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Ghost in the Shell-Realverfilmung
Sethomancer:
Ich mag Ghost in the Shell und der (Animations-)Film hatte mich vor Jahren schwer begeistert. Eine ganze Zeitlang war der für mich daß Non-Plus-Ultra, sowohl was Cyberpunkfeeling anging, als auch unter den Anime-Filmen. Daher werd ich die Realverfilmung auch sehr skeptisch betrachten.
Trotzdem finde ich die Besetzung jetzt nicht von vornerein entsetzlich oder schlimm, eher "interessant", ich werde mir das erstmal unvoreingenommen ansehen (weil ansehen will ich den Film sowieso) und dann danach meine Meinung bilden. Vielleicht wird es ja ganz gut (oder überraschend genial).
Ich denke sich jetzt schon darüber aufzuregen beeinfluß nur negativ das Erwartungsmanagment und somit die Wahrnehmung des Films. ich würde dem erstmal eine Chance geben.
Ucalegon:
--- Zitat von: Ein Dämon auf Abwegen am 30.05.2016 | 11:55 ---Würd bei Ghost in the Shell eigentlich Probleme machen wenn man die Handlung nach Amerika verfrachtet?
Bei machen Animee ist es ja schon mit unter so das der Plot (oder die Aktionen bestimmter Personen) ohne die Japanischen kulturellen besonderheiten nicht viel Sinn machen würden, aber ich glaub nicht dass das bei Ghost in the Shell der Fall war.
--- Ende Zitat ---
Was kulturelle Codes etc. angeht, fällt mir jetzt auf Anhieb auch nichts ein. Japanolog(inn)en würden aber bestimmt das ein oder andere finden. ;)
Im Hinblick auf das Setting muss man, wenn man ein Werk nach 20 Jahren neu verfilmt, ohnehin eigene Wege gehen. Als GitS geschrieben wurde, war Japan die aufstrebende Technologie-Nation überhaupt und der erste Film kommt wiederum aus den "verlorenen Jahren" nach dem Platzen der großen Immobilienblase Anfang der 90er und den Ōmu-Anschlägen in Tokyo. Das kann man nicht so einfach reproduzieren.
Beim Ort der Handlung hat Oshii wohl Hong Kong Pate gestanden und man kann ein Cyberpunk-Remake sicher auch heute noch gut in einer überfüllten, widersprüchlichen, mit Neonreklame überfrachteten und technophilen asiatischen Metropole ansiedeln. Zwingend ist das aber nicht (mehr), besonders im Angesicht der Übermacht von Google, Facebook, Snapchat et cetera.
Ich glaube andererseits ehrlich gesagt nicht, dass solche Überlegungen für die Neuverfilmung eine große Rolle spielen werden.
Wulfhelm:
--- Zitat von: Ein Dämon auf Abwegen am 30.05.2016 | 11:55 ---Würd bei Ghost in the Shell eigentlich Probleme machen wenn man die Handlung nach Amerika verfrachtet?
--- Ende Zitat ---
Wenn man sich auf den 1995er Film bezieht: Nö. Meine Meinung. Es gibt auch andere Meinungen dazu, aber ich sag's nochmal ketzerisch und ehrlich: Die Handlung des Films ist ohnehin nicht so bedeutend und tiefschürfend, wie viele Fans denken.
Im Originalmanga und bei SAC hat der Schauplatz eine etwas größere Rolle gespielt, aber ich glaube nicht, dass das bei der Realverfilmung wichtig wird.
Also, man hätte es wie bei Edge of Tomorrow machen können. Das war auch nicht so prickelnd - wobei sie in diesem Falle nicht eine japanische, sondern eine multiethnische Charakterriege weißgetüncht haben - aber nicht so haarsträubend wie bei diesem GitS-Krampf.
Wulfhelm:
--- Zitat von: Babo Phet am 30.05.2016 | 11:31 ---Adas ist Japan nicht gerade eine "Willkommenskultur" für nichtjapanische Ethnien.
--- Ende Zitat ---
Und wenn Japan die Mutter aller Willkommenskulturen wäre: Das würde die Anzahl der Leute europäischer und afrikanischer Abstammung, die dort leben, auch nicht wesentlich erhöhen. Einwanderer, die in nennenswerter Zahl nach Japan kommen, und die in einem solchen Szenario in noch nennenswerterer Zahl nach Japan kämen - was sie in der Welt von Ghost in the Shell ja auch tun! - kämen aus Ostasien.
Es ist geradezu lachhaft, ausgerechnet am Beispiel von GitS, in dem Masseneinwanderung, Flüchtlinge und sich daraus ergebende gesellschaftliche Probleme eine erhebliche Rolle spielen, über nicht ausreichend multi-ethnische Ausrichtung herumzumosern.
Yerho:
Wobei ja die gezeigte Gesellschaft in GitS ziemlich stark (und geständigerweise) an der Verfilmung von Blade Runner orientiert sind. Sprich, in den Sprawls der Megacities lebt ein ziemlich buntes Gemisch an Ethnien, wobei die An- oder Abwesenheit von ethnischen Konflikten wenig bis gar nicht thematisiert wird, weil die Konfliktlinien (generell im Cyberpunk) eher zwischen oben und unten verlaufen. In Blade Runner waren es auf amerikanischem Boden viele Kaukasier, aber offenkundig mit signifikantem asiatischen Bevölkerungsanteilen und in GitS auf japanischem Boden ein ziemlich umgekehrtes Verhältnis.
Schon das Line-Up der zentralen Charaktere in GitS ist definitiv nicht rein japanisch und wie ich schon erwähnt habe, scheint mir sogar die Hauptfigur Motoko gemischter Ethnie zu sein bzw. (in-story) ihr Chassis und (off-story) ihr Chara-Design nach solchen Gesichtspunkten designt zu sein.
Sprich, GitS gibt nicht die Willkommenskultur oder die Bevölkerungszusammensetzung des heutigen, realen Japans wieder, sondern eines fiktiven Cyberpunk-Japans, in dem Ethnien bestenfalls von sekundärer Bedeutung sind. Das geht also ziemlich am Thema vorbei, ABER: Nichtsdestotrotz kann man sich natürlich trefflich darüber streiten, ob eine zentrale Figur mit einem namentlich und visuell eindeutig vorhandenem asiatischem Einschlag (wie viel, sei jetzt mal dahingestellt) von einer Schauspielerin mit einem visuell eindeutig nicht vorhandenen asiatischen Einschlag politisch und stilistisch eine so gute Entscheidung ist; inhaltlich macht es aber meines Erachtens keinen Unterschied.
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