Autor Thema: Erfrieren: Wie schnell geht es?  (Gelesen 127 mal)

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Online AlucartDante

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Erfrieren: Wie schnell geht es?
« am: 20.05.2019 | 23:16 »
Es geht mal wieder um die verfluchte physikalische Korrektheit von Mindestwürfen, vielleicht auch medizinische Korrektheit: Wie schnell erfriert man?

Ich bin neulich auf meinen Spielleiterfortbildungsforschungsreisen für Reiseabenteuer im Real Life in zwei merkwürdige Situationen reingeraten:

1. Ich musste auf 4.700 Metern Höhe ohne Schlafsack in einem Zelt übernachten. Anscheindend kommt es dort häufig zu Wetterwechseln und ich war mit der Gegend nicht vertraut, so dass ich schwer abschätzen konnte, ob bzw. wie gefährlich so eine Situation ist.
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Konkret habe ich mich gefragt: Was passiert, wenn der Konstitutionswurf misslingt? Wacht man mit Schüttelfrost im Schlaf auf, bevor man erfriert? Wacht man nicht mehr auf und schläft friedlich ein? Oder entscheidet der zweite Konstitutionswurf darüber?

2. Ich war auf 5.600 Metern Höhe unterwegs und es war wirklich verdammt kalt. Irgendwann hat trotz aller Kleidung jede Stelle meines Körpers geschmerzt, angefangen mit den Händen. Irgendwann hat dann der Schmerz in den Händen völlig nachgelassen und ich habe sie gar nicht mehr gespürt. Mir war klar, das ist nicht gut. Konkret habe ich mich gefragt: Wie schnell dauert es mindestens / maximal / normalerweise bis die Hände ernsthafte Schäden nehmen oder gar schwarz werden? Alle wieviel Stunden oder Tage muss man Konstitutionsproben ablegen? Was bedeutet ein gescheiterter Wurf? Nach wievielen gescheiterten Würfen muss die Hand amputiert werden?
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Ich finde nach unzähligen Wildnisabenteuern und als guter Spielleiter sollte man das wissen, es war mir aber in der Situation beunruhigend unklar. Könnt ihr mir helfen?

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Re: Erfrieren: Wie schnell geht es?
« Antwort #1 am: 20.05.2019 | 23:30 »
Ich hab mal ein Buch über verschiedene Todesarten gelesen (Ertrinken, Verdursten, Erfrieren...) wo für jede Todesart in einem langen Kapitel beschrieben war wie das vor sich geht und welche Mechanismen im Körper ablaufen. Das war immer eine kurze Story von jemand, der so stirbt und dann eine Analyse der Situation und welche Gegenmaßnahmen es unter Umständen dagegen gegeben hätte.
Kann mich leider nicht daran erinnern. Hatte es von einem Survival-Freund ausgeliehen bekommen. War aber sehr interessant und gleichzeitig unterhaltsam.

Kurzzusammenfassung aus der Erinnerung:
Erfrieren merkst du nicht. Tatsächlich wird es dir in einem späteren Stadium fast warm oder indifferent vorkommen. Am Ende schläfst du ein bzw. verlierst das Bewusstsein.
Ob die Hände operabel bleiben, entscheidet ob du deinen Jäger-Reflex noch hast (automatische 10-minütige stoßweise Durchblutung der Zehen und Finger). Diesen Reflex baust du ab, wenn du jahrelang immer in der warmen Bude hockst und dich von Kälte fern hältst. Nicht erfrieren kann man also durchaus trainieren, indem man den Körper an Kälte gewöhnt lässt.
Wie schnell du erfrierst hängt von sehr vielen Faktoren ab. Bei richtig fieser Kälte (z.B. kaltes Wasser, ist es in weniger als 10 Minuten passiert). Wenns trocken ist (mit Winterkleidung im Schnee eingeschlafen), dauert es halt einige Stunden.
Der Fall mit der höchsten Temperatur, bei der jemand dokumentiert erfroren ist, war bei +8°C. (!)

Übel ist es aber auch, wenn du Erfrierungen hast und nicht daran stirbst. Mein Opa hat welche in Russland gehabt und meinte, es fühlt sich wie eine Verbrennung an, aber nicht nur auf der Oberfläche, sondern im gesamten Gliedmaß. Trotz der Schmerzen musste bei ihm nichts Amputiert werden.
Die Erfrierungsschmerzen kommen erst, wenn du wieder warm wirst.

Zu den Konsti-Würfen:
Kon würde ich würfeln lassen, wenn jemand infiziert wurde oder Gift isst oder so was. Bei einer kalten Umgebung entscheidet die Kon zwar darüber wie lange du durchhältst, aber das ist vom Wert abhängig, nicht von zufälligen Würfen. Ob du erfrierst oder nicht, hängt davon ab, ob du operabel bleibst oder nicht und die richtigen Maßnamen im Rahmen deiner Möglichkeiten triffst (z.B. alle zwei drei Stunden aufwachen und sich durch Bewegung aufwärmen vs. besoffen mit offener Jacke und ohne Mütze im Schnee einpennen). Ich würde also eher Ausdauer würfeln lassen bzw. noch viel wichtiger: Überleben/Survival.
Also ich würde sagen, ob du bei gleichen Kältebedingungen entweder Montag oder Dienstag Nacht erfrierst, hängt nicht von einem zufällig versiebten Konstiwurf ab, sondern ob du das richtige zum Schutz auf die Reihe bekommst.
« Letzte Änderung: 20.05.2019 | 23:45 von Turning Wheel »