Das Tanelorn spielt > Albtraum in Norwegen

Irgendwo in IRLAND

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Joran:
Clive

Ich verspüre den maßlosen Drang, etwas zu zerbrechen. Es ist mehr als die mir bekannte Wut und Verzweiflung. Das Gegenteil meiner früheren Traurigkeit. Die Traurigkeit war unendliche Leere, wie die Weite des Ozeans. Jetzt fühle ich mich zum Bersten gefüllt mit Emotionen, wie ein gewaltiger Kessel einer Dampfmaschine.

Ich betrachte die Teetassen, die ich mit leicht zitternden Händen auf dem Tisch verteile. Aber ich bin nicht der Mensch, der Geschirr zerschlägt. Es wäre völlig nutzlos, ein totes Ding zu zertrümmern, an dem mein Herz nicht hängt. Damit könnte ich nicht die Gefühle entfesseln, die in meinem Panzer aus Selbstbeherrschung brodeln. ... Nein, ich will den Gefühlen Gestalt geben, die mich erfüllen ... dem Schmerz, dem Zorn, der Enttäuschung ... ich will den Schmerz körperlich spüren oder zumindest etwas in mir zerbrechen, mich bestrafen ... weil ich zugelassen habe, alles zu verlieren: meine Eltern, Ruairí, Cainnech und meine anderen Weggefährten, das Meer, SIE und nun auch Matilde. "Wäre ich nur bereit gewesen, mehr zu riskieren ... hätte ich bereitwilliger Opfer gebracht und genutzt, was mir zur Verfügung steht ... ich wäre ein anderer Mensch gewesen! Dann hätte ich Ruairí und Cainnech retten können. Dann hätte Matilde mich nicht verlassen. ... Nein sicher nicht. Sie fühlt sich angezogen von starken Männern ... rücksichtslosen Männern ... machtvollen Männern. ... Rick ... Hartmut ... Julien ... alle nur Abbilder ihres Vaters ... ich hätte das auch sein können! Mehr sogar! Und ich hätte nicht weglaufen müssen. Ich hätte die nötige Macht besessen, mein Leben in andere Bahnen zu lenken! Schon auf Herm ... schon viel früher ..."

Ich entdecke die Karte in meiner Tasse, die nur von 'Raymond Braddock' kommen kann.

"Woher wusste Braddock, dass ich die Teetassen holen würde? Woher wusste er, dass sich mein Zustand auf so wundersame Weise gebessert hat? Wann kann er die Karte in die Tasse gelegt haben? Er war gerade noch im Dorf. ... Er muss eigentlich noch immer hier sein ... hält sich vermutlich in der Küche versteckt ... hat die Frechheit, erneut auf mein Land und nun sogar in mein Haus einzudringen! ... Was würden diese vier wohl mit ihm anstellen, wenn ich ihnen sagte, dass Braddock hier ist? Wozu wären sie fähig ... als meine Werkzeuge?" Etwas sagt mir, dass ich ALLES von ihnen fordern könnte. ... Ich denke an den Mann im Bootshaus ... habe das Bild der Leiche vor Augen ... all das Leid, das er empfunden haben muss, bis zu seinem letzten Atemzug, den der letzte Nagel aus seinem Körper trieb. DAS könnte mein altes ICH brechen und ich verspüre einen starken Drang, dem nachzugeben. Ich höre die Welpen im Nachbarzimmer ... Kinder von Luni ... Gefährte von Matilde. Auch das könnte meine frühere Schwäche brechen und mich von meinen alten Fesseln befreien. "Damit ich mir nehmen kann, was ich brauche ... und niemand es mir wieder wegnimmt! Niemals!"

Ich weiß, dass ich mich dann selbst hassen würde. Aber ich müsste mich zumindest nicht mehr für meine Schwäche verachten!

Als meine Finger knacken, werde ich mir bewusst, wie kräftig ich die Hände zu Fäusten balle. Meine Fingernägel bohren sich schmerzhaft in die Handballen. Eine erwartungsvolle Spannung liegt in der Luft. Eine verhaltene Stille ... wie in einem sterbenden Wald, erdrosselt von Efeu und Ranken.

Ich betrachte die Äthiopierin und erwäge, auf ihr Angebot einzugehen. Sie ist schön ... äußerlich ebenmäßig ... nahe der perfekten Symmetrie. Schlank, jung, gesund und verheißungsvoll wie eine lebendig gewordene Statue aus Ebenholz ... Keine Liebe, sondern ein Ritual, um meine Seele zu verpfänden ... Ich lese in Ihren Augen fast schon zu viel Bereitschaft, um den Brand in mir löschen zu können.

"Warum nicht? Was ändert es schon? ... Wohin hat mich mein bisheriger Weg schon gebracht!"

Aber dann erinnere ich mich an jene anderen dunklen Augen ... vor über dreißig Jahren ... an das wortlose Versprechen. An den geschnitzten Sarkophag. Und ich weiß, dass ich das Versprechen nicht brechen kann. ... Weil diese eine Nacht mich längst gebrochen hat. "Man kann nichts zerschlagen, was längst entzwei ist. ... Ich muss ein Nachfahre Cassandras sein", denke ich verdrossen und ringe wieder mit der Verzweiflung, zu der die Wut zerfällt.

Ich betrachte den geschnitzten Gehstock und versuche in den Bildern zu lesen.

"Zu freundlich von Euch!", ringe ich mir ab. "Hat es mit ihm eine besondere Bewandnis? Erklärt mir die Bilder!"

Und ich fordere die Welt heraus, ignoriere alle Warnrufe in mir und greife nach dem Stab.

Puklat:
Kurz vor dem Manor

Mein Begleiter folgt mir wortlos auf gleicher Höhe.
Ich versuche zügig zu gehen, ohne zu rennen. Denn ich möchte rausfinden, wer nun noch zu Gast ist.

Das sind schon einige sonderbare Zufälle , wundere ich mich.
Erst der spontane Besuch von Harry, dann der Hühne, der mich am See gefunden hat. An einer Stelle, die ich selbst erst jetzt für mich so richtig entdeckt habe. Monate lang war mir diese Stelle verborgen. Sie ist von der Straße nicht einsehbar und liegt schön aber versteckt. Ich frage mich noch immer, wie er mich wohl gefunden hat. Und jetzt hat Clive auch noch Besuch. Und ich sehe die gerade jetzt? Und der Hühe erzählte etwas von Gefahr.

Plötzlich durchzuckt es mich. Ich will instinktiv erst einmal stehen bleiben, doch da Clive mit seinen Begleitern im Manor verschwunden zu sein scheint, will ich schnellst möglich auch dorthin.

An den bulligen Mann gewandt frage ich im Gehen. Auch wenn ich zügig gehe, versuche ich den Gesichtsausdruck des Mannes so genau wie möglich zu studieren, als ich meine Fragen formuliere.
"Sind sie allein gekommen? Oder sind sie in einer Gruppe unterwegs gewesen?"

Der Läuterer:
"Ja, Herr. Ich war schon immer allein. Und jetzt habe ich mein Ziel fast erreicht. Aber verzeiht, Auserwählter. Ich werde Euch nicht in Eure holde Heimstätte begleiten. Ab der Schwelle ist dort für mich verbotenes Gebiet."

Puklat:
"Ja, natürlich. Vielleicht würden Sie mich eben noch mit zu meiner Frau begleiten. Sie möchte Sie vielleicht auch kennenlernen."

Auch wenn mein Begleiter zögert und offensichtlich Zweifel hat, dass er das tun sollte, folgt er mir, als ich einen Weg aussen um das Manor herum wähle.
"Meine Frau und ich bewohnen derzeit einen Seitenflügel.", erkläre ich diesen Weg. "Sie brauchen daher auch nicht über die Schwelle treten. Das wäre ihr vermutlich auch nicht recht. Sie ist manchmal nicht gut auf unerwarteten Besuch zu sprechen."
Ich versuche es so klingen zu lassen, als wäre es etwas, was für die meisten Frauen so zutreffend ist. Allerdings beziehe ich mich hauptsächlich auf ihre Flashbacks und den schon stark abgeklungenen Verfolgungswahn.

Als wir um die Ecke kommen und die Veranda zum großzügigen Garten hinter dem Manor sehen können, stelle ich fest, wie dumm mein Einfall war.
Kristine sitzt bleich auf dem Stuhl, auf dem sie saß, als wir uns wenige Stunden zuvor das letzte Mal gesehen haben. Harry ist bei ihr und redet langsam in ruhiger Stimme zu ihr. Noch bevor Harry mich erkennt, schnell Kristines Blick zu mir herum.
"Ove!", sagt sie laut, aber alles andere als deutlich. Es ist fast wie ein Stöhnen.

Ich muss mich zusammen reißen.
"Älskling! [Liebling!] Ich, habe einen Gast bei mir... den ich dir vorstellen wollte. Aber ... vielleicht ist gerade kein guter Augenblick."

Ich schaue Kristine an und versuche ihr mit meinem Blick Kraft zu spenden. Und es muss funktionieren, denn meine Kraft und mein Schwung lassen nach, während ich sie ansehe. Es war keine gute Idee meinen Begleiter mitzubringen. Oder wenigstens war es kein guter Zeitpunkt.
Doch Kristine wirkt gefasster als ich es im erstem Moment erwartet habe.

Sie ist eben eine echte Kämpferin! Stark und mutig.

Ich trete ein paar Schritte weiter vor, um meinem Begleiter Platz zu machen.

Ich räuspere mich kurz, um sicher zu gehen, dass meine Stimme noch da ist.

"Darf ich vorstellen.... das ist William Collins. Wir trafen uns am See. Und ich gehe davon aus, dass wir uns noch häufiger treffen werden. Er wird hier im Ort wohnen, wenn ich das richtig verstanden habe."

Joran:
Clive

"Ich sollte Ove hinzuziehen. Das hier wird auch ihn und Kristine betreffen.

Wenn ich diese ... Besucher ... hier im Manor unterbringe, kann ich weiteres Aufsehen im Dorf vermeiden und verhindere ein Zusammentreffen mit Braddock. Das verschafft mir vielleicht ein wenig Zeit, um Klarheit zu gewinnen.

Anderseits kann die Nähe dieser Personen hier auf dem Manor Gefahren bedeuten. Natürlich kann ich ihnen leer stehende Räume im hinteren Gebäudeteil zur Verfügung stellen. Sie haben dann einen eigenen Zugang von außen und ich kann die Verbindungstüren im Inneren schließen. Aber dann wohnen sie zwischen mir und Ove ..."

Um den Blicken der Fremden für eine Weile entkommen zu können, gebe ich vor:

"Ich möchte noch einen Freund und seine Verlobte herbitten. ... Ich hole schon einmal zwei weitere Tassen."

Dann verlasse ich den Salon und gehe auf dem Weg zu Küche an meine Arzttasche. Darin befindet sich auch eine Lupe. Ich ziehe die Karte von Braddock aus der Tasche und lese sie. "Warum diese kleine Schrift? Warum diese plötzlich Offenheit? Ist es überhaupt die Wahrheit? Aber ich sollte mir zumindest anhören, was er zu sagen hat. Ich sollte noch heute zum Pub gehen ... Und ich muss klären, was aus Matilde und Paul geworden ist. ... Ob Paul Matilde entführt hat? Ob er irgendetwas in der Hand hatte, womit der Matilde zwingen konnte, ihm zu folgen? ... Er schien mir schon auf Herm von Matilde besessen, aber er war anderseits immer sehr besorgt um Matilde."

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