Das Tanelorn spielt > Albtraum in Norwegen

Irgendwo in IRLAND

<< < (59/121) > >>

Puklat:
"Harry, da bist du nicht der einzige. Ich müsste über so vieles nachdenken. Aber ich weiß nichtmal, wo ich anfangen sollte.

Clive. Du bist mir keine Erklärung schuldig... und es tut mir leid, dass ich dich dazu gedrängt habe. Das steht mir nicht zu. Und meine Angst, scheint mir auch übertrieben. Aber ... Clive, du weißt selbst, was vor 3 Jahren alles passiert ist. Und ... ich hatte doch so inständig gehofft, dass es hinter uns wäre. Ich habe nicht gedacht, dass ich mich in der Hinsicht als derartig naiv ansehen muss. Ich WUSSTE, dass es uns nie loslassen wird. So wie das Jucken in meiner Hand nie wirklich aufgehört hat. Aber ... ich hatte gehofft. Und der heutige Tag hat mir diese Hoffnung zu einem großen Teil genommen. Aber noch ist nichts klar. Wir wissen nicht, was Ayana will. Ob wir es je erfahren werden, weiß ich nicht. Doch wie du sagst, sollten wir ihr die Chance geben.

Wir sollten aber mit allem rechnen."

Wir sollten auf alles vorbereitet sein. Aber... was auch immer diese Besucher erzählt haben... ich habe das Gefühl darauf werden wir nie vorbereitet sein können. Zu wenig wissen wir. Zu gering sind unsere Mittel. Aber versuchen.... versuchen müssen wir es. Das sind wir uns und unseren Freunden schuldig.
Ich schaue Kristine an. Ich stehe auf und lege ihr meinen Arm um die Schultern.

"Clive, ich weiß es ist schon spät. Doch... ich muss das noch fragen. Weißt du etwas über die Dinge, von denen die Besucher gesprochen haben? Diesen "Azza-tohd"? Und was es mit der Flöte auf sich hat? Sagt dir das etwas? Siehst du da zusammenhänge zu dem etwas, was uns verbindet? Dieser Collins hat mich aufgesucht und mir davon erzählt. Aber es ergab so wenig Sinn, was er sagte."

Der Läuterer:
"Doktor Savage?"

"Ich hätte da noch zwei kleine Bitten, wenn es nicht zu viel Mühe bereitet. Das Zimmer sollte von Innen zu verriegeln oder abschliessbar sein. Und als zweites benötige ich für das Zimmer noch einen möglichst massiven Stuhl mit einer hohen Lehne."

Joran:
Clive

Zuerst gehe ich auf die einfachere Frage ein:

"Das sollte sich machen lassen, Mr. Blackberry. Aber wenn Sie sich hier sicherer fühlen, wird sicher auch Ove Ihnen ein Zimmer herrichten. Dieser Trakt des Hauses kann von den anderen Teilen vollständig abgeriegelt werden."

Auf Oves Frage zu antworten, erscheint mir schwieriger:

"Ganz ehrlich, Ove, ich weiß es nicht. ... Ich kann nur rätseln. ... Aber wie sollte da keine Verbindung existieren? Ich sagte es schon: ich glaube bei den heutigen Geschehnissen nicht an Zufälle. ...

Trotzdem glaube ich, dass die Geschehnisse schon viel früher ihren Anfang genommen haben, auf Herm oder noch eher, vielleicht in Matildes Vergangenheit. Du ... und vielleicht auch ich ... wir sind möglicherweise nur in Eregnisse hereingezogen worden, die viel früher begannen."

Ich denke an die Fundstücke von der Insel: an die Anbetung auf dem Ziegenleder, die vielen Hinweise auf Gebirgsreisen ... wenn auch nicht nach Tibet, die astronomischen Forschungen des Dr. M.D. Ludwig Theodor Wilfried von Wittgenstein und meine damaligen Zweifel an deren Qualität, die Zeichnungen des Dr. Dr. Hawthorne, das Pergament mit dem Zauber der Annephis bzw. Joanne Smith ... alles wohl gehütet und sicher verwahrt  ... bis heute.

Ich denke an die damaligen Hinweise auf 'ny'Ar La Hotep' und die enge Verbindung, die - wie unterschiedlich sie auch gedeutet wird - zwischen Nyarlathothep und dem Dämonenfürsten Azathoth bestehen soll.

Und dann, seit meiner letzten Reise nach London, seit jenem Ereignis in der Schneiderei, wandte ich plötzlich meine Konzentration vor allem auf Yog Sothoth. Als würde ich von einer inneren Stimme dazu getrieben ... aber da war keine Stimme ... da war nur noch Stille. Aber es war wie ein Schlüssel, zu einem Tor, hinter dem die Antworten auf meine Fragen liegen. Es war der Schlüssel zu dem Tor, das Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet.

"Aber all dies kann ich Ove nicht sagen. Wie sollte er es begreifen, wo ich es selbst nach all den Jahren nicht verstehe?"

"Azathoth ist ein mythisches Wesen, dem sehr viel Macht zugesprochen wird. Er wird sehr oft mit Musik in Verbindung gebracht. Aber ansonsten es gibt äußerst widersprüchliche Angaben über dieses Wesen. Und es ist meistens noch viel schwerer, die Texte richtig zu deuten als sie zu entziffern. Wann darf man einen Text wörtlich nehmen? Wann ist er nur ein Gewand für eine Botschaft, die sich darunter verbirgt und die zu verstehen weiteres Wissen voraussetzt? Mythen bedienen sich gerne ausdrucksstarker Metaphern, Allegorien, Übertreibungen und Übertragungen, um diejenigen, für die sie gedacht sind, zu erreichen. Und um diese Bilder verstehen zu können, muss man das Hintergrundwissen derjenigen haben, für die die Texte ursprünglich gedacht waren. Die Mythen, über die wir hier reden, sind unglaublich alt, so alt, dass man glauben kann, die ersten Menschen seien mit ihnen erwacht. ... Und damit meine ich nicht nur, dass sie eine Erklärung für die Schöpfung der Menschen beinhalten würden, wie eigentlich jede Religion. Ich meine das in einem ganz wörtlichen Sinn. Die Mythen sind viel älter als alles, was wir sonst an Überlieferungen kennen. Und selbst Bruchstücke hiervon zu finden, ist sehr schwer. Um sie zu finden, muss man gewöhnlich tief in unerforschtes Land vordringen, zu Zivilisationen, deren Kultur uns völlig fremd ist oder die in den Schatten der Geschichte versank ... wie die Cambridge-Utrecht-Expedition ... Es wird daher wohl nie möglich sein, diese Mythen vollständig zu verstehen.

Es KÖNNTE einen Bezug zu der Maske geben, die in London versteigert wurde. Aber diese Annahme ist SEHR vage, eher ein Schuss ins Blaue, basierend auf ein paar ... Andeutungen und Vermutungen. Azathoth wird mit einer anderen Wesenheit in Beziehung gesetzt, die wiederrum mit Masken in Verbindung gebracht wird. ... Aber das alles ist viel zu unsicher, um uns hier und jetzt weiterzuhelfen ... einmal ganz abgesehen von der Frage, ob man derartigen Mythen überhaupt einen wahren Kern zuzubilligen bereit ist oder nicht.

Mehr kann ich Dir heute abend dazu leider auch nicht sagen, Ove. Aber vielleicht hilft uns ein Gespräch mit Braddock weiter."

Der Läuterer:
"Doktor, das was Sie da sagen widerspricht allem, was ich je gehört habe."

"Ich bin zwar Mitglied der anglikanischen Kirche, aber weder ein gläubiger Mensch noch leicht aus der Fassung zu bringen. Doch was Sie hier andeuten, beunruhigt mich doch etwas. Mehr noch, es spottet allen bekannten Lehren. "

"Hinzu kommt, wenn Ihre Aussagen wahr wären, dann hätte das katastrophale Auswirkungen auf unser aller Leben. Nicht nur auf uns hier im Raum, sondern auf das Leben und Wirken aller Menschen auf der Erde."

"Das hätte nicht nur Auswirkungen auf die Geisteshaltung oder die Weltanschauung, wie es das kopernikanische Weltbild oder die Evolutionstheorie getan haben."

"DAS würde jedem zeigen, dass wir nur erbärmliche Insekten under den Schritten von gewaltigen, unfassbaren, und jenseits unseres Verstandes handelnden, Mächten sind."

"DAS würde die Welt in ihren Grundfesten erschüttern und unser alltägliches Leben in Chaos und Verzweiflung stürzen."

Joran:
Clive

"Willkommen in meiner Welt!", denke ich mit dem Rest an Bitternis, der mir im Verlauf der Jahrzehnte verblieben ist, als das VIRUS sich so rasend schnell dieses armen Teufels bemächtigt. Wie so oft flüchte ich mich in eine berufliche Distanz: Wenn eine Krankheit nicht heilbar ist, dann bleibt dem Arzt nur, dem Patienten Linderung zu verschaffen...

"Wie gesagt, es ist schwer, alte Mythen zu deuten oder gar Wahrheit und Bildersprache voneinander zu trennen.

Für heute sollte die Erkenntnis ausreichen, dass jedenfalls die 'Huldiger' an diese Mythen zu glauben scheinen ... so wie in London Hugh Stratton von der Existenz der Tcho-Tcho überzeugt war ... so wie Elisa Marquard daran glaubte, die mit besonderen Kräften versehene Hand eines Tcho-Tcho-Priesters oder Schamanen oder was auch immer stünde zur Versteigerung an ..."

Ich blicke Ove nur an, ohne ihn und seine juckende Hand als weiteres Beispiel aufzuführen. Es ist ohnehin offensichtlich.

"Der Glaube alleine hat bereits so viel Macht über Menschen, dass sie sich durch ihn zu den fürchterlichsten Handlungen hinreißen lassen." Ich wische mir mit einer Hand über das müde Gesicht, als könnte ich damit die Bilder der Vergangenheit vertreiben. "Wir müssen uns mit diesen Fremden befassen, ganz gleich ob es die in den Mythen beschriebenen Dämonen gibt oder nicht und ganz gleich ob sich diese mythischen Wesen tatsächlich für uns interessieren oder nicht. ... Es sind die MENSCHEN, über die wir uns zuallererst Gedanken machen müssen. ... Und ich werde mit Ayana beginnen."

Mein letzter Satz soll den anderen eine Entschlossenheit beweisen, ohne die Zweifel und Sorgen zu offenbaren, die mich in Wahrheit erfüllen. Darauf erhebe ich mich. Das Geräusch des zurückgleitenden Stuhls durchbricht lautstark die Stille und reißt alle Anwesenden aus ihren Gedanken von Angst und Dunkelheit zurück in die reale, greifbare Welt.

"Versucht ein wenig zu schlafen! ... Bei Tageslicht sieht die Welt schon wieder anders aus", unternehme ich einen letzten Versuch, meinen Gästen einen vorübergehenden Halt zu geben. Dann mache ich Anstalten zu gehen und überlasse es Blackberry, sich mir anzuschließen oder bei Ove und Kristine zu bleiben.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln