Das Tanelorn spielt > Albtraum in Norwegen

Irgendwo in IRLAND

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Der Läuterer:
Clive

"Es war ein Fehler, Karim fortzuschicken. Die Zwillinge sind nur zwei Kasper; ich hätte ihr Blut trinken sollen. Ich wäre darin geschwommen." Ihre Stimme wird für einen Augenblick schneidend, als sie die Luft zwischen den Zähnen einsaugt.

"Ich weiss, dass meine Begleitung Dir nützen wird. Ich habe die Nebel beiseite geschoben. Ich werde Dich vor einigen Gefahren schützen können. Du bist wichtig. Zu wichtig. Du musst überleben. Und wenn Du überlebst, wirst Du Unsterblichkeit erlangen, als Auserwählter."

Joran:
Clive

Als Ayana meint, es sei ein Fehler gewesen, Karim fortzuschicken, stimmt mich das nachdenklich, denn ich selbst sah in Karim keine Bedrohung und ich habe ihm vielleicht sogar mein Leben zu verdanken. ... Es war merkwürdigerweise nicht Karim, sondern sein Geschenk, das mich beunruhigte. Dabei habe ich es nicht einmal gesehen. Es war nur die Angst vor dem, was es hätte sein können.

Doch als Ayana von der Unsterblichkeit spricht, entfährt mir ein: "Gott behüte!"

Obschon ich annehme, dass diese unbedachten Worte ein Fehler waren, setze ich nach: "Es gibt wohl nichts, was weiter von meinen Wünschen und Zielen entfernt wäre als ein ewiges Leben. ... Das ist eine schreckliche Vorstellung! ... Was Du als Verlockung darstellst, ist in Wahrheit eine unendliche Agonie ohne Aussicht auf Erlösung."

Ich schüttle den Kopf. "Ich muss Dich enttäuschen: Du irrst Dich! ... ICH bin NICHT wichtig. ... Ich bin nur ein alter Narr. ... ICH bin auch nicht in Gefahr. Ich habe den Tod lange genug vor Augen. Ich folge nur denen nach, die ich liebte. Der Tod alleine kann mich nicht schrecken. ... Es sind andere Dinge die mir Sorgen bereiten. Andere Menschen. Ich muss lange genug leben, um sie in Sicherheit zu bringen, nicht mehr."

Erneut frage ich mich: "Warum hier? Warum jetzt? Warum in meinem Bett? Was hat keine Zeit bis morgen?"

Ich seufze: "Du magst die Nebel beiseite geschoben haben, was immer das bedeuten mag. Aber meine Nebel hast Du nicht gelichtet. Ich sehe noch immer nicht klar, was Du Dir von diesem Besuch erhoffst. ... Warum glaubst Du ich wäre wichtig? Wichtig für wen?" ... "Denn da ist NIEMAND mehr, nachdem Matilde gegangen ist. ... Marie ist zu jung, als dass ich noch von großer Bedeutung für ihr Leben sein könnte. ... Nein, es gibt niemanden mehr ... nicht einmal in meinem Innern. Alles ist leergefegt. Ich muss nur noch übergeben, was ich behüte ... oder alles zerstören. Dann hält mich nichts mehr."

Puklat:
Ove

"Ja, vermutlich hat es eine ganz einfache Erklärung, wo Matilde nun hin ist. Vielleicht wollte sie auch einfach mal etwas Abstand zwischen sich und uns bringen. Ich glaube sie verbindet viel Unschönes mit Clive und zu einem gewissen Teil auch mit uns. Sie hat sich auch Vorwürfe gemacht, dass du mit in unsere Arbeit hineingezogen wurdest. Aber es ist wenn dann meine Schuld."

Ich atme tief durch, da ich merke, dass ich abzuschweifen drohe und die Schuldfrage werden wir sowieso nie klären können, und Kristine interessiert es auch nicht. 'Was passiert ist, ist passiert, Ove' hat sie immer wieder gesagt, wenn ich mir Vorwürfe gemacht habe. Oder auch nur, wenn ich so aussah als hätte ich mir welche gemacht.

"Sie wird sicherlich bald wieder kommen ... wir können Clive morgen nach ihr fragen. Vielleicht weiß er dann mehr. Es ist nicht ihre Art ganz wortlos zu verschwinden."
Zumindest glaube ich das.

"Und du hast Recht. Sie ist unnahbar. Sie ist eine attraktive Frau, aber sie ließ niemanden an sich heran... weder körperlich... aber erst recht nicht an ihre Gefühle. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sie vorher war. Und was sie so verändert hat. Sie muss, nach allem was ich gehört habe, eine sehr lebensfrohe Person gewesen sein. Früher."

Der Läuterer:
Clive

Du spürst Ayana's Augen durch die Dunkelheit. "Weshalb hast Du Karim fort geschickt? Er hat Dir geholfen, vielleicht sogar Dein Leben gerettet. Und doch hat er Dir eine Todesangst eingejagt. Nun. Es ist Deine Entscheidung. Dein Weg."

"Du magst das ewige Leben nicht? Aber bedenke, man vermag auch die Unsterblichkeit zu erlangen und muss dennoch sterben. Nur dass einem ewig gedacht wird, Doktor. Bedenke die Namen der grossen Könige, Heerführer, Entdecker, Erfinder, Dichter und Musiker. Deren Namen sind unsterblich. Zu ihren Ehren werden sogar Standbilder errichtet und Strassen und Plätze nach Ihnen benannt."

Joran:
Clive

"An meinen Namen wird man sich nicht lange nach meinem Tod erinnern. Ich hinterlasse nichts, an das es sich zu gedenken lohnen würde. Und ich hinterlasse niemanden."

Es ist nur die Feststellung eines Umstandes, der mir schon vor vielen Jahren bewusst geworden ist. Ich habe es mir nicht ausgesucht. Aber es ist richtig so, wie es ist. Was hätte ich schon von mir weitergeben können? Ein schwermütiges Wesen und verbotenes Wissen, das die meisten Menschen in den Wahnsinn treibt? Darum habe ich auch einer Beziehung mit Emma keine Chance gegeben.

"Daran ist nichts falsch. Diejenigen, deren Namen in Erinnerung bleiben, haben selten persönlich große Taten vollbracht. Es waren andere Menschen, an deren Namen sich niemand mehr erinnert, die ihnen zur Größe verholfen haben. Menschen, deren Blut die Schlachtfelder getränkt hat. Menschen, die Schiffe durch gefährliche Gewässer gesteuert haben. Menschen, die sich auf den Feldern oder in Minen zu Tode geschuftet haben. Nach ihnen müssten die Straßen benannt werden. Aber die Menschen vergessen schnell. Und die Mächtigen bestimmen, welche Namen in die Geschichtsschreibung aufgenommen werden.

Es tut mir leid, wenn das bedeutet, dass ich eine Enttäuschung für Dich bin. Aber mir bedeutet es nichts, ob sich die Menschen im Allgemeinen nach meinem Tod noch an mich erinnern. Da ist kein Mensch mehr übrig, bei dem es mir wichtig wäre.

Karim hat mir keine Todesangst eingejagt. Es war sein Geschenk, das ich gefürchtet habe. ... Außerdem fühlte ich mich betrogen. Ein Pakt ist ein Vertrag ... eine Übereinkunft. Man muss sich dafür entscheiden, muss ihn schließen wollen. ... Die anderen wollten mich und Ove in eine Falle locken. Sie wollten uns hereinlegen. Sie versuchten, uns durch die Übergabe von Geschenken in eine Pflicht zu setzen, die wir nicht übernehmen wollten. ... So etwas mag ich nicht!"

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