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Währungen in SF-Settings
Ainor:
Zum Glück sind diese Probleme schonmal wissenschaftlich untersucht wurden :)
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Theory_of_Interstellar_Trade
Historisch war es meistens so dass in Abwesenheit einer allgemein akzeptierten Währung sich irgendein geeignetes Gut als Währung etabliert. Auf dem Schwarzmarkt der Nachkriegszeit waren es Zigaretten, in Japan im Mittelalter Reis. Im Weltraum wäre Energie/Treibstoff da sehr naheliegend.
Feuersänger:
Den Aufsatz kenne ich zwar, ist aber hier für meine Belange nicht komplett anwendbar, da es darin ja um jahre- bis jahrzehntelange Reisezeiten und, noch schlimmer, jahrelange Informationsverzögerungen geht. Wenn du gerade auf Vega Station machst, hast du keine Möglichkeit herauszufinden, wo vegane Produkte gerade gefragt sind. Und natürlich würdest du keinesfalls irgendwo Fiatwährung annehmen bzw übrigbehalten, da lokal Jahrzehnte vergehen können bis du wieder zurückkommst und bis dahin sonstwas damit passiert. (Wir erinnern uns: ein Golf I hat Anno 1974 DM 8000 gekostet.)
Oder stell dir vor, die Handelsware in die du vor 9 Jahren dein Vermögen investiert hast kommt heute endlich an: es ist eine Schiffsladung Fidget Spinner. >;D
Das ist im interplanetaren Raum alles etwas entschärft. Die Reisezeiten betragen (bei meinem Techlevel) Monate, nicht Jahre, und vor allem gibt es keine derart extreme Informationsverzögerung. Wenn ein Funksignal ein paar Stunden unterwegs ist, ist das nicht tragisch. Da sehe ich den Kern des Problems eher darin, dass die solaren Kolonien / Stationen / whatever eben noch relativ kleine Wirtschaftsräume mit weitgehend geschlossenem Warenkreislauf sind, die externe Eingriffe stark regulieren müssen um nicht destabilisiert zu werden.
Ebenso bin ich bei früheren Überlegungen schonmal auf das Problem stark asymmetrischer Handelsbeziehungen gestoßen: wenn ein Schiff zB Traktoren zum Mars schippert um sie dort gegen Naturalien einzutauschen, könnten aus 100 Tonnen Fracht schnell mal 10000 Tonnen werden, und das ist auch im Weltraum ein Problem.
That said, feiere ich den Autor des Interstallar Trade Artikels für diesen Satz: This paper, then, is a serious analysis of a ridiculous subject, which is of course the opposite of what is usual in economics. ;D
unicum:
--- Zitat von: Feuersänger am 14.01.2026 | 21:51 ---Äh ja, das ist so ziemlich jede Währung auf der Welt. Nennt sich Inflation. Wenn du dir jetzt 1000€ ins Kopfkissen stopfst und da liegen lässt, guck mal wieviel du in 10 Jahren noch dafür bekommst.
--- Ende Zitat ---
Klar, aber so meinte ich es nicht.
Ich hatte mal einen Beitrag gesehen oder gehört wo es um eine kleine lokale "Privat" Wärhung geht die nur in einer Stadt oder derem Umkreis gültig ist. Leider habe ich im Netz nichts darüber gefunden weil da sofort genau das Inflation im Raum steht.
Wenn ich mich richtig erinnere war einer der Punkte dieser Währung "Geld darf/soll nicht gehortet werden" und das, wenn man es doch Hortet es anfängt an Wert zu verlieren. Es wird also nahegelegt das Geld immer im Umlauf ist.
Also das Geld hat ein Verfallsdatum wie der Joghurt im Supermarkt. Klar das ist auch erstmal etwas in richtung Inflation aber den Joghurt wirst ja auch essen wollen bevor das Verfallsdatum erreicht wurde. Aber innerhalb der zeit in der es aktiv ist kannst du damit etwas machen. Hast du es ausgegeben so wird dem Geld ein neues Verfallsdatum gegeben also für den an welchen du es gibst hat es wieder den gleichen Wert. Also in der Art das "Geld im Umlauf sein muss" oder auch "Geld muss arbeiten,..."
Es gab noch ein paar Knackpunkte aber es ist ewig her das ich das hörte. Ich vermute mal das es beim SWR/Wissen war, die haben schon mal so skurrilien Dinge gehabt.
Chaos:
--- Zitat von: unicum am 15.01.2026 | 13:24 ---Klar, aber so meinte ich es nicht.
Ich hatte mal einen Beitrag gesehen oder gehört wo es um eine kleine lokale "Privat" Wärhung geht die nur in einer Stadt oder derem Umkreis gültig ist. Leider habe ich im Netz nichts darüber gefunden weil da sofort genau das Inflation im Raum steht.
Wenn ich mich richtig erinnere war einer der Punkte dieser Währung "Geld darf/soll nicht gehortet werden" und das, wenn man es doch Hortet es anfängt an Wert zu verlieren. Es wird also nahegelegt das Geld immer im Umlauf ist.
Also das Geld hat ein Verfallsdatum wie der Joghurt im Supermarkt. Klar das ist auch erstmal etwas in richtung Inflation aber den Joghurt wirst ja auch essen wollen bevor das Verfallsdatum erreicht wurde. Aber innerhalb der zeit in der es aktiv ist kannst du damit etwas machen. Hast du es ausgegeben so wird dem Geld ein neues Verfallsdatum gegeben also für den an welchen du es gibst hat es wieder den gleichen Wert. Also in der Art das "Geld im Umlauf sein muss" oder auch "Geld muss arbeiten,..."
Es gab noch ein paar Knackpunkte aber es ist ewig her das ich das hörte. Ich vermute mal das es beim SWR/Wissen war, die haben schon mal so skurrilien Dinge gehabt.
--- Ende Zitat ---
Das Prinzip ließe sich aber, so wie du es beschreibst, relativ leicht aushebeln.
Stellen wir uns mal vor, du hast Geld, das bald seinen Wert verliert (nennen wir es Joghurt-Geld) und eine leere Keksdose, die du als Kunstwerk deklarierst. Stellen wir uns weiter vor, ich habe auch Joghurt-Geld, und eine eigene leere Keksdose, die ich ebenfalls als Kunstwerk deklariere.
Was läge da für uns beide näher, als dem jeweils anderen das Keksdosen-Kunstwerk abzukaufen, damit unser Joghurt-Geld wieder haltbar wird? Und dieses Spiel natürlich so lange zu wiederholen, wann immer das Verfallsdatum naht, bis wir einen besseren Verwendungszweck für unser Geld gefunden haben?
In der Praxis wären diese Geschäfte sicher etwas komplexer und weniger leicht als Schummelei zu durchschauen, aber dass es Betrügereien im extrem großen Stil gäbe, muss man leider voraussetzen.
Feuersänger:
Ah ja, ein solches Konzept nennt sich "Freigeld", da hatten wir hier vor vielen Jahren mal einen Jünger im Forum der absolut jeden Thread damit zugemüllt hat. ;D Das haben sie auch mal ausprobiert als Notgeld, iirc irgendwann in den 1920er oder 30er Jahren mal von einer österreichischen Gemeinde eingeführt, um die Hyperinflation zu umgehen.
Ausgerechnet Joghurt ist da aber a bleeds Beispüi, wenn ich so in meinen Kühlschrank schaue. >;D
In eine ähnliche Richtung aber größer gedacht stößt auch Keynes' "Bancor" von 1944, was er als internationale Verrechnungswährung vorgeschlagen hat -- also im Prinzip genau das, woran ich jetzt gerade für mein Setting tüftele. Auch Bancor läuft wie mein obiger Gedankengang letztendlich darauf hinaus, dass es keine dauerhaften Überschüsse oder Defizite geben darf.
--- Zitat ---Was läge da für uns beide näher, als dem jeweils anderen das Keksdosen-Kunstwerk abzukaufen, damit unser Joghurt-Geld wieder haltbar wird? Und dieses Spiel natürlich so lange zu wiederholen, wann immer das Verfallsdatum naht, bis wir einen besseren Verwendungszweck für unser Geld gefunden haben?
--- Ende Zitat ---
Wenn ich das richtig verstanden habe, wird bei dem Konzept halt der einzelne Geldschein immer weniger wert -- realisiert durch abzuschneidende Schnipsel oder aufzuklebende Marken oder was auch immer. Da verliert der Schein jeden Monat 1% des Ursprungswertes, d.h. nach einem Jahr sind aus 100 Mark dann 88 Mark geworden. (Und auf Bankguthaben bekommst du ebenfalls Negativzinsen.)
Es ist also nicht so, dass der auf 90 Mark abgewertete Schein durch Keksdosentransaktion wieder auf 100 Mark aufgwertet wird, oder der Verfallsprozess dann irgendwie von vorne begänne oder so. Er hat ein Anfangsdatum aufgedruckt und von dem aus wird runtergezählt.
So richtig verstehe ich da aber halt nicht, wie sich das letzten Endes _rational_ von Inflation unterscheiden soll. Außer halt dass die Inflationsrate hier vorgegeben ist und nicht erst im Nachhinein statistisch berechnet wird. Der psychologische Effekt mag allerdings durchaus einen Unterschied machen, wenn jeder sieht "Oi, morgen verliere ich wieder 1 Mark, lieber schnell noch einkaufen gehen, soll sich der Krämer damit rumschlagen, höhö". Und der Krämer denkt sich "Schnell ab zur Gemeinde, meine Steuern zahlen bevor ich wieder Marken aufkleben muss".
Insofern ist da durchaus eine Incentive da, das Geld im Umlauf zu halten, ja. Aber rational betrachtet hast du bei normal-inflationärem Fiatgeld genau die gleiche Incentive.
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