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[Überzeugt mich von] Burning Wheel
Zarkov:
Solche Sachen wie Beliefs woanders dranzuschrauben hat, glaube ich, fast jeder mal versucht, der frisch von Burning Wheel begeistert war. Ich selbst habe das recht schnell wieder sein lassen. Das interessante Spielerlebnis entsteht tatsächlich durch die sinnvolle Verschränkung mit den ganzen anderen Regeln und Subsystemen. Beliefs sind ja nur Flags (explizite Flags, nicht dieser halbgare „Wir benutzen einfach alle Skills als Flags!“-Mist). Erst die Verteilung von Rechten und Aufgaben und die Verzahnung von Beliefs, Artha, Würfelentscheiden mit vorher festgelegten Konsequenzen, Erzählrechten, Skill-Steigerungsregeln und Konfliktsystemen macht die Sache für alle Beteiligten interessant.
Wer einen allmächtigen Spielleiter will, vielleicht mit einem ausgetüftelten Plot, für den ist das natürlich ziemlich nutzlos. Ebenso, wer nur ein Skill- und ein Kampsystem braucht und sonst lieber alles selber regelt.
Aber wer ein Spiel mit soliden Konflikten und dramatischen Wendungen will, in dem die Spieler das Spiel vorantreiben, statt wo hinterherzulaufen, für den ist das Gold. Und, wie gesagt, für mich ganz wichtig: Es ist ein Spiel, in dem der Spielleiter selbst tüchtig mitholzen und mitfiebern kann, eben weil auch Regeln und Beschränkungen für ihn gelten.
Chiarina:
Hört sich wirklich interessant an, was ihr hier so schreibt... aber die Konkurrenz ist groß. Zulegen werde ich mir das nur, wenn ich den Eindruck habe, dass ich das auch irgendwie hin und wieder live erleben kann. Dazu noch drei Fragen:
Zunächst die Frage, die sich heute jedes Regelschwergewicht gefallen lassen muss: Was passiert, wenn der Spielleiter zwar Feuer und Flamme ist, tausend Seiten durchgeackert hat und sich sonst was für Gedanken gemacht hat, die Spieler aber nicht ganz so große Lust haben, sich in die Materie hineinzustürzen und eher so ein bisschen good, clean fun haben wollen? Konkret: Müssen sich alle superauskennen, oder ist es leicht möglich mit entsprechenden Spielleiterhilfen schon relativ schnell die besondere Qualität zu erleben und für die Feinheiten dann eben nach und nach hineinzuwachsen? Wie schwierig ist das Spiel zu erklären?
Dann: Ich will das Spiel erleben, bevor ich es mir zulege. Gibt es Cons, wo das läuft? `Ne deutsche Community? Hat nicht jemand Lust, das auf dem Tanelorn-Sommertreffen 2016 anzubieten? Ich wäre dabei.
Zuguterletzt: Burning Wheel scheint settingunabhängig zu sein. Das finde ich nicht verkehrt. Allerdings enthält der Characterburner Regeln zur Erschaffung von Menschen, Zwergen, Elfen und Orks. Hört sich dann doch ziemlich nach EDO an. Auch das ist noch kein Ausschlusskriterium für mich. Der englischsprachige Wikipedia-Artikel spricht dann allerdings von 3 Settings: Postapokalypse, sowas wie Dune und ein historisches Japansetting. Äh... wie ist das zu verstehen?
Praion:
1. Es kann auch mit Spielern funktionieren die nicht voll im System stehen. Adam Koebels Roll20 Game zeigt das recht gut. Der/Die SL muss dann allerdings wissen was er/sie tut. Es funktioniert damit, so richtig singen wird es aber erst wenn die Spieler auch anfangen die Regeln für sich (aus)zunutzen. Zumindest aus meiner Sicht.
3. Das bezieht sich auf die Varianten Under the Serpent Sun und Blossoms are falling.
Das normale System eignet sich für Mittelerde, normale Fantasy oder normal historisches Rollenspiel.
Es macht sich auch für Aventurien recht gut.
Chiarina:
--- Zitat von: Praion ---Es kann auch mit Spielern funktionieren die nicht voll im System stehen. Adam Koebels Roll20 Game zeigt das recht gut.
--- Ende Zitat ---
Tja. Der angegebene Link führt zu 50 (!) Videos. Durchschnittslänge ist ca. 60 Minuten, geschätzte Gesamtspieldauer also ca. 50 Stunden. Das erste Video heißt "Character sheet overview" und dauert 65 Minuten. Ich habe jetzt eine knappe Viertelstunde davon gesehen. Nach 5:45 heißt es: "So let´s take a look at the character." Dann beginnt Adam am Computer ein Character Worksheet auszufüllen und erzählt gute 3 Minuten lang Dinge, die hier auch schon im Strang zu finden sind. So ungefähr ab 8:30 wird´s allmählich interessant. Der Informationsfluss ist aber sehr langsam, die Vermittlung sehr bedächtig und gründlich. Insgesamt betrachtet hat das einen ähnlichen Abschreckungscharakter wie 1000 Seiten Regeln... ich denke, in der Zeit, in der ich diese ganzen Videos anschaue, könnte ich den Schinken auch gelesen haben. Trotzdem vielen Dank, ich weiß Enthusiasmus zu schätzen. Und wenn es irgendwo angeboten wird, werde ich es mir sicherlich auch mal ansehen bzw. versuchen mitzuspielen. Allerdings beginne ich gerade zu verstehen, wie hier ein Charakter entsteht und frage mich, ob es überhaupt möglich ist, für Burning Wheel eine kleine Einführungsrunde zu erleben. Die besondere Qualität des Spiels scheint jedenfalls mit der Charaktererschaffung zu beginnen... und die funktioniert offenbar nur, wenn man sich etliche Lifepaths angesehen hat... so gut das Spiel auch sein mag, das scheint mir doch alles sehr, sehr aufwändig zu sein.
Wisdom-of-Wombats:
--- Zitat von: Chiarina am 9.01.2016 | 15:05 ---Die besondere Qualität des Spiels scheint jedenfalls mit der Charaktererschaffung zu beginnen... und die funktioniert offenbar nur, wenn man sich etliche Lifepaths angesehen hat... so gut das Spiel auch sein mag, das scheint mir doch alles sehr, sehr aufwändig zu sein.
--- Ende Zitat ---
Ich glaube nicht, dass man etliche Lifepaths angesehen haben muss. Man braucht eigentlich nur eine solide Charakteridee im Sinne von: woher komme ich, wohin gehe ich. Dann hangelt man sich an den Lifepaths entlang. Gelesen haben muss man sie nicht in der Tiefe, wenn man weiß was der Charakter sein soll. Die Pfade erlauben es ja, fast alles an Werdegängen abzubilden.
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