Das Tanelorn spielt > Albtraum in Norwegen
Irgendwo in IRLAND
Der Läuterer:
"Also gut. Es macht eh keinen Unterschied, ob Sie es auch wissen, Herr Ecklund."
Braddock faltet die Hände. "Ich arbeite für die S.A.V.E.-Gesellschaft. Die Abkürzung steht für Societas Argenti Viae Eternitata; zu deutsch: Die ewige Gesellschaft des silbernen Weges. S.A.V.E. ist ein Geheimbund, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Unschuldige vor... nun... also... sagen wir... vor den Kreaturen des Unbekannten zu schützen oder zumindest danach zu trachten. Ich bin nach Irland gekommen, um den Doktor zu beseitigen, sollte er sich als Gefahr für die Allgemeinheit herausstellen. Ich bin jedoch zu dem Schluss gelangt, dass er keine grosse Gefahr darstellt. Anders sieht es dagegen mit den Huldigern und ihrem Streben aus. Vermutlich wird er entweder von den einen geopfert oder von den anderen aus dem Spiel genommen werden."
Er hebt die Augenbrauen und zuckt mit den Schultern. "Sein Tod scheint unvermeidlich zu sein."
Joran:
Clive
"Schön das zu wissen", denke ich in einem Anflug von Sarkasmus. Grimmig blicke ich Braddock an.
"Ist nicht unser aller Tod unvermeidlich ...", antworte ich abweisend und muss dabei an meine nächtliche Unterhaltung mit Ayana denken.
Puklat:
"Das sind wenig erbauliche Aussichten. Aber wie Doktor Savage bereits sagt... unser aller Tod ist unausweichlich. Wir können nur hoffen, dass er noch in weiter Ferne liegt und nicht all zu qualvoll wird."
Eilig ziehen Bilder von Kristines gebrochenem Körper an mir vorbei. Bilder aus dem Londoner Krankenhaus und auch Bilder aus späterer Zeit, als ich erstmals sehen kann, wie es unter den Verbänden aussieht.
Ich verdränge diese Eindrücke schnell wieder.
"Ich muss dazu sagen, dass es mich erfreut zu hören, dass es eine Gesellschaft gibt, die sich für das Wohl oder zumindest für den Fortbestand der Menschheit einsetzt. Und es erfreut mich noch mehr, dass Sie zur richtigen Einschätzung gekommen sind, dass von Doktor Savage keine Gefahr ausgeht."
Was ich nicht sage ist, dass ich erleichtert bin, dass es außer uns noch mehr Leute zu geben scheint, die versuchen Licht ins Dunkel zu bringen und das "Richtige" zu tun. Bleibt nur zu hoffen, dass wir unter dem "Richtigen" das ultimativ Richtige verstehen.
"Welche Bedeutung messen Sie denn den Personen bei, die Sie als "Huldiger" bezeichnen? Müssen Sie oder Ihre Gesellschaft vielleicht gegen diese Personen tätig werden, oder sehen Sie in denen nur "harmlose Irre"?"
Ich schaue kurz von Braddock zu Clive, der ein wenig missgelaunt oder mürrisch zu sein scheint. Ich ziehe den von Braddock abwandten Mundwinkel zur Andeutung eines Lächelns in die Höhe. Ich freue mich endlich mal Informationen zu erhalten. Informationen die mich nicht gleich verstören oder überrumpeln.
Ich schaue Braddock wieder in die Augen und warte seine Antwort ab.
Der Läuterer:
"Meine Herren, der Tod wird uns alle ereilen, doch muss ich die Begegnung mit dem Gevatter noch forcieren? Mit Sicherheit nicht."
"Welche Bedeutung ich den Huldigern beimesse? Diese Leute gehören entweder zur Gruppe eins oder zur Gruppe zwei. Also entweder wollen sie den Gott befreien oder ihn vernichten. Die Frage ist nun, wer gehört zu welcher Gruppe?"
"Und harmlose Irre sind diese Leute mit nichten. Ich schätze nur den Doktor als intelligenten Menschen ein. Als positives Regulativ der Kräfte."
"Nur bevor es besser wird, wird es in jedem Fall erst einmal besonders unschön und hässlich. Ich werde mich in die Untersuchung des Todes von Fräulein O'Brian einmischen."
"Und noch eins. Die Menschheit ist für den Fortbestand des Universums in ihrer Bedeutung überbewertet, um nicht zu sagen absolut entbehrlich."
Joran:
Clive
"Die Menschheit ist entbehrlich?", wiederhole ich Braddocks Worte noch einmal still. "Was soll das bedeuten? Was gäbe es für uns noch zu schützen, sollte die menschliche Art augelöscht werden? ... Hätte Braddock die Bedeutung des Indivduums der menschlichen Spezies untergeordnet, so hätte ich dies noch verstanden. Aber was wäre für einen Menschen schützenswerter als die Menschheit ansich? ...
Und was soll die Andeutung, es werde 'erst einmal besonders unschön und hässlich' bedeuten? Phrasen und Andeutungen ... nichts weiter. Das hilft uns kein bisschen!
Und was meint er mit 'positives Regulativ der Kräfte'? Wir haben erst wenige Sätze miteinander gewechselt und er meint mich zu kennen? Das ist doch Nonsens: Entweder er meint mich einschätzen zu können, dann könnte er offen reden. Oder er vertraut mir in Wahrheit nicht, dann lügt er und das hier ist für ihn und für uns Zeitvergeudung."
Meine innere Stimme sagt mir, dass ich nun mit meinem Urteil vielleicht ein wenig zu voreilig bin, aber Braddocks Verhalten verärgert mich. Es erinnert mich immer mehr an Hartmut und seine Salami-Taktik: ... das Gegenüber mit Andeutungen ködern und sich dann zieren, um den anderen im luftleeren Raum hängen zu lassen. Das widerspricht völlig meinem Wesen: Entweder ich vertraue einem Menschen, dann bin ich auch offen. Oder ich halte den Mund ... und daran hätte ich mich bei Braddock besser auch halten sollen.
Von der ersten Begegnung an reizte mir Braddocks selbstherrliche, indiskrete Art. Darum erstaunt es mich nicht, dass er sich zum Richter über Leben und Tod aufschwingt. "Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich mich mit diesem Vorwurf auf glattem Eis bewege ... denn ich selbst habe immer wieder Entscheidungen über Leben und Tod treffen müssen ... in ein paar Fällen sogar treffen wollen. Aber ich habe mir das Töten ausgewählter Personen immerhin nicht zur Lebensaufgabe gemacht ... und nur sehr selten habe ich tatsächlich getötet."
Ich überlege, ob Braddock Ayana töten würde, wenn er wüsste, dass sie auf dem Manor geblieben ist ... oder ob er dann seine Meinung über mich revidieren würde ...
Und ich frage mich, warum genau ich Ayana zu vertrauen bereit bin, Bradock hingegen nicht ... obwohl ich Ayana tatsächlich für gefährlicher halte als Braddock. "Vielleicht ist es das Gefühl, Ayana beeinflussen zu können? Wohingegen Braddock ganz von seinen Ansichten gefangen zu sein scheint?"
Ich bemerke Oves Blick, unterdrücke meinen Wunsch, zu gehen, und versuche mich wieder auf die Unterhaltung zu konzentrieren:
"Was meinen Sie mit 'in die Ermittlungen einmischen'? Wollen Sie die Polizei unterstützen oder behindern? Was wissen sie über diesen Mord?"
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