Das Tanelorn spielt > Albtraum in Norwegen
Irgendwo in IRLAND
Joran:
Clive
"Wie ist das möglich?", frage ich Karim. Vorsichtig richte ich meinen Körper auf. Misstrauisch warte ich auf eine Reaktion in meinem Brustkorb, aber sie bleibt aus. Keine Beklemmungsgefühle mehr. Keine Schmerzen mehr, die in den Bauchraum ausstrahlen. Keine Übelkeit mehr, die vom Magen ausgeht.
"Was ist das für eine Medizin?"
Der Arzt in mir denkt hoffnungsvoll an die Möglichkeiten, die ein solches Medikament eröffnen würde. Aber Mann, der im Kongo war, weiß genau, dass kein Medikament eine solch durchschlagende Wirkung in so kurzer Zeit erzielen könnte.
Ich blicke mich um: Die Ranken an den Hauswänden sind noch immer dort, aber es sind wieder normale Ranken. Kein Pulsieren, keine schwarze Färbung, kein unnatürliches Wachstum. Die Farben der Blüten blenden mich nicht mehr.
"Um welchen Preis?", denke ich für einen Moment. Aber der Teil von mir, der sich an das Leben klammert, hat weiteren Boden gewonnen. Es gibt so viele neue Möglichkeiten, zu fragen, zu lernen, zu wachsen ... Was mir eben noch bedrohlich wirkte, erscheint mir nun als eine Vielzahl neuer Chancen: Paul, Karim, die Afrikanerin an meiner Seite, die einen fremdartigen, schweren Duft verströmt ... "All dies kann ich ergründen! Jetzt und hier bietet sich mir die Möglichkeit, weitere Puzzleteile zu finden, um das Bild zu vervollständigen, das ich auf Herm zu legen begonnen habe! Dann werde ich auch Matilde helfen können. Wir könnten ihre Fragen beantworten. Wenn wir diese Phänomene kontrollieren können, dann können wir BETRACHTEN, was damals tatsächlich geschehen ist! Vielleicht können wir es sogar verändern? ... Nichts wäre dann unmöglich! Ich muss es nur verstehen! So viele neue Möglichkeiten ..." In der Leere, die seit drei Jahren in meinem Inneren gähnt, scheint sich etwas Neues zur regen, als würde sich aus den Sedimenten des Meeresgrundes ein Körper formen. Noch bewegt es sich in der Düsternis, ist selbst nicht viel mehr als ein Schatten. Aber es ist dort. Ich spüre seine Anwesenheit.
Der Läuterer:
Karim kauert noch immer am Boden, als würde er beten. "Verzeihung, Herr. Verzeihung, Herr."
Joran:
Clive
"Nun steh' schon auf, Karim! Ich möchte das nicht. Die Menschen hier verstehen ein solches Verhalten nicht und es wird mich in Schwierigkeiten bringen.
Sprich mich bitte nur noch mit Dr. Savage an, nicht mit Meister, nicht mit Auserwählter. Auch 'Doctor' ist ein Titel ... das sollte ausreichen, wenn Du schon auf etwas derartiges bestehst.
Und lass diese überschwinglichen Demutsbekundungen bleiben. Du brauchst Dich nicht vor mir niederzuwerfen. Ich mag soetwas nicht.
Ich bin dir ... dankbar ... für Deine Hilfe. Meine Medizin hätte mich vermutlich nicht rechtzeitig erreicht."
"Wo Matilde wohl bleibt?"
"Wir gehen jetzt zu mir nach hause und Du erzählst mir alles, was ich wissen sollte!"
Dann wende ich mich der Frau aus Äthiopien zu:
"Seien auch Sie mir willkommen! Leider spreche ich nur Bantu und Ki-Kongu ... keine der in Äthiopien geläufigen Sprachen.
Darf ich fragen, was Sie hierher führt?"
Der Läuterer:
Die Ätiopierin steht neben Dir und blickt auf den Araber herab. "Ich war auf der Suche nach dem Auserwählten. Und ich glaube fest, ihn gefunden zu haben." Die Frau nickt Dir zu, ohne dass sich ein Muskel ihres Gesichts bewegen würde. "Zu Euren Diensten, Doktor."
Joran:
Clive
"Ich dachte es mir schon fast ... Also sei auch Du mein Gast und erzähle mir, wer Dich vom Dach Afrikas auf Deine Suche gesandt hat und warum Du glaubst, hier am Ziel zu sein."
Ich stehe auf. Noch immer kann ich es nicht glauben, aber da ist nichts zurückgeblieben von meinen Beschwerden. Meine innere Erregung ist verfolgten, meine Sorgen bedrücken mich nicht mehr, mein Herz schlägt ruhig in meiner Brust.
Ich blicke mich um. Menschen stehen auf der Straße, die mir einmal vertraut waren. Ihre Blicke sind verschlossen, als sei ich ihnen fremd. In den Fenstern bewegen sich Vorhänge, wenn mein Blick auf sie fällt, und undeutliche Schemen weichen zurück in die Schatten.
"Um welchen Preis?", frage ich mich erneut.
"Ich weiß, dass man in Deiner Heimat der Begrüßung eine größere Aufmerksamkeit widmet. Sieh mir das heute nach, es ist nicht meine Absicht, Dich zu kränken. Ich möchte zurück in meine Heim."
Der schwere Duft der Frau überlagert den Geruch der Blüten. Unwillkürlich atme ich ihn tief ein ... und genieße es.
"Es ist nicht weit ... ihr werdet sehen."
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