Das Tanelorn spielt > Albtraum in Norwegen
Irgendwo in IRLAND
Joran:
Clive
Wider Erwarten verläuft das gemeinsame Frühstück ohne Zwischenfälle. Alle scheinen allerdings daran interessiert zu sein, es schnell hinter sich zu bringen. Bald schon kehren Kristine und Harry Blackberry in den Anbau des Manor zurück und Ove, der bereits mit seinem Notizbuch bewaffnet ist, folgt mir ins Dorf.
Nachdem wir die Pforte des Manor Ceallaigh Manor gerade durchschritten haben und bevor wir die Anhöhe erreichen, hinter der die Straße hinab in die Senke führt, in der das Dorf liegt, beginne ich vorsichtig, Ove von den Zeitungsartikeln über die beiden Morde in Mullingar und in Baile Átha Luain zu berichten.
Als wir uns dem Camàn Inn nähern, hat Ove die Neuigkeiten offensichtlich noch nicht vollständig verdaut.
Um das Thema zu wechseln und Oves auch etwas positives mitzuteilen, erzähle ich noch kurz, dass ich mich noch eine Weile mit Ayana unterhalten habe, nachdem ich mich gestern von ihm verabschiedet habe. Die Umstände und den Ort des Gesprächs lasse ich unerwähnt, aber ich erkläre, dass Ayana nach ihren Angaben zu uns gekommen ist, um uns dabei zu helfen, die Kreatur zu vernichten, von der die Hand stammte.
"Sie war auch nicht erschrocken darüber, dass ich die Hand vernichtet habe. ... Ich meine 'nicht erschrocken' in dem Sinne, dass sie offensichtlich nicht hier war, weil sie die Hand für sich haben wollte. Ayana meinte, uns hätte die Hand vielleicht helfen können, aber sie war offensichtlich nicht auf der Suche nach der Hand. Sie schien eher verwundert, dass ich die Hand überhaupt vernichten konnte. Sie meinte, uns hätte die Hand möglicherweise irgendwie helfen können, weil wir sie gegen die Kreatur hätten wenden können, von der sie stammt. Einer alten Legende zufolge sei dieses Wesen 'durch sich selbst zu verletzen'. Aber diese Legende - wenn sie überhaupt mehr als eine Legende ist - kann viele Deutungen zulassen.
Ich denke, wenn uns dieses Wesen aus Leng tatsächlich bedrohen sollte, dann scheint Ayana unsere Verbündete zu sein. ... Vielleicht hat sie recht und es war ein Fehler, Karim fortzuschicken! ... Ich weiß es nicht. Aber zu viele Fremde auf einmal hätten mich wohl überfordert. Ich will nicht behaupten, dass wir nicht weiter vorsichtig sein sollten, was Ayana betrifft. Aber sie hat mich immerhin nicht in der Nacht angegriffen und sie behauptet von sich, mich schützen zu wollen. Und sie hat mir immerhin ein paar Fragen beantwortet. ... Also sehen wir erst einmal, wohin uns das führt."
Der Läuterer:
Schwer von Efeu umrankt liegt das Gebäude des Camán Inn ganz in Grün vor Euch.
Die Regentropfen der vergangenen Nacht glänzen im Sommenlicht auf den Blättern wie Smaragde.
Es verspricht ein wunderschöner Tag zu werden.
Iefan Brothaigh ist vor der Tür, fegt den Kies und liest einige Zigarettenkippen auf. Als er Euch sieht, nickt er Euch zu.
Joran:
Clive
Als wir den Hof des Camán Inn erreichen, halte ich die Augen nach der olivgrüne Vauxhall D-Type Limousine offen, um mich zu vergewissern, dass Braddock noch nicht abgereist ist.
"Dia duit, Iefan! Bhfuil an aimsir go h-álainn?1", versuche ich die Konversation unauffällig zu beginnen. Aber meine Stimme strahlt keine gute Laune aus. Und dann verdüstert sich mein Gesicht, als mir wieder die Zeitungsartikel einfallen. Leiser fahre ich fort:
"Dabei gibt es keinen Grund zur Freude heute ..., wenn das stimmt, was die Zeitung über die arme Kayleigh berichtet hat. Ganz schrecklich ist das. ... Ich mochte das Mädchen. Sie hat mich früher öfters zum Tee besucht, als sie noch klein war."
Nach dem das Gespräch sich eine Weile um aktuelle Dorfthemen gedreht hat, werfe ich ein, was mir seit letzter Nacht nicht aus dem Kopf geht:
"Sag mal, gestern waren eine Menge Fremde hier im Dorf, die uns aufgesucht haben. Die meisten von ihnen unterlagen offenbar einem Irrtum und sind sofort wieder gegangen. Sind noch mehr von denen bei Dir abgestiegen? Außer Mr. Braddock meine ich. Ein kleiner Mann arabischer Herkunft vielleicht?"
"Und schon beginnt Ayana, Einfluss auf meine Entscheidungen zu nehmen ...", ärgere ich mich ein wenig über mich selbst. "Aber vielleicht war es tatsächlich ein Fehler, Karim so einfach gehen zu lassen. Eigentlich gefiel er auch mir im Gegensatz zu den Zwillingen. ... Nur ... ist es tatsächlich Karim, den ich in meiner Nähe wissen will, oder vielleicht doch eher sein Medikament? ... Habe ich doch mehr Angst vor dem Unvermeidlichen, als ich mir selbst eingestehen will?" Und wieder kommen mir die Worte Ayanas über die Unsterblichkeit in den Sinn. Aber sie fühlen sich für mich auch heute noch genauso fremd an, wie in der letzten Nacht.
1 Dia duit, Iefan! Bhfuil an aimsir go h-álainn? = Gott sei mit Dir, Iefan! Ist das Wetter nicht wunderbar?
Der Läuterer:
Braddock ist wohl noch nicht abgereist. Der dunkelgrüne Mietwagen steht noch immer im Hof unter der Linde.
"Usere Kayleigh." Iefan's Hände krampfen sich um den Besenstiel und seine Stimme wird düster. Verärgerung, Zorn, Ohnmacht und Trauer schwingen in seiner Stimme mit, während seine Augen feucht werden. "Da ist die Süsse kaum flügge und macht sich auf die Welt ein paar Schritte zu erkunden und wird dann wie Müll behandelt. Und dann sagt man ihr noch nach, sie sei eine Bordsteinschwalbe gewesen."
Iefan rümpft die Nase und schnieft. Er reibt sich die Augen und macht eine längere Pause, bevor er weiter spricht. "Ja. Die Männer haben sich gestern Abend ihr Maul zerrissen, aber gesehen hat diese Fremden wohl niemand. Nur die Frauen haben ihre Männer mit der Neuigkeit scharf gemacht."
"Aber Du, Clive, Du scheinst doch mal wieder mehr zu wissen, als alle anderen zusammen. Erzähl bitte mal, was hier so angesagt ist."
Joran:
Clive
"Ach, wenn ich das nur wüsste! ... Bei mir waren diese Leute zum größten Teil falsch. Deswegen sind sie ja wieder gegangen. Sie verschwanden so plötzlich, wie sie kamen. Ich frage mich ernsthaft, wohin sie gestern bei diesem schrecklichen Unwetter gegangen sind, wenn nicht zu Dir. ... Ich muss schon sagen, sehr merkwürdig ist das ganze.
Aber nicht alle Besucher waren Fremde. Ein alter Bekannter ist gekommen, um Matilde abzuholen. Sie muss leider für eine Weile fort ... Familienangelegenheiten.
Falls Du doch noch etwas über den Verbleib der Fremden hörst, wäre ich Dir verbunden, wenn Du mir sofort Bescheid geben würdest.
Und was Kayleigh betrifft, sollten die Leute zurückhaltender mit solchen Gerüchten sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da etwas dran ist. Und über Tote soll man bekanntlich nichts Schlechtes sagen. Die Journaille hat schon wieder hinsichtlich eines Mordes in Mullingar vor einer Woche in bekannter Manier Vergleiche zu den Whitechapel-Morden gezogen. Das verschafft manchem Leser eine Gänsehaut und fördert die Verkaufszahlen. Dran war aber bisher nie etwas. Der Ripper ist und bleibt tot. Und selbst wenn die ermordete Frau aus Mullingar eine Hure gewesen sein sollte, was hat das mit Kayleigh zu tun? ... Manchmal beneide ich Dich nicht darum, was Du Dir so alles anhören musst!"
Ich schüttele verständnislos den Kopf.
"Jetzt müssen Ove und ich wohl Mr. Braddock noch einen kurzen Besuch abstatten, falls er da ist. Er hat mir gestern eine Nachricht zukommen lassen, dass er mich gerne noch einmal hier sprechen würde."
Fragend blicke ich Iefan an und warte auf eine Auskunft, wo ich Braddock finden kann.
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