnell ab zur Gemeinde, meine Steuern zahlen bevor ich wieder Marken aufkleben muss".
Insofern ist da durchaus eine Incentive da, das Geld im Umlauf zu halten, ja. Aber rational betrachtet hast du bei normal-inflationärem Fiatgeld genau die gleiche Incentive.
--- Ende Zitat ---
So wie du das beschreibst, klingt es in der Tat, als wäre es Inflation mit falschem Schnauzbart und dunkler Sonnenbrille.
Chaos:
--- Zitat von: Feuersänger am 15.01.2026 | 23:49 ---In Space-Siedlungen hingegen werden die Ressourcen dafür noch zu knapp sein, da wird es eher kein BGE geben (sondern eher bedarfsgesteuerte soziale Netze), und deutlich höhere Arbeitszeiten die Regel sein. Ins All gehen demnach vor allem Leute, die Bock haben ein paar Jahre so richtig ranzuklotzen, bei entsprechend höherer Vergütung natürlich, aber eben auch höherem Risiko.
--- Ende Zitat ---
Eine andere Zielgruppe wären Leute, die aus gesellschaftlichen oder politischen Gründen auf der Erde nicht so richtig glücklich werden. Keine Ahnung, wie verbreitet zum Beispiel Homophobie in deinem Setting noch ist, aber queere Menschen in einem Land, wo sowas gar nicht gerne gesehen ist, dürften motiviert sein, auf eine Raumstation auszuwandern, die explizit damit wirbt, dass ihnen sowas schnuppe ist, solange du bereit bist, zu arbeiten.
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