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Horror-Settings und Fiktion

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Eulenspiegel:

--- Zitat von: Chiarina am  4.09.2016 | 14:34 ---3. Eine weitere Möglichkeit stellt natürlich die Realität selbst dar. Es wird auf einen Mythos und überhaupt auf Fantastisches verzichtet, denn die (mögliche) Realität ist bereits Horror genug. (Kennt ihr ein System oder Setting in der Richtung? Ich kenne nur einige wenige, einzelne Beispiele.)
--- Ende Zitat ---
Bei "Kleine Ängste" habe ich schon ein paar Abenteuer erlebt, die rein in der Realität spielen und den Mythos vollkommen ignorieren.

Als Setting, das ein Verlag verkauft, eignet sich die Realität natürlich nicht, da ja bereits alles in den Nachrichten steht und der Leser keinen Grund hat, das extra als RPG-Settingband zu kaufen. Als Abenteuer, die man spielen kann, eignet sich die Realität dagegen gut.

Allgemein: Ja, Horror, bei dem man sich denkt "Das könnte auch in der Realität passieren." ist um einiges intensiver als Horror, bei dem man weiß, dass das nur Fiktion sein kann. Andererseits trifft man sich ja nach einem harten Arbeitstag, um sich zu entspannen und den Alltag zu vergessen. Von daher kann so ein "Horror Light" schonmal wesentlich angenehmer sein als den realen Horror nachzuspielen.

Chiarina:
Mit meinem "Lovecraft-Bullshit" habe ich übrigens das hier reflektiert:

Barton Levi St. Armands: H. P. Lovecraft, Anhänger der Dekadenz aus Neu-England

Das ist das Nachwort aus dem "Lovecraft Lesebuch" (Suhrkamp). Macht damit, was ihr wollt... ich habe hinterher keine Lust mehr auf Cthulhu gehabt.

Es ist aber wahr: Mir geht´s hier um etwas anderes. Von mir aus können Lovecrafts Menschenbild, dessen Einfluss auf sein Werk und dessen Adaption im Rollenspielbereich hier gern ausgeblendet werden.

Rorschachhamster:

--- Zitat von: Eulenspiegel am  4.09.2016 | 15:36 ---Allgemein: Ja, Horror, bei dem man sich denkt "Das könnte auch in der Realität passieren." ist um einiges intensiver als Horror, bei dem man weiß, dass das nur Fiktion sein kann. Andererseits trifft man sich ja nach einem harten Arbeitstag, um sich zu entspannen und den Alltag zu vergessen. Von daher kann so ein "Horror Light" schonmal wesentlich angenehmer sein als den realen Horror nachzuspielen.

--- Ende Zitat ---
Huh. Das kommt aber darauf an. Jemand mit wirklicher Angst vor Geistern würde das anders sehen... gut, aber die sind wohl extrem in der Minderheit.  ;)

CoC (um bei dem Horrorrollenspiel zu bleiben, das ich am besten kenne, nicht wegen irgendwas) wirkt super mit Leuten, die an die Unversehrtheit ihres Charakters gewöhnt sind. Ein alter CoC-Veteran wird nicht sehr entsetzt sein, wenn sein Charakter den Verstand verliert. Das ist denke ich das Hauptproblem bei einem Horrorrollenspiel an sich. Die Bindung zu dem Charakter wird immer schwieriger aufrechtzuerhalten. Ohne diese Bindung fehlt die genuine Angst. Ohne Angst die Wirkung. Das ist, denke ich, der Horror-Light.  ;)

Der Läuterer:
Wer Cthulhu spielt, muss damit leben, dass sich ab und an ein paar Tentakeln ums Eck schlängeln.
Das kann man mögen, muss man aber nicht.

Die rein von Lovecraft erdachten Mythos-Monstren bleiben noch einigermassen überschaubar.
Nach Lovecraft wurde es inflationär mit den Kreaturen. Das ist mir ehrlich gesagt oft auch zu viel. Und mitunter kommen mir manche Cthulhu Szenarien sehr D&D lastig vor. Weniger wäre hier sicherlich mehr.

Das angesprochene Szenario INFEST ist als Setting toll.
Es besteht nur aus zwei Szenen: Fahrstuhl und Garage.

Ich habe noch nie ein Abenteuer so geleitet, wie es abgedruckt wurde...
Aus den, von den Shan übernommenen Handwerkern, Zombies, streunende Hunde, ein paar Junkies oder eine Gang zu machen, ist nur Handgewedel, also kein Problem.

Wer weiss, was seine Spieler mögen, soll das gerne abändern.
Ich fand die Shan auch unpassend und habe sie ersetzt. Alles kein Problem.

nobody@home:
Generell ist Horror wohl das gängige Rollenspielgenre, zu dem ich am wenigsten Zugang finde. Ich spiele halt nicht oder zumindest nicht in erster Linie, um selbst Angst zu haben; insofern ist ein "Horror"-Szenario auch erst mal nur eine Herausforderung, die bestanden oder zumindest überlebt sein will, wobei dann genrebedingt klar ist, daß aus dem Überleben eventuell nicht soviel wird.

Nichtsdestotrotz würde ich auch nicht sagen, daß man da jede Spielsitzung unbedingt künstlich mit Monstern und Übernatürlichem zumüllen muß. Da gab's vor einigen Jahren, als ich noch Professor Zamorra-Leser war, ein ganz gutes Beispiel dafür, wie man's vielleicht besser nicht macht, gerade im Rahmen dieser Serie: einen Roman, in dem es um die Aufklärung recht auffälliger, anscheinend "übernatürlicher" Todesfälle ging und also auch passende Legenden recherchiert wurden. Nur stellte sich dann heraus, daß die Killer "nur" ganz gewöhnliche Sterbliche mit einem etwas futuristischen neuen Superwaffenprototyp waren -- und das hätte eigentlich völlig gereicht und wäre sogar mal eine originelle Wendung gewesen. Aber nein, es mußten ja die Serienklischees bedient werden und also auf den letzten Seiten per Deus ex Machina unbedingt doch noch die bis dahin nur diskutierten Kreaturen aus besagten Legenden auftauchen, um Rache an denen zu nehmen, die sich für sie ausgegeben hatten... :P

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