Das Tanelorn spielt > Albtraum in Norwegen

Irgendwo in IRLAND

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Der Läuterer:
"Sie können uns nicht einfach so stehen lassen, Doktor." Blackberry springt wie von der Tarantel gestochen auf.

"Reden Sie, Mann." Er fasst Clive an den Schultern. Nicht fest aber energisch und schüttelt ihn leicht. "Sie können nicht einfach unsere Welt zerschlagen, wage Andeutungen machen und uns dann zu Bett schicken, wie kleine Kinder."

"Doktor, Sie sind uns Antworten schuldig. Worauf müssen wir uns vorbereiten? Was glauben Sie wird passieren? Wir sind in grosser Gefahr, nicht wahr?"

Joran:
Clive

Ich wende mich wieder um und betrachte gerade lange genug missbilligend die Hand auf meiner Schulter, um Harry zurückzucken zu lassen. Seine Segelohren unter dem Lockenschopf leuchten rot vor Erregung. Das gibt dem jungen Psychiater ein noch bübischeres Aussehen als ohnehin schon.

"Ja, Du solltest Ayana nicht in die Quere kommen. Mit Dir würde sie sich nicht lange aufhalten."

Ich will schon an Oves Aussage erinnern, ich sei niemandem verpflichtet, außer mir selbst, besinne mich dann aber doch eines besseren:

"Warum sollten Sie in Gefahr sein, Mr. Blackberry? Ihnen galt das Interesse dieser Fremden doch überhaupt nicht. Besinnen Sie sich auf Ihre Aufgabe, Herr Kollege!"

Ich überlege einen Moment.

"Woher sollte ich denn wissen, war passieren wird ... ob überhaupt etwas passieren wird? Ich rechnen nicht damit, dass heute Nacht etwas geschieht. Die Fremden haben nichts dergleichen angedeutet. ... Es hat erst ANGEFANGEN", wiederhole ich die Formulierung in Braddocks Botschaft.

Ich bin erschöpft. Es ist ein Wunder, dass ich nach diesem Tag überhaupt noch auf den Beinen stehe. In versöhnlicherem Ton fahre ich nach einem Augenblick fort:

"Ich glaube, es wäre besser, wenn Sie doch hier bei Kristine und Ove bleiben?", versuche ich Blackberry erneut eine Ausflucht zu öffnen.

"Mr. Blackberry ... es ist spät ... ich hatte heute eine Herzattacke ... meine T... ... Matilde ist fortgegangen. Ich möchte meinen 'Gast' nicht zu lange unbeaufsichtigt lassen. ... Morgen ist auch noch ein Tag, davon bin ich überzeugt. ... Also bitte beruhigen Sie sich!"

Puklat:
Ich bin müde, so furchtbar müde geworden.
Und ich merke wie müde Clive ist.

"Harry, du kannst  bei uns bleiben. Ich würde mich freuen, wenn du bei uns übernachten würdest. Vielleicht kann ich dir eine Fragen beantworten. Allerdings fürchte ich, dass mein Wissen beschränkt ist. Und ich bin mir sicher, dass wir morgen schlauer sein werden.... so oder so."

"Du kannst ins Kinderz... ins Gästezimmer einziehen. Wir haben dort ein Bett stehen. Ich kann es dir schnell bereiten. Und morgen besprechen wir dann alles Weitere.

Clive, dürfen wir dich morgen zum Frühstück einladen? Es hat ja nun schon mit dem Abendessen nicht so geklappt, wie wir es gehofft hatten. Und wenigstens eine gute Mahlzeit sollte es doch geben. Und ... vielleicht kann ja auch dein Gast, diese Ayana, mitkommen... bevor sie alleine im Rest des Hauses verweilt."

Ich möchte Antworten. Doch ich weiß, dass ich diese heute nicht mehr kriegen werde. Da ist es besser eine Mütze voll Schlaf zu erhalten.

Joran:
Clive

Ich bin Ove dankbar, dass er mir hilft, Blackberry's Fragen zu entkommen.

"Kommt Ihr doch besser morgen früh zu mir. Das ist einfacher. Wir alle können ein wenig Ruhe morgen früh gut gebrauchen. Ich lege Caitlin ohnehin einen Zettel hin ... wegen Ayana ... und wegen Matilde ... und wegen der Hundemeute. Morgen ist Caitlins Backtag. So bekommen wir alle frisches, ofenwarmes Brot."

Die Aussicht auf Caitlins selbstgebackenes Brot hebt ein wenig meine Stimmung.

Dann Grüße ich zum Abschied noch einmal ich die Runde und werfe einen letzten sorgenvollen Blick auf Kristine, die während der ganzen Unterhaltung stumm geblieben ist. "Das Kinderzimmer?", überlege ich. Aber ich lasse mir nichts anmerken.

Ich schlage meinen Mantelkragen auf, als mich das Unwetter trifft. Auf dem Weg um Ceallaigh Manor werden meine Schritte von dem vertrauten Knirschen im Kies begleitet. Die kleinen weißen Steine sind selbst bei diesem Wetter noch deutlich sichtbar. Aber selbst wenn man in der Dunkelheit vom Weg abkäme, würde man es sofort hören. Außerdem ragt zu meiner Rechten das Gemäuer des Manor steil in den Nachthimmel auf. Die Mauern werden höher, dicker und älter, je mehr ich mich dem Haupteingang nähere.

"Was wird mich erwarten?" Hier draußen, alleine im Sturm, ängstigt mich die Aussicht, Ayana gegenüberzutreten nun doch ein wenig. "Ich wünschte, Matilde würde mir beistehen. Aber vermutlich ist es besser so. Auf diese Weise kommt vielleicht wenigstens einer von uns mit dem Leben davon."

Ich denke auch noch einmal kurz an Emma und was hätte sein können, wenn ... Aber dann schüttele ich diese Phantasien am Eingangsportal ab wie das Regenwasser von meinem Mantel und ich trete in die Dunkelheit der Eingangshalle. Ein schwaches Licht dringt aus dem Salon und ich höre Lunis gleichmäßige Schritte auf den Steinen sich nähern. Es erleichtert mein Herz, einen Freund bei mir zu wissen. Gleichzeitig spüre ich einen Hauch dieser vertrauten Wehmut in meiner Brust, die so lange mein Begleiter war. "Danke, Matilde, dass Du ihn bei mir gelassen hast!"

Gemeinsam mit Luni betrete ich den Salon. Der Raum ist verlassen. Ayana ist offenbar bereits zu Bett gegangen.

Nach kurzem Zögern trete ich an die überschaubar bestückte Hausbar und gieße mir noch einen Scotch ein. Mit dem Glas in der Hand trete ich an das Fenster und beobachte die Bäume im Sturm. Wieder muss ich an die Nacht auf Herm denken ... als ich Matilde in den Armen hielt ... als ich Annephis zurück zerrte und entgegen meinen Grundsätzen diesen unheiligen Zauber anwandte, um die Zustände wieder gerade zu rücken ... Ich erinnere Amandas Kreischen, als ich sie auf den Treppenabsatz schleifte und die Kellertür hinter ihr verschloss. Ich meine das Trommeln ihrer Hände zu hören ... und die Stille danach. "Irgendwo da draußen ist jetzt Matilde ... wenn Paul sie nicht an einen anderen Ort bringen konnte. Es wäre sinnlos, sie suchen zu wollen. ... Irgendwann wird sie wiederkommen ... wegen Marie ... irgendwann ... Aber werde ich dann noch leben?"

Nachdem ich das Glas geleert habe, lösche ich das Licht und gehe herauf in Matildes Zimmer. Ich bin nicht überrascht, dort eine Botschaft von ihr zu finden: "Danke für alles Clive. Bitte pass auf Marie auf. Es geht bei mir wieder los. Ich werde wieder verrückt. Ich will das nicht mehr. Ich kann das nicht mehr. Verzeih mir" Ich lese die Worte, aber sie vermögen heute nicht wirklich zu mir durchzudringen. "Es gibt nichts zu verzeihen", sage ich in den leeren Raum. "Auf die eine oder andere Art gehen sie alle. Es war nur eine Frage, wann auch Du von mir gehst. Ich bin froh, dass Du lebst und nicht alleine bist. Pass gut auf sie auf, Paul!"

Sorgsam falte ich das Blatt und schiebe es in meine Brusttasche. "Morgen werde ich meinen Koffer öffnen und es all den anderen Briefen hinzufügen."

Ich setze mich an Matildes Tisch und greife zu der Feder, mit der sie vor wenigen Stunden die Botschaft an mich geschrieben hat. Auf einem leeren Blatt Papier verfasse ich eine kurze Nachricht an Caitlin Ó hEidirsceóil, meine Haushälterin. Ich setze sie darüber in Kenntnis, einen Gast aus Afrika zu beherbergen, bitte sie, nach der Hündin und ihren Welpen zu sehen und ein Frühstück für fünf Personen vorzubereiten. Schließlich erkläre ich, Matilde sei abgereist und weise Caitlin an, die Möbel bis zu ihrer Rückkehr mit Leinentüchern abzudecken.

Dann gehe endlich zu Bett.

Der Läuterer:
Du begibst Dich in Dein Herren-Schlafzimmer. Der Raum ist gross und geräumig, das Bett ist weich und behaglich. Fast schon liebevoll hüllt Dich die warme Bettwäsche ein.

Was für ein eigenartiger Tag nach drei Jahren der Ruhe.

Du brauchst einige Zeit, um Schlaf zu finden, doch dann breitet sich der sanfte Schleier der Müdigkeit doch über Dir aus. Dein Schlaf ist ruhig aber kurz.

Eine Stimme...
Eine Stimme in der Dunkelheit.
Ein Flüstern.
Ein Wispern.
Ein Seufzen.

Ein Schatten huscht durch den Raum. "Doktor?"

Leicht drückt sich die Matratze Deines Bettes nach unten und die Bettdecke bewegt sich.
"Sind Sie noch wach, Doktor?" Es ist die warme, weiche Stimme einer Frau. Ruhig. Von angenehmer Klangfarbe.

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