EDIT: Da war die Diskussion schneller als mein Schreiben (Ich habe gegen 09.30 Uhr mit meiner Antwort begonnen und war dann unterbrochen worden) und hat meine Antwortrichtung längst vorweggenommen. Ich lasse die Antwort trotzdem mal unverändert stehen.
Jetzt kommt der Knackpunkt: Wenn sie dort ankommen, stellt sich heraus, dass die Szenen nicht gleichzeitig passiert sind. Wir waren die ganze Zeit in zwei verschiedenen Zeitpunkten. Die Hinrichtung war zum Beispiel schon am Vortag. Dann schneiden wir zurück zur Hinrichtung — und Ashford darf seine letzten Momente beschreiben bevor er aufgeknüpft wird.
Christopher Nolan lässt grüßen.
Das wäre dann ähnlich wie in Dunkirk (https://de.wikipedia.org/wiki/Dunkirk_(2017)).
Ich finde nicht jeden Film von Nolan toll, und gerade "Twist"- und "Mindfuck"-Filme lassen mich eher böse als bereichert zurück. Im Rollenspiel fände ich ein solches erzählerisches Mittel besonders ärgerlich.
Das erzeugt so ein hilfloses Gefühl. Und Zorn auf die Täter evtl.
Wäre ich Dein Spieler, würde es in mir in erster Linie Zorn auf Dich als SL erzeugen.
Rollenspiel unterscheidet sich ja von Roman und Film, weil ich beim Rollenspielen eben kein reiner Konsument bin und ich eingreifen kann. Nichts gegen erzählerisch motivierte Parallelhandlung, aber Dein Twist "die Hinrichtung war schon gestern" nähme mir als Spieler die Befähigung, in die Handlung eingreifen zu können und hätte mich obendrein wegen des Zeitdrucks der scheinbar möglichen Rettung wegen verführt, mehr Risiken als nötig einzugehen. Zusätzlich würde ich mich hilf- und machtlos fühlen, weil ich
- keine Chance gehabt hätte, den Twist kommen zu sehen
- ich sowieso nichts hätte ändern können, selbst wenn ich ihn hätte kommen sehen
Ich habe gerade zu Beginn von Abenteuern viel Verständnis für kurze erzählerische Flaschenhälse (Mini-Railroading), in denen auch mal Dinge geschehen, die die Gruppe weniger beeinflussen kann. Aber ein Ziel dieser Flaschenhälse sollte sein, die Gruppe schnell in ihre volle Handlungsmacht zu bringen. Ein solcher Spieltag, wie von Dir skizziert, würde sich jedoch wie Railroading anfühlen für einen "billigen" Nolan-Erzähltrick, der im Rollenspiel nicht eingesetzt werden sollte, weil er mir als Spielenden die Besonderheit des Rollenspiels nimmt: In die Handlung auch substanziell eingreifen zu können.
Aber was für mich und meine Gruppe gilt, muss natürlich nicht für Dich und Deine Gruppe gelten: Wenn Deine Gruppe es gewohnt ist und sogar schätzt, dass das, was Du leitest, manchmal mehr Literatur als Rollenspiel ist, dann werden sie diese ein bis zwei Spieltage vielleicht sogar toll finden.