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Autor Thema: Augmented Reality  (Gelesen 343 mal)

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Offline YY

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Augmented Reality
« am: 13.09.2017 | 14:17 »
Nebenan aufgekommen, vielleicht wird hier ja was draus.

Ich frage mich ja immer noch, wie man so einen Mist ernsthaft für eine gute Idee halten kann.

Aber derartige Konzepte müllen seit Jahren die Near-Future-SF zu  >:(

Evtl. ein neuer Thread: Was genau regt dich auf? Diese Bonbon-Optik? Das sollte ja des deregulierte Pendant zum Internet sein, nehme ich an.


Mir kommt das immer wie ein sehr schlechter Tausch vor: Ich werde den ganzen Tag zugebrüllt und -geblinkt von Werbung, zig verschiedenen bescheuerten Treuepunktesystemen, irrelevanter Kommunikation über soziale Medien, habe zusätzlich zu dieser Reizüberflutung noch ein enorm eingeschränktes Sichtfeld und im Gegenzug bekomme ich was? Eine virtuelle Einkaufsliste und den Hinweis, doch bitte nicht auf der Straße rumzulaufen, weil die Ampel für die Fahrzeuge gleich grün wird?
Wer gibt sich denn so einen Scheiß?

Grad die Werbebranche freut sich da ja einen Ast über individualisierte und permanente Werbemöglichkeiten, aber die führen in dieser Form und in dieser Aufdringlichkeit am Ende nur zu Abwehrverhalten.
Man schaue sich z.B. noch mal die entsprechende Szene in Minority Report an und überlege sich, ob man a) sich das überhaupt antun oder entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen würde und b) ob man ohne Gegenmaßnahmen dann wirklich ausgerechnet bei dem kauft, der einem den lieben langen Tag auf die Eier geht und nicht aus reinem Trotz bei der Konkurrenz oder gar nicht.


Gute und sinnvolle AR ist unaufdringlich und eine echte Hilfe, die ich in anderer Form nicht oder nur bedingt bekomme.
Also z.B. keine eingeblendete Einkaufsliste, sondern dünne, blasse Navigationslinien und farbliche Hervorhebung ausschließlich der Dinge, die im Vorfeld auf die Liste gesetzt wurden.
Aber da gäbe es bei solchen Konzeptvideos halt nicht viel zu gucken und der Betrachter wüsste bei den meisten Sachen die nötige KI-Leistung, die dafür im Hintergrund laufen müsste, nicht zu schätzen - vorausgesetzt, dass das überhaupt praxistauglich umsetzbar ist.
Davon abgesehen, dass das genau das ist, was die großen kommerziellen Befürworter von AR nicht wollen.


Speziell für SR kann das nur heißen, dass man an die Darstellung dranschreiben müsste "Schau, so machen das die Hirnis (bzw. lassen es mit sich machen), die diese Technologie nicht verstanden haben." Und entsprechend wenig Raum müsste/sollte man dieser Darstellung dann einräumen und sich eher drauf verlegen, was Runner hier warum anders machen als der Teil der Menschheit, der sich das antut (wenn man die überhaupt in dieser sehr präsenten Form im Setting haben muss, was ich auch schon wacklig finde). 
Stattdessen steht dran "So machen das alle, weil es total toll ist! Und du MUSST das auch! WEIL!"  ::) :P


Im Werbekontext heißt das Ganze für SR mMn viel eher, dass es gerade für Konzernangestellte keine Werbung mehr gibt, sondern gezielte Manipulation hauptsächlich bei der Auswahl.
Da werden Konkurrenzprodukte z.B. einfach nicht angezeigt, auch wenn es die im Laden um die Ecke gäbe.
Und wer in der Arcologie wohnt, den muss ich eh nicht mit so einem Scheiss bombardieren, weil er sowieso nur das kaufen kann, was ich ihm anbiete. Dann freuen sich die Leute auch, wenn sie in der heimischen Arc ihre Ruhe haben und nicht wie ggf. im öffentlichen Bereich vollgemüllt werden, weil da Werbung nur so funktioniert (schließlich hat man über die Konzernleute zu wenig Daten).
Ohnehin wird da der eigene Kon eher der Pol der Ruhe sein, wo einfach alles völlig unaufdringlich so läuft, wie man es will (aber eigentlich nur, weil man es so gewöhnt ist) und nicht dieses nervtötende "Wir sind die Besten!"-Geplärre von allen Bildschirmen nach japanischem Vorbild.
Wenn schon Dystopie, dann wenigstens mit halbwegs subtiler Manipulation und nicht als Selbstparodie.

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Offline KhornedBeef

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Re: Augmented Reality
« Antwort #1 am: 13.09.2017 | 14:24 »
Mal losgelöst von SR:
Wenn man das mal etwas zurückschraubt (die von der bemerkte Übetriebung ist nixht abwegig): Ja, das kann alles so sein, wie du sagst, und es kommt dann einfach trotzdem. Frag doch mal deine Oma nach deinem Smartphone bzw. deine Eltern nach denen deiner Kinder. "Die wichtigen Nummern hab ich im Kopf" "Ich hab früher auch nichts im Internet shoppen müssen" "dauern diese Gedudel und Gepiepe wie erträgstdu das?" "Die starren stundenlang auf diese kleinen Bildschirme, als würde da das Leben stattfinden"

Kann sein dass wir alten Knacker recht haben, aber mit Sicherheit haben wir eine Menge blinde Flecken in Bezug auf Zukunftstechnologie

In Bezug auf SR: Ja, absolut. Das ist wage slave - AR. Shadowrunner wären sowohl flashier als auch funktionaler unterwegs.
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Offline tartex

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Re: Augmented Reality
« Antwort #2 am: 13.09.2017 | 14:26 »
Wenn schon Dystopie, dann wenigstens mit halbwegs subtiler Manipulation und nicht als Selbstparodie.

Prinzipiell stimme ich deinem Post ja zu, aber Dystopie kann sehr wohl Überzeichnung und Parodie sein. (Und mir dann auch noch gefallen.)

Judge Dredd z.B.

Und Spam und Pop Ups und das ganze Zeug, wird es in Augmented Reality auch geben, wenn man an die falsche Stelle gerät. Wahrscheinlich nicht im seriösen Nachrichtenportal, aber im Schmuddel- und Hehlereck.
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Offline YY

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Re: Augmented Reality
« Antwort #3 am: 13.09.2017 | 15:47 »
Kann sein dass wir alten Knacker recht haben, aber mit Sicherheit haben wir eine Menge blinde Flecken in Bezug auf Zukunftstechnologie

Zukunftstechnologie ist mMn ein großes Wort für Sachen, die zu signifikanten Anteilen nur ziemlich sinnloser Spielkram sind.

Da wird schnell damit um sich geworfen, dass bestimmte Dinge nicht nur unseren Alltag verändern (wofür die Hürde bei Licht betrachtet ziemlich niedrig ist), sondern gleich die ganze Welt - gemeint ist damit natürlich eine große, historische Veränderung z.B. vergleichbar zum Buchdruck. Wer sturzbesoffen auf den Bürgersteig kotzt, hat ja auch schon die Welt verändert :P

Und das ist in meinen Augen meistens großspuriges bis größenwahnsinniges Gefasel.


Ich gebe gern zu, dass ich im Vergleich zum Rest der Menschheit eine eher ungewöhnliche Haltung zu Technologie habe.
Ich breche jede Technologie auf die Fragen runter, was es mir nützt, was es mich kostet (sowohl finanziell als auch in Sachen Wartungsaufwand, sonstiger Aufmerksamkeit u.Ä.) und welche Nebenwirkungen es hat.
Und meine anscheinend leicht exotischen Antworten auf diese Fragen führen z.B. dazu, dass ich immer Messer und Taschenlampe dabei habe und zwar ein Mobiltelefon, aber kein Smartphone.
Oder dass mein Auto weder einen "richtigen" Bordcomputer noch allerlei automatische Helferlein hat.


Damit wirke ich öfter mal mit Mitte 30 wie ein alter Sack, der mit dem ganzen neumodischen Firlefanz nichts anfangen kann.
Auf der anderen Seite denke ich mir immer, wenn mal wieder irgendeine Forschergruppe ihre Ergebnisse präsentiert in Sachen Dauerstress, digitaler Burnout und was man da alles an Begriffen dranklebt: Ach ne, echt? Das hat man eben davon, wenn man den ganzen Zirkus völlig unreflektiert mitmacht.


Dystopie kann sehr wohl Überzeichnung und Parodie sein

Ja, das war natürlich eine reine Geschmacksaussage von meiner Seite  :)


Und Spam und Pop Ups und das ganze Zeug, wird es in Augmented Reality auch geben, wenn man an die falsche Stelle gerät.

Mag sein, aber ich sehe eben nicht, wie das in irgendeiner Weise relevanter Spielinhalt sein müsste.
Schon gar nicht, wenn es im Kampf Abzüge wegen Spam gibt oder etwas ähnlich Hirnrissiges. Das ist zu großen Teilen eben nicht zu Ende gedacht.
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Re: Augmented Reality
« Antwort #4 am: 13.09.2017 | 16:12 »
dazu, dass ich immer Messer und Taschenlampe dabei habe und zwar ein Mobiltelefon, aber kein Smartphone.
ähem wieso kein Smartphone wenn man fragen darf?
Gurk zum anderen Gurk :" Was soll denn das für`ne Schlacht sein?
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Re: Augmented Reality
« Antwort #5 am: 13.09.2017 | 17:04 »
Weil ich den Mehrwert nicht sehe.

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Re: Augmented Reality
« Antwort #6 am: 13.09.2017 | 17:09 »
Danke
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Offline KhornedBeef

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Re: Augmented Reality
« Antwort #7 am: 14.09.2017 | 09:12 »
Akku und Robustheit tun mir auch im Herzen weh bei dem Thema.
Was Messenger angeht: Du hast eher ein Menschen-Problem als ein Technologieproblem, glaube ich. Bei mir sind Messengerabsprachen gleich fest wie Telefon, bloß die Latenz ist höher.

Und ja, kommen wir von dem großen Wort weg. Sagen wir zukünftige Alltagstechnologien. Unser Alltag ist, wie von dir bemerkt, voll Müll. Das wird auch beim nächsten Technologieschritt so sein. Das war im Rahmen des Machbaren schon immer so, seit wir nicht mehr alle ums Überleben kämpfen. Und du kannst mir erzählen was du willst, das allgegenwärtige Smartphone hat die menschliche Gesellschaft massiv verändert, obwohl es doch eigentlich keiner braucht. Und das Internet sehe ich auf Augenhöhe mit dem Buchdruck. Erinnerst du dich noch an Prognosen wie "Es gibt vielleicht einen Bedarf von 4-5 Computern weltweit"? Das war zu Lebzeiten unserer Eltern.
Kurz, ich stehe zu der Aussage. Manchmal haben wir, intelligente Menschen, null Ahnung von der Zukunft.
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Offline YY

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Re: Augmented Reality
« Antwort #8 am: 14.09.2017 | 10:45 »
Was Messenger angeht: Du hast eher ein Menschen-Problem als ein Technologieproblem, glaube ich.

Ja, aber eine tolle neue Technologie haben und sich dann erst die Menschen dafür suchen müssen ist irgendwie arschlings  ;D
Zumal es mit den selben Menschen auf anderen Wegen funktioniert.

Unser Alltag ist, wie von dir bemerkt, voll Müll. Das wird auch beim nächsten Technologieschritt so sein.

Das wird dann zum Problem, wenn ein Technologieschritt gar nichts mehr anderes macht als neue Vertriebswege für den Müll zu schaffen.

Es gibt heute schon genug Aspekte, denen man sich ganz bewusst verweigern sollte.
Und das wird ja auch gemacht.
Ja, nicht von jedem und nicht überall.
Aber dieses pauschale "Alle machen X. Geht nicht anders!" geht mir gerade bei AR im SR-Kontext so auf den Zeiger, weil da die Probleme und Nebenwirkungen dermaßen eklatant sind, dass so ein Konzept vorne und hinten nicht mehr aufgeht.

Es ist eine Sache, wenn der Zeitungsjunge morgens an der Haustür auf mich wartet und mir ein paar Dutzend Meter nachläuft, um mir eine Zeitung anzudrehen.
Es ist aber ein ganz anderes Level, wenn er eines Tages beim ersten Hahnenschrei schon im Schlafzimmer steht und mir mit den Worten "Das ist die Zukunft, mein Herr!" eine in Knoblauch und Juckpulver getränkte Zeitung an der Visage festklebt, in die ein winziges Guckloch geschnitten ist.


Und du kannst mir erzählen was du willst, das allgegenwärtige Smartphone hat die menschliche Gesellschaft massiv verändert, obwohl es doch eigentlich keiner braucht. Und das Internet sehe ich auf Augenhöhe mit dem Buchdruck.

Straßenbild, Sozialverhalten und andere Randerscheinungen haben sich angepasst, aber die Gesellschaft als Ganzes massiv verändert hat der Kasten nicht.
Hat auch das Internet nicht; das hat "nur" manche Prozesse so weit vernetzt und beschleunigt, dass Synergieeffekte eintreten konnten, die vorher nicht drin waren.
Das hat der Buchdruck auch gemacht, da gehe ich mit.

Ja, es prägt unseren Alltag und wenn man irgendwann auf die heutige Zeit zurückblickt, wird das natürlich (auch) Gegenstand der Betrachtung sein.
Aber uns großartig vorangebracht oder auch nur die Gesellschaft im Kern verändert hat es nicht.
Unsere "modernen" Probleme und Themen findet man 1:1 in Scheißhauskritzeleien aus der Römerzeit.

Erinnerst du dich noch an Prognosen wie "Es gibt vielleicht einen Bedarf von 4-5 Computern weltweit"?

Das war unter den damaligen Umständen noch nicht mal falsch. Da war nur noch nicht absehbar, wie unfassbar günstig Rechenleistung im Vergleich zu damals mal wird.
Aber im Grunde löst der kleine Privatmann heute mit Computern fast nur Probleme, die er ohne sie nicht hätte - zumindest in dem Sinne, dass man sie nur "braucht", weil alles darauf ausgerichtet ist, dass so gut wie jeder einen hat.
Der Rest ist Unterhaltung und historisch gewachsene, angewöhnte Bequemlichkeit - ist ja auch nicht unbedingt was Schlechtes, nur ist "brauchen" was anderes.

Manchmal haben wir, intelligente Menschen, null Ahnung von der Zukunft.

Was aber auch daran liegt, dass wir nicht sehr viel Zeit und Energie darauf verwenden, diese Zukunft nach unseren Vorstellungen zu formen.
Ja, das ist ein schmaler Grat mit tiefen Abgründen auf beiden Seiten, aber aus wenigen halbwegs guten und vielen schlechten Gründen stürzen wir im Blindflug Richtung Zukunft und sind paradoxerweise unseren eigenen Handlungen (bzw. deren Resultaten) geradezu hilflos ausgeliefert.
Unser Umgang mit der Zukunft beschränkt sich viel zu oft auf Schadensbegrenzung im allerletzten Moment.
Das betrifft dann aber wieder nicht nur neue Technologien, sondern auch andere untaugliche Strukturen.
« Letzte Änderung: 14.09.2017 | 10:48 von YY »
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Re: Augmented Reality
« Antwort #9 am: 14.09.2017 | 10:57 »
Ich glaube, gerade bei SR ist das alle so, weil das Setting ja ein überzeichneter Kommentar zur Technolgie und Konsumgesellschaft ist. Deswegen ist es da maximal schlimm, alles, *vorCyberwerbungwegrenn* und Technologie gibt den Menschen nur mehr Möglichkeit, sich unglücklich zu machen.

Ok, man kann sich natürlich auf den Standpunkt stellen "Hey, wir suchen immer noch soziale Beziehungen und finden Penisse lustig, deswegen hat sich nichts geändert in der Welt." Finde ich etwas nackenbärtig :)

Ja, es war nicht absehbar. Sag ich doch. Und das mit den "Problemen, die er ohne sie nicht hätte": Nein. Probleme, die es ohne die moderne Welt wohl nicht gäbe, eher. Wir bräuchten eine Menge Technolgie nicht wenn wir wie früher in unserer Höhle säßen und den großartigsten Tag aller Zeiten hätten weil wir einen besonders bunten Käfer gesehen haben.

Beim letzten Punkt hast du völlig recht.
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Re: Augmented Reality
« Antwort #10 am: 14.09.2017 | 11:20 »
weil das Setting ja ein überzeichneter Kommentar zur Technolgie und Konsumgesellschaft ist

Ja, da ist was dran.

In der Hinsicht bin ich ein fürchterlicher Erbsenzähler. So massiv überzeichneten Kram lasse ich einer Kurzgeschichte oder einer Star Trek-Folge durchgehen und in Ausnahmefällen einem verdammt gut geschriebenen Roman, aber wenn ich "selbst" mit einem Avatar sinnvoll in einer fiktiven Umgebung agieren soll, liegt die Messlatte deutlich höher.
Dann reicht so eine oberflächliche Darstellung nicht mehr - gerade weil die ja eigentlich Kritik sein soll, aber als pauschale Settingsetzung für Rollenspielzwecke notwendigerweise in totale Akzeptanz umschlagen muss.
Da muss man die nächsten Schritte auch noch machen und fragen, wie so was denn "wirklich" funktionieren würde.


Wir bräuchten eine Menge Technolgie nicht wenn wir wie früher in unserer Höhle säßen und den großartigsten Tag aller Zeiten hätten weil wir einen besonders bunten Käfer gesehen haben.

Zwischen Höhle und AR ist ja auch ein bisschen Spanne - aber mehr als bunte Käfer macht die ja unterm Strich auch nicht  ;D
Wenn wir uns vom heutigen Stand aus anschicken würden, eine nachhaltige Gesellschaft zu entwerfen, wäre das jedenfalls eine ziemlich kuriose Mischung aus Hochtechnologie und back to the roots.


Aber um bei dem Käfer zu bleiben:
Da hat es eben nicht gereicht, sich über den bunten Käfer zu freuen. Damit sich alle jeden Tag über bunte Käfer freuen konnten, hat man die kurzerhand in rauhen Mengen gezüchtet, bis sie auf einmal alles kahlgefressen haben und man den Nachbarstamm ausrotten musste :P ~;D

Wir folgen nur bis ins Letzte unserer Programmierung, die uns vorher so gute Dienste geleistet hat.
Deswegen sind wir so weit gekommen und deswegen sitzen wir so in der Scheiße.
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Re: Augmented Reality
« Antwort #11 am: 14.09.2017 | 11:34 »
Ayup, +1
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Re: Augmented Reality
« Antwort #12 am: 14.09.2017 | 11:41 »
In der Hinsicht bin ich ein fürchterlicher Erbsenzähler. So massiv überzeichneten Kram lasse ich einer Kurzgeschichte oder einer Star Trek-Folge durchgehen und in Ausnahmefällen einem verdammt gut geschriebenen Roman, aber wenn ich "selbst" mit einem Avatar sinnvoll in einer fiktiven Umgebung agieren soll, liegt die Messlatte deutlich höher.
Dann reicht so eine oberflächliche Darstellung nicht mehr - gerade weil die ja eigentlich Kritik sein soll, aber als pauschale Settingsetzung für Rollenspielzwecke notwendigerweise in totale Akzeptanz umschlagen muss.
Da muss man die nächsten Schritte auch noch machen und fragen, wie so was denn "wirklich" funktionieren würde.

Cyberpunk als literarischem Genre ist immer mehr daran gelegen ein Kommentar zur Gegenwart abzugeben, als eine "wirkliche" Zukunft aufzuzeigen.

Was du sagst, ist eigentlich: "ich weil kein Cyberpunk-Rollenspiel haben!"
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Re: Augmented Reality
« Antwort #13 am: 14.09.2017 | 11:59 »
Das gilt nicht nur für Cyberpunk, sondern für die ganze "ernsthafte" SF. Die ist immer zuallererst ein Spiegel ihrer Zeit.

Wie oben ausgeführt finde ich das im Rollenspielkontext problematisch, weil das sehr leicht spielrelevante(re) Faktoren überlagert.
Ein dichtes Rollenspielsetting kann es sich nicht leisten, sich auf solche Kommentare zu beschränken und muss diese Schiene dann ggf. etwas weniger betonen oder den Gedanken für das Medium angemessen weiterführen. Gerade weil überzeichnete Kommentare ihren Status als Kritik nicht immer halten können, wenn man mit diesen Dingen mehr oder weniger frei interagieren soll.


Und so gut derartige Kommentare und Gesellschaftskritik auch gemacht sind, das allein bietet nicht genug Futter fürs Rollenspiel.
Da braucht es noch andere Sachen und die sind im Zweifelsfall wichtiger als das Festhalten an Darstellungskonventionen aus anderen Medien.
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Re: Augmented Reality
« Antwort #14 am: 15.09.2017 | 19:36 »
Das gilt nicht nur für Cyberpunk, sondern für die ganze "ernsthafte" SF. Die ist immer zuallererst ein Spiegel ihrer Zeit.

Genau das würde ich aber für die Werke von Philip K. Dick, John Brunner, William Gibson, aber auch Otomo und Shirow, SO nicht unterschreiben. Die haben zu ihrer Zeit schon Probleme und Technologien extrapoliert, die so noch nichtmal am Horizont absehbar waren. Das bedeutet aber auch, das Nanotech, Gentech und AR/VR heutzutage, da existent, in aktuellen Cyberpunk-Erzählungen eigentlich nicht mehr viel zum Feeling beitragen. Interessanter ist dann schon, was Autoren daraus machen, wenn der Transhumanismus wirklich Fahrt aufnimmt...

Offline tartex

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Re: Augmented Reality
« Antwort #15 am: 15.09.2017 | 19:59 »
Das gilt nicht nur für Cyberpunk, sondern für die ganze "ernsthafte" SF. Die ist immer zuallererst ein Spiegel ihrer Zeit.

Ja, aber manchmal bewußt und manchmal eher unbewußt.
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Re: Augmented Reality
« Antwort #16 am: 15.09.2017 | 20:30 »
Das bedeutet aber auch, das Nanotech, Gentech und AR/VR heutzutage, da existent, in aktuellen Cyberpunk-Erzählungen eigentlich nicht mehr viel zum Feeling beitragen.

Wir haben erste Anwendungen, aber das ist bei Weitem nicht auf dem Stand (und erst recht nicht mit den Konsequenzen) wie in diversen CP-Settings. Manches davon ist erkennbar reine Fantasie (und hat trotzdem seine Berechtigung als Vehikel für Betrachtungen zur conditio humana - womit wir wieder beim Thema wären), anderes immer noch Zukunftsmusik und/oder eine Ausprägung, die so wahrscheinlich nicht kommen wird.

Ich kann dieses pauschale "Gibts ja alles schon, CP braucht man nicht mehr/hat sich überlebt" so gar nicht nachvollziehen.
Wir haben räumlich und zeitlich weit verteilte Einzelelemente oder deren Anfänge*, aber sicher nicht das Gesamtbild.

*die es schon gab, als noch keiner an CP-Literatur gedacht hat...


Interessanter ist dann schon, was Autoren daraus machen, wenn der Transhumanismus wirklich Fahrt aufnimmt...

Abgefahrener als das, was in (teils ziemlich alter) SF über zivilisatorische und technologische "end states" gedacht wird, kann das nicht werden.
Im Gegenteil ist transhumanistische SF als Erzählung nur bis da hin interessant, wo man den Vergleich zum dann veralteten Menschen gerade noch ziehen kann.

In der transhumanistischen Ecke findet man aber sehr viel ausgeprägter als in "klassischer" CP-Literatur den (unfundierten) Anspruch einer futurologischen Deutungshoheit.
U.A. das führt dazu, dass man mMn den Großteil transhumanistischer SF, wo die TH-Aspekte nicht Farbe oder Kulisse sind, in die Tonne kloppen kann.


Ja, aber manchmal bewußt und manchmal eher unbewußt.

Ich würde das eher danach unterscheiden, ob man rein oder zumindest schwerpunktmäßig zu Kommentar- und Kritikzwecken bestimmte, komplette und in sich geschlossene (oft stark überzeichnete) Settingelemente postuliert oder ob man eine grundlegende Prämisse hernimmt und die halbwegs fundiert weiter denkt.

Fürs Rollenspiel eignet sich mMn mit ganz wenigen Ausnahmen nur der zweite Ansatz.
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