Umfrage

Wie hat dir das Abenteuer "Schwarzbart" gefallen?

sehr gut (5 Sterne)
2 (14.3%)
gut (4 Sterne)
7 (50%)
zufriedenstellend (3 Sterne)
5 (35.7%)
geht grad so (2 Sterne)
0 (0%)
schlecht (1 Stern)
0 (0%)

Stimmen insgesamt: 14

Autor Thema: Schwarzbart (Midgard) / Bewertung & Rezensionen  (Gelesen 1078 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Thallion

  • Rezi-Spezi
  • Moderator
  • Hero
  • *****
  • Beiträge: 1.900
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Thallion
    • Rollenspiel-Bewertungen
Hier könnt ihr eure Meinung zum Midgard-Abenteuer Schwarzbart abgeben und nach Punkten bewerten.



Shop-Artikel
Schwarzbart

Abenteuer-Übersicht
Hier gelangt ihr zu der Auswertung und Übersicht bereits bewerteter Abenteuer:
https://rollenspiel-bewertungen.de/tanelorn/abenteuer/

Klappentext: 
Schwarzbart, die Geißel der Meere, der Schlächter der Regenbogensee. Viele Namen trägt der berüchtigtste und erfolgreichste Piratenkapitän der Küstenstaaten. Entsprechend hoch ist sein Kopfgeld, verlockend selbst für erfahrene Abenteurer, die sich nur in Estoleo ausruhen wollten. Schnell finden sie sich als Piratenjäger an Bord einer corischen Karacke und müssen Stürmen, Meeresungeheuern, Piratenschiffen und den Launen ihres Kapitäns trotzen.

Das Schicksal lässt die Abenteurer auf einer unbekannten Insel stranden, wo sie um das nackte Überleben kämpfen müssen. Dabei finden sie eine uralte Schatzkarte, die den Weg zum sagenhaften Celastia weist. Die Rettung naht in Gestalt von ausgerechnet Schwarzbart, der sich mit den Schiffbrüchigen für ihre Suche nach der Stadt voller Gold und Magie zusammentut. Die Zeit drängt, denn nur eine seltene und kurz bevorstehende Konstellation von Mond und Sternen lässt das versunkene Celastia für kurze Zeit aus den Fluten der Regenbogensee auftauchen.

Am Ziel erkennen die Abenteurer, dass die Sagen um Celastia nur ein Teil der Wahrheit sind. Die Stadt ist tatsächlich unermesslich reich, aber sie und ihre Bewohner leiden bis heute unter einem grauenhaften Fluch, den eine der Urmächte des Chaos verhängt hat. So finden sich die Abenteurer in einem Alptraum aus feurigem Chaos, gequälten Untoten und wütenden Dämonen wieder, den sie ihr Leben lang nicht vergessen werden.

Das Heft enthält ein Abenteuer in Estoleo und den Weiten der Regenbogensee, in dem Abenteurer mittleren und hohen Grades mit einem der großen Geheimnisse der Vergangenheit konfrontiert werden.
« Letzte Änderung: 14.03.2018 | 14:48 von Thallion »

Offline koschkosch

  • Adventurer
  • ****
  • Beiträge: 739
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: koschkosch
Re: Schwarzbart (Midgard) / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #1 am: 5.03.2018 | 11:27 »
Hm, warum schreibt niemand etwas zu diesem Abenteuer? Hat das noch keiner gelesen/gekauft? Kann ich mir ja nicht vorstellen...

Ich habe das Abenteuer (mehrfach) gelesen, aber noch nicht geleitet. Es ist für mich sehr wertvoll, weil ich selbst an einer (auf dem Midgard-Westcon schon recht bekannten) Kampagne in der Weltengegend und mit einem ähnlichen (wenn auch im Detail völlig anderen) Hintergrund arbeite.

Das Abenteuer besteht grob aus 3 Teilen. Es beginnt in Estoleo, einer großen Stadt in den Küstenstaaten, die grob einer spanischen Küstenstadt in der Frührenaissance nachempfunden ist. Dort erfahren die Abenteurer etwas über einen üblen Piraten, der grad in aller Munde ist: Schwarzbart. Die Abenteurer werden in den Aufruhr um den Piraten und die Jagd nach ihm verwickelt. Dabei finden große Teile dieses 1. Teils in der Stadt statt, ein kleiner (etwas railroadiger) Teil an Bord eines "Linienschiffes" auf See. Blöderweise gerät das Schiff in einen Sturm und der Kapitän fällt die falsche Entscheidung, sodass die Abenteurer sich nach dieser kleinen "Eisenbahnfahrt" ;) als Schiffbrüchige auf einer tropischen Insel wiederfinden.

Teil 2 ist demnach halt ein bißchen rollenspiel-klischeehaft ein Überlebenskampf auf der Insel, deren Schauplätze liebevoll, aber nicht besonders exotisch daherkommen. Ich habe so ähnliche Inselabenteuer schon öfter mal gesehen, aber man darf sich vor Augen halten, dass dieser 2. Teil eigentlich nur dazu dient, dass die Abenteurer und Schwarzbart als Partner zusammengeführt werden... Das hätte man auch anders lösen können, aber das Abenteuer ist eigentlich ziemlich alt, denn es hat lange Jahre auf seine Veröffentlichung warten müssen. Und unter diesem Gesichtspunkt und mit dem Wissen, was noch kommt, ist Teil 2 gar nicht so schlecht. Wer den 1. Teil von Pathfinder's "Sculls and Shackles" Abenteuerpfad mag, der wird auch diesen Teil mögen.

Teil 3 schließlich ist der midgardeske, der abgefahrene Teil. Der passt dann auch wieder richtig gut zu Frank Heller, der das Abenteuer geschrieben hat und der ja für Cthuloides berühmt ist. Und ein wenig von beidem (midgardeskes & cthuloides) erlebt man dann auch im 3. Teil. Es ist eine ordentliche Menge (Zeit-)Druck da, man kann tief in der Vergangenheit Midgards stöbern, und man legt sich mit einer der bösesten Mächte an, die das Spielsystem so zu bieten hat. Zur Unterstützung gibt es dann immerhin eine Art Atlantis-Bewohner, die über Technologie verfügen, die sogar dem heutigen Midgard leicht überlegen ist.

Ich meinerseits würde das Abenteuer nicht so leiten wie es ist, sondern es in die Teile zerlegen, die ich beschrieben habe und die einzeln mit anderen, eigenen Episoden verknüpfen. Wer sich ein bißchen mit Rollenspiel-Abenteuern auf See auskennt, kann Teil 1 als Aufhänger zu einer epischen Piratenjagd nutzen, wer gern Expeditions-Abenteuer spielt, kann Teil 2 sehr gut als Einschub und Schauplatz nutzen und sich die Ausarbeitung einer eigenen geheimnisvollen Insel sparen, und wer gern episch, teilweise düster und aus tiefster Vergangenheit (das ist nicht tot, was ewig liegt...) spielt, der nimmt sich Teil 3 und baut einen Einstieg dazu.

Kaufempfehlung? Ja auf jeden Fall, wenn man sich für einen der Bereiche, die ich hier angerissen hab, interessiert. Eher nicht so, wenn man entweder Railroading hasst oder einem das Klischee des Schiffbruchs zum Hals raushängt und man Abenteuer immer nur RAW spielt (also ohne eigene Veränderung, out of the book).

Liebe Grüße,
Euer Kosch

Offline Weltengeist

  • spielt, um zu vergessen
  • Legend
  • *******
  • Kaufabenteueranpasser
  • Beiträge: 6.443
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Weltengeist
Re: Schwarzbart (Midgard) / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #2 am: 3.04.2018 | 11:56 »
Hm, warum schreibt niemand etwas zu diesem Abenteuer?

Hab ich doch, nur nicht hier.

Rezi steht in meinem Rezi-Blog.

#35: Schwarzbart

Autor: Frank Heller
System: Midgard
Erschienen: 2015
Umfang: normal (ca. 25 Stunden Spielzeit, aber je nach Spielstil auch sehr viel mehr)

Warum habe ich das AB gelesen?

Piraten! Versunkene Schätze! Alte Geheimisse! Das ist verdammt noch mal, warum ich Fantasy spiele. Mal schauen, was Midgard dazu zu sagen hat.

Plot

Die Helden machen sich auf die Jagd nach dem gefürchteten Piraten Schwarzbart. Dabei landen sie irgendwann auch auf einer einsamen Insel und dürfen eine Weile Robinson spielen, bevor sie sich in Begleitung von Schwarzbart höchstselbst auf die Suche nach nichts geringerem als dem midgardischen Atlantis machen.

Eindruck
Für mich hat das Abenteuer Licht und Schatten. Und das kann man fast direkt an den einzelnen Abschnitten festmachen:
  • Der Auftakt in Estoleo ist eine Art Mini-Krimi und bis hin zur Erstürmung des Geheimverstecks recht stimmungsvoll umgesetzt. Den kann ich mir richtig gut in einer netten Spielsitzung vorstellen. Auch wenn die Spieler am Ende unerwartet eins über die metaphorische Rübe bekommen und man ihnen mitteilt, dass alles, was sie gemacht haben, eigentlich egal war (mehr will ich hier nicht spoilern).
  • Für die Seereise ist einiges an Material bereitgestellt, trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass sie am Spieltisch wirklich funktioniert. So etwas ist eher was für Runden, die gerne stundenlang Lagerfeuergespräche ausspielen. Ich würde die wohl einfach erzählerisch abhandeln. Zumal auch hier am Ende herauskommt, dass es eigentlich egal ist, was die Gruppe macht - sie können letztlich weder Schiff noch Mannschaft retten.
  • Auf der einsamen Insel (die dann so einsam doch nicht ist) entdecken wir viele Dinge wieder, die direkt aus Robinson Crusoe abgeschrieben sind. Nun finde ich persönlich, dass Robinson Crusoe ein entsetzlich ödes Buch ist (ich habe es im Original gelesen und kaum ertragen), und auch hier auf der Insel passiert sehr wenig. Nur die anwesenden Wilden und die Suche nach einer geheimen Karte peppen die Sache etwas auf.
  • Zu guter Letzt endet die Gruppe auf Schwarzbarts Schiff und macht sich auf die Suche nach Celastia (denkt einfach: Atlantis). Die versunkene Insel ist ganz cool gemacht und bietet der Gruppe Gelegenheit zum Rollenspielen, Rätseln, Unfassbar-reich-werden und Hammerharte-Gegner-bekämpfen. Und das ganze Midgard-typisch auch noch in sich ziemlich logisch. Schade nur, dass es am Ende mal wieder gar keinen großen Unterschied macht, was die Gruppe macht - es gibt eigentlich nur einen Weg, und auf dem ist nicht mal Sterben wirklich eine Option.
Man merkt schon, dass in dem Abenteuer ziemlich starke Schienen verlegt sind. Allerdings habe ich als Spielleiter keine Probleme damit, solche Schienen auszubauen, so dass es mich nicht wirklich stört, solange coole Ideen vorhanden sind. Und ja, das Abenteuer enthält genug an reizvollem Material, um den Aufwand zu rechtfertigen. Man kriegt dafür ein klassisches Piraten- und Schatzsucherabenteuer, in dem die Abenteuer es mit Herrschern, Pfeffersäcken, Piraten, Kannibalen und untoten Wasserleichen zu tun kriegen, die Pläne des Roten Herrn persönlich durchkreuzen dürfen, einen Blick in die Vorzeit Midgards werfen und nicht zuletzt stinkend reich werden können. Ich zumindest mag sowas.

Bedauerlich finde ich allerdings, dass das Abenteuer ab der Landung in Celastia seinen Namen komplett vergisst: Schwarzbart spielt ab jetzt schlicht überhaupt keine Rolle mehr. Was schade ist, weil eine marodierende Piratenhorde dem betulichen Celastia einen ganz besonderen Reiz geben würde. Und glaubt im Ernst jemand, die Meute beutegeiler Seeräuber würde in Ruhe an Bord auf die SC warten, während diese die Insel erkunden? Hier würde ich dem SpL empfehlen, das Abenteuer anzupassen und dynamischer zu gestalten mit Piraten, die wechselweise zurückgehalten, verscheucht oder gerettet werden müssen. Dazu wäre es übrigens auch hilfreich, wenn die Piratenbesatzung ausgearbeitet wäre (eine Arbeit, die sich das Abenteuer seltsamerweise mit der Marinebesatzung der ereignislosen Überfahrt macht, aber nicht mit den so viel spannenderen Schurken).

Wer die entsprechende Arbeit investiert, kriegt ein klassisches, "midgardtypisch-bodennah" gehaltenes Seeräuberabenteuer, das viele typische Elemente des Genres abklappert und sich ohne große Probleme auf die meisten Settings (Aventurien, Lorakis, Golarion,...) anpassen lässt. Wenn es das gegeben hätte, als meine "Wunder des Südens"-Kampagne noch lief, hätte ich das ohne zu zögern adaptiert. So aber wird es wohl noch eine Weile auf einen Einsatz warten müssen.
« Letzte Änderung: 3.04.2018 | 12:43 von Weltengeist »
Über Geschmack kann man nicht streiten. Aber auf Tanelorn hindert das niemanden daran, es trotzdem zu tun.

Spielleitermotto: Ein Kaufabenteuer ist eine Geschichte, wie sie hätte passieren können, wenn man keine Spieler darauf losgelassen hätte.

Spielt derzeit: -
Bereitet vor: Die Türme von London (Ubiquity)
Liest derzeit: Diverse Stadtabenteuer, London-Bücher